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24.11.2005

Google kann die Karriere killen

Constantin Gillies 
Mogeln im Lebenslauf gilt nicht mehr. Personaler können im Internet die Vergangenheit der Bewerber genau erforschen.

Jobsucher Michael W. hat ein Problem: In seinem Lebenslauf klafft ein halbes Jahr Arbeitslosigkeit. Wie kaschiert man solche Lücken? Natürlich mit ein wenig Bewerbungskosmetik. W. verschiebt die Daten in seinem Lebenslauf so lange, bis die Erwerbsbiografie wieder lückenlos erscheint. Und zunächst funktioniert die Masche auch - allerdings nur, bis ein Arbeitgeber auf die Idee kommt, den Namen des jungen Mannes in eine Internet-Suchmaschine einzugeben. Hier erfährt der überraschte Personaler, dass sein Bewerber anscheinend die Bilokation, also an zwei Orten gleichzeitig zu sein, beherrscht: Während er laut Lebenslauf nämlich noch am Schreibtisch saß, lief er gleichzeitig beim New York Marathon mit. Das jedenfalls verrät die Teilnehmerliste im Netz.

Hier lesen Sie …

• warum Personaler mit Hilfe des Web Lebensläufe kontrollieren;

• wie Bewerber ihre karrierefeindlichen Spuren aus dem Netz beseitigen können;

• was Jobsuchende tun sollten, um im Internet positiv aufzufallen.

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www.computerwoche.de/go/

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So managen Sie Ihr Image im Netz

• Geben Sie Ihren Namen regelmäßig in eine der großen Suchmaschinen ein, mit und ohne Anführungszeichen. Richten Sie einen Google-Alert ein, der über neue Einträge informiert (www.google. com/alerts).

• Denken Sie auch an alte Homepages und Blogs. Archive wie die Wayback-Machine (www.archive.org) reichen bis ins Jahr 1996 zurück!

• Für Ihr Image schlechte Einträge sollten Sie vom jeweiligen Seitenbetreiber löschen lassen. Hier gilt: Freundlich und beharrlich bleiben; unter Umständen haben Sie nämlich keinen rechtlichen Anspruch darauf, dass der Webmaster Ihrer Bitte Folge leistet. Die Betreiber von Suchmaschinen direkt anzusprechen hat keinen Sinn.

• Wenn eine Löschung der Web-Spuren nicht möglich ist: Schaffen Sie Ihr eigenes Image im Netz, etwa indem Sie einen eigenen Weblog einrichten. Gut verlinkte Blogs rücken in den Ergebnislisten der Suchmaschinen schnell nach oben und verdrängen unerfreuliche Einträge.

Fälle wie dieser aus den USA häufen sich. Der Grund: Statt mit einem Blick aufs Passfoto beginnt die Kandidatenauswahl heutzutage mit einem Griff zu Tastatur und Maus. So zutage geförderte Spuren im Internet können den gewünschten Karriereschritt scheitern lassen. Denn ganz gleich, ob Fotos vom Trinkgelage in der Studentenverbindung, alte Lebensläufe oder Meinungsäußerungen in Foren - das Web steckt voller Informationen, von denen die Betroffenen oft gar nichts wissen. Und vieles, was dort schlummert, kann für Bewerber zur Bedrohung werden.

"Wir nutzen natürlich auch das Netz", bestätigt Klaus Christians von IIC-Partners, München, einer Personalberatung, die vor allem Hightech-Firmen bei der Besetzung von Stellen hilft. Unverblümt nennt der Headhunter den Grund: "In Lebensläufen wird heute viel mehr geschönt als noch vor zehn Jahren."

Hinter vorgehaltener Hand pflichten dem viele Personalprofis bei. Vor dem Bewerbungsgespräch wird allerorts gründlich gegoogelt. Zugeben will das natürlich keiner, und so bleiben nur Hinweise von Szenekennern, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen: Von Microsoft etwa ist bekannt, dass die Personalabteilung gerne und oft die Möglichkeiten moderner Datenbankrecherche nutzt. Der Großkonzern General Electric (GE) lässt Kandidaten sogar von externen Profis durchleuchten. Ein solcher Backgroundcheck beginnt bei Google und endet auf der Terror Watch List der USA. Allen Dementis zum Trotz besteht also kein Zweifel daran, dass Google & Co. längst zum Standardwerkzeug in der Rekrutierung gehören: Die Betreiber der amerikanische Metasuchmaschine Dogpile fanden per Umfrage heraus, dass sich rund die Hälfte aller geschäftsrelevanten Suchanfragen um potenzielle Angestellte drehen.

Es ist ja auch so einfach. Oft genügen Sekunden, um herauszufinden, wo ein LebenslaufVerfasser das bewerbungsübliche Prinzip der "extended truth" übertrieben hat. Unterschlagene Arbeitgeber, unrühmliche Abschiede oder gar weitere phantasievolle Versionen des Lebenslaufs kommen so ans Tageslicht. Und diese digitale Vergangenheit ist hartnäckig. So konnte eine amerikanische Lehrerin lange Zeit keine neue Stelle finden, weil sie von ihrem letzten Arbeitgeber entlassen worden war. Das Sitzungsprotokoll der Schulleitung stand im Internet.

Was das Internet so gefährlich macht, ist sein gutes Gedächtnis. Denn wie auf dem PC gilt auch im Netz: Gelöscht ist nicht gleich weg. Verblichene Web-Seiten sind zum Beispiel im Google-Cache oft noch lange abrufbar. In diesem Zwischenspeicher konserviert die Suchmaschine jede Web-Seite in der Form, in der sie zuletzt erfasst wurde. Hier eingefrorene Seitenversionen sind mitunter noch Wochen online, nachdem die Originale gelöscht wurden.

Noch weiter zurück reicht das Gedächtnis der so genannten Wayback Machine, eines amerikanischen Internet-Archivs, das seit 1996 regelmäßig große Teile des Web abspeichert. US-Anwälte nutzen das Werkzeug gerne und häufig, etwa bei Domain-Streitigkeiten. Ein Hintergrundcheck im digitalen Archiv ist jenseits des Atlantiks so verbreitet, dass die Juristen sogar schon ein eigenes Wort dafür haben: "Let’s do a Wayback."

Jobsucher sind also in Zukunft gut beraten, nicht nur einen sauber abgehefteten Lebenslauf einzuschicken, sondern auch für ein makelloses Profil im Netz zu sorgen. Gefragt ist dabei vor allem Vorbeugung: Viele Surfer unterschätzen, wie schnell sie Spuren im Cyberspace hinterlassen. Dabei reicht schon ein Autritt bei einer Konferenz - und Kurzvita, Telefonnummer sowie Titel stehen im Netz. Ein Artikel aus der Mitarbeiterzeitung macht Abteilung und Spezialgebiet öffentlich. Ein Foto vom letzten Klassentreffen entlarvt die Seilschaft aus Schulzeiten. All diese Informationen wandern, oft ohne eigenes Zutun, ins Netz - und können spätere Lebenslauf-Lügen gnadenlos entlarven. "Jeder Arbeitnehmer muss sich heute dessen bewusst sein", rät Stefan Keuchel von Google Deutschland.

Die neue Kaste der Ungooglebaren

Diese Spuren gilt es zu verwischen - oder zumindest zu managen. In den USA wirkt es mittlerweile fast wie ein Statussymbol, nur spärlich im Netz vertreten zu sein. Die neue Kaste der digital Diskreten hat sogar schon einen Namen: the Ungooglables, die Ungooglebaren.

Für die meisten IT-Profis ist es unzweckmäßig, im Web unsichtbar zu werden, schließlich kann die Präsenz im Netz auch eine Empfehlung sein. Es geht vielmehr darum, mit den richtigen Einträgen zu erscheinen und Fettnäpfchen wegzuräumen, in die man getreten ist. Für einen Überblick reicht es meist, den eigenen Namen in mehrere Suchmaschinen einzugeben (mit und ohne Anführungszeichen) sowie einen Google-Alert einzurichten. Dieser praktische und obendrein kostenlose Service schickt dem Nutzer automatisch eine Mail, sobald ein von ihm definierter Suchbegriff neu in den Ergebnislisten von Google auftaucht.

Weblog verbessert Image

Sind die Minen geortet, geht es an die Entschärfung. Grundsätzlich besteht immer die Möglichkeit, das eigene Image im Netz auf die harte Tour zurechtzubiegen, das heißt: Alle unerwünschten Einträge löschen zu lassen. "Wenden Sie sich an den Betreiber der Web-Seite, auf der Sie erwähnt sind", rät Google-Mann Keuchel, "nur der kann die Adresse aus dem Index entfernen lassen." Auch das Wayback-Archiv tilgt Einträge nur auf Bestreben des jeweiligen Homepage-Besitzers.

Diese Methode dauert aber lange und ist nicht ohne Risiken. "Das kann eine Entrüstungswelle hervorrufen, die sich durch kritische Einträge in Weblogs immer höher türmt", warnt Sten Franke, Geschäftsführer bei der Hamburger Agentur Ethority. Seine Firma hilft Unternehmen dabei, ihren Online-Ruf zu verbessern. Frankes Erfahrungen gelten aber auch für Privatpersonen, die in ihrer jeweiligen Community bekannt sind: Wer als Möchtegern-Zensor auftritt, provoziert unter Umständen weitere, berufschädigende Web-Spuren.

Statt der Dampfhammer-Methode empfiehlt Franke, die Werkzeuge des Internets selbst in die Hand zu nehmen. Wer etwa einen Weblog eröffnet, signalisiere Dialogbereitschaft und Medienkompetenz. "Solche direkte Kommunikation stößt auf positive Resonanz." Angenehmer Nebeneffekt: Wird der eigene Weblog oft zitiert, rückt er auf der Google-Ergebnisseite nach oben und verdrängt unerwünschte Sites auf die hinteren Ränge.

Nur im Notfall Einträge löschen lassen und ansonsten selbst für positive Treffer sorgen - so sieht also das optimale Reputations-Management im Internet aus. Denn gegoogelt wird heutzutage früher oder später. Das musste auch Google-Chef Eric Schmidt erfahren. Reporter des Nachrichtendienstes Cnet hatten unlängst die Suchmaschine genutzt, um im Privatleben des CEO zu graben - mit Erfolg. Sie fanden nicht nur Details über Schmidts Vermögensverhältnisse, Hobbies und Wohnort heraus, sondern auch, dass der Big Boss schon einmal am "Burning Man" teilgenommen hat - einem freizügiges Hippiefestival, das jährlich in der Wüste von Nevada stattfindet. (hk)