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30.01.2004 - 

Amazon, Ebay, Google und Yahoo stecken ihre Claims ab

Google facht den Goldrausch wieder an

Während Google mit seinem bevorstehenden Börsengang die Phantasien der Finanzwelt beflügelt, heizen Yahoo und Ebay mit hohen Wachstumsraten die Goldgräberstimmung im Internet wieder an. Die Erwartungen der Analysten und Investoren sind groß. Sie fordern mehr Geschäft und zusätzliche Angebote. Der Kampf um die besten Claims hat begonnen.

"Google ist eine Maschine zum Gelddrucken", analysiert David Menlow, President von IPOfinancial.com, einem auf Börsengänge spezialisierten Marktforschungsunternehmen. Unter den derzeitigen Vorzeichen könnten die Verantwortlichen nahezu jeden Preis für ihre Aktien verlangen.

Mit Spannung blickt die Finanzwelt dem für April dieses Jahres angesetzten Börsengang entgegen. Die Erwartungen sind groß. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase gab es schon lange keine spektakulären Going Publics mehr. Daher sei es nicht nur das Geld, das diesen Börsengang zum wichtigsten des gesamten Jahrzehnts mache, prophezeit Roger McNamee, Managing Director der Investmentgruppe Silver Lake Partners. "Google ist weltbekannt, und die Nachfrage nach den Aktien wird jeden Rahmen sprengen."

Rätselraten um Googles Zahlen

Analysten taxieren den Wert des Unternehmens auf 15 bis 20 Milliarden Dollar. Der Börsengang könnte Google selbst etwa vier Milliarden Dollar einbringen. Der wahre Wert der Company lässt sich jedoch nur schwer einschätzen, da das Unternehmen bislang keine Zahlen veröffentlichte. Experten gehen von einem Jahresumsatz zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Dollar aus. Der jährliche Profit könnte den Schätzungen nach 150 bis 300 Millionen Dollar betragen.

In die Euphorie mischen sich jedoch auch warnende Stimmen. Viele Beobachter befürchten, der Hype könnte zu einer starken Überbewertung von Google führen. Sollten sich nach dem Börsengang die hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllen, drohen Enttäuschungen und der schnelle Absturz an der Börse. Danny Sullivan, Herausgeber des auf Suchmaschinen spezialisierten News-Dienstes "Search Engine Watch", warnt das Google-Management davor, die Suchfunktionen unter dem Druck der Investoren mit Zusatzangeboten zu verwässern.

Erste Tendenzen in diese Richtung zeichnen sich bereits ab. Neben "Froogle", einem auf Shopping-Angebote spezialisierten Suchdienst, bietet Google seit einigen Monaten auch einen News-Dienst an. Dabei werden Hunderte von Internet-Seiten automatisch durchsucht, Nachrichten eingesammelt und nach bestimmten Rubriken geordnet auf der Google-Site präsentiert. Gerüchten zufolge arbeiten die Entwickler bereits an weiteren Diensten. So soll als nächstes eine Kontaktbörse folgen. Auch ein Service, der bezahlte Werbung mit E-Mail-Newsletters verknüpft, sei geplant.

Google dürfe darüber jedoch nicht die Weiterentwicklung der eigenen Suchmaschine vernachlässigen, mahnt Sullivan. Damit würde das Unternehmen den in den vergangenen Jahren gewonnenen Vorsprung leichtfertig aufs Spiel setzen. Denn der Erfolg hat bereits die Begehrlichkeiten der Internet-Konkurrenten geweckt. Vor allem Portalanbieter Yahoo arbeitet seit Monaten mit Hochdruck daran, in Sachen Suchmaschinentechnik auf eigenen Beinen zu stehen. Bislang werden die Suchanfragen der Yahoo-Nutzer mit Google-Technik abgewickelt. Das soll sich bald ändern. Begonnen hatte Yahoos neue Strategie bereits im Dezember 2002 mit der Übernahme von Inktomi. Yahoo schluckte den Suchmaschinenanbieter für 235 Millionen Dollar. Im Sommer vergangenen Jahres folgte der Kauf von Overture. Yahoo ließ sich den Spezialisten für an Suchbegriffe angepasste Werbeanzeigen - auch als Sponsored Links bekannt - rund 1,6 Milliarden Dollar kosten. "Wir haben hart daran gearbeitet, diese Techniken zu integrieren und eigene Suchalgorithmen zu entwickeln", erläuterte Chief Financial Officer (CFO) Susan Decker. Noch im ersten Quartal 2004 sollen diese Anstrengungen Früchte tragen. "Yahoo wird eine eigene Suchmaschine anbieten", kündigte Decker an.

Yahoos Kündigung trifft Google, das bislang etwa 200 Millionen Suchanfragen täglich bearbeitet, kurz vor dem Börsengang zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Nach Einschätzung der Analysten von Comscore Media Metrix werden sich die Machtverhältnisse im Suchmaschinensegment deutlich verschieben. Den Marktforschern zufolge wickelt Google derzeit aufgrund verschiedener Partnerschaften etwa 80 Prozent aller Suchanfragen im Internet ab. Ohne Yahoo dürfte dieser Anteil auf knapp über 50 Prozent zusammenschmelzen. Yahoo selbst könnte künftig mit einer eigenen Search Engine über 40 Prozent des Web-weiten Suchaufkommens auf seine Seiten ziehen.

Direkte finanzielle Auswirkungen hat das Ende der Partnerschaft vorerst nicht. Experten zufolge zahlt Yahoo jährlich weniger als zehn Millionen Dollar Lizenzgebühren für die Nutzung der Suchtechnik. Das große Geld bringt Google die Werbung. Nach Einschätzung des Interactive Advertising Bureau (IAB) geben US-amerikanische Werbekunden bereits knapp ein Drittel ihres jährlichen Online-Werbeetats von rund 1,7 Milliarden Dollar für speziell an Suchbegriffe angepasste Werbeeinblendungen aus. Bis 2007 könnte der weltweite Markt für Sponsored Links laut Einschätzung der Analysten von Bancorp Piper Jaffray auf etwa sieben Milliarden Dollar wachsen. Von diesem Kuchen könnte sich Yahoo künftig ein größeres Stück sichern.

Yahoos Kassen sind prall gefüllt

Geld für die neuen Internet-Entwicklungen in den vor kurzem gegründeten Yahoo Research Labs scheint es schon heute genug zu geben. Für das Gesamtjahr 2003 wies das Internet-Portal einen Umsatz in Höhe von 1,62 Milliarden Dollar aus. Das entspricht einer Steigerung von 71 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit einem Gewinn von 238 Millionen Dollar traf Yahoo genau die Erwartungen der Analysten. Vor einem Jahr stand noch ein Plus in Höhe von knapp 43 Millionen Dollar zu Buche.

Obgleich die Vorgaben der Wallstreet damit punktgenau erfüllt wurden, zog sich Yahoo den Unmut der Börse zu. Die Finanzwelt kreidete der Internet-Company an, die Erwartungen nicht übertroffen zu haben. Nach Bekanntgabe der Ergebnisse sackte Yahoos Aktienkurs um vier Prozent nach unten. Das macht deutlich, welchen Druck Analysten und Investoren auf die Internet-Companys ausüben. Verwöhnt von den bisher exorbitanten Wachstumsquoten fordern sie, bestehende Geschäftsfelder auszubauen und neue zu eröffnen, damit das Tempo gehalten werden kann. Nur dann reicht die Phantasie der Anleger aus, um im Fall Yahoo einen Börsenwert von 36 Milliarden Dollar zu rechtfertigen.

Angestachelt von diesem Druck versucht Yahoo, über das Portal und den Suchmaschinenbereich hinaus seine Fäden im weltweiten Netz zu spinnen. Die Verantwortlichen planen beispielsweise, die Suche im Netz stärker zu personalisieren und zugleich mit Shopping-Angeboten zu verknüpfen. Auch im Bereich Online-Auktionen will sich Yahoo künftig profilieren. Der Portalanbieter kündigte an, noch in diesem Jahr gemeinsam mit dem chinesischen Website-Betreiber Sina einen Online-Auktionsservice im Reich der Mitte zu starten. Yahoo betreibt bereits ähnliche Angebote in Taiwan und Hongkong. In Japan ist es Yahoo bislang sogar gelungen, in Sachen Online-Auktionen den Branchenprimus Ebay auf Distanz zu halten.

Auch Ebay versucht, über Kooperationen einen Fuß in die Tür des viel versprechenden chinesischen Auktionsmarktes zu bekommen. Wer letztendlich das Rennen macht, bleibt abzuwarten. Analysten zufolge gewinnt in Asien der Anbieter, dem es als erstem gelingt, eine kritische Masse an Käufern und Verkäufern auf seinen Auktions-Sites zu vereinen.

Ebay legt deutlich zu

Weltweit hatte Ebay damit bislang mehr Erfolg. Der Online-Auktionator verfolgte in den vergangenen Jahren die Wachstumsstrategie, lokale Anbieter von Online-Versteigerungen aufzukaufen und unter der weltweit agierenden Marke Ebay zusammenzuführen. Die Zahlen scheinen diese Taktik zu bestätigen. Ebay legte zuletzt glänzende Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2003 vor. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs der Umsatz um 78 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar. Den Gewinn steigerte das Auktionshaus um 77 Prozent auf knapp 442 Millionen Dollar.

Die Ebay-Community wächst derweil in immer neue Dimensionen. Mit knapp 95 Millionen registrierten Nutzern und rund 41 Millionen aktiven Ebay-Teilnehmern hat das Internet-Auktionshaus seine Kundenzahl gegenüber dem Vorjahr um rund 50 Prozent gesteigert. Um mehr als 60 Prozent ist der Wert der über Ebay gehandelten Waren im Jahresvergleich gewachsen. Das Transaktionsvolumen erreichte im vergangenen Jahr weltweit einen Wert von insgesamt 24 Milliarden Dollar.

Analysten verlangen Wachstum

Trotz der guten Zahlen sieht sich auch Ebay mit skeptischen Analysten konfrontiert. Sie warnen bereits davor, dass Ebay sein Wachstumsniveau, das einen Börsenwert von gegenwärtig 44 Milliarden Dollar rechtfertigen würde, kaum wird halten können. Als Beleg führen sie die Steigerungsraten früherer Quartale an. Demnach konnte Ebay seinen Umsatz im dritten Quartal 2003 im Jahresvergleich noch um 84 Prozent steigern. Im Abschlussquartal 2002 präsentierten die Verantwortlichen sogar eine Steigerung der Einnahmen von 89 Prozent.

Auch trüben mittlerweile einige dunkle Wolken den ansonsten strahlenden Ebay-Himmel. So scheiterten die Verantwortlichen bei dem Versuch, die koreanische Internet Auction Inc. zu übernehmen. Für Unmut unter den Nutzern sorgte die Ankündigung Ebays, die Gebühren für das Einstellen von Verkaufsobjekten zu erhöhen. Auch die wachsende Zahl von Betrugsfällen macht den Verantwortlichen zu schaffen. Zwar ist der Anteil gemessen an den insgesamt abgewickelten Transaktionen gering. Ziel der Betrüger sind jedoch meist teure Waren wie Autos oder Computer. Instrumente wie die Bewertungsprofile, die bislang ein gewisses Maß an Sicherheit geboten haben, wurden von Hackern ohne großen Aufwand ausgehebelt. So berichtete jüngst die COMPUTERWOCHE-Schwesterzeitschrift "PC-Welt", wie sich Bewertungen mit Hilfe eines Javascripts manipulieren lassen, das beim Erstellen eines Angebots angehängt wird. Für die Zukunft von Ebay werde es entscheidend sein, ob es den Verantwortlichen gelingt, die Nutzer vor den Betrügern zu schützen, warnt Meta-Group-Analyst Gene Alvarez.

Ebay-Chefin Meg Whitman will von den Unkenrufen der Analysten nichts wissen. Das sich abschwächende Wachstum begründet sie mit dem mittlerweile erweiterten Umfang ihres Unternehmens. Firmen von der Größenordnung Ebays könnten nicht mit der gleichen Geschwindigkeit wachsen wie junge Startups. Außerdem übertreffe Ebay mit seiner Entwicklung nach wie vor renommierte IT-Größen wie Microsoft und andere Blue Chips: "Die langfristigen Aussichten könnten nicht besser sein."

Martin Bayer, mbayer@computerwoche.de

Hoffnung bei Amazon

Der Internet-Shopping-Pionier Amazon tut sich nach wie vor schwer. Zwar stand im dritten Quartal 2003 mit 15,6 Millionen Dollar ein Plus unter dem Strich. Die vorausgegangenen Quartale hatte Amazon jedoch mit roten Zahlen beendet. Die Verantwortlichen hoffen auf das traditionell starke Weihnachtsquartal, dessen Zahlen bis Redaktionsschluss noch nicht vorlagen.

Prognosen zufolge rechnet Amazon für Q4 mit einem Umsatz zwischen 1,76 und 1,91 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 155 Millionen Dollar. Im Weihnachtsquartal 2002 nahm der Online-Händler 1,4 Milliarden Dollar ein und verbuchte einen Gewinn von 2,6 Millionen Dollar. Erste Informationen aus dem Vertriebsbereich stützen die Erwartungen. Amazon spricht von dem erfolgreichsten Weihnachtsgeschäft aller Zeiten.

Auch Amazon bemüht sich, seine Geschäftsfelder zu erweitern. Nachdem in den vergangenen Jahren die eigene Angebotspalette kontinuierlich ausgebaut wurde, sollen künftig verstärkt Partner integriert werden. Der Online-Händler will sich als Shopping-Mall im Internet präsentieren. Bereits heute offeriert der Online-Händler seine Einkaufsplattform. Unternehmen wie zum Beispiel der Spielzeuganbieter Toys''R Us wickeln ihre Online-Geschäfte darüber ab.

Allerdings würden die meisten Internet-Nutzer nicht direkt die Shopping-Seiten aufsuchen, sondern zuerst über Suchmaschinen den günstigsten Preis erfragen, räumt Firmenchef Jeffrey Bezos ein. Um künftig als erste Anlaufstelle im Netz die Gunst der Online-Käufer zu gewinnen, möchte Amazon eine eigene Suchmaschine entwickeln. Das Tochterunternehmen A9 hat im Oktober 2003 mit 30 Entwicklern seine Arbeit aufgenommen. Ziel sei es unter anderem, die Technik auch an andere Unternehmen zu lizenzieren. Wann mit ersten Ergebnissen zu rechnen sei, wollten Amazon und A9 nicht verraten.