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01.04.1994

Gerstner legt Strategiepapier vor IBM konzentriert sich kuenftig auf das Client-Server-Geschaeft

NEW YORK (CW) - Big Blue will die Abhaengigkeit vom Mainframe- Geschaeft reduzieren und auf verteilte Systeme setzen. Das erklaerte Louis Gerstner, Chairman und President der IBM Corp., vor Wallstreet-Analysten. Bisher kein Kapital aus dem Client-Server- Trend geschlagen zu haben sei der groesste Fehler der Armonker gewesen, raeumte der Topmanager ein.

Offenbar hat sich Gerstner, der noch vor Jahresfrist fuer IBM die Notwendigkeit einer Vision in Abrede stellte, nun doch zu einer strategischen Aussage durchgerungen. Das berichtete das "Wall Street Journal". Zu den Zielen, die der Hersteller nach Meinung seines Chefs erreichen muss, gehoert eine massive Verstaerkung der Client-Server-Aktivitaeten. Ausserdem will er das OEM-Geschaeft forcieren und die Entwicklung von branchenspezifischen Computerloesungen vorantreiben. "Wir kommen spaet zum Tanz, aber (...) das Implementieren von Client-Server-Loesungen in existenten Kundenumgebungen birgt sehr viele Probleme", sagte Gerstner gegenueber der CW-Schwesterpublikation "Infoworld". "Diese Schwierigkeiten oeffnen uns die Tuer."

Um die bislang inkompatiblen Systeme des Herstellers zu vereinheitlichen, so der IBM-Chef weiter, "werden wir die Betriebssysteme OS/2, OS/400 und AIX unter einer hochskalierbaren Familie von Betriebssystemen zusammenfassen, die PCs, Workstations, Enterprise-Server und Personal Digital Assistants (PDAs) unterstuetzen. Auf diese mit dem Codenamen Workplace bezeichnete Familie sollen alle Nicht-390-Systeme "transplantiert" werden, stellte Gerstner in Aussicht. Allerdings erklaerte der CEO nicht, ob OS/400 und AIX auf den gleichen Microkernel portiert werden, den OS/2 benutzt.

Die Hardware - mit Ausnahme der Mainframes - basiere kuenftig auf IBMs Power-Architektur. Allerdings duerften auch die Grossrechner bald ihre Rechenleistung von Mikroprozessoren in CMOS-Technik beziehen, meinte Gerstner.

Die Anwender machen sich wenig Gedanken

Der CW-Schwesterpublikation "Computerworld" zufolge machen sich die Anwender wenig Gedanken um Gerstners Ankuendigung: "Ich habe nicht gehoert, dass er die Mainframe-Welt aufgeben will, er legt lediglich groesseren Wert auf die Client-Server-Architektur", kommentierte Tom Trainer, Vice-President und Chief Information Officer von Schuhhersteller Reebok.

Laut "Wall Street Journal" enthaelt das Strategiepapier kaum Details und wenige neue Initiativen. So wuerden weder kostensenkende Massnahmen angekuendigt, noch klaere das Papier ueber die Finanzsituation der IBM im einzelnen auf.

Der Plan "ist noch nicht endgueltig, aber es ist ein Anfang", sagte ein IBM-Manager gegenueber dem "Wall Street Journal". "Wichtig ist, dass er (Gerstner, Anm. d. Red) sich auf die Strategie konzentriert." Einzelheiten duerfte der IBM-Chef noch in diesem Monat oeffentlich machen - entweder auf der Hauptversammlung des Konzerns oder einem Treffen mit Beratern.

IBM rede viel ueber ihr Streben in Richtung auf offene Systeme, "aber bisher haben sie noch nicht geliefert", kritisierte Henry Holland, President der Softwaretochter von Dun & Bradstreet im "Wall Street Journal".

"Sie muessen aufhoeren, so viele Integrationsvisionen anzukuendigen und eine Strategie entwickeln, die die Kunden anspricht." Tom Loane, Vice-President Computer und Communication-Services bei Alamo Rent a Car aeusserte gegenueber der "Computerworld": "Mir ist egal, was Gerstner sagt.

"Wir brauchen reale Produkte zu realen Preisen, und ueber die wird die Jury noch zu entscheiden haben."