Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

19.08.1983 - 

Arbeitnehmer und neue Informationstechnologien:

Gewerkschaften befürchten neue Kontrolle

WIEN (eks)-Die modernen Informationstechnologien erweitern die Handlungsfähigkeit der Unternehmensleitungen und schränken die Arbeitnehmer bei der Wahrung ihrer Interessen ein. Zu dieser Meinung kommen die Gewerkschaften Österreichs, der Schweiz und Luxemburgs in einer Broschüre mit dem Titel: "Neue Kontrollen mit neuen Technologien".

An Hand einiger Beispiele, illustriert durch passende Herstellerinserate und -werbetexte, wollen die Autoren Paul Kolm, Michaela Moritz und Wolfgang Lauber zeigen, welche Auswirkungen diese Techniken auf die Arbeitswelt haben können. Sie stellen fest, daß sich "aus der umfassenden Kontrolle der Arbeit . . . Möglichkeiten des Unternehmens, seine Vorstellungen von der Organisation der Arbeit durchzusetzen, (ergeben)." "Gerade die Angst vor diesen Möglichkeiten macht die Kontrolle so wirksam."

Vereinheitlichung und Vereinfachung der Zeiterfassung zur Erleichterung der bereits eingeführten EDV-Gehaltsverrechnung seien nur vordergründige Argumente bei der Einführung von Ausweislesern. Die Verfasser begründen dies mit einer nicht näher zitierten Unternehmensbefragung: 41 Prozent der Befragten gaben darin als Grund für die Einführung solcher Systeme Personalabbau als Ziel an, 20 Prozent die Verringerung von "Personal-Leerzeit".

Darüber hinaus erlaubten derartige Einrichtungen, wenn sie zusätzlich für innerbetriebliche Verkehrswege und zur Kantinenabrechnung eingesetzt würden, die Aufzeichnung eines recht umfassenden Bildes über persönliches Verhalten im Betrieb.

Bei der Erfassung von Produktionsdaten befürchten die Gewerkschaften einen "Super-Zeitnehmer mit vielen Augen und vielen Händen . Dieser "beobachtet laufend ... jeden Arbeitsplatz, mißt die Zeiten, zeichnet alles Beobachtete auf. Jede individuelle Änderung der Vorgaben, jede Pause und jede Handlung werden sofort registriert. "Versteckte Reserven" des Arbeiters sollen aufgedeckt werden, um sie auszunützen."

Auch elektronische Telefonvermittlungsanlagen sind den Verfassern ein Dorn im Auge. Die Technik beseitige einen von vielen Arbeitgebern als schmerzlich empfundenen Mangel-die bisher fehlende Überwachungsmöglichkeit der Arbeitnehmer beim Telefonieren. Unter dem Vorwand der Kostenstellenrechnung sei der Vorgesetzte imstande zu kontrollieren, ob "rationell telefoniert werde und wer mit wem Kontakt aufgenommen habe.

Die Befürchtung der Gewerkschafter vor den effektiven Überwachungsmöglichkeiten sind sicher begründet. Allerdings gehen sie nicht darauf ein, daß die bedrohten Freiräume eigentlich-zumindest offiziell-nicht vorhanden sind. Das Privattelefonat beispielsweise mag eine liebe Gewohnheit sein, aber rechtmäßig ist es nicht.

Eher berechtigt scheinen Einwände gegen Personalinformationssysteme zu sein. Der Einsatz der Informationsverarbeitung zum Abgleich von Arbeitsplatzanforderungs- und Persönlichkeitsprofilen, zur Erstellung von "Freistellungsplänen" sowie zur Laufbahnplanung bedarf sicherlich einer eingehenden Diskussion und zuverlässiger Überwachung.

Informationen: Österreichischer Gewerkschaftsbund, 1010 Wien, Deutschmeisterplatz.