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Gesunder Laienverstand

03.02.1984

In der Personal-Computer-Industrie wird derzeit mit der heißen Nadel genaht. Die Umsatzzahlen sind nämlich nicht so, daß sich die PC-Anbieter selbstzufrieden zurücklehnen könnten. Im Unterschied zu den Kids, die momentan sämtliche Computerläden leerkaufen, fehlt es den Managern, den Fachabteilungsmitarbeitern am "Feeling" für die datentechnischen Möglichkeiten der PC-Systeme. Hardware allein will keiner. Und die Software ist den Endbenutzern, DV-Laien durch die Bank, nach wie vor suspekt. So ging es auch 1983 mit dem Verkauf von "Business Personal Computers", Tischrechnern für geschäftliche Anwendungen, nicht so recht voran.

Reißenden Absatz fand dagegen etwa das Einstiegsmodell des Heimcomputers C 64, von dem Commodore weltweit allein im Dezember 1983 an die 400 000 Stück absetzte. Bleibt der Marktführer freilich zu lange bei seinen Leisten, sprich: Heimcomputern, gerät er unweigerlich in Schwulitäten. Bereits jetzt zeichnet sich eine gewisse Marktsättigung ab, sprechen US-Analysten von einem Nullwachstum bei Videospielen, die bei der Computernutzung zu Hause an erster Stelle stehen. Das heißt: Es bleibt den Produzenten von Freizeitrechnern gar nichts anderes übrig, als sich zukünftig auch auf Gebieten zu betätigen, die hohe Anforderungen an das Vertriebsmanagement stellen, weil sie auf den ersten Blick uneinnehmbar scheinen. Die Rede ist vom unmündigen Fachbereichsanwender - und dem Gegenteil davon, dem experimentierfreudigen Mikro-Fan.

Der Computerfreak kennt sich aus, ihn braucht man nicht wie ein kleines Kind von der Qualität einer PC-Software zu überzeugen. Unter den Hobbyisten gibt es überdies viele Sprachkünstler, die selbst programmieren, was den Verkauf von Hardware erleichtert. Frust kommt von alleine. Den Endbenutzer in großen Unternehmen dagegen schützt sein gesunder Laienverstand, allzu große Torheiten beim Umgang mit Personal Computern zu begehen.

Es ist wenig wahrscheinlich, daß die Zauderer über Nacht ihre Meinung ändern. Die Hersteller, da beißt auch die "Maus" keinen Faden ab, werden noch eine Menge Überzeugungsarbeiten leisten müssen, um "Mr. Business" an den schwarzen Kasten zu kriegen. Ihnen wäre schon geholfen, wenn sich die DV-Spezialisten, ohne die bei den Top-50-Firmen in Sachen PC-Einsatz nichts läuft, auf ihre Seite schlügen. So will Apple, Pionier des Personal Computing, mit dem neuen "Mac"-Mikro (CW Nr. 4 vom 20. Januar 1984) ran an die Manager, macht für Decision-Support-Systeme mobil, die jeder bedienen kann. Dafür wurde, zu Lasten von Leistungen und Funktionen, die Komplexität auf ein Minimum reduziert - der kalifornische "Mac" zeigt sich als wahrer Schotte.

Nun mögen die Bedienungsanforderungen in der Tat gering sein. Nur könnte auch sein, daß die Zielpersonen erneut auf stur schalten. Wie schwierig es ist, der Computer-Lethargie in den Teak-Büros beizukommen, zeigt das Beispiel der Mac-Vorgängerin "Lisa". Dem ersten Management-Mikro mit Mauseroller war geringer Erfolg beschieden - der Apple-Feldzug für die Personal-Computer-Impfung ging gründlich in die Hose. Bedienungsfreundlichkeit hin oder her: Deutschlands Manager kaufen keine Mikros, sie wüßten denn, welche Dienste ihnen die Dinger zu leisten vermögen.

Hier nun ist das DV-Management gefordert, die unumgängliche Beratung und Ausbildung zu bieten. Damit der Personal Computer administrabel, gleichzeitig aber PC-Wildwuchs in den Fachabteilungen verhindert wird.