Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

11.09.1981 - 

Entwicklung der Produktivität im Büro hinkt der in der Produktion noch nach:

Geringere Qualifikation bleibt ein Problem

MÜNCHEN - Das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung stellt eine seltene These auf: Die Büroautomation ist notwendig, so heißt es in einer von diesem Ministerium herausgegebenen Schrift, "weil sonst wegen der geburtenschwachen Jahrgänge, die ab 1985 ins Arbeitsleben übertreten, ein großer Arbeitskräftemangel auftritt". Mit dieser Befürchtung steht der Minister ziemlich allein im Wald der bundesdeutschen Prognostiker.

In der Notwendigkeit der Rationalisierung stimmen Gewerkschaften und Arbeitgeberseite überein. Die Begründungen unterscheiden sich. Staatsminister Pirkl schreibt im Vorwort zu der Schrift "Rationalisierung im Büro - wo bleibt der Mensch?", in den neuen Technologien liege eine Chance zur Verbesserung der Arbeitswelt.

Während die Produktivität in der Produktion während der letzten zehn Jahre um ein Viertel gestiegen sei, habe sich die der Büroarbeiten um fünf Prozent verbessert.

Untersuchungen hätten ergeben, daß zwischen 25 und 30 Prozent der Arbeiten, die in einem Büro anfallen, auf Automaten übernommen werden könnten. Der "Computer mit dezentraler Technik, der von vielen Arbeitsplätzen aus einen unmittelbaren Zugriff auf den Computer ohne das Medium Beleg erlaubt", stelle das Instrument dar, menschliche Arbeitskraft durch Maschinen zu ersetzen.

In der Fertigung erzielte Produktivitätsfortschritte drohten sonst von Verwaltungsarbeiten aufgezehrt zu werden, argumentiert der im Auftrag des

Staatsministers handelnde Verfasser der Schrift. Sie beruht im wesentlichen auf einem im Auftrag dieses Ministeriums erstellten Forschungsbericht von Professor Dr. Eduard Gaugler, Universität Mannheim, "Rationalisierung und Humanisierung von Büroarbeiten " .

Humanisierung heißt Selbstverwirklichung

Außer im Titel kommt der Mensch im theoretischen Teil der ministerialen Schrift nicht vor. Wo sich, wie jeder, der in der Humanisierungsdiskussion steckt, weiß, Ergonomie und physische Gesundheit der Büroarbeiter bei diesen Auseinandersetzungen um Bürorationalisierung in den Vordergrund drängen, spricht der Autor hier die Psyche des arbeitenden Menschen unter dem Stichwort Humanisierung an.

"Noch vor einigen Jahren verstand man unter Humanisierung der Arbeit die Abwendung von körperlichen Gefahren und Gesundheitsschädigungen; heute werden auch Begriffe wie Selbstverwirklichung, Höherqualifizierung und der weitere Ausbau der

sozialen Sicherung im Zusammenhang mit der Humanisierung der Arbeitswelt diskutiert."

Den in dem Heft enthaltenen Fallstudien, in denen der Zustand der Angestellten vor und nach Einführung der neuen Technik verglichen wird, widerspricht diese theoretische Aussage. Die neue Generation der Bürotechnik ist gekennzeichnet durch modular aufgebaute, multifunktionale Arbeitsplatzsysteme, die die Kommunikation und Information im Büro beschleunigen.

In einem Gerät mit einer Tastatur, einem Bildschirm, einem Drucker, mit einer einheitlichen Benutzungsoberfläche und einer Bedienerführung werden mehrere Kommunikationsfunktionen und arbeitsplatztypische Funktionen zusammengefaßt. "Künftig", so heißt es weiter, "wird man neben den arbeitsplatzspezifischen Aufgaben auch das betriebswirtschaftlich-organisatorische Geschehen bei der Ausstattung eines Arbeitsplatzes mit elektronischen Systemen in Betracht ziehen."

Schlechte Entwicklungsmöglichkeiten

Gleich den Maschinen wird der Mensch nach Ansicht des Staatsministers in das betriebliche Gefüge eingepaßt. Die bedienungsfreundliche Benutzeroberfläche sorgt dafür, daß auch eine angelernte Kraft die verbleibenden Aufgaben schnell und sicher erfüllen kann. Folglich, und das kommt in den sich anschließenden Fallstudien zum Ausdruck, stufen die befragten Büroangestellten ihre Entwicklungsmöglichkeiten nach Einführung der neuen Technik im Büro als schlecht ein.

An den veränderten Arbeitsplätzen sind nach Einführung von Terminals in einer Großbank überwiegend angelernte Kräfte tätig. Zuvor arbeiteten dort Bankkaufleute. Dies - verbunden mit der Einsparung von 50 Arbeitsplätzen - führte zu einer beträchtlichen Senkung der Personalkosten, heißt es weiter.

88 Prozent dieser Befragten gaben an, die Arbeit erfordere nach der Umstellung eine erheblich höhere Konzentration. Hinsichtlich der Monotonie waren keine großen Unterschiede festzustellen.

Nach der Einführung von Arbeitsplätzen mit Bildschirm-Dialog in einem Versicherungsunternehmen mit dem Ziel, die Sachbearbeitung "aktenlos" zu machen, geben Mitarbeiter an, jetzt nur noch Routinearbeiten zu erledigen. Mit größeren Arbeitsmengen als vorher müßten sie schneller fertig werden. Befragte in der zentralen Textverarbeitung zweier Industrieunternehmen klagen über größere Monotonie, einseitige Beanspruchung und die hohen Anforderungen an die Konzentration.

Die Empfehlungen, die sich in der ministerialen Schrift anschließen, gehen an diesen aufgezeigten Mängeln der Rationalisierung vorbei. Frühzeitige Information der Betroffenen beispielsweise erhöht zwar, wie die Fallstudien zeigen, die Akzeptanz der Technik. Sie beseitigt aber nicht die Abqualifizierung der Beschäftigten.

Im Auftrag verschiedener Bundesministerien erstellte Studien von Infratest und anderen Forschungsinstituten fürchten auch keine Arbeitskraftverknappung ab 1985. In der Zeit, zu der die geburtenschwachen Jahrgänge ins Berufsleben treten, durfte es diesen Prognosen nach rund zwei Millionen Arbeitslose geben.