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Umfangreiches Forschungs- und Entwicklungsprogramm für 1985

GMD: Industrie hat Verbundforschung wiederentdeckt

15.03.1985

BONN (cmd) - Ausgesprochen selbstbewußt präsentierte die Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD), Birlinghoven, vor der Presse in Bonn ihr "Forschungs- und Entwicklungsprogramm 85". Die Projektpalette reicht von neuen Rechnerstrukturen bis hin zu Expertensystemen.

Den Stellenwert, den die GMD heute in der hiesigen Forschungs- und Entwicklungslandschaft auf dem Sektor Informationstechnik einnimmt, machte Norbert Szyperski, der Vorstandsvorsitzende der Großforschungseinrichtung, an drei Punkten deutlich: Zum einen erhöhte sich das Budget der GMD von 1984 auf 1985 von 58,9 Millionen Mark um nahezu 43 Prozent auf 84,12 Millionen Mark in diesem Jahr. Rund zehn Millionen Mark erwirtschaften die Birlinghovener über Kooperationen mit der Industrie selbst, die restlichen Mittel kommen zu 90 Prozent vom Bund und zu zehn Prozent aus dem Land Nordrhein-Westfalen.

Federführend bei fünf Verbundprojekten

Darüber hinaus war die GMD maßgeblich an der konzeptionellen Ausarbeitung des "Programms Informationstechnik" beteiligt, das die Bundesregierung im März letzten Jahres verabschiedet hat. Diese Mitwirkung schlägt sich auch in der Projektbeteiligung nieder, insbesondere bei den stark propagierten "Verbundprojekten". Hier tritt die GMD bei fünf Vorhaben dieser Art als Koordinator und Promotor auf. Zum Thema Verbundforschung meinte Szyperski, daß die Möglichkeiten hierzu noch nie so gut waren wie in den letzten zwei, drei Jahren. Vorher habe dagegen insbesondere in der Industrie große Zurückhaltung geherrscht. "Unser Dank an die japanische Herausforderung", so der GMD-Vorstand nachdrücklich, "ist, daß sich das geändert hat."

Mit Blickrichtung auf das eigene Haus beanspruchte Szyperski in einigen Bereichen durchaus eine international führende Position, so zum Beispiel bei der Entwicklung schneller Rechenverfahren zur Lösung komplizierter mathematischer Probleme, dem sogenannten Mehrgitterverfahren, oder in der Entwicklung von Computern der fünften Generation. Der an der GMD-Forschungsstelle "Innovative Rechnersysteme und -technologie (First) in der Berliner TU entwickelte Bildanalyse-Prozessor finde auch in den USA reges Interesse und der ebenfalls dort konzipierte "Starlet"-Rechner für den Umgang mit Expertenwissen sei bei den Japanern stark gefragt.

Führend sei die GMD aber auch in der Entwicklung von Compilern: Soeben sei von der GMD-Forschungsstelle "Softwarestrukturen" an der Universität Karlsruhe ein ADA-Compiler für den technischwissenschaftlichen Bereich fertiggestellt worden.

Die Schwerpunkte der fünf GMD-Institute und der zwei Forschungsstellen im Jahr 1985:

þDas Institut für Methodische Grundlagen (F1) beschäftigt sich im wesentlichen mit verteilten Systemen und Prozessen, mit Mechanismen zur Verarbeitung symbolischer Daten und mit der Mehrgittermethodik. Eines der Ziele bei den verteilten Systemen ist die grafische Unterstützung beim Entwurf von Petri-Netzen. Für die Verarbeitung symbolischer Daten sollen in diesem Jahr verschiedene Sprachen eingesetzt werden.

In Sachen Mehrgitterverfahren ist die GMD dabei, neue Rechenverfahren zu entwickeln, mit denen sich umfangreiche mathematische Gleichungen so zerlegen lassen, daß ihre Lösung in mehreren Teilaufgaben parallel erfolgen kann. Hierfür wird ein spezielles Rechnersystem entwickelt, dessen Hauptrechner eine Aufgabe zerlegt, diese an die Subsysteme verteilt, von dort die Rechenergebnisse wieder einsammelt und daraus das Endergebnis erarbeitet. Maßgeblich ist hierbei das Verbundprojekt "Supremum", bei dem Anwender, Algorithmiker und Mathematiker, Rechnerarchitekten sowie Hard- und Softwarehersteller zusammenarbeiten.

þDas Institut für Systemtechnik (F2) beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Entwicklung fehlertoleranter Rechner und mit der Parallelverarbeitung, aber auch mit der Erstellung von Softwareprogrammen für Unix-Systeme sowie eines Software-Entwicklungssystems.

Im Forschungsbereich Kommunikationstechnik läuft ein Feldversuch mit der ISDN-Anlage "Hicom" von Siemens, an deren Konzeption und Entwicklung die GMD maßgeblich mitgewirkt hat. Darüber hinaus ist der Kommunikationsbereich zusammen mit anderen Bereichen der GMD am Aufbau des deutschen Forschungsnetzes DFN beteiligt.

Koordinierungsstelle für das Verbundprojekt "Entwurf integrierter Schaltungen (E.I.S.)" ist die GMD-Arbeitsgruppe "Hochintegrierte Schaltungen (VLSI)". Unter der Ägide der Birlinghovener arbeiten hier dreizehn Universitäten mit insgesamt 30 Lehrstühlen zusammen. Ziel dieses Mammutprojekts, das bis zum 30. Juli nächsten Jahres läuft, ist ein computerunterstütztes System zum Entwurf solcher Schaltungen. Dieses wird dann deutschen Forschungseinrichtungen und Hochschulinstituten der Informatik und der Elektrotechnik zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig sollen auf diese Weise auch Forschung und Entwicklung auf dem VLSI-Sektor verstärkt und die Zahl der Experten erhöht werden.

Common Lisp auf Starlet

Die Berliner Forschungsstelle "First" befaßt sich schwerpunktmäßig mit der Rechnerentwicklung der Zukunft. In diesem Jahr soll unter anderem der Prototyp eines Spezialcomputers gebaut werden, der die Programmiersprache "Prolog" verwendet. Daneben wird der "Starlet"-Rechner der Berliner so weiterentwickelt, daß er die "Künstliche-Intelligenz"-Sprache "Common Lisp" versteht.

þDas Zentrum für Angewandte Informationstechnik (F3) befaßt sich vor allem mit den Themen Büro-Informationssysteme, Systeme zur Entscheidungs-Unterstützung und Expertensysteme.

Bei den Bürosystemen ist die GMD dabei, eine neue Qualität der Unterstützung dadurch zu erreichen, daß ein Teil des Benutzungswissens in das System verlagert wird. Ein Beispiel ist die Integration von Organisationswissen in ein Bürosystem: Dieses kennt selbst den Weg, den ein Dienstreiseantrag von der Genehmigung bis zur Abrechnung und zur Ablage nehmen muß, es sorgt dafür, daß dieser Weg eingehalten wird und es kann sogar nachprüfen, ob die Angaben plausibel sind.

Computersystem fürs Büro

Bei der Entwicklung von persönlichen Unterstützungssystemen dreht sich die Arbeit der GMD derzeit vor allem um ein System zur statistischen und grafischen Auswertung von quantitativen Daten sowie Werkzeuge und Verfahren zur Simulation sozio-ökonomischer Strukturen und Prozesse auf Rechnern. Anwendungsfelder sind gegenwärtig Probleme der Planung in Bundesministerien für die Vorbereitung von Gesetzen.

Die Entwicklung von Gruppenunterstützungssystemen richtet sich auf neue Dienste, die auch als Medium zur Diskussion und zur Problemlösung akzeptiert werden. So liegt zum Beispiel ein Terminvereinbarungssystem vor, das in diesem Jahr erstmals mit einem Rechner verwirklicht werden soll.

Auf dem Sektor Expertensysteme erarbeitet die GMD gegenwärtig Verfahren und Methoden: Fertiggestellt wurde zum Beispiel soeben ein System, das Fehler im automatischen Getriebe eines Autos diagnostiziert. Ein ähnliches Expertensystem für den Automobilkundendienst ist noch für dieses Jahr geplant. Als neues Einsatzgebiet ist eine Anwendung im Dienstleistungsbereich ñ aller Voraussicht nach im Bereich Banken oder Versicherungen ñ ins Auge gefaßt, die zusammen mit dem Anwender möglichst bis zur Projektreife entwickelt werden soll.

þDas Institut für Informationstechnische Infrastrukturen (Z1) dient neben seiner Aufgabe als Service-Zentrum für die übrigen GMD-Institute und die Kooperationspartner auch der Forschung und Entwicklung: Sämtliche Großrechner und Spezial- und Laborsysteme der Birlinghovener sollen zu einem qualitativ hochwertigen Gesamtsystem zusammengeschaltet werden, zu dem die Mitarbeiter theoretisch von jedem Bildschirmarbeitsplatz aus Zugang haben. Derzeit arbeitet man daran, bis Mitte 1986, wenn das System zur Verfügung stehen soll, Gateways und Bridges zu entwickeln, um aus einem System über den Vermittlungskanal in das andere System gelangen zu können. Weitere Probleme sind Adressierbarkeit und Absender-Code, Zugangskontrolle sowie Vergabe von Berechtigungen.

þDas Institut für Technologie-Transfer (Z2) beschäftigt sich vor allem damit, transferierbare Ergebnisse aus der GMD-Arbeit zu erkennen und sie gegebenenfalls zu entsprechenden Produkten weiterzuentwickeln. Daneben soll es aber auch das in der GMD gewonnene Wissen in Fortbildungs- und Schulungsmaßnahmen weitergeben. Für dieses Jahr sind daher zahlreiche Seminare zum Thema Informationstechnologie für die unterschiedlichsten Zielgruppen sowie Fortbildungsveranstaltungen für die gesamte Öffentliche Verwaltung. Schließlich will die Großforschungseinrichtung auch ein "Mikrocomputerzentrum" einrichten, das der herstellerneutralen Information, der Beratung und dem Training potentieller Benutzer solcher Geräte dienen soll.