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13.07.1979 - 

Automations-Strategien für internationale Banken:

Globale Eigenentwicklungen haben ihre Tücken

Die internationale Verflechtung der Weltwirtschaft, der Anstieg des Außenhandels zwischen den Industrienationen und der Direktinvestition im Ausland haben auch die Bankgeschäfte beeinflußt. Die Dresdner Bank zum Beispiel erzielt bereits etwa 30 Prozent ihres Geschäftsvolumens im Ausland. Ähnlich sieht es bei anderen international tätigen Banken aus. Damit sind die Kreditinstitute mit neuen organisatorischen Problemen konfrontiert. Die Automation des ausländischen Bankgeschäftes stellt Geschäftsleitung und EDV-Fachleute vor komplexe und schwierige Entscheidungen. Der folgende Beitrag analysiert anhand von verschiedenen Fällen aus der Praxis, welche Entscheidungskriterien die langfristige Automationsstrategie für Auslandsniederlassungen international tätiger Banken beeinflussen können.

Einer der sieben großen Computerhersteller mit weltweit über 50 000 Beschäftigten begann vor etwa fünf Jahren ein Automationsprojekt im Auslandszahlungsverkehr der Banken. Zuerst wurden Hardwarekonfigurationen und verschiedene Softwarefunktionen für Teilgebiete, wie zum Beispiel Datenfernübertragung, Datenschutz, Transaktionsmodule und Schnittstellen, zu Benutzerprogrammen entwickelt. Danach begann ein zusätzliches Softwareprojekt für die Entwicklung der banktechnischen Anwendungsprogramme. Ausgangspunkt hierfür war ein parametergesteuertes Grundmodell, das wesentliche Funktionen, wie zum Beispiel Transaktionsverarbeitungslogik, Dateiaufbau, Änderungsdienst, Datenerfassung, Bildschirmverarbeitung und Druck der Abrechnungsbelege, umfaßt.

Schon bei den ersten Installationen des Paketes bei Pilotbanken wurde offensichtlich, daß die Durchsatz- und Antwortzeiten des gesamten Systems nicht ganz zufriedenstellend waren. Eine Reihe von Maßnahmen war notwendig, um die von Hardware, Speicherkapazität, Betriebssystem, Compiler und Programmsegmentierung diktierten Einschränkungen nach und nach zu verbessern. Heute ist dieses Auslandszahlungspaket dank einer um über 400 Prozent gesteigerten Durchsatzrate bei über zwanzig Regionalbanken in der Schweiz im Einsatz.

In der nächsten Evolutionsphase wurden die für einen Einsatz in der Bundesrepublik Deutschland notwendigen bankspezifischen Änderungen, wie zusätzliche Transaktionen, unterschiedliche Gebührenberechnungen und Schnittstellen zum Hauptrechner, vorgenommen.

Während der vorläufig letzten Evolutionsphase ist der Einsatz des Softwarepaketes für Banken in Japan vorzubereiten. Hierbei sind zwei grundsätzliche Problemkreise zu lösen: Einerseits müssen die unterschiedlichen Abwicklungsmodalitäten für den japanischen Anwenderkreis realisiert werden, zum anderen sollen eine Reihe von softwaretechnischen Verbesserungen erreicht werden. Hierzu gehören die Verbesserungen der internen Modulstruktur des Paketes, erweiterte Schnittstellen sowie die Nutzung leistungsfähigerer Hardwarekomponenten.

Ein anderer namhafter Computerhersteller wollte mit Hilfe eines universell einsetzbaren, standardisierten internationalen Bankensoftwarepakets seine Marktposition im Bankwesen ausbauen. Bei der Planung des Bankenpakets sollten folgende Ziele berücksichtig werden:

-Einsatz auf der gesamten Hardwarepalette des Herstellers (leistungsfähige Minicomputersysteme, kommerzielle Universalrechner mit qualitativ hochstehender Systemsoftware sowie Mehrfachprozessor-Großrechner mit hierarchisch aufgebauten Systemkomponenten für DFÜ, Online-Verarbeitung und DB-Systeme).

-Einsatz als Standard-Applikation für die inländische Zentrale und die aus ländischen Niederlassungen eines Kreditinstituts.

In der ersten Phase des Entwicklungsprojektes wurde das Grobkonzept definiert. In Zusammenarbeit mit einer Gruppe von Pilotbanken in Großbritannien, Brasilien, den USA und der Schweiz sollten dann die jeweiligen nationalen Funktionsmodule erarbeitet werden. Parallel zu dieser Konzeptionsphase wurde eine Feasibility-Studie erarbeitet, die neben der technischen Durchführbarkeit auch eine Kosten-/ Nutzen-Berechnung erstellte. Schon schnell wurde es klar, daß dieses Entwicklungsprojekt beträchtliche Investitionen erfordern würde: Allein die Design-Phase wurde zirka 1,5 Millionen Mark kosten, und die Gesamtkosten der Entwicklung wurden auf mindestens fünf Millionen Mark geschätzt.

Daraufhin wurde entschieden, auf eine Softwareentwicklung für die gesamte Hardware-Palette auf international kompatibler Basis zu verzichten und statt dessen verstärkt nationale Bankensoftwarepakete für bestimmte Rechnerfamilien zu entwickeln, die gegebenenfalls für den Einsatz in anderen Ländern adoptiert werden konnten.

Anfang der 70er Jahre begann eine amerikanische Geschäftsbank, den EDV-Einsatz in ihren europäischen Niederlassungen vorzubereiten. CMG wurde im Rahmen dieses langfristigen Entwicklungsprojektes beauftragt, den Aufbau und die Installation von eigenen Rechenzentren zu planen und zu koordinieren. Heute werden die Bankgeschäfte in den drei größten Niederlassungen in London, Paris und Brüssel über IBM /370-Systeme abgewickelt.

Der gleiche Lösungsansatz konnte aus Wirtschaftlichkeitsgründen nicht auch für die restlichen Auslandsniederlassungen gewählt werden. Vielmehr entschied man sich, den weiteren EDV-Einsatz von der Größenklasse der Auslandsniederlassung abhängig zu machen. In dieser zweiten Automatisierungsphase entwickelte die Bank ein integriertes Online-Bankensystem, welches mit Hewlett-Packard-Minicomputern realisiert wird. Die Spezifikationen der Anwendungsmoduln sind bereits erarbeitet. Gegenwärtig wird die Programmentwicklung zentral in London vorgenommen. Anschließend erfolgt die Implementierung des Pakets in Frankfurt, Zürich, Mailand ,und Tokio.

Bei der Planung des Automatisierungsprojektes für seine europäischen Niederlassungen ließ sich ein multinationaler Konzern mit umfangreichen Bankaktivitäten von einem dominierenden Faktor beeinflussen: Die Spezialisierung und das damit verbundene Know-how in den verschiedenen Geschäftssparten war ausschlaggebend, welche der einzelnen Niederlassungen für die Spezifikation der Softwaremoduln federführend sein sollte. In Zusammenarbeit mit Beratern der CMG in Frankfurt und London wurde zunächst das Kunden-Modul entwickelt, in dem alle wesentlichen Teilbereiche wie Kundenstammdaten, Kontokorrent, Spargeschäft, Hauptbuchhaltung, Zinsberechnungen etc. berücksichtigt wurden. Dieses Grundmodul, für den Einsatz auf Honeywell Bull-Minicomputern Level /6 als datenbankorientiertes Online-System entwickelt, dient als Basis für die spätere Integration zusätzlicher Geschäftssparten.

Aus den vorstehenden Beispielen geht hervor, daß bei den Computerherstellern und den multinationalen Banken unterschiedliche Entscheidungskriterien für die langfristige Automationsstrategie dominierend waren. Können aus diesen Praxisfällen generelle Entscheidungskriterien abgeleitet werden?

Die Notwendigkeit einer langfristigen Automationsstrategie muß zunächst einmal in Einklang mit dem globalen Marketingkonzept der multinationalen Bank gesehen werden. So gibt es eine Reihe von Geschäftsbanken, die eine internationale Expansion in erster Linie aus Prestigegründen in Erwägung ziehen und nicht unbedingt einen weitergehenden Status als den einer Repräsentanz anstreben. Eine Zwischenstellung nehmen Banken ein, die in mehr oder weniger loser Kooperation Mitglied internationaler Konsortien wurden.

Erst wenn sich die Geschäftsbank als eine echte multinationale Bank sieht und ihren homogenen Kundengruppen, das heißt in erster Linie den multinationalen Konzernen und deren lokalen Geschäftspartnern, ihren Service in allen wichtigen Finanzzentren anbietet, wird für sie eine langfristige Automationsstrategie relevant.

*Gerhard Kenk ist Leiter der Beratung der CMG (Frankfurt) GmbH, die zur international tätigen Computer Management Gruppe (CMG) gehört