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Gesucht: Prüfzeichen für Software

22.07.1977

Die Frage eines Prüfzeichens für Software wird seit Jahren diskutiert. Sie war Gegenstand eines Gastkommentars von Dieter Jekat in der Computerwoche 26 vom 25. Juni 1976. Das Thema ist - so meinen wir - aktuell geblieben. Insofern halten wir es für nützlich, den Jekat-Beitrag - wenn auch gekürzt - zu wiederholen.

Für zahlreiche industrielle Materialien und Produkte existieren allgemein anerkannte Standards zur Qualitätsbeurteilung. Software-Produkte sind dagegen nur "beschränkt prüffähig": Durch Programmtests läßt sich mit Einschränkungen die formale Richtigkeit sowie die Anwesenheit von Fehlern, jedoch nicht deren Abwesenheit feststellen. Darüber hinaus kann - ebenfalls nur mit Einschränkungen - festgestellt werden, ob ein Programm die ihm zugeschriebenen Funktionen erfüllt. Diese Feststellungen allein sind für den potentiellen Software-Nutzer nicht ausreichend. Er muß in der Lage sein, die Produktspezifikationen mit seinen eigenen Anforderungen zu vergleichen und zu bewerten. Das heißt, er muß die Eignung des Programmes für eine bestimmte Aufgabenstellung prüfen können. Hierbei ergeben sich erhebliche Schwierigkeiten, da nur in den wenigsten Fällen die Anforderungen eindeutig spezifizierbar sind. Insbesondere dann nicht, wenn ein Programm Teil eines "Man-Machine-Systems" ist. Allgemeiner formuliert: Organisationsformen sind nicht in physikalischen Größen meßbar. Und selbst bei technisch-wissenschaftlichen Programmen, die auf einem mathematisch beschreibbaren Lösungsalgorithmus basieren, kann durch ein Prüfzeichen eine a priori richtige Anwendung nicht sichergestellt werden. Daraus folgt, daß ein allgemeines Prüfzeichen für Programme, das die Dimensionen Qualität und Eignung umfaßt, nicht vergeben werden kann. Eine labormäßige Prüfung von Programmen, wie sie für Werkstoffe und Geräte seit Jahren üblich ist, kann derzeit nicht durchgeführt werden. Es fehlen objektive und quantitative Maßstäbe für die Beurteilung sowie geeignete und "geprüfte" Untersuchungsmethoden.

Ein weiterer Aspekt:

Programme werden nur selten in der Originalversion eingesetzt; bei Anwendungsprogrammen sind in der Regel betriebsspezifische Modifikationen erforderlich. Dann wäre der Entzug, die Neuvergabe des Prüfzeichens erforderlich.

Was würde durch ein Prüfzeichen attestiert? Die formale Richtigkeit des Programmes, die Fehlerfreiheit, die Eignung zur Lösung eines bestimmten Problems, funktionale Vollständigkeit, die Übereinstimmung mit vorgegebenen Spezifikationen, die Anpassungsfähigkeit, die Modularität, die Portabilität, die Wartbarkeit, die Effizienz der Nutzen oder die Zuverlässigkeit? Die meisten dieser Kriterien sind Design-Kriterien, die sich gegenseitig beeinflussen. Und die Prüfmöglichkeit selbst ist ebenfalls als Designs-Kriterium zu betrachten. In die Qualitätsbeurteilung einzubeziehen ist die Eigenschaft eines Software-Systems, unzulässige Input-Daten zurückzuweisen, denn es besteht die Gefahr, daß der Software-Nutzer Opfer unzulänglicher Input-Daten wird ("garbage in - gospel out") - eine Überlegung, der besondere Bedeutung zukommt im Hinblick auf Programme der öffentlichen Verwaltung (Berechnung von Renten) oder bei Programmen zur Berechnung von Reaktorbauteilen.

Welche Schritte sollten nun konkret unternommen werden, um dem Ziel der Qualitätsprüfung/-sicherung für Software näherzukommen? Zur Zeit existieren für die meisten Software-Produkte keine Funktionsstandards. Daher wäre die Erarbeitung solcher Standards ein erster Schritt; beispielsweise die Festlegung der Funktionen, die ein Nettolohn-Programm, ein Programm zur Verschnittoptimierung für die Textilindustrie oder ein Entscheidungstabellengenerator mindestens erfüllen müßte. Obwohl solche Funktionsstandards keine Garantie für die Leistungsfähigkeit, Qualität und Zuverlässigkeit eines Software-Produktes in einer benutzerspezifischen Umwelt geben können, sind sie für viele potentielle Software-Käufer sicher eine nützliche Hilfe. Ein weiterer Schritt wäre in der Darlegung der bisherigen Erfahrungen von Software-Nutzern mit bestimmten Programmen zu sehen (consumer model).