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24.05.1996 - 

Speichern und Archivieren/Auswahl von schnellen Massenspeichern erfordert viel Geduld

Gerangel um den Raid-Markt geht auf Kosten der Qualität

Insbesondere neue multimediale Datentypen, das Internet und der Trend zu einer stärkeren Vernetzung und verteilten Anwendungen sowie explodierenden Datenmengen haben die Einsatzhäufigkeit von Raid-Systemen in den letzten zwei Jahren sprunghaft ansteigen lassen. Wie die Analysten der Gartner Group feststellen, befindet sich der Markt in einer Phase des Umbruchs, die sowohl auf das Preisgefüge als auch auf die Verfügbarkeit und Produktsicherheit Einfluß nimmt.

Im Markt kämpfen rund 180 Hersteller um die Gunst des Kunden, unter ihnen IBM, EMC, Storagetek, Amdahl, Hitachi und Mylex. Aber auch so exotische Namen wie Andataco, Ciprico, Invincible Technologies, Land-5 oder R-Squared sind vertreten.

Dieser Druck führt nach Meinung der Gartner Group dazu, daß schnelle Produktzyklen, überhitztes Wachstum, häufige Wechsel der Features und Verschiebungen der Marktanteile die Szene sehr sensibel machen. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent werden laut Gartner Group innerhalb der nächsten Jahre auch spektakulärere Pleiten bei den Herstellern zu verzeichnen sein.

Weltweit geht es um ein Marktvolumen von derzeit knapp acht Milliarden Dollar pro Jahr - bis 1998 erwarten Analytiker aus den USA 13 Milliarden Dollar Umsatz. Da sind harte Bandagen an der Tagesordnung.

Der Markt teilt sich auf in die vier Zielgruppen Single-User-Systeme, Networks/Minicomputers/Multiuser, Mainframes und Very-high-Performance-Systeme. Mit knapp 67 Prozent Umsatzanteil bei über 90 Prozent der Auslieferungen nach Stückzahlen liegt das Segment für Midrange und Netzanwendungen an der Spitze. Hier dominieren IBM, HP, Digital Equipment und Sun.

Im Mainframe-Sektor zählt EMC zu den Großen, aber Storage Technology, Hitachi und IBM folgen dicht auf. Dennoch hat dieser Markt umsatzmäßig seinen Zenith überschritten - nicht weil der Mainframe-Absatz schwächelt, sondern weil die Preise für Speicher weiterhin rapide fallen.

Der Speichermarkt und mit ihm die Raid-Szene insgesamt scheinen immerhin so verworren, daß die University of California gemeinsam mit zwei anderen Instituten ihn unlängst als beispielhaften Fall für ein Forschungsprojekt zur Frage der Globalisierung des Technologiesektors wählte.

Danach stammen zwar über 90 Prozent der Unternehmen im Raid-Sektor aus den USA, aber auch hier machen sich intensive Verlagerungen innerhalb der Wertschöpfungskette vor allem nach Südostasien bemerkbar. Neben preiswerteren Produktionsmöglichkeiten sollen dadurch, so die Vermutung der Wissenschaftler, unter anderem kostengünstigere Entwicklungs- und Testverfahren genutzt werden.

Und in der Tat stellt die Gartner Group nach einem Bericht vom September 1995 in den letzten zwei Jahren ein verstärktes Auftreten von Datenverlusten, Zugriffsfehlern und sonstigen unerwünschten Zuständen bei Raid-Anwendungen fest. Die Häufung der Ausfälle liege über der Zunahme der Anwendungen. Die Probleme seien zwar auch teils auf Installations- und Bedienungsfehler zurückzuführen, lägen aber zu einem nicht unerheblichen Teil in den Systemen und dem Druck begründet, der auf den Herstellern lastet.

Zum einen vermuten die Analysten die Verwendung von billiger Massenware in Mainframe-geeigneten Raid-Systemen als Ursache für dieses gehäufte Auftreten von Fehlern. Dieses Vorgehen der Hersteller habe zwar den Anwendern niedrigere Systempreise beschert, gleichzeitig aber hätten sich auch Qualitätsprobleme bei den Subsystemen eingeschlichen.

Bei Ausfall eines Laufwerks gelten mehrere Gründe als ausschlaggebend für den Datenverlust. Zum einen sei dies auf einen Verlust oder eine Reduzierung der Redundanzfähigkeit eines der Laufwerke zurückzuführen, zum anderen bedinge der Recovery-Prozeß aber auch Subsystembelastungen, die häufig nicht ausreichend getestet worden seien. Tritt während des Recovery oder der Wartung ein (zusätzlicher) Fehler auf, entstehen häufig Zustände, die seitens des Steuerungscodes ebenfalls nicht hinreichend berücksichtigt und getestet worden sind.

Ein weiterer Grund für die wachsende Störanfälligkeit liegt in der Verquickung der Technologie und der Marktregularien, meint die Gartner Group. Neue technische Finessen und Komprimierungsprozeduren müssen die Hersteller schnell und zu einem akzeptablen Preis auf den Markt bringen.

Der sogenannte Time-to-Market-Faktor verleitet Hersteller dazu, die Entwicklung zu beschleunigen und weniger zu testen - zum Leidwesen der Kunden. Denn die Zuverlässigkeitsprüfung findet bei ihnen statt. Nach dem Kauf. Mainframe-Anwender bekommen nicht mehr die gewohnte hohe Qualität.

Schnelle Produktzyklen, nur kurzfristige Marktchancen, häufige Produktwechsel und sich konstant verändernde Wettbewerbssituationen haben Konsequenzen: Die Support- und Vertriebsstrukturen einiger Hersteller sind den Anforderungen des Marktes nicht mehr gewachsen.

Um bestehen zu können, verlassen sich die Hersteller deshalb auf massives Marketing. Da grundlegend neue Technologien im Raid-Markt nicht zu erkennen sind, versuchen die Anbieter, sich über sekundäre Features und Add-ons voneinander abzuheben. Performance, Verfügbarkeit und einfache Bedienung stehen ganz oben, aber auch "Hot Sparing" (Austausch defekter Teile im laufenden Betrieb) oder redundante Stromversorgungs- und Kühlsysteme waren vor nicht langer Zeit noch gute Verkaufsargumente. Heute ist derlei selbstverständlich.

Das Anwender-RZ wird zum Testzentrum

Verlockend, aber nicht immer sinnvoll ist die "Hot Plugability": Weitere Drives lassen sich implementieren, ohne das System herunterzufahren. Die Kosten für diese zusätzliche Leistung können aber bis zu 50 Cent je MB der Grundkapazität betragen. Das lohne, so die Gartner Group, zumeist nur bei Systemen, die rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr im Einsatz sind.

Dem Anwender bleibt bei alledem vor allem eins: testen, testen, testen. Und er solle, so die Empfehlung der Gartner Group, vor allem auf hohe Qualität und den Ruf des Herstellers achten. Nicht alle Systeme sind von vornherein mit spitzen Fingern anzufassen, aber Vorsicht vor Schnäppchen ist dringend geraten.

Das heißt aber nicht, daß Billigangebote in jedem Fall vom Übel wären. Langsam, aber sicher bildet sich ein Markt für gebrauchte Raid-Systeme heraus. Hier sind neben den allgemeinen Auswahlregeln zwar zusätzliche Überlegungen bezüglich der Übernahme von Wartungsverträgen, der Rekonfigurierung und der Re- zertifizierung anzustellen. Aber die Gesamtkosten können auch bei realistischer Berechnung durchaus sinken.

Möglich wird dieses zusätzliche Angebot durch Schließungen von Rechenzentren, das Ausrangieren von Produktlinien durch Hersteller und durch Sonderangebote, die im heiß umkämpften Markt lanciert werden, um ein Mitbewerbsprodukt auszustechen. Da hat dann das Gerangel um die Marktanteile für den Kunden doch etwas Gutes.

Kurz & bündig

Der Markt für Raid-Speicher ist dermaßen umkämpft, daß die Hersteller jede Möglichkeit nutzen müssen, ihre Systeme möglichst kostengünstig herzustellen und zu verkaufen. Das hat fatale Konsequenzen: In der letzten Zeit treten Probleme mit den Platten häufiger auf. Marktforscher empfehlen, auf Billigstangebote zu verzichten, auch wenn der teuer bezahlte gute Ruf einiger Hersteller keine Garantie ist.

*Horst-Joachim Hoffmann ist freier Fachjournalist in München.