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11.02.1983 - 

Rechenzentren haben in Österreich Nachholbedarf

Geringe Kostenstransparenz begünstigt Eigenentwicklung

WIEN (eks) - Wie Österreichs Unternehmen EDV einsetzen, untersuchte ein Team der Wirtschaftsuni Wien unter Leitung von Prof. Hans R. Hansen. Die Befragung erfaßte 1100 Firmen mit 50 bis 500 Mitarbeitern und spiegelt daher die österreichische Wirtschaft im wesentlichen wider. Von den befragten Firmen arbeiten 86 Prozent mit DV-Unterstützung. Alle in der Folge genannten Verhältnisse beziehen sich auf das Sample der Studie. Nur ein Fünftel gibt Aufgaben außer Haus. Weniger als ein Zehntel verfolgt die EDV-Kosten, schon gar nicht die für Eigenentwicklungen.

Das Institut für Unternehmensführung/Wirtschaftsinformatik führt, unterstützt vom Forschungsförderungsfonds, der Bundeskammer, dem Fachverband des Gewerbes und der ADV, ein Projekt "Untersuchung der organisatorischen Einsatzbedingungen für mehrfach verwendbare Anwendungssoftware" durch. Die wichtigsten Ergebnisse der brieflichen Befragung zum Softwarenutzungsverhalten vom Frühjahr 1982 wurden jetzt vorgelegt.

Das Verhältnis zwischen Kauf einerseits und Miete/Leasing andererseits liegt, eigentlich erstaunlich, bei etwa 7 zu 3. 86 Prozent der Unternehmen verfügen über ein eigenes EDV-System. 20 Prozent geben EDV-Anwendungen auch außer Haus. Wobei dieser Prozentsatz noch täuscht, denn Dienstleistungsunternehmen bedienen sich zu 22 Prozent anderer Dienstleister. Gewerbe und Industrie hingegen trauen nur zu acht Prozent der "Datenfabrik" außer Haus. Ebenfalls überraschend sind Feststellungen zum Personaleinsatz. Durchschnittlich drei Mitarbeiter befassen sich je Unternehmen mit DV-Aufgaben. Daß aber der Durchschnitt im Geld- und Versicherungswesen auch nur bei 6,1 liegen soll, verwundert selbst dann, wenn man annimmt, daß diese ersten Computernutzer auch am weitesten mit der Dezentralisierung zum Anwender hin fortgeschritten sein könnten. Hier wirkt sich vermutlich die selbstgewählte Obergrenze von 500 Mitarbeitern aus.

Der durchschnittliche Wert eines in Österreich installierten Universalrechners beträgt derzeit rund 3,5 Millionen Schilling (Diebold 82). Ein EDV-Mitarbeiter betreut somit etwa 1,2 Millionen Schilling Anlagenwert.

Fast zwei Drittel der EDV-Abteilungen sind nach wie vor im Rechnungswesen eingegliedert. Dies führt dazu, daß erstens die Eigenprogrammierung dominiert und zweitens die betrieblichen Teilbereiche Personalwesen, Einkauf, Lagerwirtschaft, Fertigungsmanagement, Vertriebsunterstützung und Projektmanagement bei der DV-Unterstützung vernachlässigt werden. Die Studie meint dazu, " ... daß solche aufbauorganisatorisch festgeschriebenen Eigentümlichkeiten die. .. (langfristige Planung). .. maßgeblich beeinflussen können".

57 Prozent der Unternehmen verrechnen innerbetrieblich keine EDV-Kosten, sondern lassen sie unreflektiert in die Gemeinkosten einfließen. Weitere 26 Prozent verrechnen nur Vollkosten. Daher gibt es auch nur geringe Transparenz bezüglich des Entwicklungsaufwands für neue Projekte und des Wartungsaufwands für alte. Dies begünstigt das Weitermachen im alten Trott. Das Höchstmaß an Innovation ist die Vergabe individueller Programmieraufgaben an externe Programmierer (siehe Tabelle 1.) Den hohen Anteil an Turnkey-Lösungen und Standardsoftware des Herstellers führen Hansen und sein Team auf das Sicherheitsbedürfnis der Anwender zurück, Lösungen aus einer Hand zu bekommen. Immerhin jedoch meinen die Anwender, daß sich die Verhältnisse bis 1985 zugunsten der Softwarehäuser ändern.

Die Beschaffung von Standard-Software ist in praktisch allen Phasen Sache der Führungskräfte. Die meisten Anregungen, Standardsoftware einzusetzen, kommen von der Geschäftsleitung. Den Anforderungskatalog machen EDV-Leiter und Fachabteilungsmanager untereinander aus. Nur in der Hälfte der Fälle werden die Mitarbeiter beigezogen. Daß externe Berater in einem Viertel der Fälle bei der Alternativsuche mitwirken dürfen, aber nur in sieben Prozent verantwortlich, läßt, auf eine gewisse "Feigenblattfunktion" schließen, mit der bereits gefällte Entscheidungen untermauert werden. In den wenigen Fällen ein Betriebsfremder berate Funktion hat ist es in mehr als der Hälfte ein Mitarbeiter des HW-Lieferanten. Interessanterweise bewertet der

EDV-Leiter die Alternativen am häufigsten, was zwar als kontinuierliche EDV-Entwicklung im Interesse des Hauslieferanten liegen mag, aber nicht unbedingt innovativ ist. Auch

ergeben sich daraus eine Überbetonung DV-technischer Aspekte und entsprechende Akzeptanzprobleme bei den Benutzern. Die endgültige Entscheidung machen EDV und Geschäftsleitung untereinander aus.

Die Hauptgründe für den Einsatz von Standardsoftware sind:

- angebotenes Standardprogramm ist ausreichend,

- eigene Entwicklung dauert zu lang,

- eigene Entwicklung ist zu teuer. Die wichtigsten Gründe dagegen:

- kein geeignetes Paket vorhanden,

- Programmanpassung aufwendig,

- zu große Organisationsänderungen nötig.

Als wichtigste Informationsquelle über den Markt für Standardoftware erweisen sich die Verkäufer der Hardwareanbieter, in bereits merklichem Abstand gefolgt von Fachzeitschriften und Informationsschriften der Softwareanbieter. Auch diese Wichtigkeit ist relativ. Jede dieser Quellen wird von kaum der Hälfte der Befragten genutzt. Abgeschlagen am Ende der Bedeutungsskalaliegen externe Berater und erstaunlich - Softwarekataloge. Aber auch ein Informationsaustausch mit anderen Anwendern findet praktisch nicht statt.

lnformationen: Univ.-Prof. Hans R. Hansen, WU-Wien, Augasse 2 -6, 1090 Wien, Tel.: 34 05 25.