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14.05.1999 - 

Niederländer haben Wang Global an der Angel

Getronics avanciert zum weltweiten Servicegiganten

MÜNCHEN (CW) - Für knapp zwei Milliarden Dollar will der niederländische IT-Dienstleister Getronics NV Wang Global übernehmen. Gelingt der Deal, spielt künftig in der Weltliga des Servicegeschäfts ein Unternehmen mit, das international bislang kaum von sich reden machte.

Daß der Druck auf die europäischen IT-Dienstleister seitens ihrer multinational tätigen Kunden wächst, sich im US-Markt ein Standbein zu schaffen, ist längst kein Geheimnis mehr. Und daß sie sich damit nicht gerade leicht-tun, ebenfalls nicht. Hierzulande wohl prominentestes Beispiel ist die Debis Systemhaus GmbH, die in ihrem geradezu verzweifelten Bemühen, einen adäquaten US-Partner zu finden, noch keinen Schritt weitergekommen ist. Wie es funktioniert, hat den Schwaben nun der bis dato international kaum in Erscheinung getretene Amsterdamer IT-Service-Anbieter Getronics gezeigt.

1983 in Form eines Management-Buyouts als Computerdistributor gegründet und Ende der 80er Jahre in das wesentlich lukrativere Systemintegrations- und Beratungsgeschäft umgestiegen, haben die Niederländer, die einen Umsatz von zuletzt umgerechnet rund drei Milliarden Mark und einen Gewinn von rund 213 Millionen Mark erwirtschafteten (siehe Abbildung), die Angel nach dem wesentlich größeren Wettbewerber Wang Global ausgeworfen. Nach Lage der Dinge dürften sie diesen dicken Fisch auch an Land ziehen, denn es fehlt "nur" noch die Zustimmung des 20prozentigen Anteilseigners Olivetti, der freien Aktionäre sowie der US-Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC). Bei dem gebotenen Preis - die Niederländer schlagen 29,25 Dollar je Wang-Global-Aktie vor, eine Offerte, die fast 40 Prozent über dem durchschnittlichen Kurs der vergangenen 30 Tage liegt - ist nicht zu erwarten, daß sich die Wang-Global-Aktionäre lange zieren.

Mit seinem Überraschungscoup schlägt Getronics gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. So mausert sich das Unternehmen, das bislang 65 Prozent seiner Geschäfte im Heimatmarkt und da wiederum vorwiegend bei staatlichen Behörden getätigt hat, wie erwähnt zu einem internationalen Player inklusive US-Standbein. Wang Global erzielte im vergangenen Jahr 53 Prozent seines Gesamtumsatzes in Höhe von drei Milliarden Dollar in Europa, 36 Prozent in Nord- und Südamerika und elf Prozent im asiatisch-pazifischen Raum. Getronics-Boß Cees van Luijk: "Wir werden nicht nur attraktiver für unsere bestehende Klientel, sondern erhalten auch mehr Aufträge von multinationalen Konzernen."

Darüber hinaus holen sich die Amsterdamer damit nun doch die einstige Olivetti-Service-Tochter Olsy an Bord, mit deren Erwerb man im vergangenen Jahr geliebäugelt hatte. "Wir sind schon seit einiger Zeit auf der Suche nach einem internationalen Übernahmekandidaten und hatten dabei auch ein Auge auf Olsy geworfen", bekennt Getronics-Finanzchef Jan Docter: "Doch Wang war schneller." Erst im März 1998 hatte sich bekanntlich der einstige Minicomputer-Hersteller, der 1994 Vergleich anmelden mußte und sich danach, zunächst als Bildverarbeitungsspezialist, ab 1997 als IT-Dienstleister neu im Markt zu positionieren versuchte, die Olivetti-Tochter für 390 Millionen Dollar einverleibt.

Weltweite Rangliste gerät in Bewegung

Auf jeden Fall entsteht durch den Deal eine Fünf-Milliarden-Dollar-Company mit rund 33000 Mitarbeitern, die nach Einschätzung von Getronic-Chef van Luijk künftig in der europäischen IT-Service-Liga Platz drei, weltweit Platz fünf einnimmt. Zu- mindest läßt man renommierte Branchengrößen wie Cap Gemini, Sema Group und natürlich das Debis Systemhaus hinter sich. Größe allein aber ist kein Garant für den Markterfolg.

Auf die Niederländer wartet jede Menge Arbeit. Zum einen haben sie keine Erfahrung mit einer Akquisition solchen Kalibers. Van Luijk selbst erwartet, daß die Zusammenführung, die bei Wang Global nach Ansicht von Analysten zu nennenswerten Entlassungen zumindest im administrativen Bereich führen dürfte, zwischen 18 und 24 Monaten dauern wird. Zum anderen gilt es mit Wang Global ein Unternehmen zu integrieren, das bis zum jetzigen Zeitpunkt den Kauf von Olsy noch nicht verdaut hat und rote Zahlen schreibt. Für das am 31. März beendete erste Quartal mußte man bei einem Umsatz von 759 Millionen Dollar aufgrund hoher Restrukturierungskosten von 51,1 Millionen Dollar einen Verlust von 57,7 Millionen Dollar hinnehmen.

Mit Skepsis bewerten Marktinsider auch das hinzukommende Service-Portfolio von Wang Global. Aufgrund der Historie der früheren Wang Labs generiert das Unternehmen noch immer den Großteil seiner Umsätze mit Hardwarewartungen. Gerade dieser Markt ist jedoch hart umkämpft. Ein deutlicher Pluspunkt dürfte indes der Imagegewinn sein, der sich mit der "Marke" Wang Global erzielen läßt - wenn man es denn will.

"Das größte Problem dürfte unter Umständen sein, daß man an dem Namen Getronics festhält", meint Philip Vermeulen, IDC-Analyst in Amsterdam. Genau dies scheint Unternehmenschef van Luijk zu beabsichtigen, der ersten bekannten Plänen zufolge das gesamte Dienstleistungsspektrum künftig unter dem Label Getronics anbieten möchte. Kritiker Vermeulen weiß deshalb schon jetzt, was sich viele Kunden fragen werden: "Wer zum Teufel ist Getronics?."