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30.09.1983 - 

Frankreichs Ministerpräsident eröffnete die IFIP

Gene Amdahl kündigt 370-Riesenchip an

PARIS (eks) - Welche Bedeutung Frankreich der Informationsverarbeitung zumißt, zeigt, daß Premierminister Pierre Maurois die Eröffnungsansprache zur IFIP hielt. Vom 19. bis 23.September 1983 fand in Paris dieser 9. Weltcomputerkongreß statt. Über 2000 Teilnehmer, darunter 1500 französische, waren für fünf Tage mit Vorträgen und Diskussionen über den letzten Stand der Informationsverarbeitung in der französischen Hauptstadt

zusammengekommen.

Die Veranstalter hatten ein überkomplettes Programm zusammen- gestellt. Sich einen Überblick über die Informationsverarbeitung zu verschaffen, scheint aber nicht mehr möglich. Zu vielfältig sind die Forschungs- und Anwendungsgebiete, und so wie es keinen "medizinischen" Kongreß mehr geben kann, sondern nur Spezialistentagungen, so zerfällt auch ein Computerweltkongreß in voneinander unabhängige Vortragsreihen.

Auf dem Gebiet der Computerhardware und Architektur wurde die dramatische Änderung durch die ICs diskutiert. Waren in der Vergangenheit die Anstrengungen darauf gerichtet, sparsam mit Hardware umzugehen, so wird heute und in Zukunft ein immer größerer Teil der Leistung, der Benutzerfreundlichkeit

für Unterstützungsaufgaben eingesetzt. Welche "Co-Prozessoren" der

Anwender erwarten kann, ließ Gene Amdahl durchblicken. Seine (dritte) Firma Trilogy will ab 1985 mit einem "Riesenchip" auf den Markt gehen, der den gesamten 370-Code verarbeitet. Diese Funktionen sollen auf einem sogenannten "Wafer", einer Scheibe aus Silizium-Monokristall untergebracht werden. Sie umfasse die komplette Steuereinheit einer 370, ein Cash-Memory sowie die Kanäle. Mit der Umwelt ist der Riesenchip mit mehr als 1000 Kontakten verbunden. Die Wärmeabgabe dürfte etwa 1 KW betragen und wird durch Wasserkühlung abgeleitet. Als problematisch sieht Amdahl derzeit noch die Leistungsaufnahme.

Sie wird auf rund 100 Ampere geschätzt. Amdahl vermied es, auf die verwendete Resonanztechnik einzugehen, ließ aber durchblicken, daß man MTBF-Zeiten von mehreren Jahren erwarten könne. Der Riesenchip wird in Irland gefertigt werden und so "bepreist" sein, daß "die anderen PCMs vom Markt gefegt werden".

IBM-Workstation "925"

Ein auch für IFIP noch neues Gebiet sind Büroinformationssysteme IBM benutzte den Kongreß zur Vorstellung eines Prototyps für eine Workstation-Familie mit dem Arbeitstitel "925". Bei den bisherigen Versuchsanordnungen vermied IBM eigene Entwicklungen und beschränkte sich auf die Verwendung von Standardbauteilen. Aus mehreren Anordnungen dürfte sich eine Drei-Prozessor-Maschine mit Motorola 68000 als preis-/leistungsmäßig

günstigste herausgestellt haben. Das System verfügt über Farbbildschirm LAN-Anschlußboard, Eingabetablett, eingebautes Modem, Spracherkennung, Sprachausgabe. Bei einer Leistung von mehr als 1 AIPS und einem Preis um die 10 000 Dollar kann die "925" sicher für einige Bewegung im Büromarkt sorgen. Nicht allzuviel Zukunft gibt man der jetzt so modernen "Maus". Nur Jugendliche verfügten über die zur Bedienung nötige Augen-Hand-Koordination. Bei Menschen über 20 lasse diese Fähigkeit rasch nach. Das wurde in einer Sitzung über alternative Ein-/Ausgabetechnik festgestellt.

Viel Zeit war schließlich auch sozialen, ökonomischen und Bildungsfragen gewidmet. So wurden für neue Technologien und Dienstleistungen gesellschaftliche Kontrollen gefordert ohne allerdings die Realisierbarkeit solcher Mechanismen in einem marktwirtschaftlichen System auch nur zu skizzieren.

Der Computereinsatz in den Schulen bewegt sich möglicherweise auf dem völlig falschen Weg. Denn Computer würden vor allem zur Lösung von mathematischen Problemen ein gesetzt (nach einer US-Untersuchung zu 85 Prozent). Kaum gelehrt werde, wie mit Situationen aus dem späteren Berufsleben der Schüler umzugehen ist.

Zunehmende Abhängigkeit

Besorgt sind die Experten auch über die zunehmende Abhängigkeit des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens vom Funktionieren immer komplexerer Applikationen. Einige Sprecher bedauerten, daß es bislang kein "Three Miles Island" zur Wachrüttelung der Verantwortlichen gebe.

Wissen und Ressourcen bei Informationsbearbeitung sind auf der Welt weiterhin ungleichmäßig verteilt. Dies zeigte auch der IFIP-Kongreß selbst. Von den fast hundert Sprechern kamen 30 aus dem englischen Sprachraum, 41 aus Westeuropa, 15 aus Japan, acht aus Osteuropa. Afrika, Asien und Südamerika waren mit sechs Sprechern vertreten. Und wo derzeit Resultate erwartet werden, liegt die Verteilung der sogenannten "Invited tapers", also der Vortragenden, die persönlich eingeladen worden waren. 42 Prozent von ihnen kamen aus Nordamerika, 15 Prozent aus Japan und 20 Prozent aus Westeuropa, wobei Paris als Veranstaltungsort sicher noch eine Rolle gespielt hat. Zur Verbesserung dieser Situation wird die Unesco bei ihrer nächsten Generalversammlung im Oktober ein eigenes Entwicklungsprogramm zur Informationsverarbeitung für Entwicklungsländer starten. Der Unesco-Generaldirektor Mahthr M. Bow will mit diesem Programm ärmere Nationen ermutigen und Technologietransfer fördern.

Neben aller Theorie wurden die versammelten Fachleute aber auch mit den Widrigkeiten der Praxis konfrontiert. Teletel: Die Gesellschaft wollte die Konferenzteilnehmer mit einem eigenen Informationsdienst verwöhnen. Er fiel aus - die Menschen streikten.