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30.07.1976

Gold für Hewlett Packard - vorletzter Platz für 3

Auswahl eines Computers für kommerzielle Applikationen mit umfangreichen Dialog-Verarbeitungsmöglichkeiten in einem Verpackungsunternehmen

1. Ausgangspunkt

Im Rahmen einer Auftragsabwicklungs-Reorganisation bei der Firma PAPRO/CAFAG, Fribourg/Schweiz, sollte ein Instrumentarium geschaffen werden, das es gestattet, neben einem effizienteren Verwaltungsablauf der Fertigungsaufträge eine sofortige Nachkalkulation auf der Basis der Deckungsbeitragsrechnung durchzuführen.

Dabei ging man davon aus, daß ein EDV-Einsatz nur sinnvoll ist, wenn der damit verbundene Aufwand in vertretbaren Grenzen gehalten werden kann, eine arbeitsplatz-orientierte Datenerfassung gewährleistet ist und über die schon genannte Applikation hinaus noch folgende Aufgaben mittels Dialogverarbeitung simultane abgewickelt werden können:

- Vorkalkulation mit Angebotsvorschlägen

- Lagerartikel-Bewirtschaftung

- Materialbewirtschaftung

- Finanzbuchhaltung und Kostenrechnung

2. Ausarbeitung des Pflichtenheftes

Es wurden die einzelnen Aufgaben mit ihrem Umfang (Anzahl der Geschäftsvorfälle) spezifiziert und die Kriterien mit Gewichtung ausgearbeitet, die bei der Auswahl herangezogen werden.

2.1. Hauptanforderungen

- Die Möglichkeit, mindestens verschiedene, simultane Verarbeitungen einwandfrei laufen zu lassen,

- Das Vorhandensein eines vollständigen, anwenderfreundlichen Datenbanksystems, das den Codasyl-Normen entspricht.

2.2. Zusatz-Beurteilungskriterien mit Gewichtung

Zusatz-Kriterien Gewichtung*

- Hardware Technologie 4

- Peripherie Technologie 5

- Software-Unterstützungssysteme 8

- Programmiersprachen 3

- Anwender-Softwarepaket 1

- Applikations-Softwareaufwand 7

- Erweiterungsmöglichkeit 2

- Anwenderfreundlichkeit 6

* höhere Zahl = höheres Gewicht

Es wurde jedem Hersteller für jedes Kriterium nach dem Ergebnis des Unterlagenstudiums eine Punktzahl zugeordnet und mit der Gewichtung des Kriteriums multipliziert.

3. Konfigurationsvorgabe

Folgende Konfiguration wurde zur Lösung der eingangs definierten Zielsetzung vorgesehen und als Angebotsbasis den Herstellern mitgeteilt:

Hardware:

1 Processor mit ca. 32-64 k-Bytes

1 Disk-Massenspeicher mit ca. 20 MB

1 Magnetband-Einheit

1 Drucker 200 Zeilen/Minute

1 System-Konsole

2 Terminals Ó 1920 Zeichen

Software:

Echtzeitverarbeitungs-Software Data-Base-System programmierbar in Fortran, Cobol oder Basic

4. Herstellerauswahl

Es wurden insgesamt 16 Firmen kontaktiert und eingeladen, ihre Produkte zu präsentieren und Offerten einzureichen - was 12 Hersteller auch getan haben (siehe Spalte 1 der Tabelle). Kienzle, Olivetti und Wang teilten mit, daß sie keine Anlage anbieten könnten, die die Aufgabenstellung erfüllen würde.

5. Ergebnis

Die von den einzelnen Herstellern, zur Verfügung gestellten Unterlagen wurden einer eingehenden Überprüfung unterzogen, die Beurteilung der Betriebssysteme, der Datenbanksysteme sowie die Leistungsfähigkeit der Peripherie hat ein neutraler Elektronikfachmann vorgenommen.

Das Ergebnis der nach den genannten Gesichtspunkten durchgeführten Evaluation geht aus der Grafik hervor.

Es kann eigentlich nicht überraschen, denn Prozeßrechner sind aufgrund ihrer Konzeption für Direktverarbeitung wie auch für kommerzielle Anwendungen sehr interessant geworden. Ein weiterer wesentlicher Gesichtspunkt ist die Tatsache, daß diese Systeme erheblich billiger sind als konventionelle Datenverarbeitungseinlagen.

Gewisse Nachteile bestehen bei den Prozeßrechnern dahingehend, daß die einzelnen Hersteller kaum Erfahrung im kommerziellen Einsatz mitbringen und sogenannte Standard-Softwarepakete weitestgehend nicht vorliegen. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, daß die angebotenen Standard-Softwarepakete von konventionellen Datenverarbeitungs-Herstellern bekanntlich auch nur begrenzt einsatzfähig sind - etwa im Bereich der Lohn- und Gehaltsabrechnung, in der Finanzbuchhaltung und zu einem gewissen Teil in der Materialwirtschaft. Sofern man individuelle und anspruchsvollere Lösungsideen anpackt, ist es besser, das eigene Konzept in Programme umzusetzen und auf Standard-Software zu verzichten - insbesondere wenn die Hersteller komfortable Datenbank-Systeme mitliefern.

Von seiten der konventionellen Datenverarbeitung wird, wie gesagt, argumentiert, daß die Prozeßrechner-Hesteller zwar hochwertige Hardware und Peripherie liefern, daß aber die mitgelieferte Software bei ihnen schlechter ist als im Bereich der konventionellen Datenverarbeitung.

Diese Argumente stimmen nur noch zum Teil. Auch sie liefern heute leistungsfähige Betriebssysteme mit.

Die sogenannten Mainframer bringen zum Teil auch leistungsfähige Systeme auf den Markt, liegen aber preislich gegenüber den Minis zu hoch.

Interessant, daß sich das System 3 von IBM nur durch einen unglaublich hohen Preis auszeichnet - ein System, das ursprünglich für Batch-Verarbeitung konzipiert war.

Auch die MDT versucht sich mehr und mehr mit Dialogverarbeitung, die bislang vorliegenden Ergebnisse sind jedoch im Vergleich mit den Minis eher bescheiden.

* Klaus Thiel ist Unternehmensberater, München