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24.10.1986 - 

Hans-Olaf Henkel löst am Beginn stürmischer Jahre Lothar F. W. Sparberg ab:

Generationswechsel an deutscher IBM-Spitze

STUTTGARD/ARMONK (ujf) - Ein knappes Jahr vor seinem fahrplanmäßigen Ausscheiden gibt der deutsche IBM-Chef Lothar F. W. Sparberg das Ruder an seinen Stellvertreter Hans-Olaf Henkel ab. Auch in den USA dreht sich das Managerkarussell; dabei wurde Finanz- und Planungschef Allen J. Krowe degradiert, den lnsider bisher für einen aussichtsreichen Anwärter auf die Nachfolge von President John F. Akers gehalten hatten.

Der 59jährige Lothar Sparberg wird für den vorzeitigen Verlust seines Geschäftsführerjobs auf eine im Konzern übliche Weise entschädigt: In einem einstimmigen Beschluß wählte der Aufsichtsrat Sparberg zum 1. Januar 1987 zu seinem Vorsitzenden. Der bisherige AR-Chef, Professor Walther A. Bösenberg, bis 1983 selbst Vorsitzender der Stuttgarter GmbH-Geschäftsführung, bleibt aber Mitglied dieses Kontrollgremiums. Ex-Europa-Generaldirektor Paul J. Kofmehl hingegen, in diesem Jahr in eine Kanada/Lateinamerika-Abteilung versetzt, scheidet jetzt auch aus dem schwäbischen Aufsichtsrat aus.

Der Wechsel an der Vorstandsspitze der IBM Deutschland GmbH kam für die Branche nicht unerwartet, da Henkels Kompetenzen seit seinem Eintritt in die GmbH-Führungscrew schrittweise erweitert worden waren; allerdings gingen die Beobachter davon aus, daß der Aufsichtsrat den 60. Geburtstag des Übergangschefs Sparberg abwarten würde. Der vorgezogene Generationswechsel, wird mit der schwieriger gewordenen Marktentwicklung und den offenbar auch in Europa sinkenden Gewinnen in Verbindung gebracht. Die IBM, so Insider, setze jetzt auf einen Manager, der den Höhepunkt seiner Karriere noch nicht überschritten hat.

Seit seiner Zeit im Europa-Head- quarter der IBM in Paris hatte Hans-Olaf Henkel als Kronprinz des Stuttgarter Topmanagements gegolten.

Als 42jähriger war er vor vier Jahren, damals schon zwei Jahrzehnte in Big Blues Diensten, zum Vice President der IBM Europa aufgestiegen. Im Jahr 1983 schied Walther Bösenberg aus dem Tagesgeschäft aus, doch als dessen Nachfolger war Henkel den Konzernoberen noch zu jung. So entschieden sie sich für eine Interimslösung und hievten den verdienten Alt-IBMer Sparberg auf den Chefsessel, einen Mann mit vielfältigen Kontakten in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Nach 34 Jahren Unternehmenszugehörigkeit wird er nun auf den Austragsposten versetzt. "Es werden stürmische Jahre", vertraute der neue Topmanager Henkel der "Süddeutschen Zeitung" seine Zukunftsprognose an, als wolle er andeuten, bei solcher Windstärke wäre sein eher als ruhig denn als dynamisch bekannter Vorgänger wohl ins Schlingern gekommen.

Gleichzeitig mit dem Beschluß des deutschen Aufsichtsrats gab auch die US-Zentrale einen wichtigen Wechsel in ihrem Vorstand bekannt. Finanzchef Allen J. Krowe (54), der als Architekt der hochtrabenden Pläne von Big Blue mit 15 Prozent jährlichen Wachstums gilt, wurde "abgeschossen" - so drastisch jedenfalls formulierte es ein ehemaliger IBMer gegenüber dem "Wall Street Journal". Offiziell bestreitet die Pressestelle, in Armonk zwar, daß Krowe degradiert worden sei, doch seinen Wechsel an die Spitze der Information Systems Group qualifiziert die amerikanische Wirtschaftspresse als Strafversetzung. In seinem neuen Job ist der bisherige Chief Financial Officer verantwortlich für die weltweiten Entwicklungs-und die amerikanischen Fertigungsaktivitäten bei PCs und mittleren Systemen sowie bei der Telecom-Tochter Rolm.

Krowes Nachfolger, der 52jährige Frank A. Metz jr., hatte zuvor die Information Systems & Products Group unter sich, also die Abteilung, die für die Herstellung der sogenannten "Midrange Systems" zuständig ist. Nach Ansicht amerikanischer Beobachter sind die bisher als gut eingeschätzten Chancen Krowes, nächster President der IBM Corp. zu werden, jetzt auf einen Tiefpunkt gesunken. Unter seiner kaufmännischen Ägide sanken in fünf der bisher sieben Quartale der Geschäftsjahre 1985 und 1986 die Gewinne mehr oder weniger deutlich unter den jeweiligen Vorjahreswert.

Besserung erst Ende 1987

Daß sich die Ertragslage für Big Blue kurz- oder mittelfristig wieder verbessern könnte, wird in Wirtschaftskreisen in den USA inzwischen immer mehr bezweifelt. So nimmt das lukrative Mietgeschäft zugunsten der weniger einträglichen Sparte Direktverkauf ab. Hatten Marktbeobachter an der Wall Street Anfang dieses Jahres noch einen Umschwung für das erste Quartal 1987 prophezeit, erwarten sie heute frühestens für die zweite Hälfte des kommenden Jahres eine Besserung. Erst dann könnten sich aus dem Vorruhestandsprogramm und dem Verkauf von Mittelklassesystemen der Serie 9370 positive Impulse ergeben.