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10.07.2014 - 

Bring your own device

Generation Y will flexibel arbeiten

Bernd Reder ist freier Journalist mit den Schwerpunkten Netzwerke, IT und Telekommunikation in München.
Jüngere Beschäftigte wollen sich nicht mehr vorschreiben lassen, mit welchen technischen Hilfsmitteln sie ihren Job zu erledigen haben. Die IT-Abteilung muss sich mit dem Thema "Bring your own device" auseinandersetzen.

Die Zeiten, in denen Beschäftigte jeden Morgen brav um 9 Uhr im Büro erscheinen und dort bis 17 oder 18 Uhr ihren Tätigkeiten nachgehen, neigen sich dem Ende zu. Das prognostizieren Beratungsfirmen, Vertreter der IT-Industrie - und nicht zuletzt Zukunftsforscher wie Matthias Horx: "Die Ära des Arbeitsplatzes neigt sich dem Ende zu. 'Platz!' sagt man im 21. Jahrhundert zu seinem Hund, aber nicht mehr zur Arbeit."

Nicht nur jüngere beschäftigte nutzen ihre privaten Smartphones für geschäftliche Zwecke. Laut Bitkom tun dies rund mehr als 70 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland, gleich, ob das von der IT-Abteilung abgesegnet wurde oder nicht.
Nicht nur jüngere beschäftigte nutzen ihre privaten Smartphones für geschäftliche Zwecke. Laut Bitkom tun dies rund mehr als 70 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland, gleich, ob das von der IT-Abteilung abgesegnet wurde oder nicht.
Foto: kurhan, Shutterstock.com

Selbstbestimmt arbeiten, wann und wo es einem gefällt. Ohne starre Bürozeiten und Anwesenheitspflicht, aber jederzeit Zugriff auf Daten und Kommunikationsmittel, die notwendig sind, um den "Job zu tun". Das fordert Microsoft in seinem "Manifest für ein neues Arbeiten", das der IT-Konzern Ende April 2014 in Berlin vorstellte. Darin ist von einer besseren Balance zwischen Beruf und Privatleben die Rede, der Abkehr vom "9-to-5-Job" und den Vorteilen der virtuellen Teamarbeit. "Was spricht dagegen, Arbeit und Freizeit miteinander zu mischen?", fragt Thorsten Hübschen, Business Group Lead der Microsoft Office Division. Der Wissensarbeiter von heute habe die Arbeitsmittel bei sich: Smartphones, Tablets und Notebooks, in Kombination mit dem Zugriff auf das Internet, auf Daten und Anwendungen in einer Cloud-Computing-Umgebung und auf Enterprise-Social-Media- und Collaboration-Plattformen wie Yammer und Lync.

Die Realität: Anwesenheit ist Pflicht

Doch in der Arbeitswirklichkeit dominieren in vielen Unternehmen noch traditionelle Muster, kritisiert Holger May, Geschäftsführer der Avaya Deutschland GmbH: "Trotz Fachkräftemangels gilt die Anwesenheitspflicht als Ideal in vielen Firmen. Wollen Unternehmen ihre Mitarbeiter halten und neue Talente gewinnen, müssen sich von ihrer preußischen Beamtenmentalität trennen. Mitarbeiter wünschen sich nichts mehr als flexiblere Arbeitszeiten."

Das Argument, ein Mitarbeiter müsse unter seiner geschäftlichen Telefonnummer und E-Mail-Adresse erreichbar sein, und das setze seine Anwesenheit im Büro voraus, ist für May nur vorgeschoben: "Moderne Kommunikationslösungen ermöglichen es, dass Mitarbeiter an jedem Ort unter derselben Telefonnummer erreichbar sind. So bekommt ein Anrufer gar nicht mit, ob der Ansprechpartner im Büro ist, im Auto sitzt oder von zuhause aus arbeitet." Gleichzeitig könnten Meetings als Videokonferenzen organisiert und wichtige Dokumente virtuell von überall bearbeitet werden. "Damit diese Arbeitsweise in deutschen Firmen Einzug halten kann, müssen sich die Verantwortlichen aber von ihren gestrigen Vorstellungen lösen", fordert der Avaya-Manager.

Jüngere Mitarbeiter meutern

Jüngere Beschäftigte, die mit Facebook, Twitter, Google+ und mobilen Endgeräten aufgewachsen sind, wollen sich nicht mehr mit Hinweisen auf vermeintlich bewährte Prozesse abspeisen lassen. Speziell Mitarbeiter, die nach 1980 geboren wurden ("Generation Y"), wollen auch am Arbeitsplatz jederzeit mobil auf Anwendungen und Daten zugreifen, die passenden Apps installieren und über Chats und Posts mit Kollegen kommunizieren. Sie fordern deutlich flexiblere Arbeitszeitmodelle, die mehr Raum für private Aktivitäten lassen.

Nicht nur die Mitglieder der Generation Y denken so. Laut Hightech-Verband Bitkom nutzt mehr als jeder zweite Internet-User über 50 Jahren auch soziale Netzwerke. Auch ältere Mitarbeiter sind mit Social Media vertraut und wollen diese im Berufsalltag einsetzen. Das bedeutet, dass künftig auch unternehmensinterne Wikis, Blogs und Social-Media-Tools zur Grundausstattung eines Arbeitsplatzes zählen.

Vom Arbeitsplatzbenutzer zum Benutzerarbeitsplatz

Einen Paradigmenwechsel erwartet auch die IT- und Strategieberatungsfirma BWI, die unter anderem für die Erneuerung der nichtmilitärischen Informations- und Kommunikationstechnik bei der Bundeswehr zuständig ist. Bislang galt demnach laut BWI: Der Arbeitsplatz ist vorhanden und der Nutzer muss sich dessen Gegebenheiten anpassen. Künftig werden User und seine Tätigkeiten bestimmen, wo und mithilfe welcher Tools sie arbeiten. Diese Entwicklung spiegelt sich im verstärkten Einsatz mobiler Endgeräte wider, insbesondere von privaten Smartphones und Notebook-Rechnern, Stichwort "Bring Your Own Device" (BYOD). So nutzen laut Bitkom mittlerweile rund mehr als 70 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland private Smartphones für geschäftliche Zwecke, gleich, ob das von der IT-Abteilung abgesegnet wurde oder nicht.

Diese Entwicklung ist nicht zu stoppen, so Sandra Adelberger, Director Produkt-Marketing bei Acronis, einem Anbieter von Software für die Verwaltung mobiler Systeme und Anwendungen: "Unternehmen wissen, dass die Produktivität ihrer Mitarbeiter steigt und es die Zusammenarbeit und gemeinsame Nutzung von Informationen fördert, wenn Beschäftigte eigene, meist hochwertige Endgeräte für ihre Arbeit verwenden dürfen." Für Adelberger ist es paradox, dass Unternehmen bislang dem Punkt wenig Beachtung schenken: "Bei Dienstfahrzeugen ist es üblich, Mitarbeitern hochwertige Modelle zur Verfügung zu stellen. Bei IT-Gadgets ist es genau umgekehrt: Die privaten Geräte der Mitarbeiter sind oft teurer und moderner als die angebotenen Firmengeräte."

Gefahr durch den Trend zu BYOD

Wird der Arbeitsplatz der Zukunft somit dadurch geprägt sein, dass jeder Mitarbeiter nach Belieben eigene IT-Systeme, Apps und Cloud-Speicher-Dienste nutzen darf - mit dem Argument, er sei dadurch produktiver und zufriedener? Nein, so Sandra Adelberger: "Eine Studie von Acronis und des Ponemon Institute belegt, dass gerade mittelständische und größere Unternehmen unternehmenskritische Informationen Risiken aussetzen, weil sie keine Richtlinien für BYOD ausgegeben haben."

So machen 44 Prozent der deutschen Unternehmen keine Vorgaben für die Benutzung privater Mobilgeräte. Nur jede dritte Firma verlangt von ihren Mitarbeitern, dass sie einfache Sicherheitsmaßnahmen ergreifen und eine Zugangssperre mittels Passwort oder PIN einrichten. Allein mit technischen Hilfsmitteln wie einem Mobile-Device-Management ist solchen Nachlässigkeiten nicht beizukommen. Die Mitarbeiter müssen sich bewusst sein, dass ihr Smartphone oder Tablet ein Risiko darstellt, etwa wenn es Geschäftsdaten enthält und Unbefugten in die Hände fällt.

BYOD: Mobile Systeme absichern

Immer mehr Mitarbeiter nutzen private Smartphones, Notebooks oder Tablets für geschäftliche Zwecke. Nach Einschätzung von Acronis sind folgende Maßnahmen erforderlich, wenn Mitarbeiter eigene Mobilsysteme einsetzen:

Mobile Device Management:Unternehmen sollten die persönlichen Mobilgeräte, über die Mitarbeiter auf das Firmennetz zugreifen, in eine Mobile-Device-Management-Lösung einbinden. Der Zugriff sollte über ein sicheres Mobile File Management-System erfolgen.

Regelmäßige Sicherheits-Audits:Die Sicherheit der vernetzten, datengesteuerten Arbeitsumgebung sollte regelmäßig überprüft werden. Das betrifft alle Endgeräte, die Verbindungen mit dem Netzwerk herstellen, den Umgang der Mitarbeiter mit vertraulichen Daten und die Suche nach Schwachstellen in der Sicherheitsarchitektur.

Integration in zentrales Verwaltungs-Tool:Die Verwaltung mobiler Geräte kann durch die Integration in das zentrale Netzwerk-Verwaltungs-Tool erleichtert werden. Dies stellt sicher, dass gesetzlichen Vorschriften und Compliance-Vorgaben eingehalten werden.

Einfache Lösungen:Mitarbeiter benötigen Zugang zu den richtigen Werkzeugen, andernfalls werden sie auf unsichere Consumer-Produkte zurückgreifen, etwa Cloud-basierte File-Sharing-Portale. IT-Abteilung muss Lösungen für das Synchronisieren und den Austausch von Unternehmensdaten bereitstellen und zentral verwalten.

Business-Continuity-Plan:Jedes Unternehmen benötigt definierte Vorgaben für Wiederherstellungspunkte und -zeiten von Daten und Anwendungen. Daher muss ein Business-Continuity-Plan für Notfälle eingerichtet werden. Administratoren und auch Anwender benötigen Schritt-für-Schritt-Anleitungen, mit denen sie ein ausgefallenes geschäftskritisches System wiederherstellen können.

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