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24.01.1986 - 

Vertrauensbasis zwischen DV und Vorstand muß verbessert werden, aber:

Geschäftsleitung will DV gar nicht kennenlernen

MÜNCHEN (ih) - "Der DV-Leiter gilt heute nicht mehr als der allmächtige Entscheider. Nicht seiten führen Mißtrauen und Zweifel der Geschäftsführung an seinem Können zu externen Konzepten." Diese und andere von Diebold gemachte "Feststellungen" wollen bundesdeutsche DV-Profis "so nicht" auf sich beruhen lassen.

Wolfgang Eckert, Org/DV-Leiter bei der Jungheinrich Unternehmensverwaltung KG in Hamburg-Norderstedt kann sich vor allem mit der Diebold-Behauptung

"Der DV-Manager ist nicht mehr der unumschränkte Decision-Maker, seine Empfehlungen stoßen oft auf Ablehnung" nicht anfreunden. Er fragt sich, ob die Frankfurter Marktbeobachter vergessen haben sollten, daß im Laufe der Jahre die Entscheidungen des DV-Verantwortlichen eine andere Qualität sowie ein höheres Niveau erhalten haben. Der DV-Chef sei gezwungen, immer besser argumentieren und schneller Informationen liefern zu müssen. Deshalb könne diese Aussage nicht so einfach auf einen Nenner gebracht werden.

In die gleiche Kerbe haut Klaus Jürgen Kupka, Org/DV-Leiter bei der Elida Gibbs GmbH in Hamburg: "Alle sagen, daß die Datenverarbeitung zunehmend entmachtet wird, aber durch die notwendige Koordinierung der gesamten DV-Aufgaben sehe ich das genau umgekehrt. Ihr Stellenwert im Unternehmen wird als Dienstleistungs- und Beratungsstelle an Bedeutung gewinnen."

Für Rudolf Nechutniß, Leiter Rechnungswesen/Organisation bei der Maschinenfabrik J. M. Voith GmbH in Heidenheim, ist die Diebold-Aussage lediglich in Firmen gültig, in denen der sogenannte DV-Manager durch jahrelange Präferenz für einen Anbieter den Benutzern die zweit- oder drittbeste Lösung als "Decision-Maker" aufzwingt.

Lediglich bei Walter Pröbe, IS-Leiter (Informationssysteme) bei der Herta KG in Herten, stößt die von den Marktforschern getroffene Aussage nicht völlig auf Ablehnung. Er gibt zu: "Durch die zunehmend komplexer werdenden Anwendungen werden immer mehr Fachbereiche von DV-Aktivitäten betroffen und beanspruchen darum ein Mitspracherecht".

Einig sind sich die DV-Verantwortlichen darin, daß es sich bei der von Diebold aufgestellten Prognose

"Geschäftsführung und Vorstände haben gelernt, sich in die Problematik einzudenken und sind akzeptable Geschäftspartner geworden" um Ausnahmefälle handeln muß. Sie hätten diese Erfahrung bislang noch nicht machen können. DV-Chef Eckert bekräftigt: "Die Geschäftsleitung unseres Hauses will die DV im Detail gar nicht kennenlernen."

Walter Pröbe kann seinem Kollegen nur beipflichten: "Geschäftsführung und Vorstand haben andere Interessen als sich in die DV-Problematik einzudenken." Wenn dann noch die Vertrauensbasis zum DV-Leiter fehle, habe der Hersteller leichtes Spiel. Original-Ton eines Org/DV-Leiters, der nicht genannt werden will: "Vorstand oder Geschäftsführung sind nur insofern akzeptable Geschäftspartner für den Anbieter, als man ihnen aufgrund ihres fehlenden Sachverstandes verkaufen kann, was man will. Dies entspricht allerdings oft nicht dem aktuellen Bedarf des Unternehmens.''

Mehr Einfühlungsvermögen der Führungsmannschaft für den DV-Bereich kann sich Manfred Drissen, DV-Leiter bei der Richard Ihle GmbH, nur bei großen Konzernen vorstellen. Er jedenfalls konnte diese Entwicklung bei alteingesessenen Firmen bislang nicht beobachten: Die Geschäftsführung hätte nach wie vor keine Ahnung von der DV.

Auch IS-Leiter Pröbe kann davon ein Lied singen. Es dauerte Monate bevor er seinen ersten Mikrocomputer im Unternehmen durchsetzen konnte. Pröbe: "Ich benötige einen langen Atem, um bei meinem Vorgesetzten Problembewußtsein zu entwickeln.

"Dabei ist gerade jetzt bei der Einführung der PCs die Unterstützung durch die Geschäftsleitung sowie eine gemeinsame Strategie besonders wichtig", betont der Hamburger DV-Profi Kupka. Er allerdings kann sich über seinen Vorstand nicht beklagen.

Die DV-Verantwortlichen stehen auch der Diebold-Aussage "DV-Ausschüsse, besetzt mit kritischen Benutzern, kontrollieren die Entscheidungen. Auch bei strategischen Neuorientierungen wirken sie oft aktiv an dem Konzept mit" skeptisch gegenüber. "Wir erhalten, bekräftigt Kupka, "von unseren Benutzern lediglich Anregungen, sie kontrollieren aber keine Entscheidungen." Seiner Ansicht nach stellt die Dezentralisierung der DV nicht - wie so oft behauptet - eine Entlastung des Zentralrechners dar. Schließlich bedeute Dezentralisierung die Übernahme neuer Anwendungen auf verteilte Systeme. Dies, so Kupka, kann nur von der DV gesteuert werden.

Rudolf Nechutniß findet es dagegen gut, wenn die Zahl der kompetenten Partner im Unternehmen zunimmt. Er ist überzeugt, daß Entscheidungen von allen Team-Mitgliedern oder der Team-Mehrheit getragen werden müssen. Motto des Heidenheimer DV-Profis: "Die Betroffenen beteiligen und nicht die Betroffenen betroffen machen."

Nicht ganz von der Hand zu weisen ist nach Meinung vieler DV-Verantwortlicher dagegen die Behauptung der Frankfurter Marktanalysten

"Mißtrauen und Zweifel am Können des DV-Managers führen zu Gutachten und Konzepten mit fremder Hilfe."

So kann DV-Chef Eckert verstehen, daß die Geschäftsführung die hohen Kosten der DV einer kritischen Betrachtung unterzieht. Zumal der Vorstand häufig den PR-Kampagnen der Hersteller, wie "Die Hardware wird immer billiger" oder "Der PC funktioniert auf Knopfdruck" aufsitze. Aufgrund der eigenen DV-Unkenntnis fördere dies das Mißtrauen der Top-Manager gegenüber der DV. Folge: Man holt sich Berater ins Haus. Inzwischen hat, so Eckert, in seinem Unternehmen die Euphorie für Externe jedoch nachgelesen. Die Geschäftsleitung mußte einsehen, daß die teuren Profis zwar brillante Ideen verkauften, aber dabei zu oft die Praxis vergäßen.

Auch Walter Pröbe kennt das Mißtrauen gegenüber den enormen DV-Kosten. Schließlich seien Argumente wie "Mips-Rate reicht nicht mehr aus" oder "Der Hauptspeicher wird zu klein" nur dem DV-Fachmann verständlich. Entweder der Vorstand vertraue den Aussagen seines DV-Chefs oder er nehme externe Hilfe in Anspruch. "Diese Gutachten", mokiert sich Pröbe, "sind teuer und übersteigen oft den Wert der dringend notwendigen DV-Investitionen."

Um diesen unerfreulichen Erfahrungen aus dem Weg zu gehen, rät DV-Profi Nechutniß: "Nach wie vor gilt der Grundsatz der Übereinstimmung von Aufgabe, Verantwortung und Kompetenz, der den von Diebold vorgestellten Negativ-Typ des Decision-Makers an jeder Stelle wirksam verhindert."