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13.10.1995

Generationenkonflikt durch Objektorientierung Butler-Bloor-Analyse vergleicht und bewertet 5GL-Software-Tools

MUENCHEN (CW) - Thema der Butler-Bloor-Untersuchung "Leading Edge Development Tools" sind Softwarewerkzeuge der fuenften Generation. Die Studie definiert, was darunter zu verstehen ist (siehe Kasten) und bewertet 21 Produkte aus den Bereichen Mainframe, grosse Client-Server-Anwendungen, 4GLs und Objektorientierung.

Es gibt eine fuenfte Softwaregeneration, behauptet die Butler Bloor Ltd. aus dem englischen Bletchley. Andere Marktanalysten sprechen dagegen bei den gleichen Produkten von Entwicklungs-Tools der zweiten Generation. Einigkeit herrscht ueber die ersten drei Generationen, die sich durch ihre zunehmende Entfernung der Programmiersprachen von der Hardware unterscheiden. Diese Generationenfolge vom Maschinencode zu Assembler und zu Hochsprachen wie Cobol oder C scheint auch den Analysten von Butler Bloor sinnvoll, die Definition einer vierten Generation halten sie jedoch fuer problematisch.

Aus programmiersprachlicher Sicht, so das Argument, seien 4GLs wie etwa Datenbanksprachen nicht ausgekluegelter als 3GLs gewesen. Sie benutzen dieselbe Art von Verben und koennen dieselbe Art von Daten manipulieren. Was die 4GLs von ihren Vorgaengern unterscheidet, ist laut Studie der Gebrauch eines Data-Dictionarys. Damit lassen sich etwa Datenbankformate, Felder fuer den Bildschirmaufbau und fuer Reports sowie Validationskriterien definieren. Zudem stellen 4GLs in der Regel komplette Umgebungen bereit.

Die Diskussion um die 4GL-Nachfolge wurde waehrend der 80er Jahre vor allem in Europa und Japan zum Politikum. Damals wurde das Esprit-Projekt ins Leben gerufen, in dessen Rahmen eine Reihe nuetzlicher Produkte die Marktreife erlangten. Dennoch konnte weder in Europa noch in Japan eine fuenfte Generation aus der Taufe gehoben werden.

Ein Qualitaetssprung zeichnete sich dagegen in einem ganz anderen Technologiebereich ab, bei der schon weit frueher von Xerox-Park entwickelten objektorientierten Sprache Smalltalk. Kapselung, Vererbung und Klassenhierarchien sind neue Techniken, die seither alleine aus Sicht objektorientierter Sprachen die Programmierung radikal veraendern. Alle Produkte, die Butler Bloor der fuenften Generation zurechnet, basieren somit auf einer Objektarchitektur. Die 5GL-Tools zeichneten sich durch eine feinere Granularitaet aus.

Kleinere Einheiten (Objekte) liessen sich optimaler auf- und verteilen als 4GL-Anwendungen. Daher eigneten sie sich besser fuer das Client-Server-Computing. Die Produkte schirmen zudem Entwickler von physikalischen Restriktionen ab, so dass Anwendungen unabhaengig von den Zielsystemen entwickelt werden koennen.

Objekte sind in der Lage, Nachrichten auszutauschen. Jedes einzelne Objekt hat dafuer ein eigenes Interface. Auf diese Weise lassen sich Applikationen nahezu an jeder beliebigen Stelle trennen und auf Clients und Server verteilen.

Ausserdem verfuegen 5GL-Produkte ueber funktionserweiterte Bibliotheken, ueber Repositories, in dem der Quellcode und Details anderer Softwarekomponenten aufbewahrt werden koennen. Damit und mit der Technik der Kapselung ist es unter anderem leichter, Legacy-Systeme einzubinden.

Objektkommunikation ermoeglicht darueber hinaus eine Art Echtzeitverarbeitung. Dafuer waren 4GLs nicht konzipiert. In einem Warenhaus etwa, das grafisch dargestellt ist, lassen sich die Waren per Maus aus dem Regal nehmen und auf ein Foerderzeug laden. In einem Multiuser-System kann so etwas nur funktionieren, wenn die Aktion zugleich auf allen angeschlossenen Systemen ebenfalls vollzogen wird und ein automatisches Update erfolgt.

Was die Spreu vom Weizen trennt, ist bei den 5GL-Tools nach Meinung der Butler-Bloor-Autoren das sogenannte Application Partitioning. Im Zusammenhang mit einer Trennung der logischen von der physikalischen Ebene, ermoegliche erst diese Funktion effektive Client-Server-Loesungen.

Die intensive Werbung der Hersteller mit der Faehigkeit ihrer Produkte zur Partitionierung steht nach Ansicht der Butler-Bloor- Analysten in einem scharfen Gegensatz zu den tatsaechlichen Leitungen. Auf einer Skala von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter befaenden sich folgende Produkte bestenfalls in der Pubertaet: New Era (Informix), Obsydian (Synon), Uniface (Compuware) und Unify Vision (Unify). Interessanterweise, merkt die Studie an, kommen diese Produkte alle von Herstellern traditioneller 4GLs, die mit neuen Funktionen offenbar auf die "new kids on the block" reagieren: Forte (Forte), Intellicorp (Kappa/OMW), Dynasty (Dynasty), Nat Systems (NS-DK/2), Prism Technologies (Open Base) und Template Software (Snap).

Um die Produkte untereinander besser vergleichen zu koennen, teilt die Butler-Bloor-Studie die 5GLs in vier Gruppen: die IBM- Mainframe-basierten, die Werkzeuge fuer grosse Client-Server- beziehungsweise Unix-Systeme, die 4GL-Weiterentwicklungen und die reinen objektorientierten Tools.

Die beste Client-Server-Unterstuetzung unter den Mainframe-Tools schreiben die Autoren der Studie dem Nat-Systems-Produkt NS-DK/2 zu. Es verfuege ueber gute Partitionierungsmoeglichkeiten und ueber eine flexible Broker-basierte Middleware.

Unix-basierte Tools weisen gute Eigenschaften bei der Partitionierung und bei der Abschottung der logischen von der physikalischen Schicht auf. Insbesondere Forte und Snap haben das Butler-Bloor-Team beeindruckt. Forte kann die Leistung verteilter Applikationen ueberwachen, Snap verfuegt ueber Features der kuenstlichen Intelligenz.

Sonderfaelle Gain und Appware

Obsydian und Uniface fuehren die Riege der 4GL-basierten Tools an. Beide Produkte zeichnen sich laut Studie durch ein sehr funktionstuechtiges Repository aus. New Era verdient Beachtung, weil die Entwicklungsumgebung sowohl traditionelle als auch objektorientierte Entwicklung unterstuetzt. Gembase (Ross Systems) und Ideo stellten Entwicklern gute RAD-Optionen zur Verfuegung.

Sonderfaelle sind nach Einschaetzung der Butler-Bloor-Spezialisten Gain Momentum (Sybase) und Appware (Novell). Der Sybase-Zukauf enthaelt eine volle Multimedia-Entwicklungsumgebung. Appware sei unter den 21 untersuchten Produkten das ungewoehnlichste. Hauptanliegen bei seiner Konzeption war offensichtlich das Erstellen und Verbinden von Applikationskomponenten im Netz.