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23.02.2001 - 

Wirtschaftsministerium plant strengere Regeln

Gläserne Analysten gefragt

MÜNCHEN (CW) - Mit dem Kursverfall am Neuen Markt schwand das Vertrauen vieler Anleger in den Aktienhandel. Nun erwägt Wirtschaftsminister Werner Müller einen Verhaltenskodex für Finanzanalysten.

Ein freiwilliger Ehrenkodex soll laut Müller auch die Unabhängigkeit der Analysten stärken. Um Interessenkonflikte zwischen einer objektiven Analyse und eigenen Investments von vornherein auszuschließen, sei es beispielsweise sinnvoll, wenn Analysten nur über solche Papiere berichten dürften, die weder sie noch ihr Arbeitgeber im Portfolio hätten, hieß es aus Berlin. Zustimmung für den Vorstoß kommt deshalb auch von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), die die Anleger vor falschen Ratschlägen geschützt sehen will.

Analysten zeigen wenig Verständnis

Die Ende Januar veröffentlichten Überlegungen wirbelten einigen Staub auf, vor allem bei den Analysten stieß das Vorhaben zunächst auf wenig Gegenliebe. Um die Wogen wieder zu glätten, führt Müller zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit Sondierungsgespräche mit "einschlägigen Verbänden". Wer an dem nächsten Treffen im März teilnehmen wird, darüber schweigt sich das Ministerium noch aus. Neben Vertretern der Kleinaktionäre hatten sich bisher der Bundesverband der Banken, der Bundesverband der freien Berufe sowie die Standesorganisation der Analysten, die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA), zu Wort gemeldet.

In der DVFA sind die meisten der in Banken beschäftigten Analysten zusammengeschlossen. Nach anfänglichen Protesten gegen die Initiative hat sich der Verband nun ausdrücklich für eine Zusammenarbeit mit dem Ministerium ausgesprochen. DVFA-Geschäftsführerin Ulrike Diehl wird jedoch nicht müde zu betonen, dass der Verband bereits eigene Standesrichtlinien entwickelt habe. Demnach müssen alle Mitglieder (derzeit rund 1200 Finanzanalysten und Fonds-Manager) ihren Beruf "unabhängig, eigenverantwortlich, gewissenhaft, verschwiegen und vornehmlich an der Interessenlage des Anlegers" orientieren. Auch das Frontrunning, also der Handel mit Aktien vor Veröffentlichung einer eigenen Empfehlung, sowie der Insiderhandel, die Ausnutzung allgemein unbekannter Informationen, sind in diesem Regelwerk verboten. Dabei handelt es sich im Prinzip um die gleichen Vorschriften, wie sie im Börsen- sowie im Wertpapierhandelsgesetz stehen. Die DVFA hat keine Mechanismen, mit denen sich das Verhalten der Mitglieder systematisch überprüfen lässt.

Echte Sanktionen fehlen

Mit einem "Wachhund ohne Zähne" verglich Wolfgang Gerke, Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg, in einem Fernsehgespräch mit DVFA-Chefin Diehl diese Situation. Gerke fordert neben wirksameren Sanktionen auch die Einrichtung einer zentralen Gerichtsstelle.

Ein zweiter Schwachpunkt des DVFA-Ehrenkodex ist der Umstand, dass längst nicht alle deutschen Analysten in der Vereinigung vertreten sind. Gegenwärtig darf sich noch jeder Analyst nennen, der will, es gibt keine gesetzliche Zugangsbeschränkung für den Berufsstand. Das Gros der DVFA-Mitglieder setzt sich zudem aus Finanzexperten zusammen, die bei einer Bank oder einem anderen Wertpapierdienstleister fest angestellt sind. Diese wiederum werden bereits vom Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel kontrolliert und verfügen in den meisten Fällen über eine eigene so genannte Compliance-Abteilung, die zumindest über die ordnungsgemäße Trennung interner Strukturen wacht.

Doch auch die Kontrollmöglichkeit des Bundesaufsichtsamtes hat ihre Grenzen. Die Überwachung von Insiderhandel, einem Straftatbestand, der immerhin bis zu fünf Jahre Gefängnis kosten kann, fällt klar in die Kompetenzen der Behörde. Die Institute werden regelmäßig überprüft. Im Fall eines Verdachts gehen die Ermittler sogar so weit, Informationen über einzelne Analysten auch von anderen Behörden wie dem Einwohnermeldeamt einzuholen. Komplizierter und beinahe unmöglich gestaltet sich dagegen die Kontrolle frei schaffender, teils selbsternannter Aktienexperten. Hier steht der Kontrollaufwand in keinem Verhältnis mehr zum Ergebnis, so eine Sprecherin der Behörde.

Mehr Transparenz nötig

Für die ebenfalls als Straftat geltende Marktmanipulation, also die bewusste Falschaussage zur Beeinflussung des Kurses, sind allerdings auch dem Aufsichtsamt die Hände gebunden. In diesem Fall kann nur die Staatsanwaltschaft direkt tätig werden, was so gut wie nie geschieht.

Angesichts bereits vorhandener Regelungen fragte nicht nur der Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken Thomas Weisgerber nach dem "Mehrwert" weiterer Vorschriften. Solange es keine angemessenen Instrumente zur Kontrolle und Sanktion der Analysen gibt, schafft auch mehr Regulierung nicht zwingend eine Qualitätssicherung. Das Ziel, nämlich dem Kleinanleger besseren Schutz zu gewähren, indem eine Verknüpfung verschiedener Interessen verhindert wird, wird zunehmend kritisch beäugt. "Die Anleger müssen sich einfach bewusst darüber sein, dass der Aktienhandel ein riskantes Geschäft ist", sagt Barbara Ambrus, Analystin der Landesbank Baden-Würtemberg. Den gleichen Ton schlägt auch eine Sprecherin des Bundesaufsichtsamtes für Wertpapierhandel an. Wichtig sei vielmehr, dem Anleger mehr Transparenz zu ermöglichen. Davon auszugehen oder zu verlangen, dass Banken, die ja in erster Linie private Unternehmen sind, sowie Analysten nicht interessengesteuert handelten, gehe an der Realität vorbei.