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01.04.1994

Gespraech mit dem Chef von IBMs Power Parallel Systems Division Kultur von MVS-S/390 laesst sich nicht mit AIX/RISC vermischen

Auf der CeBIT in Hannover konnten Besucher einen ersten Blick in IBMs parallele Zukunft werfen: Der Parallel Transaction Server arbeitet mit in Boeblingen entworfenen CMOS-Prozessoren. Er dient als Vorschaltrechner fuer die Front-end-S/390-Grossrechner unter MVS. Ausserdem praesentierte die IBM zwei Nachfolgemodelle des bereits vor einem Jahr in Hannover gezeigten "SP1"- Parallelrechners. Die als massiv-parallele Architekturen ausgelegten und von der Power Parallel Systems Division entworfenen "SP2"-Maschinen rechnen mit der Multi-Chip- Implementation der Rios-2-RISC-Architektur unter AIX. Diese ist auch als Power-2-Architektur bekannt. Mit dem General Manager des Geschaeftsbereichs Power Parallel Systems, Irvine Wladawsky-Berger, sprach CW-Redakteur Jan-Bernd Meyer.

CW: Mit dem Motto "Von Palmtops bis Teraflops" setzt die IBM alles auf die Karte Parallelarchitekturen: Auf Basis unterschiedlicher Power-Prozessor-Implementationen bieten Sie in Zukunft vom Notebook bis zum massiv-parallelen System alles aus einer Hand.

Wladawsky-Berger: Das ist korrekt. Allerdings muss man hier zwischen zwei Architekturlinien unterscheiden. Allem zugrundeliegend ist die Rios-1-Technologie, die in den seit Anfang 1992 verfuegbaren RS/6000-Systemen eingesetzt wurde. Von dieser Plattform - wir nennen sie auch Power-1 - zweigen zwei Straenge ab. Zum einen die Power-Architektur, die als Multi-Chip-Implementation ausgelegt ist. Sie wird fuer unsere Hochleistungssysteme genutzt. Hierbei kann es sich um massiv-parallele Systeme handeln wie die SP1 oder die jetzt vorgestellten SP2-Modelle. Zum anderen gibt es den Entwicklungsstrang der Ein-Chip-Implementation, die mit dem Power-PC-Chip rechnen...

CW: ...Sie wollen aber auch die AS/400-Systeme auf die Power- Plattform transformieren.

Wladawsky-Berger: Aber erst in der dritten Generation, der sogenannten Power-3-Implementation. Diese AS/400-Rechner sollen ab 1996 oder 1997 auf den Markt kommen.

CW: Mit der Power-PC-Plattform wollen Sie den Massenmarkt angehen?

Wladawsky-Berger: In der Tat sollen diese Power-Implementationen den Massenmarkt kostenguenstiger Systeme bedienen. Erste Systeme mit dem 601-Power-PC-Prozessor konnten wir im September 1993 auf der Unix-Expo in New York praesentieren. Die naechsten Varianten - 603, 604 und 620 - stehen kurz vor der Ankuendigung.

CW: Die aus den Entwicklungslabors der Power Parallel Systems Division stammenden Systeme haben mit den Parallelrechnern, die fuer die Grossrechnerwelt der S/390-MVS-Mainframes entwickelt werden, keine Ueberschneidungen?

Wladawsky-Berger: Sehr richtig. Es ist wichtig, die Parallelimplementationen der Power-Architektur nicht mit den Parallelsystemen der S/390-Grossrechner zu vermischen. Letztere sind zwar auch in CMOS-Technologie ausgelegt. Hiermit enden aber die Gemeinsamkeiten. Die ersten Parallelsysteme fuer den MVS- Bereich - der Query Parallel Server und der Transaction Parallel Server - arbeiten mit den in Boeblingen entwickelten CMOS-S/390- Prozessoren. Sinn dieser Entwicklungen ist, den Anwendern von MVS- Systemen, unserem groessten Kundenstamm, auch fuer die Zukunft Wege in eine gesicherte Datenverarbeitung zu garantieren.

CW: An eine spaetere Zusammenfuehrung beider Technologiestraenge ist also nicht zu denken?

Wladawsky-Berger: Die Kulturen von MVS und S/390-Architektur einerseits sowie AIX und RISC-Technologie andererseits sind zu unterschiedlich, als dass man sie vermischen koennte. Ob die jemals zusammenkommen werden, kann ich nicht sagen.

CW: Welche Maerkte wollen Sie denn angehen mit den SP1- und SP2- Parallelrechnern?

Wladawsky-Berger: Mit der Power-Parallel-Architektur zielen wir auf drei Marktsegmente: Zum einen wollen wir Anwender ansprechen, die im wissenschaftlich-technischen Umfeld arbeiten. In diesem Segment konkurrieren wir intensiv mit Cray. Dieser Markt ist fuer uns sehr wichtig, weil er nach unseren Erwartungen geradezu explodieren wird. Dabei nehmen wir an, dass nicht nur - wie bisher - Universitaeten und Forschungslabors unsere Ansprechpartner sein werden. Wir werden vor allem auch Unternehmen aus der pharmazeutischen oder chemischen Industrie angehen.

CW: Daneben gewinnen massiv-parallele Rechner doch vor allem auch bei Entscheidungshilfesystemen an Bedeutung...

Wladawsky-Berger: ...wir nennen diesen Aufgabenbereich Data- Mining-Analysen. Also Aufgabenstellungen, bei denen riesige Datenbestaende in schnellstmoeglicher Zeit gemaess bestimmten Fragestellungen durchzuforsten sind.

CW: Trifft dies nur fuer kommerzielle Anwendungen zu?

Wladawsky-Berger: Nein, nicht unbedingt. Solche Rechner, die vorzugsweise skalierbar sein sollten, koennen genauso gut zur Analyse von Satellitenbildern oder in der Medizin dienen. Auch als Multimedia-Server fuer Anwendungen wie etwa Video on Demand sind massiv-parallele Systeme bestens geeignet. Kreditkartenunternehmen werden sie auch nutzen, um ihre Millionen Kundendaten auf bestimmte Erkenntnisse hin zu filtern.

CW: IBM ist aber vor allem in der kommerziellen Welt von Banken und Versicherungen zu Hause.

Wladawsky-Berger: Das ist der dritte eher noch traditionelle, kommerzielle Bereich, den wir mit unseren massiv-parallelen Maschinen ansprechen wollen. CICS/6000 oder R/3 sind klassische Anwendungen, die auf solchen Systemen laufen werden. Diese Rechner werden allerdings eher im unteren Leistungsbereich der von uns vorgestellten massiv-parallelen Systeme zu finden sein.

CW: Man kann also die SP1- und SP2-Rechner nicht als Ersatz fuer S/390-Systeme verstehen?

Wladawsky-Berger: Auf keinen Fall. Wer das tut, missversteht unser Anliegen mit den MPP-Rechnern voellig.

CW: IBM gilt nicht gerade als Innovator bei massiv-parallelen Systemen.

Wladawsky-Berger: Das zwar nicht. Da haben Sie schon Recht. Als Mainframe-Anbieter haben wir aber eine langjaehrige Erfahrung mit grossen Systemen. Insbesondere wissen wir, wie riesige Datenmengen zu handhaben sind, wie sie gelagert und wie sie verarbeitet werden muessen. Das verschafft uns dann auch Vorteile bei der Konzeption massiv-paralleler Systeme. Darueber hinaus sind wir der einzige Hersteller, der eine durchgaengige Rechnerplattform mit Systemen von ganz unten bis ganz oben anbieten kann.