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27.01.1984

Girls, Girls, Girls

Viele verstehen die Betriebssystemwelt nicht mehr. Da hat die IBM jetzt in Amerika eine Unix-Version für ihren Personal Computer (PO angekündigt. Und es ist ein offenes Geheimnis, daß der Mainframe-Marktführer Unix demnächst auch für die 4300-Systeme freigeben wird. Schon haben sich in der DV-lndustrie nervöse Zuckungen eingestellt: Kommt Bewegung in die Software-Szene?

Auf IBM-Hardware und IBM-Softwarestandards (/370 Principles of operation) fixierte Weichwerker fürchten um ihren Sonderstatus. Größte Sorge: Ein ganz neues Unix-"Gefühl" könnte das bisher von IBM-Dogmen geprägte Fremdsoftware-Geschäft tangieren. Denn Unix ist ein "portables" System, das auf x-beliebigen Rechnern implementiert werden kann. Und: Unix wird von AT&T vertrieben.

Man riecht förmlich, was sich da zusammenbraut. Tatsächlich bahnt sich ein Zusammentreffen der Elefanten IBM und AT&T an - gewißlich kein freundliches. Nunmehr werden die Folgen von AT&Ts Unix-Strategie in ihrer ganzen Tragweite sichtbar. Der amerikanische Telefonriese, eben im Begriff, den internationalen Markt der Daten- und Informationsverarbeitung anzugehen (CW Nr. 1/2 vom 5. Januar 1984), hat es immerhin geschafft, für seine in den Bell Laboratories entwickelten Unix-Versionen namhafte DV-Anbieter als Lizenznehmer zu gewinnen.

Dies störte "Big Blue" bisher wenig. Denn Unix, von Wissenschaftlern für Wissenschaftler entwickelt, galt bis vor kurzem als "Non-Profit-Produkt", ungeeignet für den Einsatz in kommerziellen Umgebungen. So waren die typischen Unix-Anwendungen im Hochschulbereich denn auch uninteressant für den Profit-Primus IBM.

Es scheint, daß Unix in dieser Hinsicht unterschätzt wurde. Einige AT&T-Stammkunden, Digital Equipment etwa oder Hewlett-Packard, wollen dem Portabilitätsproblem, das sie als Nicht-lBM-Anbieter natürlich besonders drückt, mit dem "Gleichmacher" Unix beikommen. Der Erfolg gibt ihnen recht. Am lebhaftesten, was Unix-Aktivitäten betrifft, geht es freilich auf dem Markt der 16- und 32-Bit-Mikrocomputer zu. Immer mehr Personal-Computer-Hersteller schwenken auf die Bell-Labs-Linie ein.

Dies scheint IBMs Systemsoftware-Strategen nun doch zu stören. Standards anderer Marktteilnehmer zu akzeptieren, war bisher ihre Sache nicht. Und das soll so bleiben. Zurückstecken will der Rechnergigant unter gar keinen Umständen. Die Topleute des IBM-Software-Marketing zeigten gerade wieder, wo's langgehen soll mit PC-Betriebssystemen und Mikro-Mainframe-Kommunikation: Zur Anbindung der "alten" /370-Software an die Welt der Personal Computer, dies macht das jüngste Announcement deutlich (siehe oben), werden künftig VM (Virtual Machine) und Unix-ähnliche Betriebssysteme eine immer wichtigere Rolle spielen.

IBM wird es nicht bei Lippenbekenntnissen belassen. Das Prinzip, Ober eigene Software-Entwicklungen De-facto-Standards durchzudrücken, ist sattsam bekannt. Unix-ähnlich: ja, AT&T-Standard: nein - da wird IBM ganz nachdrücklich. Drei PC-Betriebssystem-Neuentwicklungen mit den Codenamen Nina, Pinta und Santa Maria sollen in der Pipeline sein, Unix-ähnliche Superstrukturen, aber keine Bell-Imitationen.

IBMs Antwort auf die AT&T-Herausforderung: Girls, Girls, Girls. Als Stand-alone-System hat der IBM PC Maßstäbe gesetzt. Die blauen "Nixen", Bindeglieder zwischen PC und Mainframe, träfen auf ein günstiges Klima im Persokal-Computer-Markt.