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22.02.2002 - 

Kaufhauskette Breuninger kündigte millionenschweren E-Commerce-Auftrag

Geplatztes Großprojekt kommt Caatoosee teuer

MÜNCHEN (wh) - Trotz mehrmaligen Anlaufs gelang es dem einstigen Börsenstar Caatoosee nicht, einen Web-Shop für die Kaufhauskette Breuninger einzurichten. Schon zweimal wurde das defizitäre Unternehmen wegen ausstehender Zahlungen verklagt; nun drohen weitere Forderungen in Millionenhöhe.

Klaus Steinbrecher ärgert sich. "Das sind ganz große Chaoten", schimpft er über die Mitarbeiter der Caatoosee AG. "Die können keine Projekte managen." Eigentlich ist Steinbrecher ein erfahrener IT-Berater, den so schnell nichts aus der Fassung bringt. Sein Spezialgebiet: die Sanierung ins Stocken geratener IT-Projekte. Eben dieses Know-how benötigte Caatoosee im Januar 2001, als es Steinbrechers US-amerikanische Firma KPS Consulting LLC unter Vertrag nahm.

Im vorangegangenen Jahr hatte das schwäbische Startup-Unternehmen "mindestens dreimal" versucht, einen Web-Shop für die Kaufhauskette Breuninger einzurichten, berichtet Steinbrecher. Der ursprünglich vorgesehene Termin vor Weihnachten 2000 konnte nicht gehalten werden. Damit fiel das fest eingeplante Online-Feiertagsgeschäft aus; eigens dafür beschaffte Waren musste die Stuttgarter Zentrale mit Verlust veräußern.

Für Caatoosee drohte die Angelegenheit zum Desaster zu geraten, schließlich war Breuninger nicht irgendein Kunde, sondern ein bundesweit aktiver Warenhauskonzern mit zirka 4800 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund einer halben Milliarde Euro. Ende 2000 zog das Management am Hauptsitz in Leonberg die Notbremse. Mehrere externe Dienstleister, darunter KPS und die IEPG Internationale Entwicklungs Projektgesellschaft mbH, sollten helfen, das Vorhaben doch noch zum Erfolg zu führen.

Steinbrechers Auftrag als technischer Projektleiter lautete, die Qualitätskontrolle und Überprüfung des Caatoosee-Projektteams sicherzustellen, erläutert sein Rechtsanwalt Bernd Joch von der Münchner Anwaltskanzlei Schwarz & Partner. Offenbar traute die Führungsmannschaft den eigenen Mitarbeitern nicht mehr. Doch was Steinbrecher im Hause Breuninger vorfand, überraschte auch den hartgesottenen Sanierer: Im Grunde gab es gar nichts zu kontrollieren. "In den Unterlagen war nichts Verwertbares zu finden", so der Consultant, der insbesondere das Datenbankdesign für den geplanten Web-Shop unter die Lupe nehmen sollte. Breuninger habe bereits teure Oracle-Datenbanklizenzen und Sun-Server angeschafft, die Datenbank aber wurde nie installiert.

Ein neuer Projektplan sah nun vor, zunächst funktionale und technische Spezifikationen zu erarbeiten. Auf dieser Basis wollte das erweiterte Team das E-Commerce-System implementieren und testen. Um das Weihnachtsgeschäft noch ausnutzen zu können, legten die Verantwortlichen den Produktivbetrieb auf den 1. Dezember 2001.

Doch auch dieses Vorhaben geriet ins Wanken. Bereits ab Februar 2001 kam es zu langwierigen Vertragsverhandlungen zwischen Caatoosee und Breuninger. Wegen der schlechten Erfahrungen aus dem bisherigen Projektverlauf bestand der Kaufhauskonzern auf einem neuen Kontrakt, der unter anderem hohe Strafen für den Fall eines erneuten Scheiterns vorsehen sollte. Darauf wollten sich die Schwaben nicht einlassen.

Aufgrund der Verzögerungen konnten auch die externen Projekt-Manager nicht weiterarbeiten. Breuninger verweigerte die Zusammenarbeit, solange kein neuer Vertrag mit Caatoosee geschlossen sei. Nach drei Monaten im Projekt kam KPS-Chef Steinbrecher zu dem Schluss, dass auch der 1. Dezember 2001 als Termin nicht mehr zu halten sei. Entnervt kündigte er den Vertrag mit Caatoosee Ende April 2001.

Die Firmenbezeichnung Caatoosee bezieht sich auf den Namen des Indianerhäuptlings Caa-tou-see, dem es einst gelungen sein soll, verschiedene Stämme zu vereinen. Solche Gaben scheinen Firmenmitgründer Guido Alt nicht auszuzeichnen. Im Gegenteil: Der selbsternannte Visionär und gelernte Philosoph habe zu den vielfältigen personellen Problemen massiv beigetragen, indem er etwa Mitarbeiter gegeneinander ausgespielt habe, ist aus dem Unternehmen zu hören. Nach Steinbrechers Darstellung ist das Breuninger-Projekt nicht zuletzt an internen Differenzen im Caatoosee-Team gescheitert.

Bis heute verweigert Caatoosee der Firma KPS ausstehende Zahlungen in Höhe von rund 30000 Dollar. Begründung: Der Berater habe vereinbarte Leistungen nicht erbracht. Steinbrecher hat bei der 9. Zivilkammer des Landgerichts Stuttgart Klage auf Zahlung des Honorars eingereicht. Für Caatoosee ist dies bereits die zweite gerichtliche Auseinandersetzung. Zuvor schon hatte KPS-Anwalt Joch im Auftrag der IEPG gegen die Schwaben geklagt. Auch in diesem Fall ging es um nicht bezahlte Rechnungen für Leistungen im Breuninger-Projekt. Die Parteien einigten sich auf einen Vergleich.

"Thema Web-Shop beendet"Ungemach größeren Ausmaßes droht Caatoosee von Breuninger selbst. Wegen ausbleibender Erfolge kündigte der Kaufhauskonzern am 12. Juni 2001 den Vertrag mit den Leonbergern. "Das Thema Web-Shop mit Caatoosee ist beendet", bestätigt Christian Burst, Abteilungsleiter E-Commerce. Allerdings befinde sich Breuninger noch in Gesprächen, in denen es auch um finanzielle Forderungen gehe. Zahlen mochte er nicht nennen.

Wie hoch diese Ansprüche sein könnten, gab Caatoosees Anwalt Guido Miller von der Stuttgarter Anwaltskanzlei Seith & Steinlein selbst bekannt: Er rechne mit "Ersatzforderungen in siebenstelliger Höhe", sagte er während der Verhandlungen mit KPS vor dem Stuttgarter Landgericht. Laut KPS-Anwalt Joch findet sich diese Aussage auch in einem Schriftsatz der gegnerischen Partei.

Das Management der Caatoosee AG möchte zu all den Vorwürfen lieber gar nichts sagen. "Zu Kundenbeziehungen nehmen wir nicht Stellung", erklärt Pressesprecher Michael Gemeinhardt lapidar, und: "Es ist nichts anhängig gegen uns." Angesprochen auf das Verfahren am Stuttgarter Landgericht, verweist er auf die Politik des Unternehmens, laufende Verfahren nicht zu kommentieren. Von einer Klage Breuningers in Millionenhöhe sei nichts bekannt.

Sollte Breuninger tatsächlich Zahlungen in in diesem Ausmaß zurückfordern, käme dies für Caatoosee zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Wie viele New-Economy-Firmen befindet sich das 1996 gegründete Unternehmen in einem schwierigen Restrukturierungsprozess. Die Euphorie vom Börsengang im September 2000 ist längst verflogen; im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres (April bis September 2001) mussten die Schwaben einen Fehlbetrag von 18,9 Millionen Euro bei Umsätzen von 9,2 Millionen Euro verbuchen.

Millionenschwere Forderungen wären für Caatoosee zwar "noch nicht lebensbedrohend", kommentiert Gerd Eckmann von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (Sdk). Schwerer wiegt für ihn der damit verbundene Imageschaden. Nach außen vermittelten solche Meldungen den Eindruck: "Die kriegen das ganze Thema nicht hin. Erfolgsmeldungen über gelungene E-Business-Projekte gibt es nicht", klagt der Aktionärsschützer.

Zwar finden sich auf der Kundenliste der Schwaben so klangvolle Namen wie Daimler-Chrysler, ABB oder Bertelsmann. Dabei sei jedoch stets zu hinterfragen: "Was hat Caatoosee für diese Kunden gemacht?" wendet Breuninger-Manager Burst ein. Auf die Frage, für welche Unternehmen Caatoosee in der Vergangenheit erfolgreich Web-Shop-Systeme installiert hat, antwortete Sprecher Gemeinhardt schriftlich: "Wir haben keine Kunden, für die wir Web-Shops erstellen." Im Laufe des vergangenen Jahres habe sich Caatoosee auf seine Kernkompetenz, die Informationslogistik, konzentriert.