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06.03.1998 - 

CeBIT '98 Standard verzögert, Produkte gibt es dennoch

Gigabit Ethernet ist da - und das zehnfache Tempo im Gespräch

Für alle Hannover-Reisenden, die sich auf den Weg gemacht haben, um sich über Gigabit-Ethernet-Produkte zu informieren, gibt es eine gute Nachricht: Sämtliche Aussteller mit High-speed-Lösungen im Portfolio befinden sich in Halle 11. Der Kampf durch die Menschenmassen läßt sich also auf die Networking-Arena der CeBIT beschränken. Die schlechte Nachricht: Es gibt noch wenige Hersteller, die sich bereits mit einsetzbaren Lösungen in den Markt trauen. Vielleicht haben sie zu hoch gepokert.

Denn ursprünglich war die Verabschiedung des Gigabit-Ethernet-Standards durch das Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) für März anberaumt. Das High-speed-Verfahren hätte also zum aktuellen Thema der CeBIT werden können. Doch die zuständige IEEE-Arbeitsgruppe stieß auf Schwierigkeiten bei der Übertragung des High-speed-Verkehrs über bestimmte Arten von Glasfaserkabeln.

Tests ergaben, daß einige für Multimode-Übertragungen ausgelegte Lichtwellenleiter die vom Standard 1000Base-SX geforderte Distanz von bis zu 550 Metern nicht bewältigen. Verantwortlich dafür waren Laufzeitschwankungen bei den in Lichtimpulse aufgespaltenen Signalen. Die Ingenieure der Arbeitsgruppe präsentierten zwar schnell eine Lösung, bei der zwischen Switch-Port und Glasfaserkabel ein Jumper die Inkonsistenzen bereinigt. Der erforderliche Funktionsnachweis konnte jedoch nicht rechtzeitig zum März-Treffen der IEEE erbracht werden. Nun soll das Verfahren im Juni die Standardweihen bekommen.

Die ersten Hersteller reagierten unmittelbar nachdem die Probleme veröffentlicht wurden. 3Com versicherte etwa der Kundschaft, seine Produkte kostenlos auf das neue Verfahren aufzurüsten, sollte es Probleme mit der Übertragung geben. Mögliche Opfer der Ungereimtheiten der Gigabit-Ethernet-Kommunikation sind Mitglieder der "Corebuilder"- sowie "Superstack"-Reihe, die 3Com unter anderem in Halle 11, Stand B62, ausstellt.

Die jüngsten Sprosse der 3Com-Familien heißen "Corebuilder 3500" und "Corebuilder 9000", die für die Backbones großer Firmen ausgelegt sind und Layer-2- sowie Layer-3-Funktionalität beinhalten. Des weiteren haben die Netzwerker Gigabit-Ethernet-Module für die Workgroup-Switches der "Superstack-II-Switch"-Familie im Portfolio.

Neue Verfahren sind immer ein guter Nährboden für junge Unternehmen, die Lösungen schneller als die mächtigen Netzwerk-Companies entwickeln und vor ihnen die Märkte besetzen. Zu den Start-ups zählt die Foundry Networks Inc., die, erst eineinhalb Jahre alt, den Sprung nach Europa wagte. Im Februar hat sie in der Pandacom Daten- und Kommunikationssysteme GmbH einen Netzintegrator gefunden, der die Produkte in Deutschland an den Mann bringt.

Auf dem Stand D10 in Halle 11 zeigt Pandacom neben Implementierungen für Videokonferenzen im LAN und WAN, xDSL-Techniken und die Sprach-Daten-Integration unter anderem den Foundry-Switch-Router "Bigiron". Das Gerät ist speziell für Internet-Service-Provider und Großunternehmen konzipiert und bietet Layer-2-Switching, Multiprotokoll-Routing und Layer-4-Switching auf einer Plattform. Das Chassis ist in Versionen mit vier und acht Slots erhältlich.

In der gleichen Reihe der CeBIT-Halle 11 ist ein Foundry-Konkurrent zu finden. Bay Networks hat seine Zelte am Stand D64 aufgeschlagen und beherbergt darin die im Februar vorgestellten "Accelar"-Switches. Es gibt sie in vier Leistungsklassen, wobei die Anzahl der Ports und Slots variieren. Einige haben zudem redundante Stromversorgungseinheiten. Für alle Geräte stehen Gigabit-Ethernet-Module zur Verfügung; anders als der Foundry-Switch, der IP, IPX und Appletalk versteht, beherrschen die Bay-Geräte allerdings nur den IP-Verkehr.

Mit einer Auszeichnung im Gepäck wirbt Nbase in Halle 11, Stand E26, auf der CeBIT um die Aufmerksamkeit der Besucher. Der "GFS 3012 Gigaframe Switch" erhielt auf der US-Messe Comnet im Januar eine Medaille für das beste neue Produkt. Er unterstützt das Layer-2- und Layer- 3-Switching in allen Ethernet-Umgebungen. Für das Gerät gibt es drei unterschiedliche Hochgeschwindigkeitsmodule. In der Maximalkonfiguration lassen sich zwölf Gigabit-Ethernet-Ports implementieren. Darüber hinaus liefert Nbase Gigabit-Ethernet-Module für die Geräte der "Megaswitch"-Linie, die den Datenverkehr der Anwender auf einen Gebäude- oder Campus-Backbone zum Gigaframe leiten.

Durch eine derartige Konfiguration ergibt sich für Anwender eine neue Migrationsform zu Hochgeschwindigkeitsnetzen, ohne auf fremde Technologien wie ATM migrieren zu müssen. Dieses Potential des neuen Ethernet-Vertreters hat die Packet Engines Inc. frühzeitig erkannt. Ebenso wie Foundry zählt das US-Start-up zu den Wegbereitern von Gigabit Ethernet. In Deutschland sind die Lösungen bei der Richard Hirschmann GmbH & Co, Neckartenzlingen, zu haben. In Halle 11, Stand 40, zeigt das Unternehmen den Switch "GRS 14003", der neben der Anbindung an Gigabit-Ethernet-Netze auch Anschlußoptionen für FDDI, Fast Ethernet, Sonet und ATM beinhaltet.

In die Gruppe der Neugründungen reiht sich zudem die Prominent Corp. ein. Dem deutschen Publikum präsentiert die Kölner NK Networks GmbH auf ihrem Stand E48 in Halle 11 deren modularen Switch "P550 Cajun". Der Hersteller positioniert dieses Gerät vor allem für Campusnetze und Arbeitsgruppen mit hohem Bandbreitenbedarf, die mit einer Switching-Leistung von 20,8 Gbit/s im Vollduplexbetrieb rechnen dürfen. Voll bestückt mit sechs Modulen lassen sich bis zu 24 Gigbit-Ethernet-Ports betreiben. Zudem liefert Prominent bei Bedarf Fast-Ethernet-Karten, mit denen der Cajun-Switch bis zu 120 Kommunikations-Schnittstellen unterstützt.

Zu einem weiteren Aufsteiger in der leistungsstarken Ethernet-Arena zählt Yago Systems. Das Unternehmen wurde mittlerweile von Cabletron geschluckt, so daß sein Produkt, der "MSR 8000", auf dem Stand F64, Halle 11, bei der neuen Muttergesellschaft zu finden ist. Das von Yago entwickelte Gerät ist für IP- und IPX-Verkehr ausgelegt und nimmt bis zu 56 Fast-Ethernet- oder maximal 14 Gigabit-Ethernet-Ports auf. Doch Cabletron setzt nicht allein auf die Kreativität der Yago-Ingenieure, sondern zeigt auch Entwicklungen aus eigenem Hause. Dazu gehören einige Einsteckmodule, die die Geräte der "Smartswitch"-Serie von Cabletron in die Gigabit-Ethernet-Dimension hieven.

Auch ODS Networks (Halle 11, Stand G19) hat die Kräfte in den Entwicklungslabors aktiviert. Heraus kam der "Lanblazer 7000", ein Gigabit-Ethernet-Switch, der bis zu 24 Hochgeschwindigkeits-Ports integriert. Die sieben verfügbaren Slots lassen sich alternativ mit Ethernet- und Fast-Ethernet-Modulen bestücken, so daß dem Anwender bis zu 120 Kommunikations-Schnittstellen zur Verfügung stehen. Wie viele der zuvor genannten Geräte unterstützt es VLAN-Funktionalität sowie das Remote Monitoring (RMON) und verschiedene Routing-Verfahren wie etwa Open Shortest Path First (OSPF).

Mit einem neuen Namen in einem neuen Markt präsentiert sich Madge Networks. Die Ethernet-Division des Unternehmens trägt seit Ende letzten Jahres die Bezeichnung Lannet und wird auf der CeBIT durch das Systemhaus Telemation Netzwerk AG aus Oberursel in Halle 11, Stand G43, vertreten. Telemation hat gleich zwei Lannet-Produkte in den Auslagen stehen, die Gigabit Ethernet beherrschen. "Meritage 1400" und "Meritage 1000" sind redundant ausgelegte Switches, die sich in der Zahl ihrer Slots und der unterstützten Ports unterscheiden. Für Anwender, die gemischte Ethernet- und ATM-Umgebungen nutzen wollen, birgt das Gerät eine entsprechende Option. Telemation führt zudem Cisco-Produkte im Portfolio und zeigt den Router "12 008" sowie den "Catalyst 5000", die künftig den Gigabit-Ethernet-Verkehr unterstützen sollen.

Einen etwas anderen Ansatz verfolgt General Signal Networks (Halle 11, Stand H43). Das Unternehmen hat sich Mitte letzten Jahres mit Gigalabs, einem US-Hersteller von Mainframe-Connectivity-Lösungen, zusammengesetzt und eine Lösung zur Verbindung von Servern und Großrechnern mit Gigabit-Ethernet-Geschwindigkeit entwickelt. Herausgekommen ist die "Link/ 9000 Escon Interface Card", eine PCI-Karte, mit der Microsofts SNA-Server direkt mit Escon-Kanälen kommuniziert. Die Anbindung an das LAN erfolgt über Switches der "Gigastar"-Serie von Gigalabs, die Gigabit-Ethernet-Funktionalität beinhalten. General Signal Networks präsentiert zudem den Switch "Jigsaw 8", der mittels SCSI-Interface und ATM- sowie Gigabit-Ethernet-Modulen Speichermedien an LAN-Umgebungen anbindet.

Speziell der Server-Vernetzung hat sich die Alteon Networks Inc. verschrieben. Im Februar erst präsentierte sie der Öffentlichkeit neben den Acenic-Adapterkarten für Gigabit Ethernet auch den Aceswitch 180. Das spezielle Feature dieses Switches ist nach Angaben von Alteon eine Funktion namens Server Load Balancing. Sie behandelt ganze Server-Farmen wie einen einzigen virtuellen Server, so daß Anfragen von Anwendern, die Applikationen auf bestimmten Servern ansprechen, auf den jeweils am wenigsten belasteten Server umgeleitet werden. Dadurch möchte Alteon eine gleichmäßige Auslastung aller Server erreichen. Alteon ist auf der Messe nicht mit einem eigenen Stand vertreten. Die beschriebenen Produkte stellt statt dessen die Datakom Gesellschaft für Datenkommunikation mbH, Ismaning, in Halle 11, Stand H51, aus.

Obwohl die ersten Hersteller auf der CeBIT einiges präsentieren, werden sich Anwender noch gedulden müssen, bis eine ausreichende Zahl von Gigabit-Ethernet-Lösungen für den breiten Einsatz im Unternehmen verfügbar sind. Doch eignet sich ein Gang zu den genannten Herstellern, um sich ein Bild von der neuen Technik zu machen. Viele andere Hersteller warten derweil noch auf den endgültigen Standard. Unmittelbar nach der Verabschiedung im Juni dürfte es aber zu einer Flut neuer Geräte kommen.

Temporausch Zehnmal Gigabit Ethernet

Der Standard für das Gigabit Ethernet ist noch nicht in trockenen Tüchern, da träumen die ersten Hersteller bereits von der zehnfachen Geschwindigkeit. Die schon bei einfachem Tempo auftretenden Probleme schrecken sie nicht ab, und auch die immer größeren Längenrestriktionen scheinen kein Hindernis zu sein. Doch der Einsatz von "10 Gigabit Ethernet" wird sich auf wenige Einsatzgebiete beschränken, denn die höhere Geschwindigkeit läßt sich nur durch eine verkleinerte Übertragungsdistanz erkaufen. Über sehr kurze Kupferkabel oder Multimode-Glasfaserleitungen würde der Einsatz keinen Sinn machen. Es bleibt also die Verwendung der teueren Monomode-Glasfaser. Damit sind die Betreiber auch schon bei der Zielgruppe. 10 Gigabit Ethernet ist für Betreiber von Stadtnetzen oder für die Anbindung lokaler Niederlassungen vorgesehen. Ziel der Anbieter ist es, den Ethernet-Standard bis in das Metropolitan Area Network (MAN) zu tragen.