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29.11.2007 - 

Rudolf Schwarz | Migros-Genossenschafts-Bund Zürich

Genosse CIO wirbt für IT-Services

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Rudolf Schwarz hat die unternehmenskritischen Applikationen des Migros-Genossenschafts-Bunds (MGB) kräftig entstaubt. Im Rahmen der "IT-Strategie 2011 ff" will er zudem neue Anwendungsgebiete erobern.

Mit einem Gruppenumsatz von mehr als zwölf Milliarden Euro, knapp 80 000 Mitarbeitern und 600 Filialen ist der "orange Riese" Migros das größte Schweizer Handelsunternehmen und gleichzeitig ein Bund aus zehn Genossenschaften, die sich eine Zentrale als Tochter halten. Die besondere Struktur seines Arbeitgebers empfindet Rudolf Schwarz als hilfreich ja wirklich: "Die Geschäftsprozesse sind bei einem Genossenschaftsbund nicht anders als bei einer Aktiengesellschaft", erläutert er, "und bei der Realisierung ist es positiv, dass die Entscheidungen schon im Vorfeld mehrheitlich abgestützt sind." Über die ganze Wegstrecke betrachtet, ließen sich die Projekte auf diese Weise "tendenziell" sogar schneller umsetzen, so die Überzeugung des Migros-CIO.

Kurzporträt | Rudolf Schwarz

Geburtsjahr

1948.

Position

CIO.

Stationen

Leiter Finanzen und Informatik bei der Migros-Genossenschaft Winterthur (1994 1998), Leiter Finanzen und Informatik der Jowa AG, Volketswil (1984 1994).

Ausbildung

Rechnungslegung und Controlling.

Ein CIO muss ...

die Prozesse verstehen, beurteilen und in Systemanforderungen übersetzen.

Er liest ...

"Dshamilja" von Tschingis Aitmatow.

Unternehmen

Branche

Handel.

Mitarbeiter

80 000.

IT des Unternehmens

Mitarbeiter

270.

IT-Budget

~ 70 Mio. Euro.

Organisation

Profit-Center.

Projekte

Neubau und Vereinheitlichung der IT-Landschaft, Einführung eines zentralen Warenwirtschaftssystems.

Ziel

"Nach der erfolgreichen Erneuerung immer noch an vorderster Front der IT-Systeme stehen."

Erster Ansprechpartner in allen IT-Fragen

Der passionierte Reiter managt ein unternehmensinternes Profit-Center, das sich immer wieder aufs Neue beweisen muss. Die Leistungen, die Schwarz und seine 270 Mitarbeiter den Handelsgenossenschaften sowie den 14 angeschlossenen Industriebetrieben anbieten, konkurrieren mit den Services externer Anbieter.

Deshalb treibt der CIO kräftig Eigenwerbung: Er stellt seine Abteilung nicht nur auf einer eigenen Homepage im Internet (www.mits.ch) vor, sondern präsentiert sie auch in einer Print-Broschüre. Dort werden die angebotenen Leistungen und die wichtigsten Projekte in einer für die internen Kunden verständlichen Sprache beschrieben. "Wir wollen uns als ersten Ansprechpartner für alle IT-Fragen präsentieren", erläutert Schwarz: "Im Zweifelsfall werden wir also auch den besten externen Unterstützer finden."

Laut Schwarz sind die Migros IT-Services zunächst eines der größten SAP-Systemhäuser der Schweiz auch wenn sie "nur" das 80 000 Mitarbeiter zählende Mutterunternehmen bedienen. Seit 2003 hat der IT-Bereich des Genossenschaftsbunds daran gearbeitet, die zuvor stark dezentralisierte IT auf einer gemeinsamen Applikationsplattform zu vereinheitlichen. Mittlerweile laufen Waren- und Materialwirtschaft durchgängig auf "SAP Retail".

Jedes Jahr ein Fünftel gespart

"Die wichtigsten Applikationen stammen alle aus diesem Jahrtausend", freut sich Schwarz. Auf der Hardwareseite mündete der "Neubau der IT-Landschaft", wie der CIO ihn nennt, in eine Zwei-Anbieter-Strategie. Die Bereiche Industrie, Non-Food und Trockensortimente werden in Zürich von HP-Servern aus bedient. Die Services für die Frischeprodukte (Agrar, Milch, Fleisch) stellt die Genossenschaft Migros Aare auf IBM-Maschinen bereit.

Durch die Konsolidierung und Vereinheitlichung der Prozesse spart Migros laut Schwarz Jahr für Jahr ein Fünftel der früher üblichen IT-Betriebskosten. Darüber hinaus profitiere das Unternehmen von neuen Funktionen, die erst durch das moderne System möglich geworden seien.

Dazu gehört vor allem der "industrielle" Warennachschub: Die rund 600 Migros-Filialen bestellen ihren täglichen Bedarf nicht mehr explizit beim Distributionslager, sondern bekommen ihn an sechs Tagen der Woche automatisch geliefert. Dazu errechnet das Warenwirtschaftssystem aus der Differenz zwischen Vortagsbestand, Wareneingängen und Verkäufen nach Abgleich mit den jeweiligen Sollmengen die benötigten Warenmengen.

Derartige Lösungen sind derzeit eher die Ausnahme, wirft sich Schwarz in die Brust: "Der Handel tendiert dazu, lieber elektronische Bestellvorschlags-Systeme zu bauen", so seine Begründung, "anstatt den Bestell-vorgang an sich abzulösen."

Mehr Zeit für das Was als für das Wie

Die unternehmenseigenen Lebensmittelproduzenten, die fast die Hälfte der in den Migros-Märkten verkauften Food-Produkte herstellen, setzen seit 2003 SAP-basierende Materialwirtschaftssysteme ein, die zentral von Zürich aus betrieben werden. So lässt sich laut Schwarz eine durchgängige IT-Lösung von der Fertigung bis zum Verbraucher konstruieren.

Die Entscheidung für die SAP-Lösung traf die Migros mehr oder weniger intuitiv: "Im Großen und Ganzen leistet die IT zu viel Aufwand, um das angeblich richtige System zu evaluieren", ist seine Überzeugung. "Den Unterschied zwischen zwei Handelsunternehmen macht doch nicht die Entscheidung für SAP oder Oracle aus, sondern die Art und Weise, wie das jeweilige System eingesetzt wird."

Inzwischen laufen aber fast alle unternehmenskritischen Anwendungen auf der Software aus Walldorf. Gemeinsam mit SAP und der Universität St. Gallen hat Migros auch eine "Laborfiliale" eingerichtet, in der neue Techniken wie die RFID-Kennzeichnung auf Artikelebene oder der Self-Check-out durch die Kundschaft getestet werden. "Wir wollen an den übernächsten Technologieschritt denken, um die richtigen Entscheidungen für die nächste Zukunft zu treffen", sagt Schwarz.

Ende August haben die Genossenschaften die "IT-Strategie 2011 ff" genehmigt. Mit ihrer Hilfe will die Migros "Applikationen schaffen, mit denen wir die Kunden in unsere Filialen locken", erläutert Schwarz. Dazu gehören beispielsweise eine kostenlose Migros-Kreditkarte und ein preisgünstiger Handy-Tarif.

Mit solchen Produkten kehrt die Migros ein über Jahrhundete etabliertes Paradigma um: Der Vertriebsprozess wird nicht mehr von der Fertigung zum Kunden betrachtet, sondern rückwärts vom Verbraucher zur Produktentwicklung. Für den CIO heißt das: "Wir müssen von einer prozessorientierten zu einer konsumenten-orientierten IT werden."