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28.03.2003 - 

WLANs/Hotspots/Drahtlos ins Internet

Geschäftsmodelle bestimmen den Markt

Die UMTS-Euphorie ist verflogen, und das große Geschäft ist wohl erst in unbestimmter Zukunft zu machen - wenn überhaupt. Kurzfristig versprechen dagegen Hotspots auf WLAN-Basis Umsätze mit der drahtlosen Datenübertragung. Von Jürgen Bleser*

UMTS fehlen nicht nur marktreife Endgeräte, sondern auch eine Killerapplikation, die den Dienst für Endkunden attraktiv machen kann. Dies mag einer der Gründe sein, warum seit Anfang 2003 das Thema WLAN in aller Munde ist. Blickt man nur ein Dreiviertel Jahr zurück, so zeichnete sich noch ein anderes Bild ab: Mitte des vergangenen Jahres waren die Nutzerzahlen im WLAN-Bereich so niedrig, dass nach dem Platzen der Dotcom-Blase niemand mit Bestimmtheit sagen konnte und wollte, ob sich hieraus jemals ein großes Geschäft entwickeln würde. Was damals noch wie ein Randthema für einige wenige technikbegeisterte Pioniere aussah, entwickelt sich nun mit Nachdruck zu einem seriösen Geschäftsmodell. Für die Technik sprechen schnelle Übertragungsraten und ein vergleichsweise günstiger Aufbau mittels einer standardisierten Infrastruktur.

Nachdem die Anfangsprobleme im Hinblick auf die Abrechnungsthematik gelöst sind und der Dienst nicht mehr - wie im letzten Jahr noch auf einigen Flughäfen und anderenorts - kostenlos angeboten werden muss, können Unternehmen mittlerweile anfangen, profitabel damit zu arbeiten. Seit Anfang 2003 gewinnt die Entwicklung rasant an Fahrt, und nach der Mitte Februar erfolgten Bekanntgabe, dass D2 Vodafone die Hotels der Accor-Hotelgruppe mit WLAN ausstattet, dürfte wohl auch Skeptikern klar sein, dass hier ein ernst zu nehmender Markt entsteht. Dabei war D2 Vodafone noch nicht einmal der erste Mobilfunkanbieter, der diesen Bereich als interessantes Betätigungsfeld erkannte. Konkurrent T-Mobile hatte bereits vorher angekündigt, eigene Hotspots gemeinsam mit der Maritim- und Ramada-Treff-Hotelkette aufbauen zu wollen. Die Anzahl der Hotspots, die von GSM-Anbietern betrieben werden, dürfte damit von maximal 20 solcher Stützpunkte Ende 2002 auf rund 1000 zum Ablauf dieses Jahres steigen. Das sind traumhafte Wachstumsraten, und das Marktpotenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.

Der Standort als Faktor für den Geschäftserfolg

Im Mittelpunkt des Interesses stehen jedoch nicht mehr allein die Ausstattung von Hotelketten mit WLAN - zumal der Kampf um die besten Häuser längst ein reiner Verdrängungswettbewerb ist. Aus diesem Grund erschließen WLAN-Betreiber, so genannte WISPs (Wireless-Internet-Service-Provider), mittlerweile neue Marktsegmente. Ein Beispiel hierfür sind Autobahnraststätten. Der erste Autohof mit WLAN-Vernetzung liegt an der A5. Hier können die Nutzer gegen eine Stundengebühr von rund vier Euro Mails abfragen, das Hotel am Zielort buchen oder den fehlenden Stadtplan herunterladen.

Letztlich erscheint die Liste der WLAN-Lokationen unlimitiert, denn attraktive Plätze gibt es genug - etwa im Gesundheitswesen. WLANs sind eine für Krankenhäuser zugelassene, gesundheitlich unbedenkliche Funktechnik mit geringer Strahlung. Medizinische Einrichtungen wie die Steigerwald-Klinik in Burgebach bieten den Privatpatienten bereits einen WLAN-gestützten Internet-Zugang per Prepaid-Voucher. Surfen, Chat und Internet eröffnen auch Patienten mit längerem Krankenhausaufenthalt eine Möglichkeit, um mit Kunden, Kollegen und Mitarbeitern in Kontakt zu bleiben. Der Internet-Zugang über WLAN in Flughäfen oder in Biergärten ist, verglichen damit ein alter Hut und Funk-LANs in Cafes und Restaurants sind längst nicht mehr exotisch.

Kriterien für die Hotspot-Wahl

Was zeichnet aber einen wirklich interessanten und damit lukrativen WLAN-Standort aus? Ein erstes Kriterium ist, dass die Lokation eine hohe Publikumsfrequenz aufweisen kann, also von der momentan anvisierten Zielgruppe der Geschäftskunden wie zum Beispiel Beratern oder Außendienstmitarbeitern häufig besucht wird. Ferner ist ein Standort dann attraktiv, wenn eine ausreichend hohe Verweildauer der Personen aus dieser Zielgruppe garantiert ist, ein Grund, weshalb zum Beispiel Flughäfen nach den Erfahrungen skandinavischer WLAN-Anbieter kommerziell nicht wirklich interessant sind. Sehr attraktiv sind dagegen Hotels. Auswertungen der Daten des WLAN-Betreibers Telia zeigen, dass dort 80 Prozent der WLAN-Nutzung stattfinden, obwohl die Abdeckung mit Hotspots nur 60 Prozent beträgt.

Heute ist der typische WLAN-Nutzer ein Laptop-Besitzer. Dieser Trend wird auch durch die Industrie forciert. So ist davon auszugehen, dass Mitte dieses Jahres jeder zweite neue Laptop mit einer integrierten WLAN-Karte ausgestattet ist. Erfahrungswerte zeigen außerdem, dass nur ein verschwindend geringer Teil der WLAN-Nutzer über WLAN-fähige PDAs verfügt, nämlich unter ein Prozent. Sicher wird sich dies in Zukunft ändern; unter Bezugnahme auf die heutigen Erkenntnisse ist aber nicht mit einem überproportional hohen PDA-Einsatz zu rechnen. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass der typische Anwender sowohl Zeit als auch Platz braucht: Er muss sein Notebook aufstellen, sich anmelden und einen Zugang zum Internet aufbauen, um seiner Tätigkeit nachgehen zu können. Unter diesen Aspekten ist das Geschäftsmodell Hotspot, wenn es auf die Klientel der Geschäftskunden abzielt, ein eher unattraktives für den typischen Coffee-Shop. Dessen Besitzer generiert seinen Umsatz nämlich in erster Linie durch einen schnellen Umschlag der Tische.

Ortsbezogene Dienste

Ist das WLAN-Roaming realisiert, verdient er noch nicht einmal an dem Verkauf der Prepaid-Voucher. Vorteile könnte dagegen eine integrierte WLAN-Gastro-Lösung bieten. Hier werden bereits Systeme realisiert, mit denen die Gäste komplett online bestellen. Sie lesen die Speisekarte auf dem Web-Pad, die Bestellung wird per Funk-LAN übertragen, und der aktuelle Rechnungsstands kann ebenfalls abgerufen werden. Während die Gäste auf das Essen warten, können sie im Internet surfen.

Dies eröffnet eine weitere Geschäftsmöglichkeit. Die für Kunden kostenfrei zugängliche Intranet-Seite des lokalen Hotspots lässt sich als Werbefläche für Unternehmen aus dem näheren Umkreis nutzen. Insgesamt offerieren Hotspots, die für Hotels und Restaurants, für Tagungen oder auch für öffentliche Plätze eingerichtet sind, per se ortsbezogene Dienste oder neudeutsch Location Based Services (LBS). Ob in einem Starbucks-Cafe oder bei einem Kongress, der Dienstleister kann stets Dienste offerieren, welche für den Anwender vor Ort nützlich sind. Hier ist ein hoher Aufmerksamkeitswert verbürgt, denn der Weg zu Anwendungen und ins Internet führt zwangsläufig über das Portal des Betreibers. Das Internet ändert damit ganz nebenbei auch seinen grundsätzlichen Charakter: Vom globalen Netz wird es nun zum regionalen, lokalen und individuellen Informationsmedium.

Wer wird 2003 den Markt bestimmen?

Aufgrund ihrer hohen Präsenz dürften D1 und D2 Vodafone den WLAN-Markt dominieren. Noch ohne Konkurrenz durch UMTS vergrößern die WLANs das Produktportfolio der GSM-Anbieter um einen weiteren mobilen, drahtlosen Service. Ein Modell, das sich in Skandinavien bereits erfolgreich etabliert hat. Außerdem ist damit zu rechnen, dass insbesondere Geschäftskunden bei der Entscheidung für einen Dienstleister im Bereich WLAN einen großen Anbieter mit einem fundierten Markennamen präferieren. Neben dem Branding haben Mobilfunkunternehmen wie Talkline, D2 Vodafone oder T-Mobile noch einen entscheidenden Vorteil: Sie besitzen bereits Millionen von Kunden, verfügen über die entsprechenden Abrechnungssysteme und stellen ihren Kunden eine monatliche Rechnung. Die zusätzliche Abrechnung der Hotspot-Nutzung wäre also vergleichsweise einfach. Ist der WLAN-Markt also den großen Mobilfunkunternehmen mit ihrem Kundenpotenzial und Kapital vorbehalten?

Momentan nicht. Denn außer den großen Mobilfunkern tummelt sich eine stetig wachsende Anzahl von kleinen bis mittleren WISPs in diesem Markt, wie beispielsweise die WLAN AG, Monzoon oder Net Checkin, um nur einige der Bekannteren zu nennen. Für alle diese Unternehmen bleibt noch genug Zeit, um sich im Markt zu etablieren. Auch wenn schon eine beachtliche Zahl der großen Hotelketten durch bestehende Verträge mit WLAN versorgt sind oder in naher Zukunft versorgt werden, es bleiben noch viele kleinere Hotels und Pensionen, Cafés, Krankenhäuser und weiteren Lokationen, die Raum für unabhängige kleine und mittelständische Anbieter lassen.

Eine Kennung für Tausende WLANs

Richtig attraktiv, zumindest für Vielreisende, sind WLANs jedoch erst dann, wenn eine weite Versorgung und echte Mobilität garantiert werden. Dies erfordert strategische Partnerschaften zwischen den einzelnen Anbietern. In diesem Verbund muss es dann für einen Kunden möglich sein, (fast) alle WLANs zu benutzen, ohne einen Voucher pro Hotspot zu erwerben beziehungsweise sonstige Verpflichtungen für eine Prepaid-Abrechnung einzugehen. Das anvisierte Ziel ist klar: eine Kundenkennung und ein Passwort für Tausende von WLAN-Netzen.

Aus der GSM-Welt ist dieser Kundenservice als Roaming bereits bestens bekannt. Hier erfolgt die Authentifizierung über eine Kundenkennung, die beim Vertragspartner des Kunden, also etwa einem Mobilfunkunternehmen, gespeichert ist. Da diese Kennung von dem jeweiligen lokalen Hotspot-Betreiber nicht überprüft werden kann, sendet sie dieser, im Rahmen eines Roaming-Abkommens, an den definierten Vertragspartner des Kunden mit dem Auftrag zur Prüfung und Bestätigung. Erteilt der Vertragspartner nach positivem Ergebnis seine Zustimmung, kann der lokale Hotspot-Betreiber den Kunden bedenkenlos in sein Netz einbuchen, da ihm garantiert ist, dass die Nutzungskosten vom Vertragspartner des Kunden erstattet werden. Für den Endkunden bedeutet dies, dass er in einer festgelegten Zahlungsform abgerechnet wird und nur von einem Vertragspartner seine Rechnung für die Inanspruchnahme der Dienste erhält.

Augenblicklich ist das Thema Hotspot-Roaming noch Zukunftsmusik. Für die heutige WLAN-Nutzung ist es noch entbehrlich, da die Netze derzeit nicht die entsprechende Dichte aufweisen. Aus technischer Sicht gibt es jedoch keine stichhaltigen Gründe für die Verzögerung. Diese hat ihre Ursachen eher im kommerziellen und rechtlichen Bereich. So ist davon auszugehen, dass viele Anbieter im Markt aktiv sein werden. Gemäß der Pareto-Regel ist jedoch auch damit zu rechnen, dass 70 Prozent der Netze sich im Besitz von 30 Prozent der Anbieter befinden werden. Ein Szenario, in dem die GSM-Netzbetreiber oder Service-Provider eine Vielzahl einzelner Geschäftsbeziehungen mit vielleicht hundert WLAN-Betreibern eingehen müssten. Die Roaming-Abwicklung wäre damit viel zu kosten- und verwaltungsintensiv. Beinahe zwangsläufig stellt sich so die Forderung nach Clearing-Unternehmen für die WLAN-Anwendung, wie es etwa das auf der CeBIT vorgestellt Greenspot-Modell des Eco Forums vorsieht. Diese bringen Angebot und Nachfrage zusammen und können die Abläufe der oftmals komplexen Fragen im Hinblick auf die Verrechnung der Services lösen helfen. Und unterstützen somit die Anbieter von öffentlichen WLANs darin, eine flächendeckende Versorgung und Mobilität für den Endkunden zu verwirklichen. (hi)

*Jürgen Bleser ist Geschäftsführer der Bluesign Software GmbH in Eschborn.

WLAN-Projekt der Steigerwald- und Juraklinik, Burgebrach

Der Startschuss für das WLAN-Projekt fiel in den Kliniken Anfang dieses Jahres. In der ersten Ausbaustufe statten beide Kliniken erst einmal die Patientenbereiche mit WLAN aus. Patienten können sich entsprechend ausgestattete Notebooks ausleihen. Die Investitionskosten für diesen Mehrwertdienst hielten sich, wie Dieter Nagel, IT-Manager der Kliniken, vorrechnet, in Grenzen: "Die Access Points von SMC und die Abrechnungslösung von Bluesign kosteten uns kaum mehr als 3000 Euro." Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl der Billing-Lösung war, dass diese auch eine Möglichkeit für echte Guthaben-Zeitkarten beinhaltet. Das Standardverfahren der automatisch ablaufenden Zeitkonten erwies sich in der Klinik als ungeeignet und ist nicht sehr kundenorientiert. Der Patient verlor mit diesem heute in Hotspots noch üblichen Verfahren wertvolle Online-Zeit wenn er beispielsweise zu einem Untersuchungs- oder Behandlungstermin abgeholt wurde. Um dies zu vermeiden, entschied sich IT-Manager Nagel für "Miranda.local" mit der Option "Zeitguthaben". In der Einführungsphase offerieren die Kliniken den Patienten Prepaid-Karten mit je zwei Stunden Online-Zeitguthaben.