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05.09.1980 - 

Kaufmännische DV-Berufe am wenigsten organisiert:

Gewerkschaft für Datenverarbeiter kein Thema

MÜNCHEN - Das Thema Gewerkschaft existiert für die Datenverarbeiter nicht. Manns genug, ihre heute geschätzte Arbeitskraft und ihr gesuchtes Wissen teuer zu verkaufen, zeigen sie wenig Interesse an einer gewerkschaftlichen Organisation. Ihrer Absicht nach sind auch die Industriegewerkschaften zu wenig darauf eingerichtet, den Arbeitsproblemen eines DV-Spezialisten Rechnung zu tragen.

Erst allmählich beginnen sich nach Beobachtung der IG Metall auch die Arbeitsbedingungen im Bereich Datenverarbeitung zu verschlechtern Betroffen von dieser Unsicherheit, die neue Techniken mit sich bringen, sei eher das "Fußvolk" der DV. "Dadurch erst erwacht bei den Arbeitnehmern ein Interesse für die Gewerkschaften", meint Regine Meyer aus der Vorstandsverwaltung Abteilung Angestellte in der IG Metall, Frankfurt Tatsächlich sind nur verschwindend wenig organisiert. Zahlen darüber gibt es bei keiner Gewerkschaft. Den gesuchten EDV-Profis mit einem interessanten Arbeitsinhalt und weitgehend selbständiger Tätigkeit fehle das Bewußtsein, Arbeitnehmer zu sein. Die meisten hätten eine akademische Ausbildung hinter sich, seien auf Karriere und Einzelgängertum getrimmt, handelten gute Gehälter sowie Privilegien aus, so daß ihnen die Notwendigkeit zum Zusammenschluß in einer Interessenorganisation, fremd bliebe. "Möglicherweise ändert sich das, wenn die junge Generation die alten Datenverarbeiter von ihren Plätzen verdrängt", räsoniert Frau Meyer.

Die Haltung "meine Probleme kenne nur ich", wie sie Heinz Streicher von der SCS GmbH, Hamburg, apostrophiert, ist bei der herrschenden Gewerkschaftsstruktur allerdings nicht ganz unbegründet. "Für die Software-Branche gibt es einfach keine zuständige, kompetente Gewerkschaft", kritisirert Streicher. Selbst diejenigen, die ihre Mitgliedschaft von einem Hardware-Hersteller mitgebracht hätten, seien der Ansicht, daß die IG Metall wenig vom Software-Geschäft verstehe. In den innerbetrieblichen Diskussionen träte das Thema Gewerkschaft kaum jemals in Erscheinung. Als Außertarifliche (AT), so Peter Freitag als Mitglied des SCS-Betriebsrates, handelten die Mitarbeiter, die alle über eine qualifizierte Ausbildung verfügten, Gehalt und Vertrag individuell aus.

Doch beginnt die IG Metall mit ihren Leistungen hier anzusetzen. Nach Angaben von Frau Meyer bietet sie den ATs Musterverträge als Verhandlungsbasis an.

" Wir laufen jedem einzelnen nach", spöttelt ein Sprecher der IG Metall. In der metallverarbeitenden Industrie insgesamt, zu der auch die Hersteller vor EDV-Anlagen zählen, ist der Erfolg auch beachtlich. 56 Prozent der Beschäftigten in diesem Bereich seien organisiert. Wieviel davon jedoch DVler sind, kann aus den Statistiken der Metaller nicht abgelesen werden.

Akademiker selten organisiert

Datenverarbeiter, die aus dem gewerblichen Bereich herausgewachsen sind, füllen eher die Beitrittserklärung aus als Hochschulabsolventen. Doch unterscheiden sich diese Beobachtungen Harald Flassbecks von der IG Metall, München, auch seinen eigenen Angaben nach nicht von dem Erscheinungsbild in anderen Berufsgruppen. Der Organisationsgrad sinke, je weiter von der Produktion entfernt der Kollege arbeite. Über den Praxisbezug in ihrer Tätigkeit gäbe es mehr gewerkschaftlich interessierte Ingenieure als Kaufleute. Diese neigten eher dazu, die Gewerkschaften als Störfaktor im Betriebsablauf zu betrachten. Der Hardware-Bereich sei folglich besser organisiert als die Software-Fabrikanten, die sich vielleicht eher als Individualisten fühlten und Organisationen generell ablehnend gegenüberstünden.

Diese Beobachtung stimmt nicht nur im Umkreis München, wo vergleichsweise viele Hardware-Unternehmen ansässig sind. Auch bei Nixdorf, Paderborn, haben die Software-Entwickler und kaufmännischen Berufe keinen rechten Draht, ihre Arbeitnehmerinteressen gemeinsam zu vertreten. Nach Angaben von Betriebsratsvorsitzenden Karl-Otto Becker sind rund 1,5 Prozent der Angestellten in der DAG organisiert und etwa acht Prozent in der IG Metall. Insgesamt zahlten etwa sechzehn Prozent der Belegschaft Mitgliedsbeiträge an die Metallgewerkschaft. Bei SCS sind laut Freitag weniger als zehn Prozent der Belegschaft, die zu 65 Prozent aus Mathematikern, Physikern und Ingenieuren besteht, in der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen organisiert.

Die Einführung neuer Techniken im Büro jedoch erweitert die Anzahl derer, die über ein Terminal mit der EDV zu tun haben. Über die Arbeitsplatz und -Inhaltsunsicherheit erleben sie sich als abhängig Beschäftigte, erläutert Frau Meyer.

Neue Technik schafft Bewußtsein

Dadurch entstehe Gewerkschaftliches Bewußtsein und Verhaltensweisen änderten sich. Mit Stolz weist die IG Metall darauf hin, daß mittlerweile 400 000 Angestellte auf ihren Mitgliedslisten stehen. Und, obwohl nach Ansicht von Kritikern die Gewerken nicht gerade gleichberechtigt mit Frauen umgehen, stieg die Anzahl der weiblichen Mitglieder in den vergangenen drei Jahren um 18 Prozent an. Eine Entwicklung, an der die Einführung von Bildschirm-Arbeitsplätzen im Büro nach Ansicht der Metaller nicht ganz unschuldig ist.