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01.04.1988 - 

User Advisory Council des Unix-Clubs auf 14 Mitglieder angewachsen:

Gerling und Daimler jetzt im X/Open-Beirat

MÜNCHEN/HANNOVER (cmd/ qua) - Nach einigem Tauziehen hinter den Kulissen haben sich nun doch zwei bundesdeutsche Großunternehmen bereitgefunden, im Anwenderbeirat der X/Open-Gruppe mitzuwirken: die Kölner Gerling Konzern AG sowie die Daimler Benz AG in Stuttgart.

Noch im Januar waren die beiden deutschen X/Open-Mitglieder Siemens und Nixdorf bei ihrer Klientel auf wenig Gegenliebe mit dem Vorschlag gestoßen, sich im geplanten User Advisory Council des Unix-Konsortiums zu engagieren, um so auch den Interessen der Anwender Geltung zu verschaffen. Zu den im ersten Anlauf Angesprochenen zählten unter anderem die Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit, einer der größten Unix-Anwender hierzulande, sowie die Automobilkonzerne Volkswagen AG und Daimler Benz (Siehe COMPUTERWOCHE Nr.3 vom 15.1.1988, Seite 1: "X/Open-Gruppe nimmt Anwender in die Pflicht").

Bei Daimler Benz, dem inzwischen größten deutschen Privatunternehmen, hat man sich nach dem anfänglichen Rückzieher nun doch anders besonnen, wenngleich die Entscheidung, durch die Mitgliedschaft in dem Anwendergremium das Interesse an Unix auch öffentlich zu dokumentieren, offenbar bis zuletzt umstritten war. Das definitive "Ja" aus Stuttgart kam, so war in Hannover zu hören, erst wenige Tage vor der geplanten offiziellen Bekanntgabe auf der CeBIT am 17. März. Für die schwäbischen Autobauer hat möglicherweise auch die IBM-Ankündigung am ersten Messetag, vom ersten Quartal 1989 an ihre Unix-Version AIX als Gastsystem unter VM auf /370-Systemen verfügbar zu machen, eine Rolle gespielt, denn sie gehören schließlich von jeher zu den Großkunden von Big Blue.

Nach wie vor ist Daimler Benz allerdings bemüht, den Schritt in Richtung X/Open nicht allzu spektakulär erscheinen zu lassen. "Wir sind eingeladen worden und haben uns gesagt, wir wollen einmal den Versuch wagen, an dieser Stelle etwas zu bewegen", so der knappe Kommentar von Uwe Hartmann, Leiter Planung Datenverarbeitung und Kommunikationssysteme bei den Stuttgartern und künftig Repräsentant seines Hauses im Anwenderbeirat. Daimler Benz messe Unix "einen bestimmten Stellenwert in bestimmten Bereichen" zu, aber, relativiert der DV-Experte umgehend, man solle das Thema auch nicht zu hoch aufhängen und nicht eine Bedeutung hineininterpretieren, die gar nicht darin stecke. Im übrigen habe der Beirat noch gar nicht getagt, die erste Sitzung finde im April statt.

Im Unterschied zu den Schwaben tut sich Gerling in Köln mit dem Thema Unix und X/Open nicht so schwer. Der Versicherungskonzern hat bereits Unix-Installationen im Haus, ist aber vor allem BS2000-Anwender und wurde auch von Siemens auf das Thema User Advisory Council angesprochen. Die Mitgliedschaft betrachtet Dieter Weber, Abteilungsdirektor Datenverarbeitung bei den Kölnern, als gute Möglichkeit, ein ganzes Bündel von Fragen abklären zu können, wobei "Ziel Nummer eins sicherlich ist, Informationen tieferer Natur über die weitere Entwicklung im Unix-Bereich zu bekommen, und das aus kompetenter Hand."

Daneben hält es Weber aber auch grundsätzlich für wichtig, daß sich überhaupt bundesdeutsche Unternehmen in dem Beratungsgremium engagieren. Eine direkte Einflußnahme auf X/Open sieht er zwar nicht, er rechnet aber wohl damit, daß die Anwender bei der Gewichtung der Prioritäten oder bei neuen Themen möglicherweise ein Wort mitreden könnten. Ganz wesentlich ist für Weber schließlich auch die Abklärung der Frage, "wie ernsthaft die 13 X/Open-Mitglieder es mit ihrem Unix-Bekenntnis meinen, oder ob es am Ende doch wieder 13 unterschiedliche Lösungen gibt und zwar jeder Unix macht, aber die gemeinsame Menge größer ist als das, was der einzelne kann."

Den Hardwareherstellern hingegen ist vorrangig am Aufbau einer realen Markmacht gelegen. Erläutert Georg Winter, X/Open-Sprecher für den deutschsprachigen Raum: "Wir versuchen, renommierte Anwender mit einem großen Nachfragebedarf für X/Open zu gewinnen. Wenn wir Unternehmen wie zum Beispiel Daimler, General Motors und das National Bureau of Standards zusammenbringen, dann ergibt sich schon ein gewisser Marktdruck auf diejenigen, die meinen, daß sie mit ihren nicht öffentlich zugänglichen Standards besser fahren." Daß IBM über große Kundenunternehmen indirekt Einfluß auf X/Open nehmen könnte, schließt Winter nicht ganz aus, fügt jedoch hinzu: "Wir sollten aber vor allem den umgekehrten Trend sehen."

Winter hat bereits weitere deutsche Anwenderunternehmen für den Beirat vorgeschlagen, darunter die Bayer AG und die Deutsche Bank. Die Anzahl der Teilnehmer an den zweimal jährlich geplanten Beiratssitzungen dürfe seiner Meinung nach jedoch nicht unbegrenzt anwachsen: "Wir müssen die Beiräte überschaubar halten." Dazu auch Dieter Weber vom Gerling-Konzern: "Wenn das User-Council zu groß ist, wird es unbeweglich." Die kritische Grenze siedelt Weber bei 20, Winter bei 30 Mitgliedern an.