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02.08.2007

Gigaset vermittelt VoIP-Konvergenz

Das "Gigaset S450 IP" von Siemens ist IP-Telefon, E-Mail-Client und Messenger (IM) in einem und sucht online nach Telefonnummern.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das titanfarbige Testgerät S450 IP kaum von den anderen Modellen der Gigaset-Familie, unter deren Bezeichnung der Münchner Konzern seit Jahren seine schnurlosen Dect-Telefone vermarktet. Allerdings signalisiert bereits das IP in der Typenbezeichnung eine Besonderheit: Es handelt sich hier um ein Hybridtelefon, über das sowohl Telefonate im klassischen Telefonnetz als auch via Internet geführt werden können.

Plus/Minus

+ Gewohnte Gigaset-Qualität;

+ Hybridtelefon für VoIP und klassisches Festnetz;

+ Konfiguration per Browser;

+ Konvergenz-Lösungen wie E-Mail, Messenger und Online-Rufnummernsuche.

- Misslungener Outlook-Import;

- selbst rudimentäre Least-Cost-Routing-Funktionen fehlen;

- anfangs schwergängige Drucktasten.

Technische Daten

Siemens Gigaset S450 IP

u Hybridtelefon aus Basisstation und Handset;

u beleuchtetes sechszeiliges Farb-Display (128 x 128 Pixel);

u SIP als VoIP-Protokoll mit bis zu vier Accounts;

u Adressimport aus Outlook via tsv-Datei;

u bis zu 160 Einträge im Telefonbuch;

u Mitteilung über neue E-Mails ohne PC über POP3-Server;

u Instant-Messaging über Jabber-Server;

u SMS-Versand

u Online-Suche nach Rufnummern über klickTel;

u Anschlüsse für LAN und analoges Telefonnetz;

u Stand-by-Zeit bis zu 110 Stunden;

u Sprechzeit bis zu 13 Stunden;

u zwei NiMH-Akkus (Format AAA);

Preis laut Hersteller: 129,99 Euro;

Hersteller: gigaset.siemens.com.

Fazit

Im Test überzeugte das S450 IP mit der gewohnten Gigaset-Qualität. Schade ist jedoch, dass Siemens nicht einmal eine rudimentäre Least-Cost-Routing-Funktion implementiert hat dann wäre das Gigaset nämlich ein hervorragender Ersatz für die beliebte Fritzbox von AVM. Eine weitere Schwachstelle ist die misslungene Importfunktion von Outlook-Adressen aber vielleicht bessert Siemens hier ja mit einem Firmware-Update nach. Auf der Habenseite steht dagegen der Konvergenz-ansatz des Telefons. Statt nur lautstark die kommenden Konvergenzszenarien wie Verknüpfung von Warenwirtschaft mit IP-Telefonie zu propagieren, zeigt hier ein Hersteller endlich einmal, wie Konvergenz in der Praxis aussehen kann. Auch wenn die integrierte Ruf-nummernsuche mit den für später vorgesehenen Branchen-services sicher nur eine kleine Lösung ist, demonstriert sie doch, wie Unternehmen mit etwas Gehirnschmalz neue Geschäftsideen im Konvergenz-umfeld entwickeln können.

E-Mails, Internet-Chat und Rufnummernsuche

Allein das wäre für die computerwoche noch kein Grund, das Gigaset näher unter die Lupe zu nehmen. Das Interessante an dem S450 IP ist, dass Siemens hier versucht, die im Zuge der VoIP-Euphorie viel beschworene Konvergenz von IT und Telekommunikation bereits in einem einfachen Endgerät umzusetzen. So wartet das Telefon auf der IT-Seite mit Funktionen wie einem E-Mail-Client, einem Instant Messenger sowie einer Internet-Anwendung zur Telefonnummern-Suche bei klickTel und einer Importfunktion von Outlook-Adressen auf. Da bei unserem Test der Konvergenzgedanke im Vordergrund stand, haben wir uns die Funktion SMS über Festnetz, die das Gigaset ebenfalls unterstützt, nicht näher angeschaut. Leider ist es heute noch nicht Usus, dass ein schnurloses Telefon wie das S450 IP per Web-Browser konfiguriert wird, der Benutzer sich also keine kryptischen Befehlsfolgen wie "#* Ziffer Ziffer **#" mehr merken muss.

Konfiguration per Browser

Entsprechend angenehm verläuft denn auch die Inbetriebnahme des Gigasets. Sind Netzwerkverbindung und Telefonkabel angeschlossen, kann der User mit der weiteren Einrichtung beginnen. Wichtig ist dabei, dass im LAN die IP-Zuweisung dynamisch erfolgt, denn das Telefon ist ab Werk auf die dynamische IP-Vergabe vorkonfiguriert. Später kann der Benutzer die Adressenzuweisung per Browser auf statisch ändern. Ist das Telefon im Netz erkannt, so erscheint automatisch auf dem Mobilteil ein Assistent zum Einrichten der VoIP-Verbindung. Dabei wird VoIP als primäre Kommunikationsform aktiviert. Geht die automatische Konfiguration schief, weil das Telefon etwa hinter einem Router mit Firewall steht, so ist das auch kein Beinbruch. Schließlich hat der User ja noch die Möglichkeit, das ganze per Browser einzurichten. Via Browser erfolgt ferner das Fein-Tuning der VoIP-Einstellungen, also etwa die Wahl des passenden Sprach-Codecs. Bei Problemen mit der IP-Telefonie sollte der Anwender hier ebenfalls als Erstes nachschauen. Ist das Telefon hinter einem Router mit NAT und/oder Firewall angeschlossen, so stellt man hier den Zugriff auf den entsprechenden STUN-Server ein.

Zudem kann der Benutzer auch mehrere unterschiedliche VoIP-Accounts nutzen. Über den Browser wird zudem festgelegt, ob ein Telefonat über das klassische Telefonnetz oder per VoIP geführt wird. Soll später im Alltag einmal das Netz gewechselt werden, so muss vor der Telefonnummer ein Prefix eingegeben werden. Damit eröffnet das S450 IP zwar den Einstieg in die Konvergenz aus klassischer Telefonie und VoIP, aber Siemens ist dabei leider auf halbem Weg stehen geblieben. Das Gigaset bietet nämlich keine Möglichkeit, etwa für bestimmte Vorwahlen automatisch ein anderes Netz zu wählen also eine Art Least-Cost-Routing zu realisieren und etwa Ortsgespräche über das Festnetz zu führen, während für Gespräche in die Mobilfunknetze ein bestimmter kostengünstiger VoIP-Provider genutzt wird. Mit diesem Feature wäre nämlich die Kombination perfekt.

Konvergenz: Nachrichtenempfang am Telefon

Die Verschmelzung von Festnetz und Internet-Telefonie ist jedoch nur ein Konvergenzaspekt, den das S450 IP berücksichtigt. Auch die E-Mail-Unterstützung zählt dazu. Der dazugehörige Menüpunkt ist in der Administrationsoberfläche unter "Messaging" zu finden. Hier legt der Benutzer fest, welche E-Mail-Accounts das Gigaset auf neue Post untersuchen soll. Zum Abruf benötigt der Anwender die Adresse des POP3-Servers seines E-Mail-Anbieters. Das kürzeste Abfrageintervall beträgt dabei 15 Minuten.

War die Konfiguration erfolgreich, informiert das Mobilteil des Gigasets seinen Benutzer mit der blinkenden Nachrichtentaste sowie einem Symbol im Display über neu eingegangene Mails. Per Druck auf die Nachrichtentaste wird dann die Mail-Liste mit den Adressen der Absender geöffnet. Von der eigentlichen Mail zeigt das Gigaset dann die Betreffzeile an. Will der Benutzer die komplette Nachricht lesen, so kommt er nicht umhin, ein anderes Device wie PC, PDA oder Mail-fähiges Handy zu nutzen. Was anfangs nur nach einer netten Spielerei klingt, bewährte sich im Alltag vor allem bei Usern, die nicht ständig online sind. Ein Blick auf das Telefon genügt, um zu sehen, ob der PC wegen einer wichtigen E-Mail-Nachricht vielleicht doch hochgefahren werden sollte.

Instant Messenger mit Jabbers XMPP

Neben dem E-Mail-Client verfügt das System über einen Messenger. Um mit dem Telefon online zu gehen und im Internet zu chatten, muss der User seine Zugangsdaten ebenfalls per Browser eingeben. Als Plattform unterstützt das Gerät den XMPP-Messenger Jabber, denn an diesem ist das Gerät über das Siemens gigaset.net registriert. Alternativ ist auch die Verwendung eines anderen Messaging-Providers möglich, falls dieser Jabber unterstützt. Wer mit einem anderen Jabber-Server liebäugelt, sollte darauf achten, dass dieser Transportdienste zu anderen Messaging-Services wie etwa AIM oder ICQ offeriert. Auf diese Weise lässt sich dann auch über das Telefon ein Chat mit den Teilnehmern anderer Dienste realisieren.

Schwachstelle Outlook-Import

Nach diesen Vorarbeiten ist das Telefon eigentlich fast fertig konfiguriert. Letztlich fehlt nur noch die Eingabe der Telefonnummern als Adressbuch auf dem Handset des Gigaset. Musste hier der Benutzer bei älteren Gigaset-Modellen die Rufnummern und Namen mühselig von Hand eingeben, so lockt das S450 IP dank seiner Browser-Verknüpfung mit dem PC mit einem bequemen Import der entsprechenden Daten aus Outlook. Ein erster Versuch ging jedoch gründlich daneben. Auch ein Blick ins Handbuch half nicht weiter, denn dort steht nur lapidar, dass das Gigaset eine Importdatei im tsv-Format (tab separated values) erwartet nur erzeugte das von uns verwendete Outlook 2002 kein Ausgabeformat, mit dem das S450 IP zurechtkam. Damit der Import klappt, muss der Benutzer, wie ein User des ip-phone-forums im Detail beschreibt (www.ip-phone-forum.de/forumdisplay.php?f=552), die Daten erst als Ascii-Datei aus Outlook exportieren und dann noch in Excel bearbeiten, um sie in das besondere Format zu bringen, welches das Gigaset erwartet. Mit Hilfe dieses Tricks klappt es dann zwar, doch Siemens wäre gut beraten, die Importfunktion zu überarbeiten, denn in der heutigen Form ist sie schlicht eine Zumutung.

Hat der Anwender diese letzte Hürde gemeistert, steht der Nutzung des Telefons nichts mehr im Wege. Über den Alltagsbetrieb des Telefons lässt sich dabei wenig berichten. Es verrichtete genauso zuverlässig seine Dienste, wie es der Tester schon von seinem über zehn Jahre alten Gigaset der Modellreihe 3000 gewohnt ist. Lediglich die Druckpunkte der Tasten erschienen während des Tests als etwas hart beziehungsweise schwergängig aber dies dürfte sich wohl bei längerem Gebrauch geben.

Telefonnummern online suchen und anwählen

Ein echtes Highlight in unserem Test war die eingangs angesprochene Konvergenz zwischen IT- und TK-Welt, wie sie auf dem Gigaset mit der Rufnummernsuche von klickTel implementiert ist. Will der Benutzer online eine Telefonnummer suchen, so muss er lediglich im Adressbuch des Telefons den Eintrag klickTel anwählen. Darauf öffnet sich auf dem Mobilteil eine Suchmaske mit den Eingabefeldern Name und Stadt. Anfangs skeptisch gegenüber diesem Dienst eingestellt, lernten wir ihn in der Praxis aufgrund der schnellen und zuverlässigen Suche schätzen. Teilweise reichten bereits die ersten vier Buchstaben, um die gewünschten Teilnehmer zu finden. Lediglich bei der Suche nach Rufnummern zu Namen wie Meier oder Schulz, von denen viele Einträge existieren, war eine genaue Eingabe erforderlich, denn das Gigaset brach bei zu vielen Fundstellen die Suche mit einem entsprechenden Hinweis ab.

Telefon als Frontend einer Client-Server-Software

Hinter dieser kleinen Konvergenzlösung verbirgt sich eine echte Client-Server-Anwendung, bei der das Telefon quasi die Funktion des Frontends innehat. Über gigaset.net nimmt es via Internet Verbindung zu der Server-Applikation bei Siemens auf. Diese wiederum greift ebenfalls über das Netz auf die aktuellen Teilnehmerdaten von klickTel zu. Nachdem sich die erste Begeisterung gelegt hat, stellt sich zwangsläufig die Frage, warum diese Konvergenzanwendung für den User kostenlos ist. Schließlich verdient klickTel unter anderem sein Geld mit dem Verkauf von Telefonbuch-CDs. Eine entsprechende kostenlose Implementierung müsste also diesen Zweig des Geschäfts kannibalisieren.

Wie klickTel dennoch mit diesem Service künftig Geld verdienen will, erläuterte Pressesprecher Jörg Kiveris gegenüber der computerwoche : "Das Telefonbuch ist nur unser Einstieg in die Konvergenzlösungen, später sollen entsprechende Branchenlösungen folgen." Wie in den Gelben Seiten soll der Benutzer dann direkt auf dem Telefon nach einem Maler oder einem französischen Restaurant suchen können. Und für die Einträge in die Branchenverzeichnisse sollen die Gewerbetreibenden dann bezahlen.