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04.08.2006

Google statt wackliger Mail-Server

Thomas Springer 
Mit "Google Mail für Ihre Domain" können kleinere Firmen und Organisationen ihr Mail-System vollständig an Google auslagern. Der Dienst finanziert sich über Werbung.

Die Profivariante von Googles Mail-Service erlaubt im Gegensatz zur Consumer-Version den Empfang und Versand von Nachrichten unter ihrer eigenen Internet-Domäne. Anstatt des sonst obligatorischen user@ gmail.com sieht GMail for your Domain also Adressen des Typs user@meinefirma.com vor.

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Abwicklung über Google-Server

Kunden stellen dazu den MX-Eintrag im Domain Name Server (DNS) um und wickeln dann ihre gesamte E-Mail über die Google-Mail-Server ab. Der Administrator verwaltet die Benutzerkonten über ein Web-Frontend, wo er unter anderem Alias-Namen vergeben und die Login- seite in engen Grenzen gestalten kann. Diese Möglichkeiten beschränken sich indes auf eine eigene Farbgebung und Firmenlogos. Mit dem Betrieb der Server-Infrastruktur dagegen haben Google-Kunden nichts mehr zu tun.

Technisch und optisch ist der Mail-Dienst mit GMail identisch und bietet bis hin zur Integration von "Google Calendar" und der Instant-Messaging-Software "Google Talk" alles, was die Anwender von der Consumer-Variante kennen: eine Ajax-basierende Web-Oberfläche zur Verwaltung von E-Mails, 2 Gigabyte Speicherplatz pro Benutzer, ausgefeilte Suchfunktionen, Etiketten für Nachrichten oder ein integriertes Adressbuch. Als Mail-Client werden die meisten Kunden vermutlich das Web-Frontend einsetzen, die Nutzung herkömmlicher Mail-Clients über POP 3 und SMTP ist jedoch ebenfalls möglich. Imap unterstützt Google bis dato jedoch nicht.

Administration und Verwaltung

Die Rolle des Administrators lässt sich beliebig vielen Nutzern zuweisen. Viel können sie derzeit jedoch nicht einstellen: Es können Konten, Alias-Adressen und Mailing-Listen eingerichtet und gelöscht werden. Außerdem kann ein Systemverwalter eine Auffangadresse vergeben, an die unzustellbare E-Mail gesandt wird. Eine größere Zahl von Benutzern lässt sich auf einen Rutsch über das Hochladen einer Tabelle im CSV-Format einrichten.

Google legt die Obergrenze für das Maximum an Benutzerkonten derzeit willkürlich fest. Bewerber können ihren Bedarf zwar angeben, aber die Web-Company hält sich nicht immer daran: Während unserem Wunsch nach 25 Nutzern voll entsprochen wurde, erhielten andere Bewerber statt der gewünschten 1000 Zugänge nur 500. Gezählt werden hier nur die echten Konten, Alias-Adressen können unbeschränkt vergeben werden.

Datenschutz

Es gibt derzeit keine eigenen Richtlinien oder Bedingungen für die Nutzung des neuen Dienstes. Datenschutz- und Nutzungsbedingungen sind mit denen von "Google Calendar", "Google Talk" und Google Mail identisch. Auch wenn dort keine groben Fallstricke versteckt sind, dürften angesichts der Datensammelwut des Suchmaschinengiganten viele potenzielle Kunden misstrauisch sein. Allerdings benötigt nur der Administrator einer Mail-Domäne ein echtes Google-Konto, das sich für das Single-Sign-on für sämtliche Google-Services eignet. Daher kann Google die Aktivitäten eines angemeldeten Benutzers verfolgen, beispielsweise jede seiner Suchanfragen eindeutig der betreffenden Person zuordnen. Die vom Administrator eingerichteten Nutzerkonten dienen hingegen ausschließlich für den Mail-Zugang und erlauben nicht das Anmelden an weiteren Google-Diensten. Die Trennung geht so weit, dass man in einem Browser gleichzeitig bei einem normalen GMail-Account und GMail for your Domain Konto angemeldet sein kann.

Wie bei der Consumer-Version von GMail blendet auch die Firmenvariante auf einigen Seiten unaufdringliche Textwerbung ein. Von Werbetexten, die beispielsweise Microsofts "Live Mail" automatisch in versandte E-Mails einfügt, bleiben Google-Kunden und deren Adressaten jedoch verschont.

Groupware-Funktionen geplant

Der mit dem Nutzerkonto automatisch eingerichtete Kalender ist derzeit nicht über das Menü, sondern nur über eine gut versteckte URL erreichbar. Der Zeitplaner bietet exakt die gleichen Funktionen wie der Google Calendar. Groupware-Erweiterungen wie etwa Nutzergruppen und bessere Integration kündigt Google auf den Hilfeseiten bereits an. Auch ein gemeinsames Adressbuch sucht man derzeit noch vergebens. Mit von der Partie ist auch das Instant-Messaging-Tool "Google Talk", dessen Kommunikationsfähigkeiten ohne zusätzliche DNS-Einträge auf andere Google-Talk-Teilnehmer beschränkt bleiben - eine Voreinstellung, die manchen Administratoren gar nicht so unrecht sein dürfte.

Voraussetzung für die Nutzung des Dienstes ist, dass der MX-Record der Kunden-Domain auf die Mail-Server von Google zeigt. Für viele kleinere Firmen und Organisationen dürfte dies die größte Hürde sein, da die DNS-Einträge meist nur vom Internet-Service-Provider (ISP) zu ändern sind und die großen deutschen Massenanbieter derartige Leistungen nicht vorsehen. Während bei kleineren ISPs oft ein Telefonanruf genügt, bedurfte es für die Anpassung unserer Testdomäne bei Strato mehrerer Faxe, eines neuen Reseller-Vertrags und einer Umstellung auf eine separate DNS-Verwaltung.

Wer sich mit dem Gedanken trägt, die E-Mail an Google auszulagern, sollte im DNS nicht nur den MX-Eintrag ändern, sondern auch die Daten für das Sender Policy Framework (SPF) eingeben. Sonst könnte beim Empfänger ein streng konfigurierter Spam-Filter die ausgehenden Mails blockieren, weil sie über Google im Namen von Dritt-Domains versandt werden.

Ein weiteres Problem dürfte derzeit die Datenübernahme aus anderen Applikationen sein. Die dafür vorgesehenen rudimentären Tools können zwar Kalender oder Adressbücher zwar für einzelne Konten aus Outlook oder anderen Programmen importieren - dies muss jedoch für jeden Nutzer einzeln von Hand erledigt werden.

Fazit

Wer Googles Datensammelwut misstraut oder per E-Mail vertrauliche Informationen verschickt, dürfte nach wie vor gut beraten sein, seine elektronische Post über eine eigene Server-Infrastruktur abzuwickeln.

Für viele kleinere Firmen, Organisationen oder Vereine jedoch könnte ein kostenloser, einfach zu verwaltender Service wie GMail for your Domain interessant sein. Er lässt sich in wenigen Minuten einrichten, die Oberfläche ist vielen Nutzern schon bekannt. Neue Konten werden über ein Browser-Frontend einfach angelegt, und der Dienst ist mit allen gängigen Mail-Programmen nutzbar. Arbeit und Kosten für Konfiguration, Betrieb, Backup und Updates eines Servers entfallen vollständig.

Ein breiter Betatest für den Dienst, der bereits Anfang des Jahres angekündigt wurde, hat im Juli begonnen. Interessenten können sich unter http://www. google.com/hosted für die Teilnahme bewerben. (ws)