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05.07.1991 - 

Spaderna: "Die Software AG weckt Überzogene Erwartungen"

Geschonte Leistungsdaten schaden dem Ruf von Unix

MÜNCHEN (gfh) - Einen "Bärendienst für Unix" nennt Josef Spaderna, Geschäftsführer der Softronic GmbH, Karlsruhe, die Werbe-Praktiken der Software AG (SAG). Leistungsdaten, wie sie die Darmstädter angeben, wecken seiner Ansicht nach bei potentiellen Kunden Überzogene Hoffnungen, die sich später nicht erfüllen lassen.

Die Software AG hatte vor kurzem eine Meldung verbreitet, nach der ein Unix-Server mit 140 Terminals in einer praxisnahen Simulation für das Duisburger Handelshaus Klöckner Antwortzeiten um 1,2 Sekunden erreicht hat (siehe auch CW Nr. 22 vom 31. Mai 1991, Seite 1: "Klöckner: Auf Filialebene Unix statt...").

Mit solchen Aktionen versuchte sich das bisher auf Mainframes orientierte Software-Unternehmen als Unix-Anbieter zu präsentieren. "Sie hoffen darauf, so Spaderna, "daß das Aufführen von hervorragenden Antwortzeiten dazu führt, daß die Kunden ihnen die im Großrechner-Bereich erworbene Kompetenz auch für den Unix-Bereich zugestehen."

Die Softwerker vergessen nach Ansicht des Unix-Kenners jedoch, daß es im Workstationbereich auf ganz andere Eigenschaften ankommt als bei den großen Maschinen. So spiegle die Testinstallation für Klöckner mit ihrem Master-Slave-Konzept eine an der zentralen Groß-DV orientierte Umgebung wider, bei der die eigentlichen Vorzüge von Unix Oberhaupt nicht zum Tragen kämen.

Nur die Transferraten wurden ermittelt

Konkret wirft Spaderna der Software AG vor, daß die Testumgebung in keiner Weise der Wirklichkeit einer Auftragsabwicklung entspräche, wie sie hier getestet werden sollte. Die Software AG habe nach seinem Kenntnisstand lediglich die reinen Transferraten zwischen dem Server und den simulierten Terminals ermittelt. Doch selbst unter dieser Bedingung wären Antwortzeiten von 1,2 Sekunden ungewöhnlich gut.

"Ich stehe zu den ermittelten Leistungsdaten", weist Georg Thaler, DV-Verantwortlicher bei der Klöckner & Co AG, jede Kritik zurück. Und auch Dagmar Fischer, Produkt-Managerin Connectivity bei der Software AG, versichert, daß bei der Probeinstallation alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Spadernas Einwände richten sich jedoch weniger gegen die Meßergebnisse selbst als gegen den Versuchsaufbau.

Möglich wurden die von der Software AG ermittelten Raten nur, führt Spaderna aus, weil die zwischen 120 und 160 Terminals - mit Ausnahme von sechs realen Geräten - mit Hilfe von zwei Unix-Rechnern simuliert wurden. Bei dieser Anordnung werde die Dauer der Arbeitsabläufe zwischen Terminal-Eingang und Bildschirm in keiner Weise berücksichtigt. je nach den technischen Möglichkeiten der Terminals und nach Maskengestaltung könne es zu erheblichen Zeitverlusten kommen.

Zusätzlich verfälscht werde das Testergebnis laut Spaderna durch das Ausklammern des Bildschirmaufbaus: "Es gibt keine Auftragsbearbeitung, die als Antwort nur ein einziges Zeichen auf den Bildschirm zeigt."

Die Software AG habe jedoch die Antwortzeiten nach der ersten Reaktion des Rechners gestoppt.

Der Unix-Befürworter Spaderna kommt zu dem Schluß, daß die Hoffnung von Thaler, die Antwortzeit auf alle Fälle unter drei Sekunden zu drücken, mit der getesteten Unix-Umgebung nicht zu erfüllen ist. Hier widerspricht Dieter Tumfart, Hauptabteilungsleiter zentrale interne Dienste bei Klöckner: "Wir haben bei den realen Terminals auch Antwortzeiten inklusive Bildschirmaufbau mit der Stoppuhr gemessen. Bei 140 Benutzern ergab sich eine Zeit von 2,2 Sekunden."

Für Thaler stehen jedoch weniger die konkreten Meßergebnisse im Vordergrund als die Vorteile beim Hardwarekauf, die sich aufgrund seiner Unix-Entscheidung bereits bemerk. bar gemacht haben.