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18.12.1981 - 

Warenwirtschaftssystem mit NCR und IBM:

Gerngroß wollte keine "goldene Hochzeit"

WIEN (eks) - Ihre seit März schrittweise eingeführten Computerkassen führte die österreichische Kaufhauskette Gerngroß anläßlich einer ADV-Exkursion vor. Die Warenbewirtschaftung des Unternehmens stellt sich als erfolgreicher Mix von Online- und Offline-Anwendungen dar, wobei Gerngroß für einzelne Gebiete unterschiedliche Hersteller aussuchte. Die Exkursion gab auch Einblick in Probleme des Mittel- und Großhandels und die der unterschiedlich großen Kaufhäuser.

Im Februar 1979 wurde das größte Warenhaus der Gerngroß-Kette in der Wiener Mariahilferstraße durch einen Großbrand fast total vernichtet. Auch die damals installierte /370-115 fiel dem Großfeuer zum Opfer. Pittoreske Relikte aus zusammengeschmolzenen Magnetbändern erinnern heute als Wandschmuck an die damaligen hektischen Anstrengungen, die nur unvollkommen gesicherten Programme und Daten buchstäblich aus Aschenresten zu rekonstruieren.

Der Wiederaufbau des Kaufhauses gab auch Anlaß, Computerkassen zu installieren und die damit erfaßten Daten in das Warenwirtschafts- und -dispositionssystem einfließen zu lassen. Obwohl Computerkassen nicht für alle Häuser (Gerngroß betreibt in ganz Österreich 13 Kaufhäuser) und alle Warengruppen rentabel einsetzbar sind, mußten diese Bereiche dennoch gleichzeitig mit in die Abläufe einbezogen werden.

Abhängig von der Intensität des Warenumsatzes sind innerhalb des gesamten Sortiments vier Bereiche zu unterscheiden:

Lebensmittel (Food-Bereich):

Hier geht es ohne Computer. Der Wechsel ist so rasch, erfolgen die Bestellungen auch telefonisch, so daß die Ware meist bereits vor dem Ausdrucken der Auftragsschreiben ein träfe.

Manuell geführtes Sortiment:

Hier ist ebenfalls kein Computereinsatz notwendig. Dieser Bereich

umfaßt unter anderem sehr teure Waren, wie zum Beispiel Fotoapparate, Feinparfümerie, oder solche die vom Lieferanten selbst im Regal betreut werden.

Hartwaren:

Hier werden etwa 40 000 Artikel über hin- und rücklaufende Listen

bewirtschaftet. Da die Verkäufe nicht an Computerkassen erfaßt werden, erfolgt eine permanente Inventur. Die verkauften Stückzahlen werden durch die Formel Bestand alt + Wareneingang - Bestand neu = Verkauf errechnet. Dieses Verfahren erfordert übrigens laufende Änderung der Lagerorte, da sonst Inventurdifferenzen nie erkannt werden könnten. Die Auspreisung der Ware erfolgt mit Klebeetiketten.

mbc-Sortiment (Merchandising by Classification):

Dieser Bereich umfaßt etwa 50 000 Artikel einschließlich Größen- und Farbvarianten, hauptsächlich Textilien. Hier kann nur mit Klassifikationen und laufenden Nummern gearbeitet werden und nicht mit länger gültigen Artikelnummern, da Bekleidung modebedingt nur für eine Saison gefertigt wird. Nachbestellungen sind nur bei schnellem Entschluß möglich. Andererseits kann diese Ware nach einiger Zeit nur mehr unter Verlust an die Frau gebracht werden, so daß oft rasche Verkaufsförderungsmaßnahmen nötig sind. Beides erfordert jederzeitige Auskunftsbereitschaft über den Warenbestand und damit den Einsatz von Kassenterminals. Die Auspreisung erfolgt mit maschinenlesbaren Etiketten, auf denen für den Kunden Größen- und Preisangaben in Normalschrift angegeben sind. Dies ist auch der Grund, POS-Terminals nicht in allen Abteilungen einzusetzen, da maschinenlesbare Etiketten teuer sind. Bei einem Jahresbedarf von derzeit drei bis vier Millionen Stück summieren sich bereits Groschendifferenzen beim Etikettenpreis zu ansehnlichen Hunderttausendern.

Die für die Warenbewirtschaftung eingesetzte Hardware umfaßt:

- einen zentralen Rechner IBM 4331/1 mit 1 MB unter DOS/VSE,

- ein Kassensystem NCR 8250 mit Kassenterminals NCR 2152,

- einen Kimball-Etikettendrucker,

- mobile DE-Geräte Micronic 445C.

Bei der Auswahl des Kassensystems wurden nur große Hersteller in Betracht gezogen, deren zukünftige Marktpräsenz gesichert schien. Hier fühlt sich Gerngroß als gebranntes Kind. Das Hinscheiden von Anker hinterließ ein schwieriges Wartungsproblem mit den entsprechenden Kassen in Salzburg. In der Endauswahl entschied sich Gerngroß für NCR und gegen das IBM-Kassensystem 3650. Ausschlaggebend war die verhältnismäßig langsame Ringleitung und daß die 3650 nur von einem Hostrechner aus ladbar ist.

Soweit die Kassen in Textilabteilungen eingesetzt sind, sind sie mit Lesepistolen ausgestattet. Großen Wert legte man auch auf eine verläßliche Informationsmöglichkeit des Verkaufspersonals, für den Fall, daß die NCR 8250 einmal ausfallen sollte. Dann müssen die maschinenlesbaren Teile der Etiketten zum späteren Einlesen an den zwei zentralen Erfassungsplätzen gesammelt werden. Das gleiche Verfahren wird standardmäßig in den Bundesländerkaufhäusern angewendet.

Etikettenprobleme

Hier gibt es die größte Fehlerquote mit vergessenen Etiketten. Ebenfalls ein Problem sind sogenannte Checkout-Kassen, zu denen der Kunde mit sämtlichen Waren kommt. Dort müßte die Kassiererin bei den zwischen anderen Gegenständen liegenden mbc-Artikeln den maschinenlesbaren Teil des Etiketts entfernen.

Bei den Etikettendruckern stellte sich ein Kimball-Drucker von Little als gut geeignet heraus. Dieser Drucker liefert 300 Etiketten pro Minute bereits geschnitten und mit Trennkartons versehen genau in der nötigen Stückzahl.

Zur Abwicklung von Bestellungen außerhalb Wiens werden mobile DE-Geräte Micronic 445C eingesetzt. Jedes Gerät kann 1339 Bestellungen speichern, die programmgesteuert eingegeben werden. Waren früher je Kaufhaus zwei Telefonistinnen vier Stunden pro Woche damit beschäftigt, zwei Datentypistinnen am Telefon Bestellisten vorzulesen, so werden jetzt 40 Bestellungen pro Minute in den Zentralrechner überspielt.

Die übrige Warenbewirtschaftung erfolgt durch Listen-Lochkarten-Abläufe. EDV-Leiter Rudolf Eugl glaubt nicht an Computer-errechnete Bestellvorschläge, sondern vertraut mehr den Daumen der Zentraleinkäufer. Auch einer Online-Buchhaltung steht er mit einem guten Argument negativ gegenüber. Eine Hardware-Umstellung nach Einführung einer Online-Buchhaltung ist kaum vorstellbar. Die oft zitierte "goldene Hochzeit" mit einem Hersteller wäre vollzogen. Damit entspricht das Warenwirtschaftssystem von Gerngroß kaum dem letzten Stand der Computertechnik. Andererseits gibt es dafür zum Leidwesen der Hersteller auch gute Gründe, und die Kombination der verschiedenen Abläufe auf verschiedenen Systemen erlaubt es auch kleineren Handelsunternehmen, Teile für sich zu adaptieren oder eine schrittweise Umstellung vorzunehmen.