Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

15.10.1982 - 

Alfaskop-Bildschirmterminals bei der Mannesmann-Rexroth-Gruppe

Gemixte DV-Lösung für Hydromatik-Probleme

Halbwegs zwischen dem schlanken Ulmer Münster und den wuchtigen Kühltürmen des Kernkraftwerkes Grundremmingen liegt ein Industriekomplex der Mannesmann-Rexroth-Gruppe. Die Rexroth-Tochter Hydromatik GmbH produziert hier ölhydraulische Geräte für Baumaschinen und Fahrzeuge. Auf dem gleichen Gelände fertigt Mannesmann-Tally EDV-Drucker. Für die beiden Firmen und die Schwestergesellschaft Brüninghaus in Horb/Neckar hat Hans Kleinwort (52), Leiter Organisation und Datenverarbeitung, eine EDV-Organisation aufgebaut, die man zumindest konsequent, wenn nicht gar vorbildlich nennen kann. Die Historie dieser Entwicklung ist zugleich eine Art Bilderbuchgeschichte aus Computerland.

Vom Betriebsgelände am Donauufer geht der Blick zum Klosterberg Oberelchingen. Hier gewann Napoleon 1805 mit nur 8000 Soldaten gegen rund 15 000 Österreicher eine entscheidende Schlacht. Als der Mathematiker Hans Kleinwort, der sich bis dahin mit der Konstruktion optischer Systeme beschäftigt hatte, seine Aufgabe als Organisationsleiter bei Hydromatik übernahm, sah er sich einem ähnlichen Mißverhältnis der Kräfte gegenüber: Eine Menge ungelöster Probleme, aber Null Computer. Zur Verfügung standen lediglich ein paar alte Tabelliermaschinen und - in der Buchhaltung - zwei "antike" Buchungsautomaten. Schlimmer noch: Kleinwort hatte auch keinerlei Organisations- oder gar EDV-Erfahrung. Seine Computerkenntnisse beschränkten sich auf den gelegentlichen Umgang, den der Optik-Entwickler mit einer ehrwürdigen Z 23 (Zuse-Rechner) hatte, die in Ulm installiert war.

Der leidenschaftliche Bridgespieler Hans Kleinwort ging seine Aufgabe zugleich phantasievoll und systematisch, sozusagen mit Strategie und Taktik an.

Er hatte ein Jahr Zeit, eine EDV-Lösung für die Hydromatik-Probleme zu planen und zu konzipieren. Er nutzte die Zeit auch dazu, in Seminaren sich EDV-Wissen anzueignen und die - einem Mathematiker immerhin nicht allzu fern liegende - hohe Kunst des Programmierens zu lernen. Offenbar mit nachhaltigem Erfolg bis heute, denn, so Kleinwort: "Ich programmiere ausgesprochen gern und gut".

Der damals immerhin schon 40jährige EDV-Eleve setzte das Gelernte dann auch sogleich in Programmierdaten um. Es entstand ein Programm für die Materialabrechnung, das zunächst extern auf einer IBM 360/25 bei der Schwestergesellschaft Kronprinz in Solingen lief. 1972 installierte Kleinwort das gleiche System in Elchingen, neben der Materialabrechnung lief nun auch die Lohn- und Gehaltsabrechnung auf der Anlage. 1973 kam die Stücklistenorganisation hinzu. Immerhin ein pfiffiges Stück EDV: Das Programm leistet nach den Anforderungen des Vertriebes die Materialbedarfsrechnung für die Produktionsdisposition. Nachdem die Datenerfassung zunächst mit acht IBM-Lochern/Prüfern erledigt wurde, wurde sie 1974 auf ein Datensammelsystem MDS 2400 mit acht Erfassungsplätzen umgestellt.

Im Hydromatik-Rechenzentrum wechselten derweil die Computergenerationen einander ab. Das 1974 installierte System IBM 370/125 wurde zwei Jahre später gegen ein größeres - übrigens wie alle Systeme - gemietetes Modell ausgetauscht. 1978 hielt eine 370/138 Einzug, wiederum zwei Jahre später ließ Kleinwort eine IBM 4341 aufstellen. Am unter DOS laufenden System mit 4 MB Arbeitsspeicher hängt allerhand dran: unter anderem insgesamt drei Plattenlaufwerke von IBM, sechs BASF-Plattenlaufwerke, drei Bandmaschinen, ein Zeilendrucker (72 000 Zeilen pro Stunde), Steuereinheiten, Locher und Stanzer - und last not least - rund 100 Alphaskop-Bildschirmterminals von Ericsson (vormals Datasaab). 1983 plant Hans Kleinwort den nächsten Systemwechsel, natürlich eine Nummer größer, denn die Aufgaben wachsen schließlich auch. Die Hydromatik GmbH hat rund 1600 Beschäftigte, davon etwa 400 in der Verwaltung. Aber das Rechenzentrum arbeitet auch für Mannesmann-Tally und für die über Standleitung angekoppelte Firma Brüninghaus in Horb/Neckar. Allein im Materialbereich sind für Brüninghaus und Mannesmann-Tally jeweils 40 000 Teile zu bewirtschaften, bei Hydromatik sind es rund 60 000, die Stücklisten umfassen sogar rund 300 000 Positionen.

Um die Datenberge abzutragen, arbeitet das Rechenzentrum täglich - außer Wochenende - in zwei bis zweieinhalb Schichten. Kleinworts EDV-Mannschaft umfaßt 23 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, darunter acht Programmierer, drei Organisatoren und acht Datenerfasserinnen.

Buchen am Bildschirm

Die Anregung, Bildschirmterminals einzusetzen, kam aus der Buchhaltung. Dort waren die beiden Buchungsmaschinen inzwischen so klapprig geworden, daß Ersatzteile aus der einen zur Reparatur der anderen Maschine verwendet werden mußten. Mitte der 70er Jahre war noch die große Zeit der MDT, folgerichtig dachte Kleinwort zunächst an den Einsatz eines Magnetkontencomputers. Doch dann wurden für die Buchhaltung vier IBM-Bildschirme installiert, zugleich mit einem Programmpaket für Finanzbuchhaltung von IBM. Nach intensiver Einarbeitung der Mitarbeiter, die nun am Terminal buchten, waren die Erfahrungen gut. Nur eines war schlecht: Der Anschluß von Mannesmann-Tally-Arbeitsplatzdruckern an die Bildschirmterminals von IBM erwies sich als nicht machbar.

Auf der Suche nach einem geeigneten Bildschirmterminal - "Allzuviel war ja gar nicht auf dem Markt", erinnert sich Kleinwort - stieß er auf Alfaskop und damit war der Wechsel programmiert. "Billiger war's natürlich auch", kommentiert der EDV-Chef die Entscheidung, die in kurzer Zeit erstaunliche Folgen haben sollte. Denn bis heute sind in Elchingen und Horb rund 100 Alfaskop-Geräte installiert, davon 30 mit Tally-Druckeranschluß.

In Horb stehen neben zwei MDS-Systemen für Datenerfassung und RJE zehn Alfaskop-Geräte, der Datenverkehr erfolgt über Standleitung. Lokal über Leitung hat auch Mannesmann-Tally Zugriff auf das Rechenzentrum, 40 Terminals sind dort in Betrieb. Rund 20 Bildschirmgeräte benutzt die EDV-Mannschaft. Die übrigen Terminals sind über die Fachabteilungen verteilt, bis hinein in den Betrieb.

Überhaupt streckt der Computer seine Fühler bis in das Produktionsgeschehen vor - das soll noch ausgebaut werden. Ein Beispiel, das schon realisiert ist: Die Bestandsführung für das Hochregal-Materiallager liegt beim Rechenzentrum. Per Datenträgeraustausch - hier ist es ein Magnetband - füttert das RZ täglich einen DEC-Rechner, der die Materialentnahme steuert und den Vollzug wiederum an das RZ meldet. "Sowas könnte man natürlich auch online machen", sinniert Datendirigent Kleinwort.

Ein anderes Beispiel: Die Gesamtorganisation per EDV und Bildschirm ist so angelegt, daß sich Auftragsannahme und Bearbeitung, Datenerfassung, Auftragsbestätigung, Terminplanung, Montagedisposition (Stücklisten), Materialentnahme, Fertigmontage, Versandanzeige, Faktura, Sollstellung in der FiBu und anderes nahtlos aneinander reihen. Daß die Faktura auch noch mehrsprachig möglich ist, findet Hans Kleinwort nicht einmal besonders erwähnenswert. Beim Bridge gibt es offenbar ganz andere Probleme.

Schöner als die Eisenbahn

Die Einführung der Bildschirmarbeitsplätze ging offenbar recht reibungslos über die Hydromatik-Bühne. Der Betriebsrat hatte keine Einwände, die Mitarbeiter fanden sich nach intensiver Information und Einarbeitung bald zurecht. Allerdings, meint Hans Kleinwort, muß man von der organisatorischen Seite auch eine ganze Menge tun, damit Bildschirmarbeit nicht zum Frust wird.

"Ganz entscheidend sind die Responsezeiten am Terminal, sonst drehen die Mitarbeiter durch", weiß er aus Erfahrung zu berichten. Und: "Bedienungsführung und Masken müssen einfach und übersichtlich sein, sonst sind die Mitarbeiter überfordert".

Alles in Allem: Der Betrieb mit Alfaskop klappt. Das muß er auch. Denn, so Kleinwort: "Unser Betrieb ist so auf die EDV zugeschnitten und umgekehrt, daß ein Systemausfall eine mittlere Katastrophe bedeutet. Wenn der Computer nicht läuft, läuft gar nichts mehr". Zumindest bei einem Hydromatiker ist per Alfaskop die Arbeit in schiere Lust umgeschlagen. Nachdem er sich mit dem Gerät vertraut gemacht hatte, erklärte er dem EDV-Chef: "Was Sie mir da auf den Schreibtisch gestellt haben, rangiert für mich noch vor meiner elektrischen Eisenbahn".

Freie Fahrt für große Pläne

Derweil hat Chefeisenbahner Hans Kleinwort schon das Signal auf "Freie Fahrt" in die Hydromatik-Computerzukunft gestellt. Mit einem neuen, größeren EDV-System sollen auch große Pläne verwirklicht werden - die Arbeitspläne nämlich sollen auf das System übernommen werden. Dazu gehören Online-Datenerfassung und die Erstellung eines Teils der Fertigungspapiere. Auch die Betriebsdatenerfassung steht im neuen Kursbuch. Textverarbeitung für einen Großteil der Korrespondenz mit Zugriff auf die Dateien ist in Vorbereitung. Trotz aller EDV-Begeisterung ist Hans Kleinwort aber alles andere als ein Automatisierungsfan. "Büroautomation, das ist ein Schlagwort. So wie sie jetzt angekündigt wird, kommt sie hoffentlich nie. Ich halte sie nicht mal für wünschenswert, sondern für unmenschlich".

Für wünschenswert hält Bridgespieler Kleinwort aber ein ganz privates EDV-Projekt. Personal Computer interessieren ihn, obwohl er sich bis jetzt noch nicht damit beschäftigt hat. "Man müßte doch ein Programm machen können, mit dem sich die Bridgespiele abrechnen lassen, das ist nämlich ganz schön kompliziert", meint er. Was wäre denn ein Mann ohne Spielzeugeisenbahn.