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09.04.2004 - 

Einnahmen und Verluste schrumpfen

GFT schließt ein schwieriges Jahr ab

MÜNCHEN (CW) - Die Krise der IT-Branche hat auch bei der einst als solide gepriesenen GFT Technologies AG tiefe Spuren hinterlassen. Der Umsatz war zuletzt erneut rückläufig, zudem wurden Verluste erwirtschaftet. Dennoch gibt sich CEO Ulrich Dietz optimistisch.

Er sei ganz zufrieden mit der Positionierung des Unternehmens, sagt GFT-Chef Dietz rückblickend, und eigentlich gehe es ihm prima: "Der Mensch ist ja ein adaptives Wesen." Im dritten Jahr der Krise habe er sich an vieles gewöhnt, die Firma sei schlanker und aggressiver im Vertrieb, nur den einen oder anderen Mitarbeiter habe er "nicht vor einer unangenehmen Entscheidung bewahren" können. Die Phase der Umstrukturierung, die im vergangenen Frühjahr eingeleitet worden war, sei jedenfalls "komplett abgeschlossen". Dennoch: "Die letzten zwei Jahre waren ein hartes persönliches Erlebnis."

In Deutschland hat die Company ihre Entwickler aus vier Standorten in den Niederlassungen Stuttgart und Ilmenau zusammengelegt; die Belegschaft in Eschborn wurde "deutlich reduziert". In Spanien hingegen wurde eine europaweit agierende Banking-Unit aufgebaut - von den insgesamt rund 1050 GFT-Mitarbeitern arbeiten inzwischen mehr als die Hälfte dort. Die letzten gekündigten Angestellten haben die Company Ende 2003 verlassen. In der jetzigen Situation, sagt Dietz, "sind in dieser Hinsicht keine weiteren Aktivitäten geplant".

Stattdessen arbeitet der Firmenchef an der Internationalisierung des Unternehmens und seiner Mitarbeiter. Neben Spanien setzt GFT auf Produktionsstandorte in Ungarn und Indien, was laut Dietz neben den Kostenaspekten auch einen weiteren Vorteil bringen soll: "Die Unbequemlichkeit der Veränderung tut einem Unternehmen gut." Man müsse Prozesse definieren, fremde Mitarbeiter einlernen und überhaupt die eigenen Kompetenzen in Frage stellen: "Der heutige Java-Entwickler muss sich dahin weiterentwickeln, dass er auch Projekte leiten und mit internationalen Kollegen zusammenarbeiten kann." Dietz jedenfalls verweist auf die Chancen, die die Auslagerung von Teilen der Produktion mit sich bringt: "Ich stehe absolut hinter der Entscheidung."

Als oberstes Ziel hat sich der Manager eine "Ergebnisrendite im zweistelligen Bereich" gesetzt, auch wenn dies im laufenden Jahr nur schwer zu erreichen ist: "2004 wird ein Jahr des Übergangs sein", allerdings mit schwarzen Zahlen. Die kann das Unternehmen gut gebrauchen, schließlich belief sich der Nettoverlust im Vorjahr auf 17,7 Millionen Euro. Allerdings konnte das Ergebnis von 2002 damit um rund elf Millionen Euro verbessert werden.

Der Umsatz sank, und zwar um elf Prozent auf 138,1 Millionen Euro. Immer noch beherrsche Preisdruck den Markt, berichtet Dietz: "Die Branche ist gegenwärtig an einer kritischen Schwelle angekommen." Allerdings sei der Auftragsbestand gut, weshalb sich der CEO für das laufende Jahr optimistischer gibt. Zudem geht Dietz davon aus, dass die zu erzielenden Preise mittelfristig wieder anziehen werden, wenn die Nachfrage zunimmt. Dies sei gegenwärtig schon beim Outsourcing von IT- beziehungsweise IT-nahen Prozessen festzustellen: "Wir werden aber kein Outsourcing wie Accenture oder T-Systems anbieten", sagt der GFT-Chef. Insgesamt rechnet er mit einem stabilen Umsatzverlauf für 2004.

Ohne Bankverbindlichkeiten und mit kurzfristig verfügbaren Mitteln von 36 Millionen Euro hat die Company zumindest ein Polster, um die kommenden Quartale auszusitzen. Und auch mit der Börse hat Dietz seinen Frieden geschlossen: Die Marktkapitalisierung von gegenwärtig knapp 70 Millionen Euro "ist zwar nicht sehr erfreulich, aber persönlich ist das kein Drama". Allerdings war die Company zu Boom-Zeiten mal 1,8 Millarden Euro schwer, "doch daran gewöhnt man sich".

In puncto Übernahmen gibt sich Dietz derzeit "sehr zurückhaltend". Er sei froh, dass die Rädchen des Unternehmens ineinander greifen. Wenn es im laufenden Jahr zu Zukäufen komme, dann werde es höchstens eine kleine Transaktion. Dennoch geht Dietz davon aus, dass sich die Szene der Web-Agenturen weiter bereinigt - "daran wollen wir uns in der nächsten Zeit aber nicht aktiv beteiligen". Stattdessen setzt der Vorstandschef auf die Klassiker E-Business und E-Government. Der Anreiz: "Ein gutes klassisches Unternehmen aufzubauen und dieses weiterzuentwickeln." (ajf)

Abb: Umsatzkurve

Auch dank Übernahmen konnte die GFT stark wachsen - zuletzt gerieten die Einnahmen jedoch wieder unter Druck. Quelle: CW