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26.04.1996 - 

IT-Normen/Status der Spezifikationen beim ATM-Forum

Globale Gruppenarbeit legt die Fundamente fuer ATM-Verbreitung

Die meisten Mitglieder des ATM-Forums stammen aus den USA. Die Zielrichtung indes ist, wie in den Statuten festgehalten, eindeutig global. Schon die ersten Gruendungsmitglieder haben erkannt, dass ATM nur im weltweiten Zusammenhang gesehen werden kann, dass es das Potential fuer ein weltweit umspannendes, alle Medienarten einschliessendes Netzwerk in sich traegt, wenn die Spezifikationen auch auf globaler Basis Gueltigkeit erlangen.

Besonders in bezug auf Europa stellt sich die Situation folgendermassen dar: Zunaechst einmal kann festgehalten werden, dass zirka 20 Prozent der Teilnehmer bei einem beliebigen Treffen des Technischen Komitees aus Europa kommen. Sie stellen damit zwar nicht die Mehrheit dar, doch ein durchaus bedeutendes Potential.

Ferner wurde im Vorstand (Board of Directors) eine Position Vice- President for European Operations geschaffen, die es ermoeglicht, europaeische Belange an hoechster Stelle in die Entscheidungen einzubringen. Der Vorstand wird in seiner Arbeit von einem Sekretariat unterstuetzt, das in Bruessel angesiedelt ist, also nahe an den wichtigen europaeischen Gesetzgebern fuer Telekommunikation.

Auf globaler Basis hat das Forum mit der ITU (International Telecommunications Union) korrespondierende Beziehungen aufgenommen, so dass Forum- Spezifikationen auch bei der ITU Eingang finden oder aber auf Grundlage von ITU-Empfehlungen entwickelt werden.

Nun hat das ATM-Forum aber auch mit dem europaeischen Standardisierungsinstitut fuer Telekommunikation (ETSI = European Telecommunications Standards Institute) einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Neben dem Austausch und der Abstimmung strategischer Programme sind auch der Austausch von Beobachtern sowie die gegenseitige Uebernahme von Arbeitsergebnissen vorgesehen. Es steht also zu erwarten, dass Forum-Spezifikationen in europaeische Belange einbezogen werden und gegebenenfalls vom ETSI herausgegeben werden.

Die Arbeitsgruppen des Technical Committee (TC)

Das TC ist in zwoelf verschiedene Arbeitsgruppen untergliedert:

- Network Management,

- Broadband Inter Carrier Interface (B-ICI),

- Security,

- Service Aspects and Applications,

- LAN Emulation (LANE),

- Multi Protocol over TAM (MPOA),

- Private Network Node Interface,

- Physical Layer (PHY),

- Residential Broadband (RBB),

- Signalling,

- Traffic Management (TM) und

- Testing.

Network Management Working Group

Die Aufbabe der Network Management Working Group ist sicherzustellen, dass ATM zu einer gut verwaltbaren Technologie wird. Sie erarbeitet zu diesem Zweck Spezifikationen, Empfehlungen und Richtlininen fuer Netzwerk- und System-Management. Ferner entwickelt sie Anforderungen, Management-Informationsdefinitionen und protokollspezifische operative Spezifikationen, um ATM- Protokolle einzurichten und zu verwalten. Ein anderer Aufgabenschwerpunkt liegt auf der Sicherung der Interoperabilitaet mit anderen Netztechnologien wie Frame Relay oder LAN-Medien. Ausserdem soll diese Gruppe dafuer sorgen, dass sich Leistungsmerkmale, die andere Arbeitsgruppen moeglicherweise entwickeln, durch Network Management einrichten und verwalten lassen.

Spezifikationen: Speziell geht es hier um das Netzwerk-Management zum oeffentlichen Netz (M4-Schnittstelle) und das Netzwerk- Management zum Firmennetz (M3-Schnittstelle).

Broadband Inter Carrier Interface

Die Aufgabe der Arbeitsgruppe Broadband Inter Carrier Interface besteht darin, die Schnittstellen zwischen den Netzen unterschiedlicher oeffentlicher Netzwerkbetreiber zu koordinieren. Dies geschieht unter Beruecksichtigung verschiedener Dienstangebote und mit dem uebergeordneten Ziel der nationalen und internationalen Kommunikationsfaehigkeit.

Spezifikationen: Bisher hat diese Arbeitsgruppe zwei Stufen ihrer B-ICI-Spezifikation herausgebracht: Version 1.1 und 2.0. Dabei bestand die Zielsetzung von Version 1.1 im wesentlichen darin, einen Anforderungskatalog fuer Permanent Virtual Circuits (PVC) und Switched Virtual Circuits (SVC) zu unterstuetzen. Version 2.0 brachte dann noch die zusaetzlichen Leistungsmerkmale hinzu, die durch die erweiterten Merkmale der UNI 3.1 moeglich wurden.

Arbeitsgruppe fuer Security

Mit der wachsenden kommerziellen Nutzung globaler Netze oder des Internet hat die Sicherheit der Uebermittlung und die Absicherung gegen unbefugtes Abhoeren eine grosse Bedeutung erlangt. Die Security-Gruppe arbeitet am Thema Sicherheit auf den Ebenen Benutzer, Signalisierung und Management. Aus diesem Grund wird sie eine definierte Menge kryptografisch sicherer Protokolle und Algorithmen an den ATM-Schnittstellen UNI und NNI zum sicheren Betreiben dieser drei Ebenen entwickeln. Oberstes Ziel ist die sichere Interoperabilitaet von Implementierungen, die ATM-Forum- Spezifikationen gehorchen.

Spezifikationen: Diese Arbeitsgruppe ist noch recht jung und hat ihr Arbeitsprogramm erst vor kurzem definiert. Veroeffentlichte Ergebnisse liegen noch nicht vor, sind aber nach bisheriger Planung fuer Februar 1997 zu erwarten.

Service Aspects and Applications

Wie im Namen bereits angedeutet, hat sich diese Gruppe zwei Aufgaben gestellt, naemlich erstens Spezifikationen bereitzustellen, die es neuen oder auch bereits existierenden Applikationen ermoeglicht, oberhalb der ATM Adaptation Layer (AAL) implementiert zu werden. Ein zweites, unter dem Blickwinkel der Migration von existierenden Netzen in eine ATM-Zukunft besonders wichtiges Ziel ist dann jedoch auch das Abbilden existierender LAN- und WAN-Dienste auf ATM.

Dementsprechend ist diese Arbeitsgruppe in verschiedene Ad-hoc- Teams aufgeteilt. Diese Gruppen nehmen sich dieser beiden Themenkreise gesondert an: Fuer den Themenkreis Applikationen gibt es die Untergruppen ATM-API und Audiovisual Multimedia Services: Die API Gruppe befasst sich damit, eine Semantik fuer Applikationsprogrammierer fuer ATM zu entwickeln und in einem Dokument bereitzustellen.

Die Syntax aus der hoeheren Programmierebene soll dann auf diese Semantik abgebildet werden. Die Audiovisual-Multimedia-Services- Gruppe hingegen hat sich die Verwirklichung multimedialer Anwendungen auf die Fahne geschrieben.

Hierbei analysiert sie die Anforderungen der verschiedenen Anwendungen an die verschiedenen Aspekte (Ebenen) eines ATM- Netzwerks und beschreibt entsprechende Anforderungen auch an andere Arbeitsgruppen des Forums, zum Beispiel fuer Network Management, Traffic Management oder auch Signalisierung.

Der erste Applikationsdienst, der in diesem Sinne bearbeitet wurde, ist Video on demand. Fuer den Themenkreis Dienste gab es bisher vier verschiedene Ad-hoc-Gruppen, die sich mit Dienstabbildungen auf ATM befasst haben: - zweimal fuer Frame Relay (einmal an der UNI, einmal als Service Network Interworking);

- fuer Circuit Emulation (Emulation von zum Beispiel ISDN auf ATM) und

- fuer SMDS Spezifikationen: Die erwaehnten Interworking- Spezifikationen sind bereits seit Ende 1994 beziehungsweise Ende 1995 verabschiedet und erhaeltlich. Ebenso ist das Dokument fuer AMS Phase 1 (Video on demand) verabschiedet und erhaeltlich. Diese Applikation basiert auf einem MPEG-2-Datenstrom und benutzt AAL 5.

Die Gruppe LAN-Emulation (LANE)

LAN-Emulation ermoeglicht es, LAN-Applikationen ueber ATM laufen zu lassen, unabhaengig davon, ob sie urspruenglich fuer Ethernet oder Token Ring geschrieben wurden. Die LAN-Emulation greift ein an der Media-Access-Control-(MAC-)Schicht. Als besondere Faehigkeit wird hier angeboten, dass Zielstationen ihre MAC-Adressen bei einem LAN- Emulations-Server registrieren lassen koennen. Dadurch wird das Problem geloest, wie sich die MAC-Adresse der Zielstation durchs ATM-Netz hindurch finden laesst. Die allgemeine Anwendung fuer LAN- Emulation besteht darin, einen Backbone von hoher Geschwindigkeit und Reichweite fuer die Verbindung von lokalen Netzen darzustellen und damit die Reichweite dieser LANs drastisch zu erhoehen. Weiterhin erlaubt es auch den Zugriff von LAN-Workstations auf Server, die an ATM angeschlossen sein koennen.

Alles in allem ist LAN-Emulation ein essentielles Leistungsmerkmal, das einen kostenguenstigen Uebergang zur ATM- Infrastruktur mit vorhandenem Geraet (und Netzen) ermoeglicht. Vorhandene Applikationen laufen wie gewohnt; um eine Steigerung ihrer Leistungsfaehigkeit im ATM-Rahmen zu erreichen, bedarf es jedoch wie bereits erwaehnt zusaetzlich der Anwendung von ATM- spezifischen APIs.

Spezifikationen: Das LANE-Dokument liegt augenblicklich in Version 1.0 vor.

Multi Protocol over ATM (MPOA)

Diese Arbeitsgruppe verallgemeinert und erweitert die Zielsetzung wie bereits fuer die LANE-Gruppe beschrieben. Die Interworking- Protokolle, die von diesem Team spezifiziert werden sollen, arbeiten auf den Schichten zwei und drei des OSI-Schichtenmodells. Damit umfassen sie Bridge- sowie Router-Protokolle und loesen zusaetzlich das Problem, wie es sich zwischen virtuellen LANs unterschiedlicher Provenienz routen laesst.

Spezifikationen: Die ersten Ergebnisse dieser Arbeitsgruppe werden fuer Januar 1997 erwartet.

Private Network Node Interface (PNNI)

Ausgangspunkt der Ueberlegungen dieser Arbeitsgruppe ist der private ATM- Switch oder das Firmennetz. Durch das PNNI-Protokoll soll sichergestellt werden, dass diese Bausteine, auch wenn sie von verschiedenen Herstellern stammen und an voneinander entfernten Orten installiert sind, die vollen transparenten Routing- und Dienstefaehigkeiten eines abgeschlossenen ATM-Netzes haben. Eine enge Kooperation mit der European Communications Manufacturers Association (ECMA) auf der Grundlage gegenseitiger Liaison- Statements und in Zukunft auch im Rahmen des Kooperationsvertrags zwischen ETSI und ATM-Forum stellt dabei sicher, dass die Anforderungen europaeischer Nutzer in idealer Weise beruecksichtigt werden.

Spezifikationen: Version 1.0 der PNNI- Spezifikation ist verabschiedet und unterstuetzt Routing und Signalisierung in privaten ATM-Netzen, die auf den Leistungsmerkmalen der aktuellen UNI-Schnittstelle (derzeit 4.0) basieren.

Gruppe: Physical Layer (PHY)

Die Aufgabe dieser Arbeitsgruppe liegt auf der untersten Ebene des OSI- Schichtenmodells. Schnittstellen-Beschreibungen werden entwickelt, um den Transport sowohl an privaten als auch an oeffentlichen Schnittstellen zu ermoeglichen. Im Rahmen des Arbeitsprogramms werden optische und elektrische Medien betrachtet.

Spezifikationen: Die Spezifikationen dieser Gruppe befassen sich innerhalb der physikalischen Schicht mit den beiden Unterschichten Physical Media Dependence (PMD) und Transmission Convergence (TC). In den PMD-Teilen werden Kodierungsalgorithmen, Modulationsverfahren und die physikalischen Medien selbst beschrieben. Die TC-Spezifikationen umfassen Beschreibungen des Rahmenformats, der Uebertragungskapazitaet und der Funktionalitaet der Steuerungs-Bytes. Bereits verabschiedet sind: - Spezifikationen fuer 25 und 155 Mbit/s ueber UTP3-Kabel (ungeschirmt, verdrillt);

- 155 Mbit/s ueber UTP5-Kabel (geschirmt, verdrillt);

- UNI fuer 100 und 155 Mbit/s ueber Multimode- und Singlemode- Glasfaser;

- E-1-(2-Mbit/s-) und

- E-3-(34-Mbit/s-)UNIs.

Gruppe: Residential Broadband (RBB)

Das Ziel dieses Teams besteht darin, ATM-System-Schnittstellen zum und vom Privathaus zu definieren, um die Dienste, die von der SAA- Gruppe definiert werden, zu unterstuetzen.

Ein Schwerpunkt ist hierbei mit den Zugangstechnologien verbunden: Hybrid-Fiber-Coax als Mischtechnologie oder FTTH (Fiber to the home), eine reine Glasfasertechnologie bis ins Haus, beziehungsweise FTTC (Fiber to the curb), Glasfaser bis zu den Hauptverteilern nahe beim Haus; danach Weiterverteilung an mehrere Haeuser ueber unterschiedliche Technologien. Eine besonders enge Arbeitsverbindung auf diesem Gebiet besteht zwischen IEEE 802.14 und Davic (Digital Audio Video Council), die sich ebenfalls mit diesem Thema beschaeftigen, wenn auch aus einem anderen Blickwinkel. Ein weiterer Gesichtspunkt der gemeinsamen Arbeit ist die Verkabelung innerhalb des Hauses fuer ATM.

Hierbei gestalten die unterschiedlichen regulatorischen Umgebungen in Europa und den USA zu diesem Thema die Arbeit recht schwer.

Spezifikationen: Von dieser Arbeitsgruppe sind bislang noch keine Spezifikationen verabschiedet worden.

Die aelteste Gruppe: Signalisierung

Die Signalisierungsgruppe ist die aelteste und eine urspruengliche Arbeitsgruppe des ATM-Forums. Ihre allgemeine Aufgabenstellung ist die, dem Nutzer die Moeglichkeit zu geben, dem Netzwerk mitzuteilen, dass eine Verbindung aufgebaut werden soll, und die gewuenschten Eigenschaften dieser Verbindung anzugeben.

Spezifikationen: Bisher veroeffentlicht wurde die Spezifikation mit der Version 3.1. Hinzu kommt im Augenblick die (abwaertskompatible) Version 4.0, die die Leistungsmerkmale der bisherigen Version in einigen Punkten praezise und entscheidend erweitert: - In bezug auf Traffic Management werden neue Qualitaetsparameter und Parameter fuer den Dienst Available Bit Rate (ABR) unterstuetzt.

- Wie von der SAA Gruppe gefordert, wird in der Signalisierung nun auch MPEG-II-Videokodierung moeglich.

- Die Signalisierung umfasst neue Elemente, die von der PNNI-Gruppe gefordert wurden.

Gruppe: Traffic Management (TM)

Diese Gruppe legt Prozeduren und Parameter hinsichtlich Traffic Management (wie laesst sich der ATM-Verkehr so steuern, dass ein moeglichst guenstiger Verkehrsfluss entsteht?) und Quality of Service fest (wie muessen die Qualitaetsparameter einer Verbindung aussehen, damit die gewuenschte Verbindungsart optimal aufgebaut werden kann?). Vorrangige Aufgabe des Traffic Management ist es, das Netzwerk und die Endsysteme vor Engpaessen zu bewahren, so dass der gewuenschte Durchsatz stets gewaehrleistet bleibt. Dabei ergibt sich als naechstes Ziel, den effizienten Gebrauch von Netzwerk- Ressourcen (was effizient ist, soll in diesem Fall der Nutzer selbst bestimmen koennen) zu foerdern.

Neben der Signalisierungsgruppe ist dieses Team von zentraler Bedeutung fuer den Erfolg von ATM.

Spezifikationen: Fuer die bisherige Signalisierungsspezifikation hat Traffic Management die folgenden Mechanismen zur Verfuegung gestellt:

CAC = Call Admission Control,

RM = Resource Management,

UPC = Usage Parameter Control,

NPC = Network Parameter Control,

PC = Priority Control,

TS = Traffic-Shaping und

EFCI = Explicite Forward Con- gestion Indication. Mit Version 4.0 kommt als wesentliches Merkmal ABR (Available Bit Rate) hinzu, ein Algorithmus, der einen noch besseren Gebrauch vorhandener Uebertragungskapazitaeten zu machen verspricht.

Auch eine Gruppe fuer Testing

Die Test-Gruppe entwickelt solche Testspezifikationen, mit denen sich ueberpruefen laesst, ob Produkte oder Dienste den Forum- Spezifikationen in jeder Hinsicht genuegen. Sie dienen damit der Verdeutlichung, in einem testbaren Sinn, der uebrigen Spezifikationen. Die Tests werden jedoch nicht vom Forum selbst durchgefuehrt. Es bleibt also dem jeweiligen Interessenten ueberlassen, entsprechende Institute damit zu beauftragen. Eine solche Eigeninitiative birgt allerdings gewisse Gefahren.

Spezifikationen: Die wichtigsten von dieser Gruppe herausgegebenen Spezifikationen umfassen Testvorschriften fuer die ATM-Adaptation- Layer-Spezifikationen und fuer die Spezifikationen der PHY-Gruppe fuer 2-, 25-, 34-, 52- und 100-Mbit/s-Schnittstellen.

Die Stabilitaet der Spezifikationen

Auch die Stabilitaet der Spezifikationen ist fuer den Erfolg von ATM sehr wichtig.

Die vorhandenen Spezifikationen werden - abhaengig davon, wie kritisch sie fuer die Funktionalitaet des Netzwerks sind - in die folgenden Kategorien gegliedert: - Spezifikationen von fundamentaler Bedeutung fuer das Funktionieren der ATM-Infrastruktur = Core Foundation Specifications, CFS;

- Spezifikationen fuer fundamentale Dienste = Service Foundation Specifications, SFS

- weiterfuehrende Spezifikationen, die auf dem vorhandenen Fundament aufbauen.

Core-Foundation- Spezifikationen

CFS ist jener Satz von Spezifikationen, der benoetigt wird, um die missionskritische ATM-Infrastruktur zu bauen. Diese Spezifikationen stellen ein vollstaendiges Rahmenprogramm fuer ATM- Netze dar. Mit eingeschlossen: - ATM Endsysteme;

- User Network Interface (UNI) fuer oeffentliche und private Netze;

- ATM-PNNI (Private Network-to-Network Interface = Schnittstelle zwischen Privatnetzen) sowie

- BICI (Broadband Inter Carrier Interface = Breitband- Schnittstelle zwischen oeffentlichen ATM-Netzen) und das dazugehoerige Netzwerk-Management.

Nach Ansicht des ATM-Forums sind diese Spezifikationen noetig und als Fundament einer globalen ATM-Infrastruktur ausreichend. Sie sind aber auch komplett in dem Sinne, dass sie die vom Benutzer geforderten wesentlichen Leistungsmerkmale unterstuetzen. Sie werden sogar als so komplett angesehen, dass das Forum fuer das Arbeitsprogramm der naechsten anderthalb Jahre keinerlei Erweiterungen dieser Spezifikationen vorsieht.

Ausgenommen sind lediglich Anpassungen an neue ITU-Standards und Modifikationen zum Zwecke der Abwaertskompatibilitaet und der Durchgaengigkeit von UNI-, PNNI- und BICI-Spezifikationen.

Spezifikationen, die zu diesem Kernfundament gehoeren, sind: - Broadband Inter Carrier Interface (BICI), Version 2.0: bringt SVC-Faehigkeit zwischen oeffentlichen Netzen auf Basis von UNI 3.0;

- Interim Inter-Switch Signalling Protocol (IISP): unterstuetzt statisch konfigurierte Firmennetze auf Interimsbasis bis zur Verfuegbarkeit endgueltiger PNNI-Produkte.

- Interim Layer Management Interface (ILMI), Version 4.0: Es bringt Diensteanbietern oder Benutzern die Moeglichkeit, Teilnehmerparameter zu verifizieren und neue Parameter einzubinden, zum Beispiel Verkehrsparameter, ABR-Dienst, Signalisierungs- und Adressregistrierung.

- Network Management: Schnittstellen zu oeffentlichen (M4-) und privaten (M3-)Netzen.

- Physical Layer Interface: umfassender Satz von Spezifikationen, um Implementierung auf vorhandenen Verkabelungssystemen wie auch Innovationen in der Zukunft zu ermoeglichen.

- Private Network Node Interface (PNNI), Version 1.0: private Netze mit Routing und Signalisierung, wie oben bereits beschrieben wurde.

- Signalisierung UNI, Version 4.0: erweiterte Leistungsmerkmale siehe oben.

- Traffic Management (TM), Version 4.0: Leistungsmerkmale wie oben.

Service-Foundation- Spezifikationen

Diese Spezifikation ermoeglicht es Produkt- und Diensteanbietern, die Migration zu Multi-Service-Netzen durch das Angebot entsprechender Dienste zu unterstuetzen und damit die Verbreitung von ATM wesentlich zu beschleunigen. Die Arbeit an diesen Spezifikationen wird ebenfalls fuer vollstaendig und damit beendet erklaert.

Hierunter fallen:

- Audio-Visual Multimedia Service (AMS), Version 1.0: als die Basiskomponente fuer Video on demand over ATM;

- Native ATM Services, Version 1.0;

- LAN Emulation, Version 1.0 und

- SMDS Interworking, Frame Relay Interworking, Circuit Emulation.

Kurzer Blick in die Zukunft

Die Arbeit ist mit der Vollendung der CFS und der SFS allerding noch nicht vollbracht. Es werden Implementierungsvereinbarungen benoetigt, die auf deren Grundlagen aufbauen, um das ganze Potential von ATM fuer den Benutzer zu erschliessen. Hierzu gehoeren vor allem die Aktivitaeten der eingangs erwaehnten Arbeitsgruppen fuer Security, MPOA und RBB.

Die LAN-Emulation wird sich zu einer Version 2.0 weiterentwickeln, die auch verteilte LAN-Server bedienen kann.

Die SAA-Gruppe wird sich den besonderen Anforderungen widmen, die Voice-Verkehr an ATM stellt. Aus diesem Grund gruendete man eine neue Unterarbeitsgruppe, Voice and Telephony over ATM (VTOA), die sich dieses Themas annimmt. Im Vordergrund ihrer Bemuehungen wird stehen, Voice-Verkehr wirtschaftlicher als bisher ueber ATM zu transportieren. Migration von vorhandenen Signalisierungsarten (herkoemmliches ISDN oder auch Narrowband-ISDN) und Interworking werden damit weitere Hauptthemen sein. Die Vollendung dieser Arbeiten wird einen weiteren entscheidenden Meilenstein fuer die Verbreitung von ATM darstellen.

Zum Schluss seien die Kernaussagen dieses Artikels noch einmal zusammengefasst:

- Um ATM zur vollen Entfaltung zu bringen, bedarf es des Vorlaufs einer enormen Arbeit auf der Spezifikationsseite. Das ATM-Forum mit seinen Arbeitsgruppen ist dafuer geruestet.

- Die Arbeit an ATM hat einen Reifegrad erreicht, an dem ein umfassender Satz von fundamentalen Spezifikationen als abgeschlossen und stabil erklaert werden kann.

- Dessenungeachtet geht die Arbeit weiter, um auch hoehere Leistungsmerkmale und erweiterte Einsatzmoeglichkeiten anbieten zu koennen.

Das ATM-Forum

Das ATM-Forum besteht nicht nur aus technischen Arbeitsgruppen, auch benutzernahe Taetigkeiten finden hier statt. In Asien (Pazifik), Europa und den USA bildete man Marketing-Komitees, die ATM im wesentlichen durch Antworten an Benutzer und Programme unterstuetzen, die ihrer Aufklaerung und Weiterbildung dienen. Darueber hinaus wurde der Enterprise Network Roundtable (ENR) gegruendet - ein weltweites Komitee nur fuer Endnutzer, die hier ohne Hersteller- oder Anbieterbeteiligung Meinungen austauschen koennen. Der Roundtable hat eine direkte Verbindung zum Technischen Komitee und kann so dessen Arbeit beeinflussen.

Wer mehr ueber die Programme des ATM- Forums wissen moechte, ist eingeladen, die Gruppierung auf dem World Wide Web zu besuchen. Die Adresse: www.atmforum.com.

E-Mails gehen an: infoatmforum.com.

Der Verfasser, Falk Sass, ist telefonisch unter der Nummer 089/722- 348 69 zu erreichen, per Fax unter 089/722-319 42 oder per E-Mail unter falk.sasspn.siemens.de. Das Bruesseler Buero des ATM-Forums hat die Rufnummer 00 32/2/732 85 05. Die Faxnummer lautet 00 32/2/732 84 85.

Kurz & buendig

Dieser Artikel ist in vier Themenbloecke unterteilt: Zunaechst geht es um den Einfluss des ATM-Forums in Europa. In einem weiteren Schritt werden die Arbeitsgruppen vorgestellt, ihre Aufgaben und ihre Arbeitsergebnisse. Ein dritter Teil bietet einen Ueberblick darueber, welcher Stellenwert den geschaffenen ATM-Spezifikationen von Endbenutzerseite beigemessen wird. Hier werden Basisspezifikationen unterschieden, die ein Kern- und ein Dienstefundament darstellen, auf denen sich erweiterte Applikationen errichten lassen. Der letzte Teil gewaehrt einen Ausblick auf moegliche weitere Arbeiten des Forums, die derzeit erst diskutiert werden.

*Falk Sass ist Siemens-Mitarbeiter im Bereich Personal Networks (Muenchen) und Vice-President European Operations des ATM-Forums (siehe auch Seite 55).