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Überkapazitäten führen zur Markterosion


08.02.2002 - 

Global Crossing in der Sackgasse

MÜNCHEN (pg) - Die Zukunft des Netzbetreibers Global Crossing hängt am seidenen Faden. Das unter Gläubigerschutz stehende Unternehmen hat wegen fragwürdiger Bilanzierungsmethoden jetzt auch noch ein Prüfverfahren der amerikanischen Börsenaufsicht am Hals. Trotzdem sieht das Management gute Überlebenschancen.

Die schlechten Nachrichten um den einst gefeierten Börsenstar Global Crossing reißen nicht ab. War es schon schlimm genug, dass der Betreiber eines weltweiten Glasfaser-Backbone Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-Konkursgesetzes anmelden musste, folgt nun die nächste Hiobsbotschaft. Das Unternehmen, so der Verdacht der Security and Exchange Commission (SEC), soll mit dubiosen Buchungspraktiken künstlich Umsätze generiert und somit Investoren getäuscht haben.

Die SEC will deshalb die Bilanzierungsmethoden von Global Crosssing genauer unter die Lupe nehmen. Dabei ist es sehr wahrscheinlich, dass die Behörde bald auch andere schwarze Schafe auf dem Kieker haben wird, denn in der Branche soll diese "Buchungspraxis" gang und gäbe sein. Bei Global Crossing ist man sich jedoch keiner Schuld bewusst: Alle Transaktionen seien bilanztechnisch korrekt abgewickelt worden, sagte Frits Bosch, Senior Vice President Carrier Services Europe, gegenüber der COMPUTERWOCHE.

Das Procedere wirft jedoch ein bezeichnendes Licht auf eine TK-Zunft, die im Sog des Dotcom-Booms mit Investorengeldern nur so zugeschüttet wurde, jetzt aber von den bitteren Marktrealitäten auf den Boden der Tatsachen geholt worden ist. Tatsache ist, dass nicht nur die Börsenkurse der Anbieter dramatisch verfallen sind, sondern auch die Tarife für Bandbreite. "Die Preise sind regelrecht erodiert", gibt auch Bosch zu. Auf den Daten-Highways ist ein Gigabyte heute schon für rund 100 Dollar pro Meile zu haben, vor Jahren waren es noch mehr als 10000 Dollar.

Daran trägt die Branche jedoch selbst Schuld, weil Anbieter wie Pilze aus dem Boden schossen und Glasfaserleitungen im Übermaß vergraben wurden. Schätzungen gehen weltweit von rund 475 Millionen Kilometern aus. Damit wurde eine Überkapazität geschaffen, deren Auslastung in weite Ferne gerückt ist, zumal der Bedarf an Bandbreite nicht in dem prognostizierten Umfang steigt. Die Folge: Die gesamte Szene ist in die Krise geraten. Nicht nur Global Crossing, sondern auch Wettbewerber wie Level 3, Williams, Carrier 1 und sogar Qwest und Worldcom steht das Wasser bis zum Hals.

Doch allen negativen Marktparametern zum Trotz ist das Global-Crossing-Management zuversichtlich, das Blatt noch wenden zu können. Nach Ansicht von Bosch hat sein Unternehmen gegenüber den Konkurrenten den Vorteil, als einziger Anbieter ein fertiges, globales Netz zu besitzen, das die 200 wichtigsten Wirtschaftsstandorte der Welt verknüpft. Dabei werde es auch bleiben, weil die Wettbewerber nicht über die Mittel verfügten, ihre Netze weiter auszubauen. Außerdem sei das Global Crossing Network auf dem modernsten technischen Stand und deshalb die Betriebskosten überschaubar. Darüber hinaus geht Bosch davon aus, dass sich der Bandbreitenbedarf jährlich verdoppeln wird und nach einer Konsolidierung des Marktes auch die Preise wieder anziehen.

Ob sich Banken und Gläubiger mit diesen Argumenten umstimmen lassen, ist mehr als fraglich. Zumindest halten Marktbeobachter einen Anstieg der Tarife für unwahrscheinlich. Auch hinter der Nachfrage nach Bandbreite steht ein dickes Fragezeichen, zumal die Technik jetzt eine noch effizientere Ausnutzung vorhandener Leitungen ermöglicht. Angesichts dieser Sachlage werden sich Investoren eine Geldspritze doppelt überlegen.

Mit Hutchison Whampoa und Singapore Technologies Telemedia haben sich immerhin zwei Investoren gemeldet, die 750 Millionen Dollar zuschießen würden. Allerdings nur unter der Bedingung, dass sie zusammen eine Mehrheit von mindestens 60 Prozent erhalten und Global Crossing eine erfolgreiche finanzielle Restrukturierung auf den Weg bringt. Laut Bosch gilt die Zusage der beiden asiatischen Konzerne bis August. Derzeit drückt Global Crossing eine Schuldenlast in Höhe von 12,4 Milliarden Dollar.