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21.03.1980 - 

Klassische Konflikte blockieren Diskussion um Büro der Zukunft:

Gemütliche Mehrleistung wäre wünschenswert

DÜSSELDORF - Vorwiegend um die Frage der Arbeltseinstellung des Mitarbeiters Im Büro drehten sich Vorträge und Diskussionen auf dem 2. Düsseldorfer Büroforum Anfang März. Es gelang den Anwesenden jedoch nicht zu klären, welche Faktoren für eine ideale Büroatmosphäre wichtig, welche vernachlässigbar seien (CW-Nr. 11, Front). Hier nun die wichtigsten Gedanken aus den zu Gehör gebrachten Vorträgen.

Da der Schirmherr der Veranstaltung Erwin Stahl, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung und Technologie, verhindert war, wurde nach einer kurzen Begrüßung Klaus Luft, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Nixdorf Computer AG in Paderborn, das Wort übergeben. Luft sprach unter anderem davon, daß durch sinnvolle Nutzung gewonnener "freier" Arbeitskapazitäten Freiraum für Aus- und Weiterbildung gewonnen werden könne. Zur Akzeptanz der neuen Arbeitsgeräte sei noch viel beizutragen: Sprachverarbeitung, Mehrfunktionsarbeitsplätze, Ausweitung der Elektronik-Nutzung im privaten Bereich und Übernahme von Routinetätigkeiten durch den Computer sollten das elektronische Gerät selbstverständlich und angenehm machen helfen. Luft meint, Humanität und Produktivität am Arbeitsplatz bei mehr Freizeit seien realisierbar. Abschließend brachte Luft ein Beispiel aus dem eigenen Hause: "Wir haben uns vor zwei bis drei Jahren entschlossen, auch Sonderschüler und geistig Behinderte einzustellen. Obwohl diese Menschen normal entlohnt werden, konnten wir effizient arbeiten. Es stellte sich sogar heraus, daß einige der Angestellten durch die Anerkennung ihrer Arbeit plötzlich keine Behinderung mehr aufwiesen und in die normalen Produktionsstätten übernommen werden konnten."

Dr. Carl Friedrich Schuh, Geschäftsführer bei TE KA DE Felten & Guilleaume, Nürnberg, wies darauf hin, daß "in der Nachrichtentechnik erstmalig auch Software eingesetzt werde, die ein großes Finanzproblem darstelle". Das Problem der Informationsablage oder Speicherung sieht er mit einer geeigneten "Papierwegschmeiß-Verordnung" gelöst. In Schuhs Version vom "Büro der Zukunft" kommuniziert der Chef über diverse Einrichtungen direkt mit seinem Ansprechpartner, während die Sekretärin aus Textbausteinen die nötigen Briefe "komponiert". Funktionell steige sie da bei auf, da sie jetzt drei Chefs gleichzeitig dienen könne.

Ministerialrat Jürgen Kanzow vom Bundesministerium für das Post und Fernmeldewesen (BMPF) klärte kurz die Hintergründe der neuen Fernmeldedienste für Textkommunikation, Telefax (Fernkopierer), Bürofernschreiben, Bildschirm- und Videotext, die den Informationszugriff erweitern und die Dezentralisierung der Textkommunikation beschleunigen sollen. Bis Mitte der 80er Jahre werde ein Hybridgerät, halb Faksimileübertragungseinrichtung halb Bürofernschreiber zur Verfügung stehen; der Benutzer könne damit je nach Erfordernis nicht-textgebundene Information mit entsprechend langer Übertragungszeit oder Texte in kurzen Übertragungsperioden an den Kommunikationspartner schicken. Teletex soll uns 1981 zur Verfügung stehen; die Post ist immer noch zuversichtlich, den Bildschirmtextdienst bis 1982 realisiert zu haben. Auch Kanzow vermutet die größten Schwierigkeiten auf dem Softwaresektor. Die Einsparung zu vieler Arbeitsplätze sieht er nicht als reale Gefahr.

Dr. Gerd Eisenbeiß, Regierungsdirektor im Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT), beschloß die Vortragsreihe. Er warnt vor "blinder Technikeuphorie" und erklärt, die Industrie sei mittlerweile weit genug, sich aus eigenen Mitteln fortzuentwickeln. "Die Förderung von DV-Produktentwickiungen oder gar ganzer Rechnerfamilien wird nicht fortgesetzt; auch auf dem Gebiet der DV-Anwendungen ziehen wir uns von der Aufgabe zurück, der Datenverarbeitung neue Anwendungsbereiche zu erschließen." Um jedoch international wettbewerbsfähig zu bleiben, will das Forschungsministerium einige Gebiete dennoch weiterhin fördern. Es sind dies die Grundlagen der Systemtechnik, die Mustererkennung (Sprache, Grafik), die Datenkommunikation und die Softwaretechnologie. "Schnittstellen und Kompatibilitäten rasch zu klären, ist wesentlich für die Innovationsgeschwindigkeit. Auch Eisenbeiß spricht schließlich die Humanisierung der Arbeitswelt an. Die Förderschwerpunkte befassen sich mit "Menschengerechte Informationstechnik für Büro und Verwaltung" und "Humanisierung der Arbeit". Den Bereich Wirkungsforschung versucht er für die Computertechnik am mangelhaften Beispiel der Kernenergie zu rechffertigen. Zwar gelte jener Kalauer "Prognosen sind schwierig - insbesondere, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen", die

Wirkungsforschung solle jedoch trotzdem Diskussionsmaterial bereitstellen, um nicht blind in irgendwelche "Glaubenskriege" zu rennen.

Vor der Podiumsdiskussion, die keine prinzipiell neuen Fakten mehr zu Tage förderte, umriß Andreas Drinkuth von der IG-Metall noch kurz seine Thesen. Die Gewerkschaften befänden sich gegenüber der Informationstechnologie in einer "ja - aber" -Position. Ihre Forderungen seien der "Mischarbeitsplatz" und Lösungen wie etwa die "Pausenregelung für die Bildschirmarbeitskräfte". Durch die Freisetzung von Arbeitszeit solle die Gemütlichkeit am Arbeitsplatz gefördert werden. Dieser gemütvolle Beitrag des Gewerkschafters förderte die Gemütlichkeit der Veranstaltung leider nicht.