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24.10.1980

Generationskonflikt durch neue Programmier-Methoden?

Generationskonflikte unter Programmierern treten nach Ansicht von Paul Zuk, DV-Leiter bei der Bucher GmbH in Klettgau, vor allem dann auf, wenn sich "alte DV-Hasen" infolge einer Know-how-Lücke aufs Abstellgleis gedrängt fühlen. Zwar würden Programmierer zu Beginn ihrer Tätigkeit mit Schulungen geradezu überschüttet; sie müßten jedoch von diesem Wissen über Jahre hinweg zehren, denn permanenter Termindruck lasse im DV-Alltag kaum Weiterbildungsmöglichkeiten zu. "Für die älteren Programmierer", so DV-Chef Siegfried Eichler von Kawasaki in Frankfurt, "ergibt sich heute die unbequeme Notwendigkeit, eingefahrene und bewährte, jedoch aufwendige Verfahren zugunsten effizienterer Arbeitsmethoden aufgeben zu müssen." Nachwuchs-Programmier hätten indes den Vorteil, den Einsatz neuer Software-Werkzeuge-Methoden bereits ausgiebig auf der Schulbank geprobt zu haben. ha.

Ulrich Stern Horn & Görwitz GmbH & Co. KG, Berlin

Bei der Beurteilung der Frage, ob es unter den Programmierern einen Generationskonflikt gibt, muß vorerst selektiert werden, aus welcher "Richtung" man diese Thematik betrachtet.

Ich sehe dieses Thema ausschließlich unter Berücksichtigung meiner Erfahrungen mit Installationen der mittleren Datentechnik bei verschiedenen Anwendern. Ein Generationsproblem im Sinne Opa-Enkel, also eine rein altersmäßige Betrachtung, gibt es meiner Auffassung nach nicht, sondern Konflikte entstehen vielmehr durch die unterschiedlichen Ausbildungsrichtungen der Programmierer.

Auf der einen Seite steht heute die Generation der aus der Praxis kommenden "Softwerker" - auf der anderen die Hochschulabsolventen. Daraus ergibt sich für den Theoretiker vor allem die Schwierigkeit, sein Wissen in die Praxis umzusetzen, um es richtig auszunutzen. Der Praktiker darf sich indessen neuen Theorien, Erkenntnissen und deren Schulungen nicht verschließen.

Während der Praktiker seine Arbeit unter dem Aspekt der Aufgabenstellung sieht und diese sachlich, knapp und in einem begrenzten Umfang erledigt, sieht der Theoretiker seine Arbeit unter dem Gesichtspunkt des gegebenen Problems. Er analysiert, sucht die optimale Lösung und präsentiert ein elegantes Ergebnis. Allein dadurch verbraucht der Theoretiker mehr Zeit, Geld und mehr Maschinenkapazität. Diese Schwierigkeiten sollten jedoch nicht allein zu Lasten dieser meist jungen Leute gehen, denn sie resultieren vor allem aus deren Ausbildung.

Die Datenverarbeitung ist noch eine sehr junge Fachrichtung an den Universitäten oder Fachhochschulen Sie wurde einst von Dozenten übernommen, die selbst noch keine oder nur wenig Erfahrung auf diesem Gebiet hatten. Somit wurde sie lange Zeit nur als Randgebiet behandelt. Die Dozenten besetzten jedoch erst einmal Planstellen, womit sie die DV-Bereiche für neue praxisorientierte Personenkreise erst einmal für lange Zeit blockierten. Schwierig oder nahezu unmöglich ist es daher jetzt, Erfahrungen aus praxisbezogenen Anwendungen in die ausführende Lehre einzubringen.

Hier sehe ich ein Problem: Mit den Praktikern kann man arbeiten, und mit den Theoretikern kann man diskutieren.

Wenn manchmal die Überheblichkeit auf beiden Seiten nicht so groß wäre, könnte durch Mischung der Erkenntnisse aus praktischen Erfahrungen und Wissen der Theorie eine sehr gute Ergänzung erreicht werden.

Nur konsequente Personalpolitik und das Mischen im richtigen Verhältnis garantiert eine erfolgreiche Systemmannschaft die elegante, sinnvolle und praxisorientierte Lösungen erstellt.

Paul Zuk

DV-Leiter, Maschinenfabrik Bucher GmbH, Klettgau (IBM /34)

Unsere derzeitige EDV-Personalstruktur kennt das Problem eines Generationskonfliktes unter den Programmierern noch nicht. Dies liegt vor allem darin begründet, daß beim Aufbau unserer EDV-Abteilung vor wenigen Jahren ausschließlich junge Leute für die verschiedenen EDV-Positionen berücksichtigt wurden.

Mit einer gewissen "Generationsproblematik" wurde ich allerdings zuletzt durch verschiedene Vorstellungsgespräche konfrontiert, die ich mit Programmierern unterschiedlichen Alters und Ausbildung geführt habe. Der von jedem Bewerber auszufüllende Testbogen, der ausschließlich auf die bei uns eingesetzte Programmiersprache ausgerichtete Grundsatzfragen der Programmierung beinhaltet, brachte generell bei älteren Bewerbern schlechte bis mangelhafte Ergebnisse. Dabei kann keineswegs gesagt werden, daß es sich bei den Bewerbern mit solchen Testergebnissen um Kurzzeitprogrammierer gehandelt hat. Im Gegenteil, es befanden sich darunter meist Personen mit mehrjährigen Betriebszugehörigkeiten; also Programmierer, die sich in anderen Firmen bereits durchaus bewährt hatten.

Warum haben jedoch vor allem die älteren Programmierer bei einem Arbeitswechsel Probleme? Die meisten Programmierer wurden bereits als Spezialisten eingesetzt beziehungsweise während mehrjähriger Betriebszugehörigkeit zu Spezialisten ausgebildet. Sie besuchten die notwendigen Kurse, welche in der Regel herstellerbezogen sind und sich meistens auf das in der Firma eingesetzte System beziehungsweise auf die diesbezügliche Programmiersprache beziehen. Das heißt, ein Programmierer ist auf diesem speziellen System ein Fachmann, ist aber gleichzeitig bei einem Arbeitsplatzwechsel mehr oder weniger auf solche Stellenangebote angewiesen, welche ihm das gleiche System beziehungsweise die gleiche Programmiersprache bieten. Objektiv kann also in solchen Fällen primär nicht von einem Generationskonflikt gesprochen werden.

Die Schwierigkeiten, mit denen Programmierer bei einem Arbeitsplatzwechsel zu rechnen haben, treten in erster Linie dadurch auf daß die vielerorts noch fehlende Kompatibilität zwischen den einzelnen Herstellersystemen sowohl auf Hardware- als auch auf Software-Ebene die eigentliche Hürde darstellt. Ist bei der Einstellung eines neuen Programmierers die Programmiersprache identisch, so wirft spätestens die Frage nach dem Level des Programmierniveaus oder die Betriebssystemversion neue Probleme auf.

Bei Programmierern ist vorwiegend dann ein Generationsproblem festzustellen, wenn sie vom eigenen Unternehmen aufs Abstellgleis der EDV gedrängt werden. Sehr oft hat sich ein Unternehmen für ein EDV-System entschieden und es aber bei dieser Entscheidung belassen. Man vergißt dann auch, innerhalb der EDV auf dem neuesten Stand zu bleiben. Für den Programmierer bedeutet dies sehr oft, daß er zu Beginn seiner Tätigkeit die notwendigen Kurse für des System erhält, daraufhin aber jahrelang von diesem Wissen leben muß. Ausnahmen sind gelegentlich nur dann festzustellen, wenn der Hersteller mit einer neuen Betriebssystemversion den Programmierer zur Aktualisierung seiner Programmierkenntnisse zwingt. Private Weiterbildungsinitiativen kommen sehr oft deshalb nicht zum Zuge, weil die meisten Programmierer unter permanentem Termindruck stehen.

Siegfried Eichler Leiter EDV, Kawasaki Motoren GmbH, Frankfurt (IBM /34, ab 1981 /38)

Probleme im sozialpsychologischen Bereich aufgrund von Altersunterschieden sind von mir bei Programmierern nicht häufiger festgestellt worden als in anderen Berufsgruppen. Gerade in der Datenverarbeitung werden Gruppenprobleme durch das jahrelang trainierte Teamdenken sogar leichter und toleranter überwunden.

Spezifischer und interessanter sind die Antworten auf folgende Fragen: Unterscheiden sich Programmierer aufgrund ihres Alters in ihrem Arbeitsstil, ihrer Arbeitsweise oder im Arbeitsergebnis einer Problemlösung?

Zum Arbeitsstil: Alter und Erfahrung laufen zwar meist parallel, entsprechen sich jedoch nicht immer, denn nur aktuelles Wissen ist Macht.

Meiner Meinung nach beeinflußt und entscheidet der Ausbildungsstand den Arbeitsstil jüngerer und älterer Mitarbeiter entscheidend. Weil wir es in der DV nicht anders kennen, übernehmen frisch ausgebildete Programmierer Standards, Richtlinien, Tools und Utilities leichter, überzeugter und integrierter in ihre persönliche Arbeitsweise. Mit der heutigen ergebnisorientierten Ausbildung harmoniert der standardisierte und industrielle Fertigungsstil von Software besser als mit der ablauf- und maschinenorientierten Schulung vor acht bis zehn Jahren. Rigoros gefallene K-Preise und Bildschirmarbeitsplätze lassen es dem interaktiv trainierten Programmierer leichtfallen, den Computer auch als ein Hilfsmittel zur Programmerstellung zu sehen und nicht nur als "Engpaßausführungsmaschine" fertiger Programme. Der Kostendruck zwang bisher die Ausbilder, das Problemlösungsverhalten und damit den Arbeitsstil effizienter zu gestalten, um eine kostenadäquate Software-Realisation sicherzustellen. Für ältere Programmierer ergibt sich hier die unbequeme Notwendigkeit, eingefahrene bewährte, aber leider aufwendige Methoden zugunsten effizienterer Verfahren aufgeben zu müssen. Das "Wie" zu vereinheitlichen ist wichtig, aber aufwendig.

Wenn man die Güte von Programmen an Benutzerorientiertheit, Wartungsfreundlichkeit mit standardmäßigem Aufbau und Dokumentation oder den Aufwand in Mann-Tagen und nicht in CPU-Sekunden mißt, schneiden die jüngeren Programmierer im Arbeitsergebnis in der Regel besser ab.

In der täglichen Praxis prallen in den EDV-Abteilungen keine unterschiedlichen Welten aufeinander, so daß nicht Konfrontation zwischen Generationen, sondem eher ein Führungs-/Ausbildungsproblem entsteht. Sowohl Arbeitsstil als auch Arbeitsergebnis lassen sich durch Schulung, Überzeugungsarbeit und exakte Programmabnahmen an den heute notwendigen industriell-professionellen Stand angleichen. Bei den Youngstern in der Erstausbildung, bei den alten Hasen mit vielleicht etwas sanftem Druck in der Aktualisierungsschulung.