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25.08.1995

Gewerkschaft beklagt schlechte Stimmung in Softwarehaeusern: Kriterien der Gehaltsfindung sind oft schwer nachvollziehbar

MUENCHEN (CW) - In der deutschen Softwarebranche bleiben die Gehaltszuwaechse hinter den diesjaehrigen Tarifabschluessen zurueck. Zu diesem Schluss kommen die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) und das Netzwerk Arbeitswelt Informatik (NAI) nach einer Umfrage unter DV-Experten. HBV und NAI fordern zumindest eine Anpassung der Einkommen an die tariflichen Abschluesse.

Zwei bis drei Prozent mehr Gehalt bekamen die deutschen DV-Profis durchschnittlich in diesem Jahr. "Allerdings geht die Tendenz eher nach unten als nach oben", beobachtet Michael Jaekel von der Gewerkschaft HBV in Duesseldorf. Vor allem Berufseinsteiger und Spitzenverdiener muessten kleinere Broetchen backen als in der Vergangenheit.

"Aufgrund der starken Konkurrenz auf dem DV-Arbeitsmarkt haben sich die Einstiegsgehaelter der Informatikabsolventen seit Jahren nicht mehr veraendert", resuemiert Jaekel. Die Personalchefs koennten sich in der aktuellen Situation die besten Absolventen zu niedrigen Preisen aussuchen. Auch die gutverdienenden Computerfachleute mit einem Monatssalaer ab 8000 Mark muessen damit rechnen, dass sie dieses Jahr leer ausgehen, stellt die Studie fest. Ab dieser Kategorie wuerden Unternehmen oft variable und leistungsabhaengige Komponenten einbauen, berichtet der Gewerkschaftler.

Ausnahmen bildeten lediglich Mitarbeiter in Unternehmensberatungen, in denen zum Teil bis zu sechs Prozent mehr gezahlt wuerde. Nullrunden seien aber wie im letzten Jahr ebenfalls keine Seltenheit. Sogar Gehaltskuerzungen mussten die Mitarbeiter einer Softwarefirma aufgrund schlechter Geschaeftsergebnisse hinnehmen.

Die Aushandlung der Gehaelter in der DV-Branche gestaltete sich schon immer recht schwierig. "Es war und ist oft immer noch nicht moeglich, die Arbeit der DV-Spezialisten konkret in ein Berufsbezeichnungssystem einzuordnen und damit miteinander vergleichbar zu machen", heisst es in einer gemeinsamen Erklaerung von HBV und NAI. Ein einheitliches Eingruppierungsmodell etwa in Form eines Gehaltsgruppen-Tarifvertrages existiere bisher nur in wenigen Unternehmen, nicht aber fuer die ganze Branche.

Ab 8000 Mark pro Monat ist nichts mehr zu holen

Haeufig haetten die Berufsbezeichnungen mit einer nachpruefbaren oder mit anderen Bereichen vergleichbaren Leistung nur sehr wenig zu tun, beklagen die beiden Arbeitnehmerorganisationen. Das liege unter anderem daran, dass die Ausbildung fuer DV-Spezialisten nicht einheitlich geregelt sei. Es gebe viele Quereinsteiger aus anderen Berufen, Umschueler, Hochschulabsolventen aus der Informatik und Abgaenger anderer Studienrichtungen. Die heutigen DV-Spezialisten haetten sehr unterschiedliche berufliche Werdegaenge.

Nicht nur die Leistung entscheidet ueber eine individuelle Gehaltserhoehung. So schneiden laut Untersuchung in diesem Jahr diejenigen Spezialisten, deren Qualifikation am Markt gerade gebraucht wird, bei der Gehaltsrunde besser ab als andere. Gefragt seien Systemingenieure und zum Teil Software-Entwickler, jedoch vor allem SAP-R/3-Experten. Diese drei Berufsgruppen konnten nach Auskunft Jaekels ein Gehaltsplus von fuenf bis zehn Prozent fuer sich verbuchen.

Auch juengere Mitarbeiter erhielten Zuschlaege, da sie in den letzten Jahren in der Regel mit einem niedrigen Gehalt eingestiegen seien. Angestellte aus den neuen Bundeslaendern kamen laut Studie ebenfalls in den Genuss einer Einkommenssteigerung.

Eine tarifliche Anbindung stehe in den meisten Softwarehaeusern, die das NAI befragt hat, "in den Sternen". Jeder kaempfe fuer sich, beschreibt ein Betriebsrat die Situation. Die Geschaeftsleitungen wollten keinen offiziellen Gehaltsvergleich, obwohl sie intern durchaus Vergleiche mit Konkurrenzunternehmen anstellten - "wenn es ihrer Argumentation nutzt".

Unter den Mitarbeitern breite sich deshalb Unmut aus, die Stimmung in den Softwarefirmen sei schlecht. Unzufriedenheit herrsche nicht ueber eine leistungsbezogene Anpassung der Gehaelter, aber wegen der Betraege und der nicht nachvollziehbaren Systematik. Eine leistungsdifferenzierte Bezahlung auf Basis klarer Vereinbarungen ueber Umfang und Schwierigkeit der Pensen und die personelle Besetzung werde von den Mitarbeitern in der Regel nicht abgelehnt.

"Nicht im Sinne der Beschaeftigten sind allerdings einseitige Verfahren der Leistungsbeurteilung oder Erfolgshonorierung", die von den Unternehmen in enger Verbindung mit Programmen zur Personalkostenreduzierung eingefuehrt wuerden und die bisherigen Einkommenschancen gefaehrdeten, meinen HBV und NAI. Das Vorurteil von ueberzogenen Gehaeltern bei DV-Spezialisten entspreche schon lange nicht mehr der Arbeitssituation in den DV-Unternehmen.