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04.05.2001 - 

Autor schildert auch persönliche Hintergründe

Geschichte der Open-Source-Bewegung

München (cw) - Glyn Moody lässt den Leser alle Stationen der Open-Source-Bewegung durchwandern: von den frühen Arbeiten Richard Stallmans über Linus Torvalds ersten Linux-Kernel bis zu KDE und Gnome. Auch der Kommerzialisierung der Szene räumt Moody breiten Raum ein. Angereichert wird das Ganze durch reichlich Anekdoten und Insidergeflüster. Von Inge Steutzger*

Jede Geschichte der freien Software muss zwangsläufig dem Erfolgsprojekt Linux entsprechende Aufmerksamkeit zukommen lassen. Moody verfolgt die Entstehung des offenen Betriebssystems zurück bis zu den Anfängen des GNU-Projekts.

Richard Stallman, Gründer der Free Software Foundation (FSF) und bis heute Gralshüter freier Software, entwickelte den Plan, nach dem proprietären Sündenfall von Unix einen freien Clone zu programmieren. Im Zuge dessen entstand 1985 die GNU General Public Licence (GPL), die "De-facto-Verfassung der gesamten Bewegung der freien Software". Das freie Unix nahm zwar Formen an, das zu ehrgeizige Hurd-Projekt erbrachte aber keinen nutzbaren Systemkern. Diesen steuerte dann Linus Torvalds bei, der damit unabhängig vom GNU-Projekt begonnen hatte. Es handelte sich im Gegensatz zum geplanten GNU-Microkernel um eine monolithische Variante.

Moody schildert noch einmal die legendäre Newsgroup-Auseinandersetzung zwischen Torwalds und dem in Amsterdam lehrenden amerikanischen Betriebssystem-Guru Andrew Tannenbaum. Diese Kontroverse um den monolithischen versus Microkernel wirkt bis heute nach: zuletzt in Torwalds massiver Kritik an dem Mach-Kernel des neuen Apple-Betriebssystems Mac OS X.

Torwalds Bereitschaft, Verbesserungen an seinem Kernel anzunehmen, begründete die Programmierphilosophie der Open-Source-Bewegung: "Wichtig war, dass er die Leute ermutigte, Patches einzusenden, und dass er bereit war, sie zu akzeptieren." Auf diese Weise verbesserte und verbreitete sich Linux rasant. Das quelloffene OS stand also nicht mehr bloß für eine bestimmte Software, sondern für eine "Entwicklungsmethode". Sie profitierte von der sehr schnell wachsenden Zahl von Internet-Nutzern.

Auch bei anderen erfolgreichen Open-Source-Unternehmungen stellt der Autor die persönlichen Leistungen einzelner Pioniere in den Vordergrund. Dazu zählt Eric Allman, "der dazu beitrug, dass das Internet zu dem wurde, was es heute ist". Er schrieb in Berkeley nach seinem Programm "Delivermail" den bis heute wichtigsten Mail-Server "Sendmail". Zu den legendären Entwicklern freier Software zählt auch Larry Wall, der "Perl God". Er ist Urheber einer der wichtigsten Scriptsprachen überhaupt. Und sogar "Samba", das einen Windows-NT-File-Server fast perfekt imitiert, war eine persönliche Lösung, nämlich die von Andrew Tridgell. Samba ist inzwischen in vielen Unternehmen vertreten, da es mit den meisten Linux-Distributionen ausgeliefert wird.

Moody unterschlägt auch nicht die immer wieder beschworene Gefahr der Linux-Entwicklungsmethode: das "Code forking", also die Möglichkeit separater Entwicklungsstränge. Im Kapitel "Trolle und Gnome" beschreibt Moody ausführlich eine andere Spaltungstendenz: die aktuellen Grabenkämpfe zwischen KDE- und Gnome-Verfechtern. Es geht hier um parallel entwickelte grafische Oberflächen. Sie sollen ein Manko von Linux ausbügeln, nämlich die geringe Benutzerfreundlichkeit. Die Idee zum K Desktop Environment (KDE) stammt von dem Deutschen Matthias Ettrich. KDE ist aber dem puristischen Flügel nicht frei genug, da es das ursprünglich kommerzielle Toolkit "Qt" nutzt. Moody betont freilich, dass in diesem Fall die gegenseitige Konkurrenz beide Projekte belebt.

Open Source als TrademarkDie Kommerzialisierung von GNU/Linux wurde möglicherweise durch den Begriff der freien Software behindert. Im Englischen ist "frei" meistens mit "kostenlos" konnotiert, was Firmen vielleicht davon überzeugt hat, dass damit sei kein Geld zu verdienen sei. Stallman dagegen verwendet Freiheit als ethischen und sozialen Begriff. Eric Raymond begab sich deswegen auf die Suche nach einem neuen Namen. Christine Peterson vom Foresight Institute lieferte ihn: Open Source. Immer stärker profitieren mittlerweile die führenden Distributionen von der zunehmenden Unterstützung durch Computerriesen wie IBM, Intel oder Compaq.

Das Buch liefert eine detaillierte Geschichte der Open-Source-Bewegung. Der Leser erfährt nebenbei einiges über die persönlichen Lebensumstände der Protagonisten. Gespickt ist das Buch zudem mit vielen Anekdoten. Durch die etwas unsystematisch daherkommenden zahlreichen Details sowie die nichtssagenden Kapitelüberschriften zerfranst der Inhalt des Buchs etwas. Das schadet der Übersicht und dem Lesefluss.

*Inge Steutzger ist freie Autorin in München.

Glyn Moody: Die Software Rebellen. Die Erfolgsstory von Linus Torvalds und Linux. Landsberg: Verlag moderne Industrie 2001. 464 Seiten, 59 Mark.