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03.11.2015 - 

Paket-Zustellung

Google bringt Drohnen an den Start - Starship setzt auf Mondfahrzeuge

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Google hat angekündigt, ab 2017 Pakete mit Hilfe von Drohnen zustellen zu wollen. Einen anderen Ansatz verfolgt das von Skype-Gründern ins Leben gerufene Startup Starship, das Pakete mit kleinen Robotern auf sechs Rädern zustellen will.

2017 hofft Google, in der Drohnenzukunft anzukommen. Dann sollen US-Kunden erste Sendungen mit den unbemannten Flugkörpern zugestellt bekommen. Welche Geschäftsmodell Google dabei verfolgt, und ob der Internetriese dann auch massiv in den E-Commerce einsteigen will oder lediglich einen neutralen Zustelldienst plant - diese Fragen blieben bislang unbeantwortet.

David Vos, der Googles "Project Wing" verantwortet, sagte, sein Unternehmen sitze mit der Federal Aviation Administration (FAA) und anderen Behörden zusammen, um über die Rahmenbedingungen zu verhandeln und ein Luftverkehrskontroll-System für Drohnen zu entwickeln. Das Ziel: Mithilfe von Mobilfunk- und Internet-Technologien sollen unbemannte Flüge in einer Höhe unterhalb von 152 Metern kontrolliert und sicher stattfinden können.

Drohnenverkehr in den USA ab 2016 reguliert

"Unser Ziel ist es, eine kommerzielles Geschäft im Jahr 2017 am Laufen zu haben", sagte Vos auf einer Veranstaltung für Luftverkehrssicherheit, die unweit von Washington stattfand. Als Co-Chairman der FAA kennt der Manager die rechtliche Situation in den USA sehr gut: Endgültige Regeln für kommerzielle Paketzustellungen in der Luft sollen dort Anfang nächsten Jahres verabschiedet werden, schreibt "The Guardian". Binnen zwölf Monaten werde dann ein "Drohnenregister" geschaffen, das die Betreiber identifiziert und sicherstellt, dass die Flugobjekte vom offiziellen Luftverkehr ferngehalten werden.

Googles "Project Wings" sieht vor, Pakete in einer Höhe von unter 152 Metern mit Drohnen zuzustellen.
Googles "Project Wings" sieht vor, Pakete in einer Höhe von unter 152 Metern mit Drohnen zuzustellen.
Foto: Google

"Wir glauben, dass wir in den nächsten drei, sechs, zwölf Monaten eine Menge erreichen können", sagte Vos. Google arbeite nicht nur mit der FAA, sondern auch mit der kleineren UAV Community (UAV = Unmanned Aerial Vehicles) zusammen. Außerdem strecke man die Fühler überall in der Luftfahrtbranche aus, um weiterzukommen. Bis zum 20. Dezember 2015 wolle die Obama-Administration ein Drohnenregister schaffen. Das sei der erste Schritt zu einem System, das Wireless-Technologien und Mobilfunk-Apps nutze, um Drohnen zu identifizieren und sie von Flugzeugen und dem kontrollierten Luftverkehr fernzuhalten. Google würde es begrüßen, den "Class-C"-Luftraum (bis 152 Meter Höhe) für den kommerziellen Drohnenflugverkehr freizuhalten.

Amazon.com will in 60 Minuten liefern

Amazon Prime Air: So sieht sie aus, Amazons Lieferdrohne.
Amazon Prime Air: So sieht sie aus, Amazons Lieferdrohne.
Foto: Amazon.com

Neben Google beschäftigen sich zahlreiche weitere Firmen, nicht nur aus dem Silicon Valley, mit der Paketzustellung via Drohnen. Zuerst hatte sich Amazon mit der Idee hervorgetan: 2013 teilte der E-Commerce-Riese mit, man wolle in vier bis fünf Jahren so weit sein, bis zu 2,5 Kilo schwere Pakete mit "Octocopters" in maximal 60 Minuten zustellen zu können. Der entsprechende Dienst wurde als "Amazon Prime Air" bezeichnet.

Alibaba testet Drohnen

Anfang 2015 meldete sich dann der chinesische E-Commere-Gigant Alibaba mit der Ankündigung, Drohnen in seinen Niederlassungen in Peking, Shanghai und Guangzhou zu testen. Es folgte der ebenfalls chinesische Suchmaschinen-Riese Baidu, der die Tochtergesellschaft "Baidu Takeaway" gründete, um gemeinsam mit dem chinesischen Drohnenhersteller Ehang einen Lebensmittellieferdienst via Drohnen ins Leben zu rufen.

Wal-Mart steigt in den Ring

Inzwischen hat sich in den USA auch Wal-Mart bei der FAA um eine offizielle Genehmigung bemüht, Drohnen testen zu dürfen. Hier geht es nicht nur um die Zustellung von Paketen an die Kunden, sondern auch um die interne Organisation beim Einzelhandelskonzern - beispielsweise das konzerninterne Beliefern von Lagern und Märkten.

DHL Paketkopter 2.0: Post lässt Pakete per Drohne zustellen (c) DHL
DHL Paketkopter 2.0: Post lässt Pakete per Drohne zustellen (c) DHL
Foto: DHL

Hierzulande hatte sich im Sog der Amazon-Ankündigung schon 2013 die Deutsche Post zu Wort gemeldet. Man teste den Versand via Drohnen, habe aufgrund der schwierigen rechtlichen Rahmenbedingungen aber noch keine konkreten Pläne. Es gebe keine rechtliche Grundlage, um Drohnen für Zustellungszwecke kommerziell nutzen zu können, hieß es. Schlagzeilen machte vor gut einem Jahr immerhin der Pilotversuch, Medikamente mit Hilfe eines "Paketkopter" zu einer Apotheke auf die Nordseeinsel Juist zu liefern.

Statt Drohnen: ein Roboter auf vier Rädern

Dass es nicht immer Drohnen sein müssen, sondern manchmal auch einfache Roboter auf Rädern ihren (Liefer-)Dienst tun können, versucht derzeit das Startup Starship Technologies zu beweisen, das von den Skype-Mitgründern Ahti Heinla und Janus Friis ins Leben gerufen wurde. Ihre Vision ist ein kleines Gefährt auf sechs Rädern, das von einem zentralen Service-Hub aus in einem Radius von einer Meile Pakete von bis zu 10 Kilo Gewicht zustellen kann.

Starship setzt zunächst auf die Lieferung von Lebensmitteln, denkt aber auch über andere Pakete nach. Wie "Fast Company" berichtet, sollen die Zustellkosten um den Faktor fünf bis 15 günstiger sein, als wenn Menschen die Pakete austragen müssten. Ein Dollar pro Lieferung ist die Kosten-Größenordnung, die Starship erreichen möchte.

"Dynamik der letzten Meile ändern"

"Jedes Jahr erhalten Amerikaner und Europäer rund 20 Milliarden Lieferungen", sagt Starships Chief Commercial Officer Keith Cornell im Gespräch mit Fast Company. "Unser Konzept ist es, die Dynamik der letzten Meile mit Hilfe unserer Roboter zu ändern." Anwender sollen einfach in Supermärkten ordern und über die Starship-App eine Lieferung per Roboter buchen können. Das kleine Gefährt macht sich zu einer ausgemachten Uhrzeit - wenn der Empfänger daheim ist - auf den Weg. Es fährt vom zentralen Hub los, navigiert sich durch die Straßen zum Kunden und liefert das Paket ab.

Mit solchen Zustell-Robotern will Starship Technology an den Start gehen.
Mit solchen Zustell-Robotern will Starship Technology an den Start gehen.
Foto: Starship Technology

Starship will sich zunächst in Dörfern sowie Klein- und Vorstädten mit nicht mehr als 1000 Haushalten pro Quadratmeter behaupten. Die Roboter werden mit der Komplexität verkehrsreicher Metropolen mit zahlreichen Fußgängern noch nicht fertig. Immerhin sind sie in der Lage Hindernissen, auch Menschen und Haustieren, auszuweichen und sich an Ampeln und Verkehrszeichen zu orientieren. Außerdem werden sie an den Service-Hubs so eingestellt, dass sie einer bestimmten, sicheren Route folgen können.

Und wenn die Fahrzeuge gestohlen werden? Über einen eingebauten Lautsprecher können Servicemitarbeiter den Dieb ansprechen und zur Rückgabe auffordern. Bleiben sie erfolglos, kann das Gefährt dank GPS lokalisiert und die Polizei eingeschaltet werden.

Starship hofft, dass die Roboter zu 99 Prozent autonom unterwegs sein und nur in einem Prozent der Fälle menschliche Eingriffe erforderlich werden. Im frühen Pilotstadium bedarf es allerdings noch reichlicher menschlicher Unterstützung. Bis Ende 2016 sollen die Lieferanten auf sechs Rädern aber schon zu 90 Prozent zuverlässig liefern.

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