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26.10.1984

Geordnetes Durcheinander

Die Endbenutzer sind der zentralen DV überdrüssig. Sie wollen partout ihr eigenes Süppchen kochen. Die Entfremdung zwischen DV-Spezialisten und Anwendern scheint jedenfalls weit fortgeschritten: Würde man alles für bare Münze nehmen, was die Herstellerwerbung zum Verhältnis "DV und Fachabteilung" zu sagen hat, was aber auch Referenten auf Mikro-Mainframe-Seminaren zu diesem vermeintlich neuralgischen Punkt anmerken, es hätte für die heutigen DV-Chefs längst ein böses Erwachen geben müssen.

Der große Krach blieb freilich aus. Ein Reizthema ist "individuelle Datenverarbeitung auf Mikros", das sogenannte "Personal Computing", für DV-Manager in mittleren und großen Unternehmen indes nach wie vor - obwohl sie Streit über Grundsatzfragen der DV-Organisation (Wie tief muß man graben, um die Mikros in Mainframe-Umgebungen zu verankern?) derzeit am wenigsten brauchen können.

"Do-it-yourself"-Computing, Emanzipation gegenüber den Computer-Fachleuten, wurde für die Benutzer das Schlüsselwort. Zu unerträglich war andererseits den DV-Verantwortlichen, daß es so etwas geben könne: einen von der Zentrale nicht kontrollierten Bereich, in dem nun offen das DV-technische Chaos herrschen sollte.

Oder ist dies eine Schimäre, eine fixe Idee, daß nämlich für den Benutzer der DV-Mann an allem Schuld sei, wie für den DV-Mann die Dreistigkeit der Benutzer ein rotes Tuch darstelle?

Versuche, das Identitätsproblem der Datenverarbeiter (Stichworte: DV als Selbstzweck, Betrieb im Betrieb) unter den Teppich zu kehren, hat es immer wieder gegeben. Der gescheiterte Versuch, den DV-Spezialisten zum Halbgott zu erklären, sollte eigentlich eine Lehre sein. Mit dem Mikro, dem Arbeitsplatzcomputer, ist die Chance gegeben, daß sich Benutzer und DV-Spezialisten einander näherkommen - ohne Vorbehalte.

Sicher dürfen die Autonomie-Bestrebungen der User nicht unterschätzt werden. Es stimmt auch, daß viele RZ-Kunden die Groß-DV-Leute für borniert halten. Das heißt aber nicht, daß die Fronten verhärtet bleiben müssen. Der Fachbereichs-Mitarbeiter, ob nun in operativer Funktion oder im Stab, fühlt sich doch wohl zu sehr als Macher, der von seinen Anwendungskenntnissen lebt. Die will er in das Projektmanagement einbringen.

Nur ungern werden sich deshalb die Fachbereiche für eine eigene Programmierung entscheiden. Das Problem stellt sich gar nicht so, wie von der zentralen DV oft befürchtet wird. Vielmehr ist Beratung gefragt, muß neutraler Benutzerservice von dem Dienstleistungszentrum DV erbracht werden. Diese Erkenntnis ist wahrlich nicht neu. Gleichwohl treten viele Unternehmen, was Konzepte für ein strategisches Informationsmanagement betrifft, auf der Stelle. Schlimmer: Der Mikro wird totorganisiert.

Die größte Gefahr besteht darin, daß die Zentralisten ihr Terrain mit Klauen und Zähnen verteidigen und die Benutzer zu Alleinunterhaltern werden. Vernünftiger, als die Vorteile der Mikros und der Mainframes gegeneinander aufzurechnen, ist es, die Möglichkeiten eines geordneten Neben- und Miteinander auszuloten.

Noch sind die Funktionen und Ressourcen der Mainframes und Mikros nicht aufeinander abgestimmt. Eine nachhaltige Änderung ist notwendig. Sie ist nur zu erreichen, wenn die DV-Cracks über ihren Schatten springen und die Mikros als das nehmen, was sie sind: Produktivitätstools for die Anwender. Nicht mehr - und nicht weniger.