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25.10.1996 - 

Sprachnetzbetreiber schnappen sich den Datenfunkmarkt

GFD-Aus: Von GSM-Netzen in die Zange genommen

Noch immer warten die Anbieter von Diensten für die mobile Datenübertragung auf den großen Boom in ihrem Markt. In GSM-Netzen beträgt das Aufkommen von Fax- und Datenverkehr zusammen mit Short Message Services (SMS) nur einen Bruchteil der Sprachnachrichten. Der Modacom-Dienst der T-Mobil meldet schon seit Monaten unverändert die Zahl von rund 10000 angeschlossenen Terminals an ihr Netz, wobei 4000 allein von dem Paketversender UPS verwendet werden. "Die Steigerungsraten sind moderat", bestätigt auch Peter Steding von der Creative Identity, einer Agentur, die die Initiative Bündelfunk betreut.

Wer also im jungen Datenfunkgeschäft aktiv ist, der benötigt viel Startkapital und einen langen Atem, bevor die Gelder wieder in die Taschen zurückfließen. Viel Startkapital hatte die GFD, denn die Anteilseigner haben einen "möglicherweise dreistelligen Millionenbetrag investiert", so Dietrich Schmidt, Vorstand für das Finanzressort bei dem Gesellschafter RWE Telliance GmbH. Andere Quellen wollen sogar von 500 Millionen Markt wissen, die die insgesamt sieben Gesellschafter bis dato für den Aufbau der Infrastruktur ausgegeben haben.

Unabhängig von der Höhe des Betrages dürfte es die an der GFD beteiligten Unternehmen kaum überrascht haben, zunächst einmal kräftig zuschießen zu müssen. Sicherlich konnten die Manager auf den Erfahrungsschatz der RAM Mobile Data Network GmbH zurückgreifen, die mit sechs Prozent an der GFD beteiligt ist und deren Muttergesellschaft in den USA ein Datenfunknetz betreibt. Dessen Eigner waren bereit, den Dienst durch die verlustträchtige Anlaufzeit zu tragen. Mittlerweile hat sich das Netz etabliert und zählt rund 40000 Anschlüsse.

In Deutschland waren die für das Schicksal der GFD verantwortlichen Manager dagegen zu kurzatmig, um das Unternehmen über die Zeit der Investitionen in die erhoffte Phase der Gewinne zu bringen. Seit dem 1. Oktober gibt es hierzulande keinen Mobitex-Dienst mehr. "Die GFD hatte Schwierigkeiten", begründet RWE-Manager Schmidt das Ende des privaten Datenfunks in Deutschland, "Teile der Gesellschafter sahen für den Dienst keine Perspektive mehr und haben sich dafür ausgesprochen, die Tätigkeiten einzustellen."

Bis zum Ende dieses Jahres hatte die GFD ursprünglich geplant, rund 8000 Geräte in ihrem Netz mit der Datenkommunikation versorgen zu können.

Wie viele Kunden sie bis zum Schluß überzeugen konnten, ist ein Geheimnis, das die Verantwortlichen nicht mehr lüften wollen. "Wir haben die Entwicklung etwas optimistischer eingeschätzt", bestätigt zumindest Friedel Tischler, Geschäftsführer für den Bereich Technik bei der GFD, die schwierige Erschließung des Marktes.

"Es gab Überlegungen, den Datenfunk für die Anbindung unserer POS-Terminals zu nutzen", bestätigt etwa Thomas Koch, Produkt-Manager POS, Sales und Marketing bei der Citicorp Kartenservice GmbH, Frankfurt am Main. Das Lizenzunternehmen für Visacard, das über eigene POS-Terminals die Verbindung zwischen den Kartenlesegeräten der Händler und dem Visa-Netz herstellt, hatte ein System für mobile Abrechnungsgeräte im Auge.

Modacom reicht nur bis zu den Eidgenossen

Zu diesem Zweck verständigten sich Citicorp und die GFD auf ein Pilotprojekt im Frankfurter Raum. Mit der Testinstallation wollte die GFD nachweisen, daß ihr Netz genauso schnell und sicher Daten überträgt wie analoge oder ISDN-Leitungen. "Im Rahmen dieses Vorhabens, in dem man ein POS-Terminal mit einem Mobitex-Modem ausgestattet hätte, wären die Transaktionen auf Schnelligkeit, Antwortzeiten und Zuverlässigkeit überprüft worden", beschreibt Koch das Ziel des vorzeitig beendeten Projektes.

Interesse hat des GFD-Netz bei den Frankfurtern geweckt, weil es den Einsatz mobiler Kartenlesegeräte ermöglicht. Allerdings, so schränkt Koch ein, seien Branchen wie Home- und Bestellservices, die derartige Lösungen benötigen, sehr jung und die potentielle Kundenzahl klein. "Die Ergebnisse wären daher eher als langfristige, strategische Produkte positioniert worden", so der Manager.

Da die Citicorp bislang diesbezüglich nichts investiert hat und Transaktionen über mobile Abrechnungsterminals nicht zu ihren geschäftstragenden Verfahren zählen, trifft die Liquidation der GFD das Unternehmen nicht übermäßig hart. Auf der Suche nach Alternativen wird Koch nun voraussichtlich mit der T-Mobil Kontakt aufnehmen, um über das Modacom-Netz das angestrebte Vorhaben zu Ende bringen zu können.

Das Datenfunknetz der Telekom-Tochter ist für Gerhard Hüschelrath, Geschäftsführer der Transport Data GmbH, Alzenau, allerdings keine Alternative zum Mobitex-Netz. Der Hersteller von Kommunikations-Equipment für Speditionen beliefert seine Kundschaft mit Lösungen, die länderübergreifend einsetzbar sind. Das ist die Modacom-Technik, anders als das von der GFD verwendete Mobitex-Verfahren, allerdings nicht. Lediglich in der Schweiz ist noch ein Modacom-Netz installiert - für internationale Speditionen ist das zuwenig.

Die GFD hatte bessere Möglichkeiten. In vielen wirtschaftlich starken Ländern Europas gibt es Mobitex-Netze, oder, sie werden wie gerade in Spanien, aufgebaut (siehe Grafik). Doch seit die France Télécom und später auch der private französische Netzbetreiber TDR jeweils ihre Netze eingestellt haben, fehlte der GFD ein wichtiger Roaming-Partner in der alten Welt.

Auf die GSM-Lösung wird künftig auch Transport Data setzen müssen. Den Speditionen, die mit ihren in Europa fahrenden LKWs via Funk Statusmeldungen austauschen möchten, bietet Hüschelrath kombinierte Lösungen aus GSM- und Satellitentechnik an. Alles, was Richtung Osten fährt, wird wie bisher via Satellit kommunizieren müssen. In Ländern mit GSM-Infrastruktur lassen sich die Brummis mit auf die reine SMS-Funktionalität beschränkten GSM-Geräten ausstatten.

Dennoch trauert Hüschelrath dem Mobitex-Dienst nach. "Die Kundschaft war gerade von der Technik überzeugt", ärgert sich der Manager, "denn der reine Datenfunk liefert klar kalkulierbare Randbedingungen." Weil der Verbindungsaufbau paketorientiert ist, es somit keinen Besetztfall wie bei den leitungsvermittelnden GSM-Datenfunklösungen gibt, ist der Austausch via Mobitex sicher. Zudem lassen sich die Kosten pro Monat im Datenfunknetz eindeutig beziffern, während der Preis für die Übermittlung von kurzen Meldungen im Sprachnetz aufgrund der schlechten Übertragung häufig schwankt. "Daten und Sprache lassen sich nicht unbegrenzt über ein und dasselbe Netz senden", meint Hüschelrath, der den Datenfunk als wesentliches Element des Zukunftsmarktes Verkehrstelematik einstuft.

Widerspruch erntet er von Bernd Schulte, freier Mitarbeiter bei der Betriebswirtschaftlichen Projektgruppe für Unternehmensentwicklung GmbH (BPU), München. "Wer braucht überhaupt eine reine Datenfunklösung?" fragt der Berater in Sachen mobile Datenkommunikation. Zwischen dem Bündelfunk, dem national verfügbarem Modacom-Dienst und den Satellitenservices, so seine Vermutung, gebe es keinen Platz für ein weiteres Datenfunknetz.

In vielen Fällen genügt die Nutzung der billigeren Bündelfunknetze. Anwendungsbeispiele der GFD, wie etwa bei der Feuerwehr in Duisburg, verwirft Schulte mit dem Hinweis auf das regionale Einsatzgebiet der Notfallhelfer. "In diesem Fall würde die Kommunikation via Bündelfunk ausreichen", lautet seine Einschätzung.

Schulte spricht damit aber auch ein grundsätzliches Problem des Datenfunks an, das den Markt in seinem Wachstum hemmt. Anwender, die sich für den Einsatz mobiler Übertragungsverfahren für ihre Geschäftprozesse interessieren, finden sich aufgrund der Masse der Angebote zwischen Bündelfunk, Paging, Satelliten und Datenfunk nicht mehr zurecht.

Angebot der Betreiber stiftet Verwirrung

Ansatzpunkte zur Entscheidungsfindung liefert meist die geografische Verfügbarkeit der Dienste. Auch die zu erwartende Datenmenge und -art legen häufig eine bestimmte Wahl nahe.

Verwirrung stiften vermehrt aber auch die Betreiber der mobilen Sprachnetze wie T-Mobil, Mannesmann oder Veba. Sie tasten sich mit Fax- und Datendiensten sowie dem Merkmal SMS Schritt für Schritt in den Datenfunkmarkt vor und verwischen die wenigen Trennungslinien zwischen den Angeboten zur mobilen Kommunikation.

Und auch die Betreiber der Bündelfunknetze werden sich auf neue Konkurrenz einstellen müssen. Obwohl sie bislang viel in den Aufbau ihrer Netze investieren mußten, fordern Kunden vermehrt deren erneute Aufrüstung von der Analog- auf die Digitaltechnik. Durch diesen finanziellen Kraftakt angeschlagen, sind sie auch hinter die Konkurrenz e-plus zurückgefallen. Die Betreiber des Netzes adressieren in ihrer Werbung mit regional tätigen Handwerks- sowie gewerblichen Betrieben eine Zielgruppe, um die sich bislang vornehmlich die Bündelfunker kümmerten.

Zwischen all diesen Diensten hatte die GFD plötzlich keinen Platz mehr für ihr eigenes Angebot. Vor allem die erdrückende Marketing-Maschine der GSM-Betreiber, gepaart mit deren finanzieller Macht, die jeden Marktpreis zu unterbieten imstande ist, hat der GFD zugesetzt. Daß sich schließlich aber nicht mehr die erforderliche Mehrheit von 83 Prozent für anstehende Entscheidungen finden ließ, so wie es der Konsortialvertrag der GFD vorsieht, wurde laut offizieller Lesart durch die Entwicklung in Frankreich ausgelöst. Das Ende des privaten Datenfunks in Frankreich bedeutete schließlich auch die Liquidation der GFD.

An der GFD beteiligt

34 Prozent - RWE Telliance

17 Prozent - Mannesmann Eurokom

10 Prozent - Deutsche Bank AG

10 Prozent - Energie-Versorgung Schwaben AG

10 Prozent - Compagnie International pour le Radiotéléphone S.A.

6,5 Prozent - Vebacom GmbH

6,5 Prozent - Thyssen Telekom AG

6,0 Prozent - RAM Mobil Data Network GmbH

Stand: Juni 1995