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28.01.1977

"Generatoren erzwingen die Normierte Programmierung"

CW sprach mit Lukas C. Kok, Projekt-Gruppenleiter

"Systemprogrammierung" bei der Firma Merkel, Hamburg

CW: Sie arbeiten seit einigen Jahren mit einem Cobol-Precompiler. Hat sich das - vom Preis-/Leistungs-Verhältnis her gesehen - gelohnt, war der ausbildungsmäßige und organisatorische Aufwand gerechtfertigt?

Kok: Wir haben den Precompiler COSY von Hübner & Mergard seit November 74 im Einsatz und entschlossen uns nach einer mehrmonatigen Probeinstallation, das System zu kaufen. Wenn Sie nach der Effektivität fragen so lassen Sie mich zunächst die Größen der Programme erwähnen: Wir haben 70 Prozent kleinere, 20 Prozent mittelgroße und 10 Prozent große Programmkomplexe. Der Gewinn liegt eindeutig bei den vielen kleinen Programmen, bei denen wir durch den Einsatz von COSY ein Drittel bis zur Hälfte der Programmier-Arbeit einsparen.

CW:- Demnach gibt es Einsatzbeschränkungen bei großen Programmen?

Kok: Bei den größeren Programmkomplexen wird wohl gegenüber einer reinen Cobol-Programmierung ein äquivalenter Arbeitsaufwand zu erwarten sein, wobei da natürlich zu berücksichtigen ist, daß wir in hohem Maße strukturierte Programme haben, die bereits sehr leicht lesbar sind und von anderen Programmierern leicht gewartet und geändert werden können.

WC: Die Anbieter von Generatoren stellen gerade diesen letzten Aspekt als besonderen Vorteil heraus - würden Sie dem zustimmen?

Kok: Ich würde sogar sagen, daß dieser Gesichtspunkt, nämlich ein einheitlicher Aufbau und damit eine Erleichterung des Änderungsbetriebes, der wichtigste Punkt für die Anschaffung des Programmsystems gewesen ist.

CW: Worin besteht der Effektivitätsgewinn eines solchen Systems?

Kok: An erster Stelle, wie gesagt, steht die Normierte Programmierung, denn wir haben hier die Möglichkeit, Programme so aufzubauen, daß jemand, der aus Gründen einer Änderung mit diesen Programmen arbeiten muß, sich ohne weiteres darin zurechtfindet. Wichtig ist dabei der Gesichtspunkt, daß die Normierte Programmierung erzwungen wird.

CW: Dafür gibt es doch aber Mittel und Wege, dazu muß man doch keinen Generator anschaffen.

Kok: Wir haben vorher einen Versuch gemacht, in unseren Programmierungsgruppen Normierte Programmierung durchsetzen und sind einfach daran gescheitert, daß die Kontrolle nicht ausreichend war, das durchzusetzen.

CW: Was spricht noch für dieses Werkzeug?

Kok: In COSY steht ein Entscheidungstabellen-Generator zur Verfügung, der uns sehr viel programmkonzeptionelle Arbeiten abnimmt. Ein weiterer Punkt wäre in der Formatfreiheit der Statemen-Erfassung zu sehen, was insbesondere für den Programmier-Neuling eine große Hilfe ist. Weiter scheint mir wichtig, daß wir DBOMP-Dateien wie normale Dateien behandeln können. Und als letzten, aber nicht unwichtigsten Punkt würde ich sehen, daß der Precompilerlauf nur 20 Prozent der Zeit eines Normalcompilerlaufs benötigt, um zu klären, ob ein Programm formatfehlerfrei ist oder nicht. Man braucht also nicht jeweils das gesamte Programm in Cobol bis zu Ende durchlaufen lassen, sondern hat die Syntaxfehler sofort. Ich vermute, daß sich allein durch die reduzierte Maschinenbelegung diese Investition amortisiert hat.

CW: Wie viele Programmierer arbeiten ständig mit dem System, und wie hoch ist der Anteil der reinen Cobol- und Assembler-Programmierung heute noch?

Kok: Bei uns im Haus sind 15 Organisationsprogrammierer tätig, die mit COSY arbeiten. Aber auch Fremdprogrammierer, die wir sporadisch beschäftigen, haben sich leicht in die neue Programmiertechnik hereingefunden und arbeiten heute damit.

CW: Bezieht sich das auf alle Programme?

Kok: Betrachtet man die Neuprogrammierung, so würde ich schätzen, daß 80 bis 90 Prozent der Programme in COSY erstellt werden, der Rest sind Assembler-Programme, die das Betriebssystem abrunden sollen, sowie einige knifflige kommerzielle Programme, die mit den Möglichkeiten des Compilers nicht abgedeckt werden können. Darüber hinaus bestehen bei uns eine ganze Reihe von Unterprogrammen aus bereits vorhandenen Cobol-Programmen oder aus einem Cobol-Rahmen, die wir dann selbstverständlich in dieser Sprache modifizieren - sie sollte man hier nicht mitrechnen.

CW: Wie sind Sie bei der Software-Auswahl vorgegangen?

Kok: Bereits 1973 haben wir Überlegungen in Sachen "Precompiler" angestellt und unsere Vorstellungen konkretisiert. Aufgrund der Unterlagen, die wir dann nach und nach erhielten, schien uns das System, für das wir uns dann letztendlich entschieden haben, das geeignetste. Entscheidend aber war, daß der Hersteller uns bezüglich der zusätzlichen Forderungen, die wir hatten - insbesondere bei der Einbindung der DBOMP-Zugriffe -, weitgehend entgegenkommen konnte.

CW: Welche Arbeiten erledigen Sie heute auf der Maschine?

Kok: Im Prinzip arbeiten wir im Batch bereits seit einigen Jahren auf allen Standardgebieten industrieller Fertigungsbetriebe. Dazu eine allgemeine Erläuterung vorab: Als ein mittlerer Hersteller von hochwertigen Dichtungselementen betonen wir bewußt unsere Stärke: Höhere Flexibilität gegenüber Kundenanforderungen und besseres technisches Know-how als unsere großen Konkurrenten. Die

Voraussetzung dafür ist allerdings die Transparenz des Betriebsgeschehens und damit auch die Flexibilität der Informationverarbeitung. Wir arbeiten daher schon relativ lange mit der jeweils neuesten Informationstechnologie auf allen Standardgebieten industrieller Fertigungsbetriebe. Auf allen diesen Gebieten haben wir die Stufe der Abrechnung bereits vollzogen und sind jetzt dabei, die Dispositionsstufe zu realisieren, haben sie schon auf einigen Gebieten. Im Realzeit-Betrieb kommt seit einiger Zeit dazu ein Auskunftssystem über Lagerbestände, Auftragsbestände, Kundenstammdaten, Teilestammdaten, also Informationen für Verkauf und Fertigung. Dazu die Abwicklung eines chaotisch organisierten Hochregallagers. Als Vorbereitung für die Fertigungssteuerung erstellen wir schließlich die Fertigungspläne automatisch aus den Teiledaten und anderen fertigungsrelevanten Information über Bildschirm.

CW: In welchen betrieblichen Funktionsbereichen liegen Ihre Anwendungen?

Kok: Wir als EDV verstehen uns als Service-Abteilung für die Bereiche Finanzen, Vertrieb, Fertigung, Materialwirtschaft, Personalwesen. Für jeden dieser Bereiche stellen wir eine Projektgruppe zur Verfügung, die sich speziell mit den Belangen der einzelnen Funktionsbereiche beschäftigt. Die Abwicklung wird abgedeckt durch das Rechenzentrum einschließlich Datenerfassung - ergänzt werden die Projektgruppen durch eine Gruppe "Allgemeine Organisation."

CW: Sie haben früher mit einer 360/20 gearbeitet. Aus dieser Zeit besteht sicher eine Menge von RPG-Programmen. Wie gestaltete sich die Umsetzung dieser RPG-Programme auf die große Maschine, und war Ihnen dabei der Precompiler eine Hilfe?

Kok: Seit 1968 entstanden bei uns etwa 600 RPG-Programme. Erst jetzt haben wir das Werkzeug, diese RPG-Programme mit geringem Aufwand umschreiben und dabei auf den neuesten Stand bringen zu können. Das erfolgt verständlicherweise nur im Zuge einer größeren Änderung, ein Teil der RPG-Programme bleibt weiterhin in der ursprünglichen Form erhalten.

CW: Würden Sie es für sinnvoll halten, den Precompiler auch den Fachabteilungen zur Verfügung zu stellen?

Kok: Grundsätzlich halten wir es für möglich. Das hängt jedoch ab von der Qualifikation der Leute.

Lukas C. Kok (36)

Den gebürtigen Amsterdamer verschlug ein merkwürdiger Zufall nach Hamburg: 1967 nach Schweden unterwegs via Hamburg, ging in der Hansestadt sein Auto kaputt - seit dieser Zeit ist der gelernte Apotheker in der Elbestadt ansässig. Kok ist seit 1968 bei der Firma Merkel in der Organisation tätig.

Hier: Einführung 360/20; Umstellung der Buchhaltung (Kreditoren, Debitoren, Lohn und Gehalt, Lagerbestandsführung); Umsteigen auf 360/25, Einführung einer aktiven Terminverfolgung; Einführung des D-BOMP, Umstellung auf 370/125, damit verbunden die Installation eines TP-verwalteten Hochregallagers. Heute ist Kok als Projekt-Gruppenleiter bei Merkel zuständig für die Systemprogrammierung im Fertigungsbereich und mitverantwortlich für die Software-Auswahl.