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23.03.2001 - 

CRM, SCM und E-Commerce geben bei immer mehr Herstellern den Takt an

Gesundes Wachstum auf dem ERP-Nährboden

Aus verschiedenen Gründen zögern viele DV-Leiter noch bei der Ablösung ihrer in die Jahre gekommenen ERP-Systeme. Sie warten einen Generationswechsel ab, der hin zu "Enterprise Applications" führt. Anbieter versuchen, dem neuen Trend Rechnung zu tragen. Von Berthold Wesseler*

Trotz aller Klagen der erfolgsverwöhnten Anbieter von Software für das Enterprise Resource Planning (ERP) rechnen die Marktforscher fast unisono mit kräftigen Wachstumsraten im Markt für "Enterprise Applications". Ein Beispiel ist die Prognose der Marktforschungsgesellschaft AMR, die von einem durchschnittlichen jährlichen Marktwachstum von 24 Prozent in dem Bereich ausgeht. Demnach verdreifacht sich das Marktvolumen von 27 Milliarden Dollar im Jahr 1999 auf 78 Milliarden Dollar im Jahr 2004.

Der ERP-Anteil schrumpftVon diesem rasanten Wachstum können jedoch die Anbieter von ERP-Software, die 1999 mit 64 Prozent noch den Löwenanteil der Geschäfte mit Enterprise Applications gemacht hatten, nicht mehr im gewohnten Maße profitieren. ERP-Anwendungen werden zwar in den Unternehmen auch 2004 noch das Rückgrat der Geschäftsprozesse bilden, machen aber laut AMR nur noch knapp 30 Prozent des Geschäfts der einschlägigen Softwareanbieter aus. Als Wachstumsmotoren haben sich vor allem die Anwendungsfelder Supply-Chain-Management (SCM) und der Nachfolger des Customer-Relationship-Management "E-Business-Relationship-Management" herausgestellt.

Die Ursache für die Entwicklung ist offenkundig: Alle Fragen der Softwareunterstützung firmeninterner Geschäftsprozesse sind funktional zum großen Teil gelöst, die entsprechenden ERP-Systeme wurden - zumindest in den Konzernen - mehr oder weniger erfolgreich eingeführt. Der ERP-Markt zeigt demzufolge schon seit längerem deutliche Sättigungstendenzen. Er wird nach Prognosen von AMR Research jährlich nur noch um fünf Prozent von 16,9 Milliarden im Jahr 1999 auf 21,4 Milliarden Dollar im Jahr 2004 wachsen.

Auf zu neuen MärktenAls Folge daraus befinden sich die fünf Marktführer SAP, Oracle, Peoplesoft, J.D. Edwards und Geac, die laut AMR insgesamt 62 Prozent des ERP-Weltmarktes unter sich ausmachen, im Umbruch und auf dem Weg zu neuen, stark wachsenden Märkten. Praktisch alle haben ihre Krise durchlebt, auch wenn es nicht alle so gravierend erwischte wie Baan, JBA oder SSA, die jetzt mit neuen Eigentümern auf die Erfolgsspur zurückkehren wollen. Dieser Umbruch eröffnet aber auch gute Chancen für "Newcomer". Siebel Systems bei CRM-Systemen und der Supply-Chain-Spezialist i2 Technologies haben sie bereits genutzt und manchen alteingesessenen ERP-Anbieter mit ihren vorgeschalteten Spezialsystemen umsatzmäßig weit hinter sich gelassen. Anbieter von Marktplatz-Infrastrukturen wie Ariba oder Commerce One sind dabei, ihnen nachzueifern.

Einen klaren Trend zur "Selbstbedienung" in den ERP-Systemen macht nach Einschätzung der britischen Marktforscher von Ovum das von den Softwareanbietern entdeckte Front-Office bereits wieder weitgehend überflüssig. Zehn Milliarden Dollar Volumen soll nach Einschätzung der Marktforscher der CRM-Softwaremarkt im Jahr 2005 gemäß der Studie "E-CRM: Personalisation Technologies for the Web" ausmachen.

Die heute noch marktbeherrschenden Pioniere wie Siebel, Nortel/Clarify oder Oracle dürften dann ohne gravierende Änderungen ihrer Produktstrategie schon wieder ein Mauerblümchen-Dasein fristen, prophezeit Ovum. Demgegenüber können die Plattform-Anbieter für den E-Commerce wie ATG, Broadvision oder Open Market den Kuchen weitgehend unter sich aufteilen, während Spezialisten wie Annuncio und Net Perceptions mit Generalisten wie IBM und Bea um den Rest konkurrieren.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Selbstbedienung und der damit einhergehenden kontinuierlichen Analyse des Verbraucherverhaltens zur Personalisierung von Informationen und Produkten sei eine Konsolidierung zu erwarten. Dies betrifft sowohl die unterschiedlichen Techniken als auch die Lieferanten von Commerce-Servern, E-Marketing-Software, Personalisierungs-Engines, Analyseprogrammen und E-Service-Software.

Breites Spektrum an CRM-AnbieternIm Mittelpunkt des CRM-Konzeptes steht laut Stefan Schaaps von der Münchner Beratungsgesellschaft PAC GmbH die effiziente Verknüpfung von Marketing-, Vertriebs- und Serviceaktivitäten. Deshalb ist neben Software für das Front-Office auch Software für die Aggregation und Auswertung von Kundendaten von großer Bedeutung. Daraus resultiert ein breites Spektrum an relevanten CRM-Anbietern.

Hauptziele des Einsatzes von CRM-Produkten sind nach Schaaps'' Erkenntnissen die Identifizierung von Zielgruppen, die effektive Ansprache potenzieller Kunden sowie die Steigerung der Kundenzufriedenheit und -loyalität. Diese Anforderungen haben Softwareanbieter unterschiedlichen Ursprungs auf den Plan gerufen. Ohne Zweifel zählen globale Spezialisten für das Front-Office wie Siebel, Vantive (Peoplesoft) und Clarify (Nortel) auch in Deutschland zu den führenden Anbietern. Bemerkenswert ist laut PAC aber auch die hohe Anzahl an lokalen CRM-Anbietern wie Applix, CAS, S3 AG, Orbis, Update.com oder Regware, die ihre Stärken in einzelnen Branchen und ihren CRM-Ursprung eher im Bereich der Vertriebsunterstützung haben.

Bei aller Euphorie um die neuen Anwendungen darf man aber eines nicht übersehen, warnt John Bermudez von AMR: "Unternehmen, die sich an die Hochgeschwindigkeit des Internet anpassen wollen, müssen zunächst ihre Hausaufgaben bei der Planung und Koordination ihrer Geschäftsprozesse machen." Daher werden ERP-Applikationen weiterhin gefragt bleiben, auch wenn ihr Anteil am Gesamtmarkt für Enterprise Applications bis 2004 von heute 64 auf dann 28 Prozent schrumpfen wird.

Einen Schritt weiter gehen die Analysten von Gartner und erklärten im vergangenen Jahr das traditionelle ERP-Modell bereits für klinisch tot. Einer Studie zufolge werden große Unternehmen in diesem Jahr nur noch 17 Prozent der IT-Budgets für die Implementierung und den Support von ERP-Anwendungen vorsehen - im Jahr zuvor lag der entsprechende Anteil noch bei 22 Prozent.

Nachfolger für ERP-SystemeResearch Director Nigel Rayner von Gartner stellte logischerweise auch den Nachfolger für ERP vor, den gerade erst aus den funktionalen Speziallösungen für Produktionsplanung, Warenwirtschaft, Finanz- und Personalwesen zusammengeschmiedeten firmeninternen Integrationsansatz vor: Collaborative Commerce. Für das Zusammenspiel der unterschiedlichen Komponenten, die in verschiedenen Firmen zum Einsatz kommen, könnten so genannte C-Commerce-Frameworks sorgen - die es allerdings noch zu entwickeln gilt.

Umkreisten bisher Speziallösungen für firmenübergreifende Anwendungen wie CRM und SCM quasi wie Planeten den ERP-Kern, wird diese Satellitenrolle laut Gartner-Analyst Rayner bis zum Jahr 2004 der Vergangenheit angehören. Dann werde die firmenbezogene betriebswirtschaftliche Standard- oder Individualsoftware, das heutige organisatorische Rückgrat der Betriebe, nur noch ein - wenn auch wichtiger - Teil von vielen Komponenten eines weit komplexeren und größeren unternehmensübergreifenden Systems sein.

Gartner definiert vor dem Hintergrund dieses Szenarios bereits ERP II als Nachfolger der heute üblichen integrierten Anwendungspakete. Dabei handelt es sich um ein Bündel aus Geschäftsstrategien und einem Set branchenspezifischer Applikationen, die sowohl auf die Optimierung des Kundennutzens als auch auf den Shareholder Value ausgerichtet sind. Sie optimieren beziehungsweise ermöglichen überhaupt erst die dazu erforderliche firmeninterne und firmenübergreifende operative Zusammenarbeit sowie die zugehörigen Finanztransaktionen. ERP-II-Systeme werden im Jahr 2005 Stand der Technik sein.

Dieser Trend gilt nach Einschätzung der Analysten von PAC auch für den deutschen ERP-Markt. In den kommenden Jahren seien die Module CRM, SCM und E-Commerce/E-Business die Wachstumsträger. Bis 2003 werde der daraus generierte Produktumsatz um etwa 37 Prozent pro Jahr wachsen. Im gleichen Zeitraum steige der Umsatz mit den "klassischen" Modulen wie Finanzbuchhaltung, Personalwesen und PPS nur um rund 10,9 Prozent jährlich.

Versprechen selten erfülltEiner der Hoffnungsträger, SCM, konnte jedoch bisher die großen Herstellerversprechen nur selten erfüllen. Zwei von drei Unternehmen investieren gemäß einer Umfrage von Zona Research in SCM-Anwendungen mit dem primären Ziel, die Kundenzufriedenheit zu erhöhen. Zona-Analyst Jack Staff spricht in diesem Zusammenhang bereits von "Virtual Logistics", zu deren Umsetzung allerdings beträchtliche Investitionen erforderlich sind: 60 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einem Return on Investment nach einem Zeitraum von mindestens zwei Jahren.

Jetzt beginne laut Ovum-Analystin Cassandra Millhouse ein neuer Anlauf von SCM-Implementierungen nach einem anderen Modell, bei dem die Interaktion über Online-Marktplätze statt direkt über die ERP-Systeme erfolgt: "SCM wird dabei die Killerapplikation, die diese Marktplätze zu entscheidenden Plattformen für Mainstream-User machen wird." Denn während die ERP-basierte Supply-Chain-Integration eine Prozessintegration erforderlich mache, sei sie auf Online-Marktplätzen weit weniger anspruchsvoll, da lediglich die Anwendungsdaten integriert werden müssten. Dennoch würden heterogene ERP-Systeme im Backend sowie wichtige Komponenten wie Business-Intelligence und Workflow unterstützt.

Die Global Player preschen mit massiven Marketing-Kampagnen vor, während das Gros der mittelständisch geprägten ERP-Anbieterszene pragmatisch mit vorgeschalteten Online-Shops, zwischengeschalteten XML-Adaptern und aufgesetzten Browser-Schnittstellen reagieren will. Zur kompletten Neuentwicklung ihrer bewährten Systeme haben sich erst die wenigsten entschlossen, die schwedische Intentia beispielsweise mit "Movex Nextgen" oder die Karlsruher Softwareschmiede AP Automation + Productivity AG mit "P2plus". Erst eine derartige Neuentwicklung schafft jedoch das technische Fundament für eine wirkliche "Internet-Fähigkeit" und die Objektorientierung, die dann die Integration erleichtern soll.

Langsam erkennen die Softwareanbieter, dass eine Standardlösung für einen Web-Shop allein kein nachhaltiges Softwaregeschäft stimulieren kann. Erst die Integration der Frontend-Funktionen im Internet - von ShopSystemen über Produktkataloge, Payment-Verfahren bis zu Online-Auskunftssystemen - mit den logistikorientierten Back-Office-Lösungen - also Warenwirtschaft, Order-Management, Lagerverwaltung und Transportlogistik - bietet nachhaltigen Erfolg.

Genau aus diesem Grunde sind Kooperationen und Akquisitionen auch in Zukunft noch an der Tagesordnung. Denn selbst die Global Player können in dem höchst komplexen Umfeld nicht mehr alles selbst entwickeln - jedenfalls nicht in der gebotenen Geschwindigkeit. Typische Konsequenz ist die strategische Rückbesinnung der ERP-Anbieter auf ihre Kernkompetenzen. Sie löst den Hang zum "Alles-Selber-Machen" ab, der bei dem ERP zugrunde liegenden Integrationsgedanken zunächst nahe liegend schien.

Berthold Wesseler ist freier Journalist in Brühl/Rheinland

Web-EDI im VormarschIm Jahr 2002 werden Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 6,8 Billionen Mark via elektronischen Datenaustausch über die weltweiten Computernetze fließen. Zu dieser Prognose gelangt die Marktforschungs- und Beratungsgesellschaft Giga Information Group in ihrer Analyse "Old plus new E-Commerce to drive Economic Value of Electronic Transactions".

Als Motor der Entwicklung nennen die Auguren die rapide steigende Nutzung des Internet als Basis für den Austausch von Geschäftstransaktionen der Firmen untereinander. Das ist erheblich kostengünstiger als herkömmlicher Electronic Data Interchange (EDI) und erlaubt auch die Einbindung der mittelständischen Wirtschaft in die neue "E-conomy", heißt es bei Giga. EDI ermöglicht den standardisierten und direkten Austausch von Bestellungen, Aufträgen, Lieferbestätigungen, Rechnungen und weiteren geschäftlichen Dokumenten zwischen den Computersystemen verschiedener Firmen.

Nach Einschätzung von Giga-Analyst Ken Vollmer werden schon in zwei Jahren rund 50 Prozent des weltweiten EDI-Verkehrs über das Internet fließen. Zum Vergleich: 1999 hatte dieser Anteil laut Giga-Recherchen noch bei unter zehn Prozent gelegen. Heute nutzen nur etwa 250 000 Unternehmen weltweit, überwiegend Großkonzerne, den elektronischen Datenaustausch via EDI. Rund zwei Millionen mittelständische Firmen könnten ebenfalls erhebliche Vorteile aus EDI ziehen, meint Giga, hätten aber bislang die hohen Anschaffungskosten in althergebrachte Systeme gescheut. Internet-EDI hingegen lässt sich laut Giga zu einem Bruchteil der Kosten in den Firmen einführen. Es sei damit erstmals auch für kleine und mittelständische Unternehmen wirtschaftlich. Vollmer spricht vom Durchbruch für das Transaktions-Internet im Mittelstand.

Abb.1: Collaborative Software

Der Markt für Collaborative-Commerce-Software wächst jedes Jahr im Schnitt um 68 Prozent. Quelle: AMR Research

Abb.2: Enterprise Applications 2004

Quelle: AMR Research