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10.05.1985

Gesucht sind vor allem Analytiker und Organisatoren:Personalmangel: Woher nehmen und nicht abwerben?

HAMBURG - Personalknappheit plagt die Org./DV-Leiter als Problem Nummer 1, weiß Dr. Heinz Streicher von der SCS GmbH, Hamburg, zu berichten, und betont: Gutes Personal wird auch in den nächsten Jahren Mangelware bleiben. Derzeit obenan auf der Wunschliste stehen Analytiker und Organisatoren.

Gutes Personal für den Bereich Organisation und Datenverarbeitung zu finden, bereitet dem Org./DV-Leiter weit mehr Kopfzerbrechen als die gefürchtete "Budget-Limitierung ". Mit anderen Worten: Selbst durch Geld kann das "Problem Nr. 1" also nicht einfach gelöst werden. Vergleichsweise gelassen reagiert der DV-Verantwortliche auf Widrigkeiten wie allgemeines Unverständnis, Widerstände im Management, in der Fachabteilung sowie bei der Arbeitnehmerorganisation oder durch gesetzliche Vorschriften.

Über Personalknappheit klagen die DV-Chefs unabhängig davon, ob es sich um ein großes oder kleines Unternehmen handelt. Gerade Unternehmen, die zwischen 2000 und 10 000 Beschäftigte haben, melden mit rund 55 Prozent die höchste "Schmerzziffer". Die ganz kleinen mit weniger als 100 Mitarbeitern leiden mit jeweils 25 Prozentpunkten Erstnennungen unter der Personalknappheit genauso wie unter den knappen Budgets.

Besonders fehlen - nach Auskunft der Org. /DV-Leiter - die Anwendungsprogrammierer. 28,9 Prozent der DV-Verantwortlichen bezeichneten sie als "Mangelware" - vor Systemanalytikern und Organisatoren mit nur einigen Prozenten weniger. Aber auch Systemprogrammierer stehen mit 23,1 von Hundert noch weit oben auf dieser Wunschliste.

An der Reihenfolge gegenüber der entsprechenden Befragung aus dem Jahr 1980 hat sich laut SCS nichts geändert, allerdings liegen die Mangelberufe heute näher zusammen als vor vier Jahren. Die Personalknappheit hat sich - nach Ansicht der DV-Manager - eher verschärft. 1980 setzten lediglich 37 Prozent diese Restriktion an die erste Stelle.

Ein Blick auf die Branchen zeigt deutliche Unterschiede. Ganz vorn bei dem Phänomen Personalknappheit liegt die EBM-Industrie mit 66,7 Punkten vom Hundert vor den 62,7 Prozent der Metallerzeugenden Industrie. Es folgen Kreditinstitute mit 60 und die Mineralöl- und Chemische Industrie mit 52,6 Prozent. Fahrzeugbau, Maschinenbau, Bauhauptgewerbe und Verkehr empfinden ebenfalls, wie die Bundesbehörden jeweils mit 50 Prozentpunkten die Sorge über fehlendes Personal als Restriktion Nr. 1. Relativ geringe Probleme bereitet die Verfügbarkeit über entsprechende DV-Mitarbeiter offensichtlich den Energieversorgungsunternehmen mit 14,3 von Hundert, der Textilindustrie sowie dem Nahrungs- und Genußmittelsektor nahe der 30-Prozent-Marke.

Die Org./DV-Chefs aus der Kunststoffverarbeitenden Industrie drückt der Mangel an Anwendungsprogrammierern offensichtlich mit 60 Prozent am stärksten, aber auch die Landes- und Kommunalbehörden können mit 46,2 Punkten manche Stelle nicht besetzen und mit 45,8 Hundertstel fehlen bei fast der Hälfte der Handelsunternehmen Mitarbeiter dieser Kategorie. Die relativ geringsten Mängel an Anwendungsprogrammierern haben die Versicherungen, die Elektrotechnische Industrie und die Mineralöl- und Chemische Industrie - die Werte zwischen 7 und 21 Prozent zu verzeichnen.

Nach Systemanalytikern suchen vor allem der Fahrzeugbau, die Nennung lag bei 50 von Hundert, Versicherungen bei 38,5 Prozent, die Mineralöl- und Chemische Industrie bei 36,8 Punkten und für Kreditinstitute bei 35 Prozent. Geringe Nennungen weisen das Bauhauptgewerbe und der Verkehr mit Werten unter 15 Prozent auf, während die Kunststoffverarbeitende Industrie und die Verlage die Systemanalytiker nicht vermissen, so die Angaben.

Besonders hohen Zusatzbedarf an Organisatoren haben die Metallerzeugende Industrie und die EBM-Industrie mit jeweils 50 Hundertstel Nennungen, gefolgt von den Versicherungen mit 38,5 und den Verlagen mit 33,3 Prozent. Am unteren Ende der Skala liegen bei dieser Mitarbeitergruppe die Mineralöl- und Chemische Industrie, der Verkehr und das Bauhauptgewerbe mit Werten zwischen 15 und 17 von Hundert. Die Kunststoffverarbeitende Industrie und die Bundesbehörden führen die Organisatoren nicht auf ihrer Wunschliste.

Bei den Systemprogrammierern sind es der Fahrzeugbau und die Bundesbehörden, bei denen jeweils die Hälfte aller DV-Chefs Mangel signalisiert hat, noch vor den Kreditinstituten und der Elektrotechnischen Industrie mit jeweils 40 Prozent. Andere Funktionen in den Org./DV-Abteilungen machen offensichtlich den Verantwortlichen bei der Nahrungs- und Genußmittelindustrie mit lediglich 7,1 Prozentpunkten und der Metallerzeugung mit 12,5 von Hundert Sorgen. Auch die Länder- und Kommunalbehörden haben mit 15,4 Prozent wenig zu klagen, ähnlich wie die Mineralölindustrie und die Chemie. Von der Kunststoffverarbeitenden Industrie und den Verlagen kamen zu dieser Mitarbeiterkategorie keine Meldungen.

Eigener Mann mit Marschallstab

Ein interessanter Gradmesser für die Qualitätseinschätzung ist die Frage der DV-Verantwortlichen, ob sich unter den eigenen Mitarbeitern einer befindet, der die Funktion eines Org./DV-Leiters übernehmen könnte und welcher Vorbereitungszeitraum nötig wäre. Einen Mann mit Marschallstab im Tornister, der praktisch keine Vorlaufzeit für die Amtsübernahme brauchte, haben im Durchschnitt 16,9 Prozent. Immerhin die Hälfte der Org./DV-Chefs des Fahrzeugbaus gaben dies zu Protokoll. Auch die Landes- und Kommunalbehörden liegen mit 46,2 von Hundert noch recht hoch. Versicherungen und Kreditinstitute bejahen das zu knapp einem Drittel. Nur knapp ein Zehntel der Handelsunternehmen hat solche Kandidaten; auch bei der Elektrotechnik und der Metallerzeugung sieht es offensichtlich nicht besser aus.

Diese Frage an Org. /DV-Leiter ließ noch die Möglichkeiten abgestufter Einarbeitungszeiten offen, so daß sich die Gegenprobe mit den Antworten "Es gibt keinen, der es schaffen würde" machen läßt. Hier sieht es bei der Elektrotechnischen Industrie mit 30 Punkten, dem Bauhauptgewerbe mit 25 Prozent und der Nahrungs- und Genußmittelindustrie mit 21,4 vom Hundert am düstersten aus, wenn man sich den Durchschnitt aller Branchen vor Augen hält, der bei 9,9 Prozent liegt.

Eine weitere Frage trifft die Qualität der Mitarbeiter - angesichts steigender Kosten bei den Rationalisierungsanstrengungen der Org./DV-Chefs. Immerhin 26,9 von Hundert nennen "Produktionssteigerungen durch besseres Personal" als Maßnahme. Die sehr DV-intensiven Unternehmen der Versicherungswirtschaft und des Kreditgewerbes liegen ganz vorne mit 100 beziehungsweise 95 Punkten Nennungen; der Handel hat mit 75 Prozentpunkten auch einiges vor. Die Verkehrsbetriebe, die Textilindustrie und die Landes- und Kommunalbehörden - zwischen 15 und 16 Prozent - versprechen sich von besserem Personal nach der Befragung keine besonderen Effekte, während die EBM-Industrie und die Kunststoffverarbeitende Industrie diese Möglichkeit gar nicht erwähnten.

Alle Org./DV-Chefs wissen, daß auf dem Arbeitsmarkt für qualifizierte DV-Leute niemand Schlange steht. Also muß man an Bewerber herankommen, die sich von einem Wechsel ihrer Arbeitsstätte einen Karriereschritt oder zumindest materielle Vorteile versprechen.

Um neue Mitarbeiter für ihren Bereich zu rekrutieren, nannten die Org./DV-Leiter zuerst andere Bereiche des eigenen Unternehmens: Personal von dort zu übernehmen, spielt mit 58,3 Prozent immer noch eine wichtige Rolle. Natürlich kann man auf "BIutzufuhr" von außerhalb des Unternehmens nicht verzichten. Die Suche erfolgt dabei überwiegend über Stellenanzeigen. Zu 48,8 Prozent wird in überregionalen Tageszeitungen, zu 47,9 Hundertstel in regionalen Tageszeitungen und zu 22,3 Prozentpunkten in Fachzeitungen und -zeitschriften Anzeigen geschaltet. Bei dieser Suche beauftragen - nach eigenen Angaben -15,3 Prozent der Org./DV-Chefs Personalberater. Schließlich wird von knapp einem Viertel die Chance genutzt, durch Kontakte zu Hochschulen geeigneten Nachwuchs für die Org./DV-Abteilung zu rekrutieren.

Gegenüber Ergebnissen aus dem Jahr 1980 zeigt sich, daß neben Zeitungen und Zeitschriften für Stellenangebote auch der Personalberater häufiger eingeschaltet wird. Einen besonderen Sprung nach vorne machten die Hochschulkontakte, sicher auch weil die Absolventen zunehmend praxisorientierter ausgebildet sind und so mit geringeren Einarbeitungszeiten als früher "produktiv" eingesetzt werden können. Mit zunehmender Studenten- und Absolventenzahl steigt auch die Ergiebigkeit der Kontakte. Wenn die Übernahmen von Mitarbeitern aus anderen Unternehmensbereichen ebenfalls reizvoller geworden sind, mag das mit der ständig fortschreitenden Ausdehnung der Informationsverarbeitung im Gesamtunternehmen zusammenhängen.

Einerseits braucht die Org./DV-Abteilung immer mehr detailliertes Anwendungs-Know-how, andererseits verfügen derzeit viele Mitarbeiter außerhalb des Org./DV-Bereichs über DV-Kenntnisse.

Hohe Bereitschaft zur ständigen Weiterbildung

Auch bei der Beschaffungsfrage lassen sich die Aussagen der Org./ DV-Chefs nach Branchen aufteilen.

Sehr hohe Nennungen um 100 Prozent haben bei der Alternative "Übernahme von anderen Unternehmensbereichen" der Fahrzeugbau, die EBM-Industrie mit 83,3 Prozent, die Kreditinstitute und die Bundesbehörden mit 75 von Hundert und die Energieversorgungsunternehmen mit 71,4 Punkten. Die Hochschule ist offensichtlich besonders für die Versicherungen mit 76,9 Prozent, für den Fahrzeugbau sowie die Bundesbehörden mit 50 Prozentpunkten ein ergiebiges Reservoir. Auf Stellenanzeigen in überregionalen Tageszeitungen setzt vor allem die EBM-Industrie mit 83,3 Hundertstel. Die Hoffnungen der Mineralöl- und Chemischen Industrie, Textilindustrie und der Elektrotechnischen Industrie liegen bei der Personalsuche bei knapp 70 Prozent. In den regionalen Tageszeitungen plazieren mit Vorliebe die Energieversorgungsunternehmen, die Kunststoffverarbeitende Industrie und die Bundesbehörden ihre Stellenangebote. Die Werte bewegen sich zwischen 85 und 75 Prozent. Hohe Präferenz für Stellenausschreibungen in Fachzeitungen und -zeitschriften geben die Textilindustrie, die EBM-Industrie und die Metallerzeugende Industrie mit Zahlen zwischen 50 und 60 Prozent an.

Die Org./DV-Leiter der Textilindustrie ziehen zu einem Drittel, die der Metallerzeugenden Industrie und des Bauhauptgewerbes zu einem Viertel mehr als ihre Kollegen aus den anderen Branchen bei der Suche nach EDV-Mitarbeitern die Personalberatung zu Rate.

Zwei Strategien in der Personalpolitik lassen sich unterscheiden. Die Einstellung zusätzlicher oder besserer Mitarbeiter ist die eine Methode, um die quantitativen und qualitativen Personalprobleme zu lösen; die Weiterentwicklung der vorhandenen Mitarbeiter ist die andere.

Überraschend hoch mit über 80 Prozent ist die Bereitschaft der Org./ DV-Chefs, die Produktivität ihres Bereiches durch Weiterbildung der Mitarbeiter zu steigern - und hierin sind sich alle Manager quer durch die Branche einig. Die meisten sehen keine Probleme, die richtigen Informationen über Schulungsmöglichkeiten für ihre Mitarbeiter zu bekommen; nur 7,9 Prozent bekannten ein Informationsgap.

Methoden- und Tooleinsatz in der Software-Produktion sollen nach dem Willen der Org. /DV-Leiter künftig einen entscheidenden Beitrag zur Lösung der Softwareprobleme leisten. Über das hinaus, was sie bereits heute machen, wollen - nach den Aussagen der Verantwortlichen - 70,2 von Hundert die Online-Programmierung einführen, 48,3 Prozent setzen große Hoffnung in den verstärkten Einsatz von "Werkzeugen" und 44,2 Prozent wollen den Methodeneinsatz intensivieren. Die Realisierung dieser Maßnahmen wird neue personalpolitische Aufgaben für die Org./DV-Chefs mit sich bringen. Die konsequente Einführung von Methoden und Tools ist untrennbar mit einem beträchtlichen Schulungsaufwand verbunden. Also werden die Investitionen im Software Engineering Früchte tragen.

Eine ganze Reihe von altgedienten Mitarbeitern in den DV-Abteilungen werden zudem psychologische Hürden zu überwinden haben, bevor sie auf die neuen Software-Produktions-Methoden umgeschult sind.

Der Org./DV-Chef wird also auch in Zukunft das Problem "Personal" nicht so schnell zu Akten wird legen können.

Wie rekrutieren Sie hauptsächlich Mitarbeiter für Ihren Bereich (Mehrfachnennungen sind Möglich)?

Anzeigen in überregionalen Tageszeitungen 43,8 %

Anzeigen in regionalen Tageszeitungen 47,9 %

Anzeigen in Fachzeitungen und Zeitschriften 22,3 %

Kontakte zu Hochschulabsolventen 15,3 %

über Personalberater 15,3 %

Übernahme aus anderen Unternehmensbereichen 58,3 %

keine Angaben 1,7 %

Wie lange würde Ihr bester Mitarbeiter brauchen, um Ihre eigene Position zu übernehmen?

Praktisch keine Zeit 16,9 %

bis zu 3 Monaten 14, 0 %

bis zu 6 Monaten 28,1 %

länger als 6 Monate 29,8 %

er würde es nie schaffen 9,9 %

keine Angabe 1,2 %