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17.06.1994

Geruechte um Wiedereingliederung der ISSC Big Blue strebt die Aufhebung des Consent Decree von 1956 an

FRAMINGHAM (IDG) - Die IBM will die Aufhebung des vor 38 Jahren aus Sorge um eine zu starke Dominanz des Herstellers verhaengten Consent Decree beantragen. Die Auflage, die sich heute noch nachteilig auf das Outsourcing-Geschaeft auswirke, sei nicht mehr zeitgemaess, argumentieren die Anwaelte der Armonker. Big Blue beherrsche den Markt nicht mehr so wie noch 1956.

In der vergangenen Woche bat die IBM den zustaendigen Richter David Edelstein (84) um die Genehmigung, einen Antrag auf Aufhebung des Consent Decree stellen zu duerfen. Ausserdem solle Edelstein, der bereits vor 38 Jahren die Verhandlungen zwischen dem Justizministerium und Big Blue ueber das Decree gefuehrt hatte, den Fall niederlegen. Nach anfaenglichem Zoegern gab der betagte Richter die Erlaubnis, beide Antraege zu stellen.

Der damalige IBM-Chef Thomas Watson junior hatte das Consent Decree unterzeichnet, weil damit ein seit 1952 anhaengiges Antitrust-Verfahren niedergeschlagen wurde. Darin ging es um den Vorwurf, IBM nutze ihre Dominanz im Hardwaremarkt, um in dem damals als "Bureau Service Business" bezeichneten Geschaeft auf unfaire Weise Wettbewerbsvorteile zu erringen. Per Unterschrift verpflichteten sich die Armonker, ihre Lochkartenmaschinen nicht nur zu vermieten, sondern auch zu verkaufen.

Noch heute wirkt sich der Consent Decree auf das Outsourcing- Geschaeft aus, da es der IBM nur gestattet ist, dieses Engagement ueber eine selbstaendige Tochter laufen zu lassen, der die Muttergesellschaft keine Vorzugspreise einraeumen darf.

IBM-Chef Gerstner muss das Consent Decree vor allem deshalb ein Dorn im Auge sein, weil er, wie einige Analysten vermuten, die Integrated Systems Solutions Corp. (ISSC) wieder in die IBM integrieren moechte. ISSC-Chairman Denny Welsh bestritt derartige Plaene, die der Klientel Sorgen bereiten. Roy Carlson, Vice- President der Southern Pacific Lines, meinte gegenueber der CW- Schwesterpublikation "Computerworld", eine moegliche Wiedereingliederung der Outsourcing-Tochter in die IBM Corp. wuerde ihn "stark beunruhigen". Solch ein Schritt unterminiere die Produktunabhaengigkeit der ISSC und binde sie enger an IBM- Produkte.

Andererseits koennte die Aufhebung des Decree fuer die Kunden der Outsourcing-Tochter niedrigere Preise bedeuten, weil IBM dann in der Lage waere, der ISSC Rabatte auf Hard- und Software zu gewaehren. Allerdings wuerde diese Massnahme auch Quersubventionen erlauben, die die Konkurrenz bisher immer als Verstoss gegen das Consent Decree gerichtsnotorisch machen wollte. Beispielsweise appelliert die Affiliated Computer Services Inc., Dallas, seit drei Jahren immer wieder an das Justizministerium, endlich eine Untersuchung gegen die IBM einzuleiten, weil diese das Decree verletze.

Einige Mitbewerber vertreten die Meinung, dass die 1991 erfolgte Gruendung der ISSC wenig zur Erfuellung des Consent Decree beigetragen habe, da die Outsourcing-Tochter Auftraege erledige, die die IBM akquiriert habe. "Praktisch ueber Nacht haben sie ein Servicegeschaeft mit vier Milliarden Dollar aufgezogen, das kann doch niemand glauben", aergert sich Lawrence Gross, Rechtsvertreter der Sun Gard Data Systems Inc., Wayne.

Charles Young, President von Affiliated Computer, befuerchtet deshalb: "IBM erhielte einen extremen Vorteil gegenueber anderen", wenn das Decree aufgehoben wuerde.