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22.08.1980 - 

Mit Paketlösungen vom RZ zum Softwarehaus:

GIZ-Strategie baut auf Siemens Standard

Von Armin Sowa *

Die Anforderungen an die Datenverarbeitung unterliegen in den letzten Jahren einem Prozeß des Wandels. Man erwartet von der EDV verstärkt nicht nur die reine Verarbeitung. Sie wird als selbstverständlich vorausgesetzt. Gewünscht wird auch die Bereitstellung qualifizierter Informationen und Informationssysteme. Den Bedürfnissen ihrer Kunden kommt die Genossenschaftliche Informationszentrale Rhein-Main (GIZ) eG zunehmend durch den Einsatz von Standard-Lösungen für alle Sparten des Bankengeschäftes entgegen.

Die GIZ betreut als eine von zwölf regionalen Rechenzentralen im Bundesgebiet genossenschaftliche Unternehmen im Bereich Hessen und Rheinland/Pfalz. Dazu zählen rund 300 Kreditgenossenschaften und die Südwestdeutsche-Genossenschafts-Zentralbank. Hinzu kommen 30 Genossenschaften aus den Bereichen der Milch-, Wein-, Obst- und Gemüseverwertung sowie die Raiffeisenhauptgenossenschaft. Darüber hinaus arbeitet die GIZ mit etwa 1500 kleinen und mittleren Unternehmen als Service-Rechenzentrum zusammen. Den größten Anteil am Geschäftsvolumen haben die Kreditgenossenschaften. In diesem Sektor werden knapp 3,5 Millionen einzelne Konten verwaltet, pro Jahr etwa 150 Millionen Buchungsposten verarbeitet. Das Bilanzvolumen der angeschlossenen Banken beträgt rund 13 Milliarden Mark. Die GIZ betreibt zwei Rechenzentren in Frankfurt und Mutterstadt (Pfalz), die jeweils mit zwei Siemens-Rechenanlagen 4004/151 und 7760 ausgerüstet sind. Sie beschäftigt 160 Mitarbeiter in den Bereichen Anwendungsberatung und Vertrieb, Programmierung Systemanalyse, Arbeitsvorbereitung Operating und Verwaltung.

Allein in der Entwicklung, das heißt Programmierung und Systemanalyse sind 50 Mitarbeiter tätig. Die Abteilung Anwendungsberatung und Vertrieb mit derzeit 25 Mitarbeitern befindet sich im Ausbau: Die Zielsetzung einer Rechenzentrale über die reinen DV-Aktivitäten hinaus, bewegt sich mehr und mehr in Richtung auf Beratungs- und Serviceaufgaben.

Stammnummernsystem als Fundament

Die Entwicklung der Bankprogramme bei der GIZ war von Anfang an Gekennzeichnet durch kundenorientierte Konzeptionen. Bereits 1971 wurde begonnen, bei den Kreditgenossenschaften eine EDV-Organisation auf der Basis des Stammnummernsystems einzuführen. Diese Organisation hat sich bewährt. Nach und nach wurden sämtliche der GIZ angeschlossenen Kreditgenossenschaften in dieses Stapelverarbeitungssystem übernommen. 1975 begann man mit den Vorbereitungen für eine Dialogorganisation in einem flächendeckenden DFÜ-Netz. Dazu wurde eine umfangreiche Ausschreibung gemacht und eine detaillierte Analyse des Terminalmarktes vorgenommen.

Wichtige Auswahlkriterien waren bei der Hardware insbesondere On- und Offline-Fähigkeit, Netzgestaltungsmöglichkeiten und Funktionssicherheit. Bei der Software wurde vor allem geprüft, in welchem Umfang die Hersteller Standardsoftware-Pakete anbieten, die ohne größeren Änderungsaufwand bei der GIZ zu verwenden wären. In diesem Zusammenhang wurden nicht nur dezentrale Terminalprogramme untersucht, sondern auch zentrale Programme, die für die Dialogverarbeitung eingesetzt werden könnten.

1977 entschied man sich nach eingehender Prüfung, als zentrales Dialogprogramm das Paket Sidis (Siemens-Direktbuchungs- und Informationssystem) einzuführen. Dieses Programm ließ sich ohne größere Schwierigkeiten mit der bestehenden Stapelverarbeitung in Einklang bringen. Stapel- und Dialogverarbeitung konnten zu einem einheitlichen System zusammengefaßt werden. Für die Unbar-Datenerfassung bot Siemens ebenfalls ein Standardsoftware-Paket an, das Dialogdatenerfassungssystem Didas. Damit war innerhalb kurzer Frist eine Online-Unbar-Erfassung zu realisieren.

Seit 1978 im Dialog

Nach Abschluß der Integration dieser drei Programme folgte 1978 die Einführung der Dialogverarbeitung bei der ersten Genossenschaftsbank mit dem Terminalsystem Transdata 9760. Dabei konnte auch hinsichtlich der Terminalsoftware auf bestehende Programme zurückgegriffen werden. Nachdem das Gesamtsystem seine Stabilität unter Beweis gestellt hatte, führten in der Folgezeit Genossenschaftsbanken weitere Umstellungen auf Dialogverarbeitung durch. Seit Anfang 1980 wird nicht mehr Transdata 9760, sondern das Folgemodell 9770 eingesetzt. Dieses Terminalsystem entspricht den Vorstellungen der GIZ. Durch seine hohe dezentrale Verarbeitungskapazität wird eine weitgehende Autonomie des einzelnen Arbeitsplatzes erreicht. Die Flexibilität beim Anschluß verschiedener Module (Drucker, Bildschirme, Ausweisleser, Kontoauszugsdrucker Geldautomaten) erlaubten eine dem jeweiligen Arbeitsplatz angepaßte Konfiguration. Insbesondere beim Einsatz sogenannter Doppelplätze können kostengünstige Terminalausstattungen realisiert werden.

Die oben erwähnte zentrale Dialogsoftware beinhaltet die Online-Verarbeitung der Sparten Spar und Kontokorrent sowie eine Online-Erfassung und -Verbuchung von Unbar-Umsätzen. Die GIZ hat das System durch verschiedene Informationsfunktionen erweitert. Sämtliche Daten der bankbetrieblichen Geschäftssparten können abgefragt werden. Ein Kundenobligo wurde durch die Stammnummernsystematik entwickelt. Darüber hinaus werden alle rechtlich oder statistisch zu verknüpfenden Konten in einem jederzeit aktuellen Verbundobligo angezeigt. Ebenfalls erfolgreich im Einsatz ist mittlerweile die automatische Sortenabrechnung, ein Erweiterungsmodul des Programmpakets Sidis.

Es ist geplant, den Programmumfang so zu erweitern, daß alle Geschäftssparten eines Bankbetriebes im Rahmen der Online-Verarbeitung abgedeckt werden können. Dazu gehören die Abwicklung von Daueraufträgen, das Wertpapiergeschäft, das Darlehensgeschäft, Geschäftsguthaben, Prämien-Vertragssparen und andere Sparten. Für die bisherige Konzeption der GIZ - Synthese der konventionellen Stapelverarbeitung mit einer Dialogkomponente - ist man allerdings an einem Punkt angelangt, wo es nicht mehr möglich ist, Standardsoftware einzusetzen. Verstärkt müßte auf eigene Entwicklungen zurückgegriffen werden. Zu dieser Zeit trat Siemens mit seinem Paket Kordoba an den Markt.

Es basiert auf einer Konzeption, die für alle Geschäftssparten die Online-Verarbeitung von vornherein vorsieht. Eine detaillierte Analyse des Funktionsumfangs läßt diese Anwendungssoftware als geeignet erscheinen, um in absehbarer Zeit die bisherige Stapel- und Dialogorganisation bei der GIZ abzulösen.

Bis 1982 als RZ-Lösung

Damit wird es weiter möglich sein, die bisher bei der GIZ praktizierte Strategie fortzusetzen, soweit wie möglich auf Standardsoftware zu bauen. Auf diese Weise lassen sich schnell und mit relativ geringem personellem Aufwand tragfähige Lösungen realisieren. Den angeschlossenen Kreditgenossenschaften kann damit eine den Anforderungen eines härteren Wettbewerbs angepaßte DV-Lösung zu einem Preis angeboten werden, der bei eigenentwickelten Systemen nicht zu halten wäre. Die GIZ rechnet damit, Kordoba, das bisher als Einzelinstitutlösung vorliegt, spätestens Anfang 1982 als Rechenzentrumslösung unter BS2000 zum Einsatz bringen zu können.

Strategie: Modifikation von Standard-Lösungen

Der Einsatz von Standardsoftware ist nicht nur für die GIZ auch unter einem anderen Aspekt von Bedeutung. So wie Siemens mit seinem Paket Kordoba werden auch andere Hersteller für den Bankensektor vergleichbare Standardpakete entwickeln und zusammen mit preisgünstiger Hardware als komplette Lösung am Markt anbieten. Diese Lösungen sind für den Einzelanwender gedacht. Sie stehen in Konkurrenz zur bisherigen DV in Rechenzentralen. Abgesehen davon, daß sich diese Entwicklung gar nicht aufhalten läßt, muß man zugeben, daß sie dem einzelnen Institut Vorteile hinsichtlich Kosten und Ablaufsicherheit bringen wird sobald die Lösungen einmal voll ausgereift sind. Die Gefahr, die hierbei für den Bestand eines RZs wie des GIZ zu Tage tritt, zeigt andererseits aber auch, welche Chancen darin liegen diesen Trend aktiv in die eigene Unternehmensphilosophie einzubeziehen. Die Strategie kann nur heißen: Selbst Standardsoftware einkaufen und sie zielgruppen-spezifisch modifizieren und ausbauen.

Das bedeutet außerdem, sich stärker mit den Problemen des eigenen Marktsegments zu identifizieren und alle Spezialgebiete rund um die EDV die Spezialistenwissen erfordern, als Beratungshaus wahrzunehmen und im Service anzubieten.

Bei der Einführung der Dialogverarbeitung kann sich die Aufgabe der Rechenzentrale nicht darauf beschränken, Programme zu erstellen und "zur Verfügung" zu stellen.

Auch die Fragen der Aufbau- und Ablauf-Organisation, der baulichen Voraussetzungen, der Schalterhallengliederung und der Mitarbeiterschulung müssen gelöst werden.

Sollkonzeption mit Terminalisierungsvorschlag

Grundsätzlich wird vor jeder Umstellung eine Organisationsuntersuchung durchgeführt, die von einer detaillierten Ist-Bestandsaufnahme der gesamten Bank ausgehend eine Soll-Konzeption mit Wirtschaftlichkeitsberechnung und Terminalisierungsvorschlag umfaßt.

Die Soll-Konzeption beinhaltet einen Organisationsplan mit Aufgaben- und Stellenbeschreibungen sowie Vorschlägen zur personellen Besetzung und Kompetenzverteilung. Abläufe, bauliche Gestaltung und Einrichtung des Schalter- oder Kundenbereichs werden entwickelt. Dazu gehören Einteilung in Informations-, Schnellbedienungs- und Beratungszonen sowie Lösungen der Bargeldversorgung durch Direktkassen oder zentrale Geldversorgung.

Die Einführung der Organisation erfolgt durch arbeitsplatzspezifisch abgestufte Schulungen. Fallstudien und umfassende Handbücher werden eingesetzt. Zum Schulungsprogramm gehört nicht nur die neue EDV-Organisation. Es werden insbesondere für die Intensivierung der Kundenberatung spezielle Verkaufstrainingsseminare angeboten.

Es zeigt sich deutlich, daß in diesen und anderen Bereichen noch wesentlich mehr getan werden kann. Hier besteht ein großer Bedarf, der in Zukunft eher noch größer werden wird.

* Armin Sowa ist Referatsleiter Anwendungsberatung und Vertrieb bei der Genossenschaftlichen Informationszentrale.