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29.05.1998 - 

Interview

"Global Player wird man nicht mit der Portokasse"

CW: Sie mußten den ursprünglich für den 18. Juni angekündigten Börsengang um voraussichtlich drei Wochen verschieben. Warum?

Schambach: Eine US-amerikanische Aktiengesellschaft an eine deutsche Börse zu bringen ist eine nicht ganz einfache Angelegenheit. Da gilt es, eine Menge an Kleingedrucktem zu beachten. Die Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer sind einfach nicht rechtzeitig fertig geworden.

CW: Warum geben Sie dem Neuen Markt in Frankfurt den Vorzug gegenüber der Nasdaq? Ihre ursprünglichen Pläne sahen doch anders aus.

Schambach: Das ist richtig. Wir wollten zunächst an die Nasdaq, haben diesen Plan jedoch aufgrund der jetzt besseren Möglichkeiten in Frankfurt auf Eis gelegt. Die USA sind, was High-Tech-Aktienmärkte angeht, nicht mehr das alleinige Maß aller Dinge. Man muß auch eines bedenken: Trotz der Erfolge, die wir jetzt auch im US-Markt verzeichnen, sind wir ein Unternehmen deutscher Abstammung mit entsprechend höherem Bekanntheitsgrad hierzulande.

CW: Was versprechen Sie sich vom Börsengang?

Schambach: Wir müssen, wie die meisten Newcomer an der Börse, unser Wachstum finanzieren und wollen natürlich auch bekannter werden. Was wir in keinem Fall wollen, ist, als Gesellschafter die schnelle Mark machen und dann aus dem Unternehmen aussteigen.

CW: Wieviel Kapital möchten Sie denn durch das Going Public hereinbekommen?

Schambach: Sie wissen, daß solche Aussagen immer gefährlich sind. Wenn ich Ihnen aber die Größenordnung von 50 Millionen Mark nenne, dürfte ich nicht völlig danebenliegen.

CW: Seit der Ankündigung des Börsengangs vor einigen Wochen entstand in der Öffentlichkeit vielfach der Eindruck, daß sich hier ein noch tief in den roten Zahlen steckendes Unternehmen mit Hilfe des Going Public finanziell sanieren möchte.

Schambach: Das ist völliger Quatsch. Wir sind erstens auf dem Weg, ein Global Player zu werden, und das bezahlt man nicht aus der Portokasse. Zum Beispiel bereiten wir derzeit gerade den Markteintritt in Japan vor, mit der Gründung einer Tochtergesellschaft vor Ort. Intershop ist - zweite Bemerkung - finanziell durchaus gesund. Im Geschäftsjahr 1997 hätten wir im Prinzip unser Wachstum sogar aus den laufenden Einnahmen bestreiten können. Unser, wie man so schön sagt, Auftragseingang ist gut. Da wir aber im Hinblick auf den Börsengang nach US-GAAP bilanzieren, haben wir unsere Buchhaltung nach den strengstmöglichen Kriterien ausgerichtet und fakturieren aus dem üblichen Rahmen fallende Großaufträge wie den der Telekom gestreckt auf drei Jahre. Dadurch sind die Verluste entstanden. Und wir bewegen uns drittens in einem vielversprechenden Wachstumsmarkt, in dem wir noch einiges vorhaben.

CW: Bleiben wir gleich bei dem von Ihnen apostrophierten Wachstumsmarkt E-Commerce. Welchen Marktanteil streben Sie an?

Schambach: Wenn ich Ihnen jetzt meine Version unterbreiten würde, liefe ich Gefahr, mich in einem Jahr nachhaltig korrigieren zu müssen. Der Markt ist noch zu klein und zu diffus. Ich halte mich daher an das, was Marktforscher prognostizieren - nämlich in vier Jahren ein Volumen von drei Milliarden Dollar für E-Commerce-Software. Rund ein Drittel davon entfällt auf unseren Bereich, also Infrastruktur und vor allem Applikationen. Zehn Prozent von diesem Kuchen wollen wir uns auf Dauer schon abschneiden.

CW: Immer mehr Experten gehen davon aus, daß Firmen wie Cisco Systems und Dell, die mit großem Erfolg ihre Produkte über das Internet vertreiben, demnächst ihre eigenentwickelten Inhouse-Lösungen optimieren und als fertige E-Commerce-Plattform auf den Markt bringen. Dann würde es für Ihr Unternehmen unter Umständen sehr eng.

Schambach: Da kann ich in aller Bescheidenheit nur lachen. Eine Inhouse-Lösung für Dritte und damit für den Markt umzuschreiben ist alles andere als einfach. Ich sehe bei den genannten Firmen niemanden, der das könnte. Hardwarefirmen waren noch nie in der Lage, passable Software zu entwickeln. Ich will in diesem Zusammenhang gar nicht das vielzitierte Beispiel IBM strapazieren. Fragen Sie mal die Cisco-Kunden, was die davon halten. Soviel Selbstbewußtsein ist bei uns mittlerweile schon vorhanden, daß wir sagen, wir gehören im Bereich E-Commerce-Standardsoftware zu den Besten.