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11.11.1983 - 

Cobol-Generator im Feldversuch des Softwaretest e. V.:

Generierte Programme sind meßbar überlegen

KÖLN - Ein positives Testergebnis erzielte der Cobol-Generator "Gencob" bei einem Feldversuch des Softwaretest e. V. (STEV) aus Ulm. Rund fünf Monate testeten zehn Unternehmen aus acht Branchen den Programmgenerator der Berliner Systementwicklung Volker Raschke. Harte Kritik übten sie jedoch an der Benutzerdokumentation. Joachim Engelke. Leiter der STEV-Geschäftsstelle Köln, hat in seinem folgenden Bericht die Ergebnisse zusammengefaßt.

Den stärksten Eindruck bei den Teilnehmern des Feldversuchs hinterließen die Ergebnisse selbst: Die "generierten" Programme sind, so die übereinstimmenden Testergebnisse, qualitativ den "handgestrickten" Cobol-Programmen an Sicherheit und Zuverlässigkeit, Strukturiertheit, Transparenz, Effektivität Effizienz und Wartbarkeit meßbar überlegen. Da die Cobol-Programme die wahrend des Versuchszeitraums entstanden sind, auch ohne Generator weiterhin verarbeitet und gepflegt werden können, bleibt dieses Ergebnis noch einige Zeit nachprüfbar erhalten.

Einig waren sich die zehn Teilnehmer jedoch auch bei der Kritik an der Benutzerdokumentation. Zwar erhielt das umfangreiche Manual die Antworten auf alle Fragen - aber keiner wußte, wo sie standen Eine Überarbeitung des Handbuches haben die Berliner bereits begonnen.

Vor dem Start des Feldversuchs hat Softwaretest e. V. den Programmgenerator einer gründlichen Prüfung auf seine Funktionssicherheit unterzogen. Das Prüfungsergebnis ist in einem Testbericht festgehalten, der auszugsweise allen Feldversuchsteilnehmern vorgelegt wurde. Auf eine Einladung des STEV an 150 Unternehmen im Raum Köln und in Berlin bekundeten knapp 30 Firmen Interesse an diesem Test, der fast völlig frei von Formalitäten wie etwa Lizenzverträgen ablief. Nach Einsicht in die Testbedingungen unterschrieben zehn DV-Manager ein Revers, das sie lediglich dazu verpflichtete über die durchgeführten Testanwendungen ein Protokoll zu führen Ein > entsprechende Checkliste zu diesem Protokoll gab STEV vor.

Beteiligt waren neben zwei mittleren Industrieunternehmen die Rechenzentren einer Universität und einer Hochschule, eine Versicherungsgesellschaft, zwei Verlage, eine Bundesanstalt, ein Softwarehaus mit Unternehmensberatung und - last not least - eine Zentralniederlassung des Hauses Siemens. Eine der Teilnahmebedingungen war nämlich das Siemens-Betriebssystem BS2000, das der Generator zur Zeit noch als Umgebung braucht (die Anpassung an die IBM-Betriebssysteme ist begonnen). Allerdings hat sich Siemens jeder weiteren Äußerung enthalten und lediglich das Installationsband wieder zurückgeschickt.

Der Teufel steckt im Detail

Nicht nur am Rande notiert sollen die Schwierigkeiten sein, mit denen heute noch DV-Abteilungen kämpfen. Ein Teilnehmer verwendet Terminals, die nicht Siemens-kompatibel sind und der deshalb den Dialogteil des Generators nicht benutzen konnte, ein anderer hatte nicht genügend freien Speicherplatz auf der Systemplatte.

Während des gesamten Tests, bei dem einige Dutzend Programme generiert wurden, trat ein einziger Fehler auf, der seine Ursache im Generator selbst hatte: Beim Wechsel einer bestimmten Bildschirmmaske kam es unter sehr speziellen Bedingungen zum Programmabbruch. Der Fehler wurde noch während der Versuchsdauer behoben.

Die Auswertung der Testprotokolle ergab einen negativen Bewertungspunkt und acht positive: Allgemein bemängelt wurde das Benutzermanual Einzelne Teilnehmer schlugen vor, aus dem vorliegenden Buch einen Teil für "Anfänger" abzuspalten und den anderen Teil als Nachschlagewerk aufzubauen.

Als positiv hervorgehoben wurden:

1. Der Generator liefert 100 Prozent reinen Cobol-Quellcode. Jeder Anwender kann selbst entscheiden, ob er die Programmpflege über die Gencob-Parameter durchführt oder direkt in der Cobol-Quelle. Eine Abhängigkeit vom Generator - wie bei vielen anderen Tools - entsteht somit nicht.

2. Alle generierten Programme sind einheitlich aufgebaut und strukturiert. Das erhöht die Transparenz und senkt die Wartungskosten.

3. Gencob generiert auch Kommentarzeilen; dadurch wird das Programm, leichter lesbar und der Wartungsaufwand weiter gesenkt.

4. Alle vorhandenen Copy-Sätze sind ohne Umstellung verwendbar. Das gilt auch für Datendefinitionen, die von Dokumentationssystemen (zum Beispiel DOKU 2000) bereitgestellt werden.

5. Der Programmierer wird durch den Generator von den üblichen Routinearbeiten, wie etwa Zwischensummenbildung oder Gruppenwechselsteuerung, entlastet. Das Produkt generiert komplette Dateiverwaltungen mit Formalfehlerprüfungen und Verwaltungsprotokollen, Listenauswertungen, Dialogprogramme und verarbeitet Entscheidungstabellen. Dadurch kann sich der Programmierer auf die eigentliche Problemstellung konzentrieren.

6. Durch Generierung von Unterprogrammen, die dann in bestehende Programmsysteme eingebaut werden, lassen sich diese schrittweise auf einen besseren Stand bringen ("Software-Sanierung").

7. Die Verwendung des generierten Cobol-Sorts führte in einigen Fällen zu erheblichen Laufzeitverbesserungen gegenüber Programmen herkömmlicher Art, die auf einem sortierten Input aufbauen.

8. Die getestete Software ermöglichte in wenigen Minuten die Erstellung von Programmen,. die ohne dieses Werkzeug erst gar nicht entstanden wären, weil ihr Erstellungsaufwand mit Cobol allein zu aufwendig erschien.

Alle Testergebnisse bedeuten in der Praxis eine Kostensenkung in der Programmierung. Die erreichte strukturierte Programmierung wirkt sich neben der Einsparung bei der Programmerstellung als Beitrag zur Kostensenkung vor allem in der Zukunft aus, denn die Kosten der Softwarewartung übersteigen schon seit langem die Investitionen in Neuentwicklungen.

Deutliche Kostensenkung möglich

Noch bei einem anderen Vorhaben des DV-Managements leistet das Werkzeug praktische Hilfe: Den Programmierkünstlern wird das Wasser abgegraben, und Codieren stellt sich immer mehr als das heraus, was es wirklich ist: als solides Handwerk.

Nachdem sich bereits während des laufenden Feldversuchs zeigte, daß Gencob von den Teilnehmern recht positiv beurteilt wurde, haben wir einige Leute befragt, die trotz des Angebots an diesem Versuch nicht teilgenommen haben. Die Antworten kamen ebenso überraschend wie einstimmig: "Wegen Überlastung der Programmierung können wir uns nicht um solche Sachen kümmern."