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16.05.1997 - 

Neue Technologien ohne Spezifikationen machen die Wahl zur Qual

Gigabit Ethernet und Remote Access prägen die Messe

Gleich manchem Spieler in den nahen Hotels am Sunset-Strip, setzten die Aussteller auf der Messe alles auf ein Karte: Gigabit Ethernet war in diesem Jahr Trumpf. Obwohl die Verabschiedung eines Standards noch auf sich warten läßt - nach Angaben der Gigabit Ethernet Alliance ist damit nicht vor 1998 zu rechnen -, hatten viele Netzwerkhersteller bereits auf dem Normierungsvorschlag basierende Switches und Netzadapter im Gepäck. Zu diesen Befürwortern eines Hochgeschwindigkeits-Ethernet zählten etablierte Unternehmen wie 3Com, Cabletron, Essential Communications, Adaptec oder HP.

Neben diesen klassischen Playern nutzten auch zahlreiche Start-up-Companies die Messe, um dem Publikum Gigabit-Switches der ersten Generation zu präsentieren. Neu im Geschäft waren unter anderem Foundry Networks Inc., Prominet Corp., Extreme Networks Inc., XLNT Designs Inc., Rapid City Communications Inc. sowie Alteon Networks Inc. Um den Messebesuchern die neue Hochgeschwindigkeitstechnologie schmackhaft zu machen, priesen die Gigabit-Ethernet-Befürworter vor allem den Kostenvorteil ihres Verfahrens und seine höhere Geschwindigkeit gegenüber ATM, weil das High-speed-Verfahren im Gegensatz zu ATM eine echte LAN-Technologie sei und darüber hinaus auf dem bewährten sowie bekannten Ethernet basiere, lasse es sich besser in vorhandene LAN-Installationen integrieren, so die Argumentation. Mancher Gigabit-Hersteller wollte ATM gar als reine WAN-Technologie verstanden wissen, da es wegen der problematischen LAN-Emulation (LANE) in lokalen Netzen nur in den Weitverkehrsnetzen der Carrier praktisch nutzbar sei (siehe Grafik).

Während das Gigabit-Ethernet-Lager publikumswirksam die Werbetrommel schlug und im nächsten Jahr bereits mit einem Erfolg auf breiter Front rechnet, war in der Wüste Nevadas wenig Neues in Sachen ATM zu hören. Zwar bemühten sich die Propagandisten redlich darum, auf ihren Ständen mit Video- und Voice-Übertragungen via ATM sowie LAN-Emulationen die Alltagstauglichkeit des zellbasierten Übertragungsverfahrens unter Beweis zu stellen - doch das Interesse der Messebesucher hielt sich in Grenzen.

Das Getrommel der Anbieter konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß beide Technologien noch mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, die ihren praktischen Einsatz in Frage stellen. Bei ATM sind dies vor allem die oben bereits angesprochene LAN-Emulation, fehlende oder zu langsame Treiber für die gängigen Netz-Betriebssysteme sowie die hohen Kosten im Vergleich zu anderen Verfahren wie etwa FDDI. Einige offene Spezifikationsfragen tun ihr übriges, um die Käufer in puncto ATM abwarten zu lassen.

Mit fehlenden Standards hat allerdings auch die Gigabit Ethernet Alliance zu kämpfen. Erschwerend kommt für sie hinzu, daß die erforderliche Verkabelungsinfrastruktur noch nicht abschließend definiert ist und Probleme wie Spanning Tree (Algorithmus zur Definition redundanter Verbindungswege) nicht gelöst sind.

Angesichts dieser Schwierigkeiten bleibt die Frage offen, welche Technologie in der Gunst der Anwender das Rennen macht. Um in jedem Fall auf das richtige Pferd zu setzen, fuhren zahlreiche Aussteller in Las Vegas zweigleisig und zeigten sowohl ATM- wie Gigabit-Ethernet-Lösungen. Eines der Unternehmen, das diese Strategie verfolgt, ist 3Com. Außer zu ATM-Produkten wie dem "Access Builder 9000" bekannte sich CEO Eric Benhamou auch zu Gigabit Ethernet, denn "die neue 3Com will den Anwendern komplette End-to-end-Lösungen anbieten". Laut Benhamou unterstützt die Company hierzu künftig die meisten relevanten Access Layer: im LAN angefangen von Token Ring Ethernet über Fast IP bis hin zu FDDI, Fast Ethernet, Gigabit Ethernet und ATM. Auf der WAN-Seite will der Manager Bereiche wie ISDN, analoge Modems, xDSL, ATM oder Kabelmodems mit den Produkten der kürzlich akquirierten U.S. Robotics Corp. abdecken.

Diese 3Com-Erwerbung war wohl in Las Vegas zum letzten Mal als eigenständiges Unternehmen zu sehen. Noch offen ist aber die künftige Benennung der U.S.Robotics-Produktlinien wie Sportster, Courier oder Pilot. Laut Benhamou sind diese im Markt weitaus bekannter als ihr Hersteller. Von der Zerschlagung U.S. Robotics' - die neue 3Com agiert künftig mit drei Divisionen, die für die Bereiche Enterprise, Carrier und Access-Technologien zuständig sind - und der daraus resultierenden Zusammenlegung der Niederlassungen verspricht sich der CEO eine Einsparung von mehreren Millionen Dollar. Die Maßnahme dürfte, wie aus Insider-Kreisen verlautet, rund 3000 Jobs kosten. Obwohl das Unternehmen die jüngste Akquisition organisatorisch noch nicht bewältigt hat, deutete der 3Com-Boß mit Hinweis auf eine interne "Shopping List" bereits weitere potentielle Übernahmen an.

Neben der Neustrukturierung seines Unternehmens sieht sich Benhamou im WAN-Bereich mit einem anderen Problem konfrontiert: Während in Europa und vor allem in Deutschland ISDN in Sachen Remote Access die erste Wahl ist, diskutiert man in den USA hierfür mehrere Technologien. War ISDN auf der Comnet in Washington zu Jahresbeginn das Thema Nummer eins, prägten in Las Vegas 56-Kbit/s-Modems sowie xDSL-Produkte die Messestände. Vor allem die xDSL-Verfahren (Siehe CW Nr. 8 vom 21. Februar 1997, Seite 9: "Ohne hohe ISDN-Gebühren im TK-Netz schneller surfen") stellen für die Amerikaner eine Alternative dar, mit der sie höhere Bandbreiten (bis über 50 Mbit/s bei Entfernungen von 320 Metern via Kupferkabel) erzielen können, ohne die Vermittlungsstellen kostspielig auf Digitaltechnik umrüsten zu müssen, wie dies in Sachen ISDN der Fall wäre.

Des weiteren könnte ein Markterfolg der neuen 56-Kbit-Technologie einen ISDN-Erfolg in den USA weiter verzögern oder gar verhindern. Hier buhlten auf der Messe nach wie vor U.S.Robotics auf der einen und Rockwell sowie Lucent auf der anderen Seite mit zwei unterschiedlichen Verfahren um die Gunst der Anwender. Die noch fehlende Spezifikation der Übertragungsmethode führt bisweilen zu sonderbaren Kapriolen: Während 3Com-Neuerwerb U.S. Robotics auf die eigene X2-Technologie setzt, verwendet Mutter 3Com in seinen Accessbuildern dagegen das 56Kflex-Verfahren des konkurrierenden Lagers. Vor diesem Hintergrund begrüßte es CEO Benhamou, daß die leidige Standardisierungsfrage der (International Telecommunication Union) ITU übergeben wurde.

Das offene Rennen um die Remote-Access-Technologie der Zukunft hat auch für die ITK Telecommunications AG in Dortmund Konsequenzen: In Deutschland als ISDN-Company bekannt, positioniert sich das Unternehmen in den USA als Open Solution Provider (siehe Seite 44). Das Know-how in Sachen Modem- und xDSL-Technologie will man dabei durch einen für das dritte Quartal 1997 geplanten Merger mit Telebit bekommen. An dem daraus hervorgehenden neuen Unternehmen ITK International mit Hauptsitz in Boston wäre durch die Hintertür über Telebit auch Router-Gigant Cisco beteiligt.

Vor dem Hintergrund der Turbulenzen im LAN- und WAN-Markt ging es in Las Vegas in anderen Bereichen wie Netzwerk-Management, Java oder Netz-Betriebssysteme eher ruhig zu. So fanden sich Sun mit Java und Netscape mit der Internet-Push-Komponente "Netcaster" und dem "Directory Server 3.0" bezüglich der Gunst des Publikums auf der Verliererstraße wieder: Das Standpersonal konnte sich mangels Besucherinteresse vorwiegend mit sich selbst beschäftigen. Ein Messebesucher kommentierte die Neuerungen auf dem Netscape-Stand angesichts der anderen bereits verfügbaren Push-Technologien und Directory-Services lakonisch mit der Frage, ob diese Company das Rad immer wieder neu erfinden müsse.

Beschaulich ging es auch auf dem Novell-Stand zu. Von Ankündigungen wie den "Border Services", einem Inhaltsfilter oder einer Software für den Mainframe-Zugriff via Internet abgesehen, hatte Novell nur kleinere Neuerungen wie eine in Java programmierte Rechtschreibprüfung für E-Mails etc. zu zeigen. Allerdings ist zu vermuten, daß sich Novells neuer CEO Eric Schmidt eventuelle Glanzlichter für den 19. Mai aufhebt. Zu diesem Termin - wohl nicht zufällig einen Tag vor dem groß angekündigten "Scalability Day" von Microsoft in New York - will Schmidt die Novell-Pläne der nächsten Zeit vorstellen.

Während sich Novell in Las Vegas also noch bedeckt hielt, was die Zukunft anbetrifft, gab Microsoft auf seinem gut besuchten Messestand dem Fachpublikum einen ersten Eindruck davon, was den Besucher des Scalability Day erwartet. Neben der angekündigten Clustering-Technologie war beispielsweise der "Transaction Server" in der Version 2.0 zu sehen. Des weiteren hielt die Gates-Company für Anwender, die nach einer einheitlichen Management-Lösung suchen, eine interessante Neuigkeit bereit: Cisco will Microsofts "Active Directory" unterstützen und Informationen daraus in seinem Internetwork Operating Systems (IOS) verarbeiten. Damit wären Netzadministratoren in der Lage, in einem einzigen Verzeichnisdienst Netzwerk-Betriebssystem und physikalische Netzressourcen zu verwalten.

Über ausgewählte neue Produkte, die in Las Vegas vorgestellt wurden, informieren wir Sie in einer der nächsten Ausgaben der COMPUTERWOCHE.